Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 ihm zu Hilfe, doch geleng es nicht, -den Unglücklichen von den Solidaten, zu befreien. Er blieb am Schluffe des Kampfes, von sieben Bajonettstichen durchbohrt, tot am Boden liegen. Es handelte sich um den Mischen Händler Silb-erzweig. Bei den: Kampf wurden noch sieben andere Juden schwer verwundet. Am Tage der Beerdigung des Opfers der polniscl-en Soldaten schlossen die Lodzer Juden zürn Zeichen der Trauer in der Hauptgeschäftszeit von 10 -bis 12 Uhr vormittags sämtliche Läden. Bezeichnend für die antisemitische Gesinnung des Lodzer Polizeimeisters Zbrozek, der aus Galizien stammt, ist, daß im Anschluß an die Ausschreitungen eine ganze Anzahl von Inden verhaftet wurde. ~~ Die Lodzer jüdische Gemeindeverwaltung sandte eine Abordnung an den Botschafter Morgenthau, der Oberrabbiner Tre i stm min und die Herren I a r o c i u s t i, Biale v und H i r s rl) b e r g nngehören. Von Mah und Fern. n Das soeben ausgegebene Personalverzeichnis der Berliner Universität für das Sommersemester 1919 verzeichnet zum erstenmal wieder seit nahezu 20 Jahren unter den Privatdozenten der philosophischen Fakultät den Namen von Dr. Leo A r o n s. Jur Januar 1900 hatte das preußische Kultusministerium, an dessen Spitze damals Herr Bosse stand, dein Privatdozenten der Physik Dr. Leo Arons aus Grund einer besonderen, als Lex Arons unrühmlich betamrtgelvovdenen Verordnung die Lehrbefugnis wegen erklärter Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei entzogen, obwohl sich die philosophische Fakultät, als nächste Urteilsinstanz, gegen die vom Vorgesetzten Ministern lnn geforderte Enthebung erklärte. Schon bald nach Ausbruch des Krieges hatte die philosophische Fakultät ans Grund eines einstimmigen Beschlusses bei dein Kultusministerium den Antrag gestellt, Dr. Arons die Lehrbefugnis au der Universität aufs neue zu erteilen, doch konnte sich der geschätzte Gelehrte damals mit Rücksicht ans seine angogrifsene Gesundheit nicht entschließen, von der ihm gebotenen Möglichkeit einer Neuhabilitation Gebrauch zu machen.. Ebenso lehnte er nach der Revolution den ihm vom Ministerium jür Wissenschaft und Volksbildung angebotenen Professortitel ak Nil ilmehr hat dieses Ministerium, wie es scheint aus eigenem Antriebe, die Wiedereinsetzung des Dr. Arons in seine Privatdozenten-Stellung verfügt. — Dem Overassistenten am Zahnärztlichen Institut der Universität Berlin, Zahnarzt H. I. M a m t v k, wurde das Prädikat Prosessvr verliehell. - Rechtsamoalt Tr. Brlmv Blau in Berlin ist zum Notar ernannt worden. -. Die „Deutsche Tageszeitung" atmet erleichtert auf. Der Herr Landwirtschaftsminister Brau n teilte! ihrem Berichterstatter in Weimar mit, daß er von beiderseits christlichen Eltern abstammt. „Diese Feststellung", schreibt das genannte Blatt, „wird in den Kreisen der deutschen. Landwirtschaft, die politisch und wirtschaftlich an Herrn Brauns Amtsführung allerschärfste Kritik üben müssen, wenigstens insofern eine Erleichterung verschaffen, als das niederdrückende Gefühl, daß die jetzige Aera im Landwirffchaftsmmisterinm obendrein noch unter j ü d i s ch e r A e g i d e steht, dadurch beseitigt wird." - Bankie r M a x Jaffa, der Begründer des lxckännten Berliner Bankhauses Jaffa n. Lew in, ist im Alter von 54 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. Er gehörte zu den bekanntestell Berliner Privatbankiers und galt bei seinen Berufsgenvssen in allen Börsenulld Finanzfragen als Autorität ersten Ranges. Seine großzügige Wohltätigkeit lvar sprichwörtlich. Er hat besonders die Arbeiten der Logen U.O.B.B. gefördert, mit denen er vor zwölf Jahren das Jaffasche Fürsorge- und Waisenheüu begründete, dem er dauerndes tätiges Interesse gewidmet hat. - In oberschlesischen Gruben- und Hüttenbetrieben arbeiten in größerer Zahl jüdische junge Leute allS dem benachbarten Polen mit emsigem, von den Verwaltungsvorständen gern anerkanntem Fleiß ulld Eifer. Sie sind allen Streikgelüsten abhold, erfüllen ihre religiösen Pflichten uub besonders die des 4. Gebots: Sechs Tage sollst du arbeiten! - In Warschau erschien eine jüdische Abordnung aus Posen unter Führung .des Oberradbiners Fr ei mann. In einer Unterredung lvies dieser daraus hin, daß es im Posener Gebiet kaum 3 Prozent Juden gäbe, aber daß diese Juden 45 Prozent aller Steuern des Gebietes culfbrächten. Die judenseindliche Stimmung der Polen kann auch durch solche Tatsachen in keiner Weise gemildert werden. Der Posener „Posten,p" bemerkt zu der, Worten Freimanns: lvenn dieser Prozentsatz der Steuern der Wirklichkeit entspräche, so wisse inan doch, daß die Juden die ganze Stadtwirtschaft in Posen in der Hand Hütten und aus den