Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 I. S. Perez und- D. Pinski, voll dem man ji'mgst in Wieit ein Train n „(£ificf Scheftel" vernahnr, de künden die Gabe festen Gestaltens, nicht bloß schlvärnlerischen Wollens. -lnch Koretz Hirschbein, mitdessen mtf den bestehenden großen rufst scheu .und ainerikanischen jüdischen Bühnen oft gespielter Volkstragödie „Newejle" t„Tas Aas") die Wiener Freie jüdische Volksbühne eröffnet lvard, ist ein Tramatiter vonoft >m«i kreißendem Zug. Das Stück ist ein naturalistisches Zukunftsdraum, in der Struktur dem. Naturalismus der Berliner Freien Bühne zu Beginn der neunziger Jahre, der Richtung Holz und- Schlaf, verwandt. Es spielt irgendwo im Russischen, in einer verschlissenen Stube unter gebeugten, durch das Elend geduckten Aken scheu. Mendel, dies der Name der agierenden Hauptperson, stöhnt noch immer unter seebischer Entbehrung. Er ist ein Geächteter und Verfemter; Schinder seinem verachteten Gewerbe nach. Dazu hat der Vater, ein Säufer -und Wollüstling, den Widerstrebenden, der nach einem weniger anrüchigen -Berus verlangte, bestimmt. Er liebt ein junges, iuiiv-gesallsrichtiges Mädchen, Reiset, auch eine Sumpfblüte. Aber sie zieht einen jungen Schlächterburschen vor. Am Bett der erkrankten Mutter erwächst Mendels Haß wider den Bader, den er venvorrenen Geistes erwürgt. Ties sind die äußeren Konturen des Dramas, das besonders im Genrehaften und in den Gefühlsatlsbrüchen überaus kräsnge Momente darbietet. Xie Figur des Akendel, in denn man. ein Slunbol erblicken mag, ist mit dem Gefühl eines Dichters geformt. Der eigentlich dramatische XHliftxieb wiro durch Wiederholungen seiner beiden geschwächt. Es sind allzuoft nicht Entladungen; es sind nur Lamentationen. Das in feinen Volksschlcksalen und in leinem seelischen Gehalt erschütternde Wert wird mit seinen scharf nmrissenen Typen von den Jargonspielern auf herb vor Frische, das Verlangen nach lveiterer Kenntnis dieser Werke und dieser cuueuciueii Weile gespielt. Von Ash und Fern. — Eine Gedächtnisfeier f ü r H e r m a n u E o h e n findet anr 0. Juli d. I. aus dem Gemelnoesrieohos in Weihenfee statt, lvo Hermann Evhen tu der Ehrenreihe des Friedhofes zur ewigen Ruhe gebettet ist. Gleichzeitig wird der Grabstein enthüllt werden. Bei der Gedächtnisfeier wird Professor Dr. Ernst Ea,sirer, ein Schüler Eohens ans dessen Marburger Lehrtätigkeit, die Gedächtnisrede halten. — Der Verband traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands imd der Verband der orthodoxen Rabbiner in Deutschland haben beschlossen, daß bei der legten Jomkippur-toton-Andacht in sämtlichen Synagogen der von ihnen vertretenen Gemeinden Trauerseiern für die Pvgronivpser in Galizien und Polen stattstnden souen. Die Berliner Synago-geng-euwinde "Adaß-Jisroel hielt auf Grund dieses Beschlusses am 26. Juni d. I. in der Hauptsynagoge eine solche für die Pogromopfer ab, Das Gv-treshaus war stark besucht. Herr Ravbiner Dr. Esra 1U u n f hielt die Trauerrede in der Hauptsynagoge, während in deni Zweigbethans in der Franfeckystraße 3 Seininardozent Dr. Wohl g e m u t h predigte. Rach Beendigung der Trauerseier fand eine Sammlung für die Pvgromvpfer statt, die bereits eine ansehnliche Summe ervrachte und fortgesetzt rverden soll. — Wie die Tagespreise meldet, haben Offiziere ilnd Alannschaften die im Berliner Zeughause aufbewahrten srauzösischen Fahiieu und Feldzeichen, verbrannt, die liach deii Bestimlnungen des Friedensvertrages an Frankreich ausziiliesern waren. Ber dieser Gelegenheit soll daran erinnert werden, daß die erste französische Fahne, die im Weltkriege im August 1914 von den deiltschen Truppen erbeutet wurde, durch einen jüdischen Soldaten erobert wurde. Der Tapfere heißt Fifchel und ist der Sohn armer jüdischer Ellern in Rimbeck bei Paderborn. — Der Vorsitzende des Allgemeinen Komitees der Groß-Berliner Qdd-Fellow- Logen, Theodor R e a ch, feierte am 27. v. Al. seinen 70. Geburtstag. — Gemäß der dem Zentralbureau der Agudas Jisroel „Misrachi" und der Zionistischen Vereinigung Breslau drahtlich gewordenen Mitteilung ist der nach Schlesien sich ergießende Flüchtlingsstrom aus Polen gewaltig, die Not unbeschreibbar. Um einer Katastrophe vorzubeugen, muß schleunige Hilfe einsetzen. — Professor Dr. M. B r a n n, Dozent am Rabbinerseminar zu Breslau, begeht am 9. Juli seinen 70. Geburtstag. Wir entbieten dem gelehrten Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche. - Ter Einbruch in der Gleirvitzer Synagoge, voll dem nur neulich berichtet hatten, ist