Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Bettln, 5. September 191$ SZ. Jahrgang. Nt. 36 eitrmg des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint rp Scheut! ich. Abonnements-Preis: durch den Buch. Handel oder die Post (in Berlin und vor. orten durch unsere Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3tH — Postscheckkonto 32<$. Begründet von Rabbiner Dt. Ludwig Pbilippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition stnd an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin BW, Jerusalemer Straße ^6-^9, zu richten. Verlag von Rudolf rNofse Berlin. Tltth£|lt* Äößen der Antisemiten. Von Dr. I. St. — Die Woche. — ijllljull* Ein ernstes Wort in ernster Zeit an ernste jüdische Männer und Frauen. Von Sidonie Werner. — Jehoschua (Schie) F'einsin-ger. Von Musikdirektor Aron Friedmann. — Darwin, Ostjudentnrn und Altes Testament. Aus „N. W. I." — Jüdische Märchen. Von Dr. Willy (5ohn (Breslau). — Feuilleton: Benjamins Liebeslied. Roman von Samuel M e i s e l s. — Literarische Mitteilungen. Der Gemeindebote (Beilage der „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Beelitz, Köpenick, Danzig, Kattowitz, Hamburg, Oldenburg, Bremen, Leipzig, Steinhorst, Frankfurt a. M., Prag, Warschau. — Von Nah und Fern. Lügen der piUilrmitrn. Von Dr. I. St. (Schloß.) üge Nr. 7: Die Juden haben nichts erfunden und überhaupt nichts Bahnbrechendes auf kulturellem Gebiet geleistet. Im „Antisemiten-Katechismus" heißt es: „Die jüdische Raffe hat erwiesenermaßen niemals Werkzeuge geschaffen, nie etwas erfunden, nie eine bauende und gestaltende Tätigkeit entw i ck e l t, nie eine eigene Kunst und Kultur erzeug t." Die Widerlegung: Diese in den Kundgebungen des „vornehmen" Antisemitismus immer wiederkehrenden Behauptungen gehen auf Aeußerungen Voltaires und La gar des zurück. Ist aber nicht das Buch der Bücher, die B i i> e I, jüdischen Ursprungs? Die Bibel, die Goethe als „ein ewig wirksames Buch" bezeichnet hat und von der Konstantin Brunner ebenso schon wie zutreffend sagt, sie sei „die wirksamste, in alle anderen Literaturen, in alle Kunst, in alles Leben aller Völker tiefst eingreifende Literatur, welche durch all die Generationen aller Zeiten hindurch in allen Reihen der Lebendigen, von den Königen bis zu dm letzten Bauernknechten, lebendig gewesen, die einzige wirklich tiefst lebendige Literatur von immer noch unäusgeschöpftem geistlichen und sittlichen Erweckungswert". Es ist natürlich unmöglich, die Namen auch nur der hervorragendsten jüdischen Finder, Erfinder und Bahnbrecher namhaft zu machen, die ihre Namm zum dauernden Gedächtnis in das Buch der Weltgeschichte eingetragen haben. Namentlich aus dem Gebiete der Medizin und der Naturwissenschaften dürfen die Inden den Vergleich mit keiner anderen „Rasse" der Welt scheuen. Um nur einige Beispiele aus der allerneuesten Zeit anzuführen, so haben auch alldeutsch und antisemitisch orientierte Leute Männern wie dem Baukünstler Messel, dem Komponisten Mahler und dem Physiker Heinrich Hertz neidlos das Prädikat „genial" zuerkannt. Auch die allerneuesten Verfahren zur Stickstosfgewinnung der Herren Haber, Frank und Caro, die einen der großartigsten Fortschritte der letzten Jahre darstellen, sind durchweg jüdische Erfindungen. Und mag auch Herr Adolf Bartels aus seiner deutschvölkischen Froschperspektive heraus Heine als kein Genie, sondern nur als Nachahmungstalent hinstellen, der Jude Heine wird auch dann noch als großer deutscher Dichter gefeiert und anerkannt werden, wenn Herr Max Bewer und andere deutschvölkische Barden der verdienten Vergessenheit anheimgefallen sein werden. Lüge Nr. 8: Nach dem „Hammer" des Herrn Theodor Fritsch gab der Z ionistenko ngreh von 1909 seinen Mitgliedern den Auftrag, durch vernunftwidrige Maßnahmen das öffentliche Leben der Staaten zu verwirren, um die Völker in sich uneinig zu machen und dadurch die A u fri ch tu n g d er jüdischen Oberherrschaft zu erleichtern. Die Widerlegung: Dieser Z io nisien ko n g reß samt seinem famosen Beschluß ist ebenso eine böswillige antisemitische Erfindung wie das berühmte San heb rin von 1846, auf dem Moses Montesiore die Parole der jüdischen Weltherrschaft «u s g e g eben haben soll, die angebliche Großrabbinerredein einer angeblich auf dem I u d e n s r i e ü - Hof i n Prag im Jahre 1880 abgehaltenen geheimen Versammlung, die 1891 von antisemitischen Blättern verbreitet worden ist und die dann bei der russischen Progromhetze des Jahres 1908 in Millionen von Exemplaren überall in Rußland verteilt wurde, so daß ein großer Teil der Schuld an den damals in Rußland verübten Greneln aus ihr Konto zu setzen ist, die Ungarische jüdische Generalsh nodev o n 18 66, auf welcher man sich auf die Lehren der jüdischen Geheimbücher verpflichtet haben sollte, der gefälschte Ausruf Cremieux', des Leiters der „Alliance", der als Ziel festgesetzt habe, daß „die jüdische Lehre eines Tages die ganze Welt erfülle", und die Zuversicht ausgesprochen Habe, daß „der Dag nicht fern sei, wo die Reichtümer der Erde ausschließlich den Juden gehören werden", samt der lügnerischen Ausstreuung über Crvinieux, daß er im Jahre 1871 eine Milliv nF ranken auf den Kopf Kaiser Wilhelms 1. ausgesetzt habe, die Pariser Tagung des Zionisten- Bundes 1910,der die radikale En t e ignu n g all e r Christen beschlossen haben soll, der Lemberger I udenk o n g r e ß 1912, der angeblich über die Aera einer zukünst ig e n jüd i s chen Weltherrschaft Beschlüsse gefaßt hat, ein erfundener A u f ru f de r „A l l i a n c e I s r a v l i t e" und die angebliche Neue Internationale Banken- Alliance 1913, die die Zertrümmerung der Monarchien und den Antritt der Weltherrschaft der Hochfinanz angekündigt haben soll. Hinter der Erfindungsgabe, die allen diesen grotesken antisemitischen Märchen zugrunde liegt, bleibt die vielzitierte „orientalische Phantasie der Juden", über die sich die Herren Antisemiten so oft und so gern