Lieferungen, Bauten usw. ihve Millionen gewännen. Wenn die Polen mehr verdienen lverden, roerden sie auch mehr Steuern bezahlen, sogar für die Juden, wenn diese mit sich packen möchten." — Am 8. d. M. verstarb in Leipzig Herr Hugo Cohn, ein sehr verdientes Mitglied des Vorstandes der Jsraeliiti'schen Religionsgeineinde. — Der Seniorchef des Bankhauses Anton K o h n in Nürnberg, der Kommerzienrat Georg K oh n, ist im Alter von 63 Jahren hiersekbst gestorben. — Am 27. und 28. August findet in Würzburg in der „Alhambra" die Generalversammlung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern statt. — Der „Jüdische Bote vonl Rhein" berichtet: Die Gemeinde Bonn hat beschlossen, die Erinnerung an ihre in, Weltkrieg gefallenen Söhne aus doppelte Weise zu ehren. In der Synagoge soll eine Marmortasel angebracht lverden, die die Namen aller gefallenen Bonner Juden enthält, Auf dem Friedhof soll die Ehrenreihe der dort begrabenen Soldaten eine gemeinsame Umfassung und einen gemeinsamen Grabstein erhalten. Die Entwürfe sind bereits sertiggestellt; man hofft, daß zu den Feiertagen der Gedenkstein in der Synagoge angebracht ist. Die gärtnerischen Anlagen auf dein Friedhof und die Fertigstellung des Grabsteins werden etwas länger dauern. - Herr Josef Ster n in Münster i. W., Ehrenpräses der Marks-Haindorff-Stistung, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. — Rabbiner Dr. Cahn in Fulda beging am 16. August die Vollendung des 70. Lebensjahres. — Wie die „Humanite" meldet, hat die französische Regierung kurzerhand zahlreiche „Russen", will sagen Juden, aus Frankreich ausgewiesen oder, loie man es nennt/ repatrie. Mit Entrüstung weist die „Hnnmnito" auf die unglaubliche Behandlung dieser Juden hin, die seit langer Zeit in Frankreich leben rrnid dort ruhig ihre Geschäfte betreiben, bis sie eines Tages unter denr Vorwände, Bolschewisten zu sein, in Konzentrationslager gesperrt uitb dann nach Rußland abgeschoben werden, wo ihrer, sofern sie den Armeen Koltschaks oder Denikins tu die Hände fallen, sicher kein angenehmer Empfang harrt. Die „Liga für Menschenrechte" hat bei der Regierung gegen diese zaristischen Methoden protestiert. — In London wird jetzt eine Tallmidausgabe mit einer großen Anzahl von Erklärungen gedruckt. Die Mischna wird mit Vokal isierung und der Talmud selbst sowie Raschi und Tossesoth mit teilweiser Jnterpunktierung gedruckt. Am Schlüsse befindet sich , ein Wörterbuch mit Uebersetzung aller schlveren Ausdrücke und Sätze. Preis des Gesamtwertes ist 28 Psd. Sterl.Aus Lemberg wird gellieldet: Sämtliche jüdische Beamte — zwei- bis dreitausend Lehrer, Eisenbahnlind Postbeamte — sind von der polnischen Regierung > entlassen worden, weil sie pflichtgemäß während der ukrainischen Herrschaft auf ihren Posten ausharrten. Die Familien der Entlassenen sind bitterer Not preisgegeben. — Die „Morningpost" meldet aus Warschau, daß Polen eine sehr wichtige Maßregel für die Sicherheit der Juden in Polen ergriffen hat. Aus die Anregung Paderewskis hin wurden mehr als 40 Kriegsgerichte errichtet, die alle Personen innerhalb 24 Stunden nach deren Verhaftung aburteilen müssen, die eines Vergehens gegen die Juden beschuldigt werden. Diese Kriegsgerichte sollen über Militär- und Zivilpersonen rechtsprechen und hinsichtlich des zu fällenden Urteils große Freiheit genießen. — Wie die „Times" nielden, ist Air. B a st e r, der leitende Sekretär des syrisch-palästinischen Hilfswerkes von einem dreimonatigen Besuch aus Palästina und Syrien, wo er die Hauptzentren der Hilfstätigkeit inspizierte, zurückgekehrt. Nachdem von ihm erstatteten Bericht hat sich Palästina bereits in weitem Ausmaß von -den Wirkungen des Krieges erholt.und das Hilsswerk ist dort, abgesehen von der Waisensürsorge, abgeschlossen. — In Nr. 3967 der „Leipziger Illustrierten Zeitung" veröffentlicht Dr. Hermann Bücher einen Artikel über „Heuschreckenbekämpfung in Anatolien und Syrien während des Krieges". Die angeführten mechanischen Bekärnpsungsmittel, durch die in der Türkei , im Jahre 1917. etwa 85 000 000 Kilogramm Heuschrecken vernichtet wurden, dürften auch in Palästina erfolgreich angewendet werden, um die Ernte vor der Schistocera peregrina zu schützen. — Das „Preßbureau Radio" meldet aus New Uork, daß der Direktor des Amerikanisch-jüdischen Hilfsausschusses R o s e n f e l d niitgeteilt hat, daß alle am Hilfswerk für die Juden beteiligten New Yorker Agenturen gemeinsam versuchen lverden, ün Dezember 750 000 Dollar aufzubringen, um für notleidende Juden in Osteuropa Kleider, Lebensmittel und Arzneien zu liefern. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxFahrntänder, Reukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.