Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229392-3229420--75054-3287539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 Bürger finden Weeden und es möge ihre Internierung anfgchobew werden. Der Leiter des erwähnten Komitees erklärte, er hoffe, daß die Frage der. polnischen Juden bald günstig erledigt werden wird. — Tie „Times" betonen in einem redaktionellen Leitartikel den tiefen. Eindruck, den der von den Juden Amerikas veranstaltete Trauertag auf die öffentliche Meinung ausgeübt hat. Der Brief Lord Robert Eecils an das die Protestmeetings in England veranstaltendes Komitee beweise, daß die englische Regierung bereit ist, ihre Pflicht' gegenüber der Menschheit und der Freiheit vollkommen zu erfüllen. Tie „Times" raten den Polen und den Juden, endlich Frieden zu schließen ltitb sich in gemeinsamer Tätigkeit für das Wohl des Landes zu vereinigen. — Die Zionistische Föderation Englands hat alle zionistischen Vereinigungen des Königreiches anfgesordert, am 29. Juli allgemein Dr. Nordaus Geburtstag in gebührender Werse zu feiern und zu diesem Zwecke spezielle Versammlungen einzuberufen, wobei Reden über die großen Leistungen Nordaus für den Zionismus gehalten werden sollen. (Mar Nordau befindet sich bekanntlich seit Kriegsausbruch in Madrid.) — „Jewish Ehronicle" bringt in ihrer Nummer vom 20. Juni folgende Mitteilungen: Alls dem zionistischen Meeting, das zu Ehren von Frau E. S. Kadoorie in Shanghai abgehalten wurde, schlug Richter Charles S. Löbingier eine Stiftung in Palästina zum Gedächtnis der verstorbenen Frau vor: ein Vorschlag, der von dem Vorsitzenden, Edward I. Ezra, warm befürwortet wurde. Aus einer Versammlung der Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gemeinde in Shanghai, die am 11. April stattfand, wurde einstimmig die Gründung einer großen Kolonie in Palästina zum Gedächtnis von Frau Kadoorie beschlossen. Ein Vorschlag wurde gemacht und einstimmig angenommen, daß die ,,Ehinesisch-Jüdische Kolonie" in Palästina, für lvelche die Shaughaier Gemeinde tin vergangenen Jahr 5000 Pfund aufgebracht hatte, in eine Laura-Kadoorie-Kolonie umgelvandelt lverde und daß die Zuschüsse hierfür auf 10 000 Pfund erhöht werden sollen. Es besteht die Absicht, diesem -ausgezeichneten Vorschlag sofort in die Tat umzusetzen; die zur Ausführung erforderlichen weiteren 5000 Pfund sind an den Jewish Colonial Trust überwi-esen worden. Ungefähr 18 Monate später bot Herr Kadoorie Herrn Dr. Weizmann an, hi Jerusalem ein .Hospital größeren Umfangs 31t errichten. Auch dieses soll den Namen seiner verstorbenen Frau tragen. Von Sah und Fern. — Eine Stiftung f ü r bedürftige jüdische Herzk r a 11 k e ist der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde zugefallen. Der verstorbene Rentier Oskar Gerechter hat der Jüdischen Gemeinde letztwillig 100 000 Mark vermacht, deren Zinsen für Behandlung und Unterstützung jüdischer Herzkranker aus dem Mittelstände bestimmt sind. Die Bewerber um Beihilfen aus dieser Stiftung müssen Juden sein. Die Verteilung der Zinsen soll nach vorheriger Ausschreibung an solche Bittsteller erfolgen, die ihre Krankheit durch ein ärztliches Attest Nachweisen können. Wann die »eile Stiftung, die den Namen „Oskar-und-Tilde-Gerechter-Stiftung" führt, in Wirksamkeit tritt, ist noch nicht bestimmt. — Zu den mannigfachen Ehrungen, die Herrn Professor Braun (Breslau) anläßlich seines 70. Geburtstages zuteil geworden sind, gehört auch, wie die „Jüdische Volkszeitung" (Breslau) mitteilt, eine Stiftung, die seine Neffen, die Herren Fabrikbesitzer E m i l und Rudolf Stein in Berlin, zum Gedächtnis an ihren Großvater, den verstorbenen Rabbiner Salomon Braun in Schneidemühl, mit einem Grundstock von 5000 Mark ins Leben gerufen haben. Die Summe soll nach dem Wunsch des Jubilars dem Kuratorium der Fraenkelschen Stiftung überwiesen und der Zinsertrag zur Herausgabe der yinterlassenen halachischen Schriften des Verewigten und zur Vermehrung der halachischen Literatur in der Bibliothek des Iüdisch-theol0gischeu Seminars zu Breslau verwandt werden. — Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek, Oranienburger Straße 58, ist in der Zeit vom 10. Juli bis 10. August von 10X> bis 1 j/> Uhr geöffnet. — Im Berliner Leichenschauhause fand vorigen Freitag nachmittag eine L e i che n f e i e r für den erstochenen französischen Sergeanten Manheim statt. Die sranzösische Miliktärkvmmission war hierbei durch einen General, mehrere