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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-08-15 · Heft 33 (15.8.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 33 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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„daß sich der bevorstehende Wahlkampf vornehmlich i-m. Zeichen des nationalistischen Schlagwortes ab spielen dürfte. Hie national — hie nicht national — wird die Parole der Wahlkampagne sein. ' La nicht alle politischen Gegner der Nationalisten das nationale Moment im Judentum negieren, so konnte für die Part-eienvereinigung keine antinationale bzw. assimilatorische Bezeichnung gewählt werden. Sie deklarieren sich ganz einfach als nichtnational, womit sie ihre Stellung gegenüber den Nationalisten, die mit Hochdruck auf die Eroberung der Gemeinde losgehen, klar darlegen". „Daß die Orthodoxie gegebenenfalls sich keineswegs darauf beschränken wird, eine negative Parole auszugeben, sondern mit einem positiven Programm vor die Oefsentlichkeit treten werde, braucht nicht erst besonders betont zu werden. Die Orthodoxie verfügt ja seit jeher über ein klares, umfassendes Kultusgemeindeprogramm: . die Kultusgemeinde muß und soll eine religiöse Institution fein, in erster Reihe dazu berufen, die reli? giösen Interessen des Judentums zu wahren und für die restlose Befriedigung der religiösen Bedürfnisse Sorge zu tragen. Kein wie immer geartetes modernes Schlagwort wird die organisierte Orthodvrie dazu verleiten, von den obigen Richtlinien abzugoh-en." Von Kah und Fern. — „Die Inden im Weltkriege" nannte sich ein Flugblatt, das zur massenhaften Verteilung in Berlin bestimmt war. Der Inhalt dieses Flugblattes hatte die Tendenz, die Tätigkeit der Inden im Feldheer, an der Front und in der Etappe sowie in der Heimat in aufreizender Weise bloßzustellen. In einem objektiven Verfahren gegen dieses Flugblatt, in welchem der Buchhändler Stadtverordneter WarthemaN'N Zum Termin als Interessent geladen, aber nicht erschienen war, verfügte die 6. Ferienkanuner des Landgerichts I die Einziehung der seinerzeit beschlagnahmten Exemplare des Flugblattes. —- Dr. Hermann Pick, Bibliothekar an der Staatsbibliothek, ist in Anerkennung seiner Verdienste der Professortitel verliehen worden. — Pros. Tr. Karl N e u b e r g, außerordentlicher Professor für Chemie an der Universität Berlin und Mitglied des Kaiser-Wilhelm- Jnstituts für experimentelle Therapie in Berlin-Dahlem, ist zum ordentlichen Honorarprofessor in der Berliner philosophischen Fakultät ernannt worden. Der bekannte Chemiker ist Begründer und Herausgeber der „Biochemischen Zeitschrift" und verfaßte u. a. mit Albu bas „Handbuch des Ntineralstofswechsels" (1906), „Beziehungen des Lebens zum Licht" (1916) und „Die Gärungsvorgänge und der Zuckernlnsatz der Zelle" (1916). — Dr. Hans Schirotauer, Oberarzt und erster Assistent der -6. medizinischen Universitätsklinik (Direktor: Prof. Dr. Goldscheider), ist zum Professor ernannt worden. — Ter außerordentliche Professor für innere Medizin an der Berliner Universität und Direktor des Instituts für Untersuchungen mit Röntgenstrahlen. Geh. Med.-Rat Dr. Emil Grunmach ist im 71. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene, der aus Schwetz in Westpreußen gebürtig war, hatte in Berlin unter Traube und Dir Bois Rehmond studiert und war nach seiner Approbation, viele Jahre hindurch Assistent und zeitweise Leiter der Universitäts-Poliklinik für innere Krankheiten. Im Jahre 1888 zum Professor ernannt, wandte er sich gleich nach der Entdeckung der. Röntgenstrahlen der Verwertung derselben für die innere Medizin zu, so daß ihm 1897 die Leitung des neu errichteten staatlichen Röntgen-Instituts übertragen wurde. Zahlreiche Abhandlungen über die diagnostische und therapeutische Verwertung der Röntgenstrahlen bezeugen die Fortschritte, die diese Lehre ihm zu verdanken hat. Andere seiner Arbeiten befaßten sich mehr mit physiologischen Fragen, insbesondere mit der Physiologie und Pathologie des Herzens und des Pulses. — Unter der Redaktion des Herrn G. Cohn erscheint feit einigen Wochen in Berlin eine freie Wochenschrift in jüdischer Sprache: „Der Freitag". Die Wochenschrift ist unparteiisch. — Aus Posen wird uns geschrieben: Frau Rabbiner C a r o, die lange Jahre hindurch mit ihrem verstorbenen Gotten in unserer Gemeinde sich betätigte, verließ unsere Stadt, um sich dauernd in Frankfurt a. M., wo ihre Verwandten wohnen, niederznlassen. Zu Ehren der allgemein geachteten und beliebten Frau Rabbiner fand eine Abschiedsfeier im Verein Agudas Jisruel, dem Ernste der Zeit und dem bescheidenen Sinn der Scheidenden entsprechend, in engem Kreise statt, beiwelcher Gelegenheit