aufgeklärt und die Täter sind verhaftet worden. Ein Teil der gestohlenen Suchest wurde ermittelt und dem Vorstände wieder übergeben. Täter und Hehler sehen einer strengen Bestrafung entgegen. — Wie uns aus Glogau mitgeteilt rvird, ist dein Sohn des dortigen Knltusbeamten I. Neustadt, dein Redakteur bei' der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" in Berlin Erich Neustadt, nachdem er feit fast drei Jahren eingereicht war, jetzt das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen worden. Erich Neustadt nahm als Freiwilliger an denr Feldzuge teil, erfreute sich mehrfacher Auszeichnung und wurde im August 1916 in den Waldkarpathen schwer verwundet. — Aus Paderborn wird geschrieben: Anläßlich der Seelenfeier am zweiten Schabuottage wurde in hiesiger Synagoge eine besondere Gedenkfeier für die Heldensöhne unserer Gemeinde, die in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 den Tod fürs Vaterland erlitten, abgehalten. Nachdem Herr Prediger Weiler eine ergreifende Gedenkrede gehalten, wurde die von der Shnagogengemeinde gestiftete Ehrentafel feierlichst enthüllt. Der hiesige jüdische Jugendverein ließ alsdann ebnen prachtvollen Lorbeer-Ehrenkranz zu Ehren der verewigten Heldensöhne niederlegen. — Wie Wiener Zeitungen melden, hat sich die judenfeindliche Stimmung in Budapest, die infolge der fast ausschließlich aus Juden bestehenden Tcrrvrherrschaft gewachsen sei, am Sonntag nach der Fronleichuamsprozession in einem Pogrom Luft gemacht, da sich das Gerücht verbreitete, daß zwei jüdische Kommunistenführer die heilige Handlung gestört und das Sakrament entheiligt hätten. Die Menge verbrannte oarauf mehrere rote Fahnen und pflanzte rot-weiß-grüne Fahnen auf. Es entstand eine wüste Rauferei, bei der mehrere Juden getötet wurden. Tie Unruhen wurden durch Rotgardisten mühsam unter- .drückt. — Ferner wird mitgeteilt: In Budapest haben in den letzten Wochen mehr als 709 Uebertritte vom Judentum zum Katholizismus stattgefunden. — Die „Jen", die im Kriege ihre Arbeit eingestellt hatte, beginnt ihre Tätigkeit.wieder aufzunehmen. Dieser Tage kam ein Vertreter dieser Gesellschaft aus Paris nach Bialystvk, von wo er nach durchgesührten Unterhandlungen nach Grodno und anderen Städten abgereift ist. . — Eine Abordnung der Lubliuer Jüdischen Gemeinde ist dieser Tage rom General Haller wegen der Pogrome vorstellig geworden. In einer längeren Aussprache drückte der General über dre Ereignisse der letzten Tage |cm Bedauern aus. In Za wo sc und Ehvun Hütten ferne Verordnungen ihre Wirkung getan. In Kowel wurden die Schuldigen dem Gericht übergeben. Jetzt, ineinte der General, reise er nach Ezenstochau, um dort an Ort und Stelle Ermittlungen über ow Vorgänge einzuleiten. Darauf richtete General Haller an die Abordming die Aufforderung, sie mögen auf ihre Glaubensgenossen dahin einwirken, gute Polen zu sein, denn die gemeine (!) Politik der Zionisten verschärfe nur die Beziehungen zwischen Juden und Polen. — Der polnische Regierungsko-mmiss-ar in Bialystok erließ eine Verordnung, derzusolge der Druck von öffentlichen Bekanntmachungen in jiddischer Sprache verboten ist. Jüdische führende Persönlichkeiten der Stadt haben wegen Aufhebung des Verbotes Schritte bei der Regierung unternommen. — Das Jaffa er Gymnasium ist wieder in feinem alten Gebäude untergebracht worden, das bisher von den Militärbehörden als Hospital benutzt worden war. — Eine neue hebräische Tageszeitung, die den Namen „Haarcz" trägt, erscheint jetzt in Jerusalem. Herausgeber ist Isaak G o ldbe r g, Redakteur Dr. T u r o w. Dem Redaktionskomitee gehören außerdem die Herren Dr. L u r t e, Marcus Eaha n, P e r l m a n. n und Bor u ch o w an. — Kinder, die das Spielen verlernt haben .. v sind wohl eine der traurigsten Erscheinungen der durch den Weltkrieg geschaffenen Not. Kinder, die das Spielen verlernt haben, gibt es in Palästina, wie die Amerikanisch^ üdische medizinische Kommission für das Heilige Land festgestellt hat. Seit Kriegsausbruch sind keinerlei Spielwaren nach Palästina gebracht worden und die dortigen Kinder haben die Beschäftigung mit Spielsachen deshalb vergessen. Auf Veranlassung der Amerikanisch-jüdischen Kommission wurde in den jüdischen Gemeinden Amerikas eine Sammlung von Kinderspielzeug aller Art für die armen Kinder Palästinas veranstaltet. Die Sammlung hatte einen überraschenden Erfolg. Die gestifteten Spielsachen werden jetzt von den Mitgliedern der Kommission in Palästina verteilt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag non Rudolf Mosse.