Offiziere und Soldaten vertreten. Die religiöse Feier fand, da Manheim israelitischer Konsesßon war, burch einen hiesigen Rabbiner statt. — Während des Deutschnationalen Parteitages wurde vor den. Türen der Philharmonie ein Reklamezettel verteilt in dem eine deutschnationale Firma ein Prügelinstrument anpries, das im Prinzip dem Gummiknüppel der englischen Polizei entspreche, aber in seiner Wirkung viel furchtbarer und in seiner Handhabung viel einfacher sei. In der Reklame heißt es mxfe daß dieses Prügelinstrument für viele deutschnationale Männer und Frauen von großem Interesse sein dürfte. In der gegenwärtig unsicheren Zeit empfehle sich seine Anschaffung für jeden, der infolge seiner politischen Gesinnung oder sonstigen gesellschaftlichen Stellung einem Angriff ausgesetzt sein kann. „Probeexemplare" ständen jederzeit zur Berfügnng; der Gummiknüppel werde aber nur an nationalgesinnte Männer und Frauen abgegeben. Kommentar überflüssig. — Aus Zeitz wird berichtet: In der Iahresversam 1 nlang der hiesigen Splmgogengemeinde wurde die Errichtung einer Gedenktafel für die sieben Opfer des Krieges aus unserer Gemeinde und die Veranstaltnag eitler Gedenkfeier für die so früh Dahingegangenen beschlossen. — Dr. Eugen G ä r t n e r, zweiter Rabbiner in Dresden, ist in gleicher Eigenschaft nach. München berufen worden. — Rabbiner Dr. D i t n e m a n n in Ratibor ist zum Rabbiner in Osfenbach a. M. gewählt worden. — Unter dem Titek „Jüdische Zeit fragen" beginnt im Berlage von L. Sänger (Frankfurt a. M.) eine Schriftenserie za.erscheinen. Das erste Heft dieser Reihe gelangt soeben zur Ausgabe. Es ist betitelt „Bor dem Wandersturm" und hat den bekannten jüdischen Publizisten Dr. Nathan Birnbaum zum Verfasser. Die Schrift behandelt die Emigrationsfrage. Wir werden noch ausführlich auf die Schrift zarückkoinmen. — Die „Jüdische Preßzentrale Zürich" teilt mit: Infolge andauernder Krankheit des Grand Rabbin Alfred Levy, die ihm die weitere Ausübung seines Amtes verhindert, wählte das Consistoire Central in seiner Sitzung vom 30. Juni in Paris Israel L e v y , einen Schwiegersohn des seinerzeitigien Grand Rabbin Zedoe Kahn, zum Grand Rabbin von Frankreichs — Im Wiener Gemeinderat interpellierte Dr. P laschkes wegen der Pogromhetze in Wien, hinter der reaktionäre Kreise stehen, Kriegshetzer und Kriegsverlängerer, die nun die Inden für alles Unglück verantwortlich machen. Bürgermeister Reumann beantwortete die Interpellation sofort und verurteilte die Hetzpropaganda in schärfster Weise.—DerHunsdorfer Gavn Rabbi Samuel R 0 s e n b e r g ist am 9. v. M. an der Stätte seiner Wirksamkeit in Hunsdorf (Komitat Szepes, Ungarn) im Alter von 78 Jahren verschieden. In ihm verliert das Judentum einen seiner edelsten Gelehrten von erhabener Charaktergröße, einen großen Lehrer nnd Verbreiter des Talmuds in Israel, wie ihn das Judentum Ungarns seit dem Ehassam Szofer nicht besah. — Nach einer Meldung der „Polnischen Telegraphenagentur" habe die Budapester Polizei etwa 5000 galizische Juden verhaftet und ihr Geld beschlagnahmt; sie sollen aus Budapest abgeschoben werden. Der polnische Konsul habe energischen Protest eingelegt, vor allen Dingen Zurückerstattung des Geldes verlangt. Die rumänische Gesandtschaft in Wien (eigentlich Gesandtschaft der Bukowina, da Rumänien noch •tut Kriegszustand mit Deutsch-Oesterreich, ist) veröffentlicht folgendes (vüinmitntque: „Aus Anordnung des rumänischen Großen Hauptquartiers können mir solche Personen auf Reifedokumente nach Rumänien und der Bukowina reflektieren, die ihre Heimatzuständigkeit nach diesen Ländern unzweifelhaft Nachweisen können." Diese 'Maßnahme richtet sich gegen die Kriegsflüchtlinge und insbesondere gegen die Juden aus den von Rumänien okkupierten Gebieten, die sich zurzeit im Auslände befinden und die man auf diese Weise gern loswerden möchte. Man erkennt aus diesem -kleinen Zug, was es mit den Nachrichten der rumänischen Preßagenturen, die andauernd behaupten, daß „der Geist der rumänischen Regierungskreise sich geändert habe", für ein Bewenden hat. — Nach Meldung der „Gazeta Lwoska" brach an der bolschewistischen Front bei Luct ein bewaffneter Bauernaufstand aus. Rasch herbeigeführten bolschewistischen Verstärkungen gelang es, die Bauern zu überwältigen. Bolschewisten drangen sodann in ßuef ein und richteten unter der jüdischen Bevölkerung, een Blutbad -an. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.