verschiedene Kundgebungen zum Ansdruck kamen. Auch von anderer Seite wurden der Scheidenden 'Ansmerksamkeiten zuteil. Der verdienten Frau wünschen mir einen ungetrübten Lebendsabend ad multos annos! — Im Greifenalter von 84 Jahren starb hier Herr Rentier Paul K a e m p f e r. Unter großer Anteilnahme fand die Beerdigung statt. Die Leichenrede hielt Herr Gemeinderabbiner Prof. Dr. Bloch. — Wie aus Breslau gemeldet wird, ist der Großkaufmann Rudolf Petersdorff, Begründer und Inhaber der Modewarenhäuser gleicher Firma in Posen, Königsberg und Breslau, im Alter von 50 Jahren gestorben. Nach dem Verkauf seines Posener Stammunternehmens infolge der politischen Umwälzung sozialisierte er vor wenigen Monaten sein Geschäft derart, daß alle Angestellten am Geschäftsgelvinn t-eilnehmen. — Die kleine Gemeinde Dörrmoschel (Pfalz) hat im Krieg schwere Opser bringen müssen: Von den vier zürn Heeresdienst Eingezogenen sind drei den Heldentod gestorben. -- Ihren 80. Geburtstag beging am 28. v. M. Frau Mathilde Mainz geb. Mainz' in Frankfurt a. .M-. Zahlreiche Gratulationen und Ovationen von nah und fern bewiesen die allseitige Beliebheit der greisen Jubilarin, die sich einer staunenswerten körperlichen und geistigen Frische erfreut. — Fräulein Anna F l e k l e s , eine stramme ge setz es treue Jüdin, Abkömmling, des berühmten Rabbi Eleasar Flekles in Prag, wurde am 21. Juli d. I. im Festsaale der Wiener Universität mit Allszeichnung zur Doktorin der Philosophie promoviert. — Am 17. Juli starb in Wien der allgemein geachtete Ataterialverwalter 0er israelitischen Knltnsgemeinde Herr Joses Steiner im 76. Lebensjahre. Seine vorzügliche Bildung und seine Neigung sür die schönen Künste, die er aus feiner Studienzeit an der Akademie der bildenden Künste sich bewahrt hatte, schufen in feinem arbeitsreichen Leben zwischen der Wirklichkeit des imnler tätigen Beamten und dem Streben des Aestheten, die in ihn: verkörpert waren, eine anziehende Harmonie. In Mußestunden hat er nicht unbedeutende Porträts geschaffen. Unter zahlreicher Beteiligung fand am 20. Juli die Beerdigung statt. Rabbiner Tr. Gr unw a ld hielt an der Bahre einen ergreifenden Nachruf, und im Namen des Kultusvorstandes sprach Landesschulrat Dr. Markus Spitzer Worte des Abschieds. Für die Verbandsleitung der Kultusgemeinde widmete der Obmann Herr Jakob Krausz -dem Verstorbenen Worte des Gedenkens. — Die „Alliance Israeli te" wandte sich mit einer Rundfrage über die Pogrome gegen die Juden an alle französischen Armeeführer in den Ländern des ehemaligen Rußland. Der Zweck der Enquete ist die Feststellung der Schuldigen an den Pogromen. Es langten bereits mehrere Antworten ein. Das Ergebnis dieser Rundfrage wird demnächst veröffentlicht werden. — Nach einer Meldung der „Continental Times" beabstchtigien die dem Londoner Jews College nahestehenden englischen Kreise, an ihrer Spitze Lord R o t h s ch i l d und Lord S w a y t h l i n g, die englische Judenheit zur Schaffung eines Fondsvon 1 000 000 Pfd. Sterl. auszufordern, der den Namen „Kriegsgedächtnisfonds der britischen Juden" führen und der dazu dienen soll, die jüdische Erziehung -und die jüdische Wissenschaft in England zu fördern sowie ferner' die Lage der Rabbiner zu verbessern. — In Ostgalizien, hauptsächlich in dem von Ukrainern bewohnten Gebiet, wo die Juden bisher im polnisÄpukrainischen Kampfe sich neutral verhielten, haben die Polen angefangen, Juden zwangsweise zum Militärdienst heranzuziehen. Gegenwärtig werden die Jahrgänge 1894 und 1895 rekrutiert. Da diese Maßnahme eine Verletzung der jüdischen Neutralität bedeutet, hat die Delegation des ostgal-izischen Jüdischen Nationalrates dagegen den schärfsten Protest erhoben. — Die zahlreichen jüdischer! landwirtschaftlichen Kolonien im Kreise Jekaterinoslaw, die dort seit 80 Jahren bestehen, sind jetzt in eine verzweifelte Situation geraten. Die Truppenabteilungen des Generals Denikin, die, aus dem DongMet kommend, diese Gegend erreichten, haben einige Kolonien vernichtet. Andere Abteilungen, welche sich zwischen den Arineen- .Grigoriew und Petliura befinden, die ihrerseits keine Kontrolle über das Land besitzen, ziehen unter Plündern und Morden von Kolonie zu Kolonie. Die Zahl der Opfer ist sehr bedeutend. — Wie der Warschauer „Hajnt" meldet, wurden mittels Dekretes der Sowjetregierung sämtliche jüdischen K u l t u s g e w e i n - den in Rußland für immer aufgehoben. Sämtliche Fonds und Stiftungen, die das Eigentum dieser Gemeinden bilden, sowie ihr ganzes totes und lebendes Inventar gehen in den Besitz des bolschewikischen Kommissariats für jüdische Angelegenheiten über. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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