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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-27 · Heft 26 (27.6.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 26 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 27. >»> 1414 -2. Isbrgsng. llr. 24 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32<*. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbilippfon Vertag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion and Expedition sind an die Adreffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin S.W, Jerusalemer Straße 46-<& zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Tinholt" Hum 29. Juni 1919, dem 59jährigen Jubiläum des DeutschiJIllJUil. Israelitischen Gemeindebundes. Don Dr. Wilhelm Neum a n n. — Die Woche. — Die ökonomische Lage der Juden in Polen. Von — Ludwig Tachaus Leben und Wirken. Vvin> Dr. W o ls sd o r f (WolfenbiUtel). — Ferienbrief. Von S. A s ch n e r. — Neues aus dem „Jüdischen Verlag". Von Dr. Willy Cohn. — Feuilleton: Baal Scherns Tod. Von Joseph Patai. — Der Gerneindevote (Beilage?,ur „Allgemeinen Zeitung des Judentums); Berlin, Hamburg, Köln, München, Burgbernheim, Frankfurt a. M., Warschau. — Von Nah und Fern. Lum 29. Ium 1919, dem 59 jährigen Jubiläum des Druttch-Ilrsrlttilchrn Gememdrbundes. Von Dr. Wilhelm N e u m a n n. sieben Freunde, es gab schönre Jcidcn Als die unfern, das ist nicht zu streiten! Und ein'edler Volk hat einst gelebt." ie Schiller-Worte klangen mir im Ohr als ich, die Gründungsgeschichte des Deutfch-Jisiraelitischen! Gemeindebundes nachspürend umd unwillkürlich das Fruhlingswehen verschollener Hoffnungen dem Winter des Mißvergnügens, den wir nach einem halben, Jahrhundert jetzt durchleiden, vergleichend, den Weckruf Emil Lehmanns, sein „Höre Israel" jüngst wieder las. Sein Leitmotiv lautet: Die Gettomauern sind gefallen, wir sind gleichberechtigte Bürger eines freien Vaterlandes, wir wollen alle Pflichten mit den neu gewonnenen Rechten freudig übernehmen zum Wähle unseres Volkes, des deutschen Volkes, von-dem wir in nichts als in unserm Glauben, unserm altehrwürdigen, schlackenreinen Glauben, unterschieden sind! Ein einziger langgezogener Hutten-Schrei: „Oh, Jahrhundert, es ist eine Lust, in dir zu leben!" ins Jüdische gewendet: „Sclieliecliejonu", fu ruft er aus: „Dank dir, unser Gott, der du uns diese Zeit hast erleben lassen!" 0ü sont les neiges d'antan?" so hallt das wehmütige Echo m meiner Brust wider. Wie viele Blütenträume hast du, glühender Reformer, welken gesehen, welch grausige Enttäuschung als Deutscher und als Jude hat ein gütiges Ende dir erspart, dessen Optimismus das echteste Erbe deiner jüdischen Abstammung war! Und dennoch! Dein jüdischer Optimismus sei gesegnet! Er hat dich zum Vater eines Werkes gemacht, das dich und deine Träume überdauern wird: Du hast aus dem Garten Eden ein junges Reis gerettet, das, auf kargen Boden verpflanzt, in Frost und Stürmen langsam erwachsen, trotz alledem ein stattlicher, Schatten und Früchte spendender Baum geworden ist, bestimmt, das deutsche Israel, das du auf deine Weise so schwärmerisch geliebt hast, unter seinen Zweigen zu bergen! Du schenktest allen jüdischen Gemeinden deutscher Zunge die Parole: „Vereinigt euch zu einem Bunde!". Vielleicht erweist du dich gar noch als Prophet, wenn jetzt die deutschpsterreichischen Brüder sich in unsere Nothütte retten. Den fruchtbaren Gedanken des Dresdener Dichter-Advokaten hat Moritz Kohner in Leipzig aufgegriffen. Als Mann des praktischen Lebens benutzte er die Gelegenheit der Anwesenheit so vieler Gemeindevorsteher auf der Synode zu Leipzig, um am 29. Juni 1869 den ersten Deutsch-Israelitischen Gemeindetag zu veranstalten, auf dem der Beschluß gefaßt wurde, eine dauernde Institution zu wechselseitiger Förderung der den jüdischen Gemeinden obliegenden Verwaltungs-, Erziehungs- und Wohltätigkeitsinstitutionen zu schaffen. Freilich hat die Verknüpfung mit der Synode, so äußerlich sie ausgesprochenermaßen war — der Versuch Abraham Geigers, den Gemeindebund als ein Appendix der Synode zu erklären, fand einstimmige Ablehnung — in traditionellen Kreisen ein in damaliger Zeit verständliches Mißtrauen erweckt, als handle es sich nicht um praktische Gemeinschaftsarbeit auf neutralem Boden, sondern um religiös-reformerische Bestrebungen. Die unparteiische Geschäftsführung eines halben Jahrhunderts, die dem Bunde Mitglieder aus allen religiösen Lagern in großer Zahl geworben hat, sollte nun endlich die letzten Zweifler überzeugt haben, daß ihrem Glauben keine Gefahr droht, daß ihm vielmehr ein Schutzdach bereitet worden ist, dessen sie in den drohenden Stürmen nothaben werden. Durch den bald ausbrechenden Krieg von 1870/71 wurden die Vorarbeiten verzögert. Die zur Konstituierung erforderlichen 100 Gemeinden waren erst im Frühjahr 1872 beisammen, so daß am 14. April 1872 der Beschluß gefaßt werden konnte, die Arbeiten des Bundes mit dem Vorort Leipzig und dem Vorsitzenden Stadtrat Moritz Kohner aufzunehmen. Deni ideenreichen Manne, der sich Aufgaben stellte, zu deren Verwirklichung dem jungen Unternehmen die Kräfte fehlten, zumal noch ein schwerer Organisationsfehler sich hinderlich geltend machte, vermochte nur die Fundamente zu legen. Als eine tödliche Krankheit seine große Arbeitskraft zu lähmen begann, drohte der auf zwei Augen gestellte Bund zu zerfallen. Als Kohner am 21. März 1877 starb, mußte sein Nachfolger Jakob Nachod beginnen, den D. I. G. B. zu reorganisieren, bevor er sich daran machen konnte, praktische Arbeit zu leisten. Auch Nachod, dem Männer hoher geistiger und sittlicher Oualität, wie Emil Lehmann und Moritz Lazarus, zur Seite standen, war ein fruchtbarer Geist, aus dessew Gedankenschätzen die Nachfolger bis in die neueste Zeit brauchbare Anregungen geschöpft haben. Zwar waren die Befürchtungen übertrieben, die an das Laskersche Austrittsgesetz geknüpft waren, und die dagegen unternommene Agitation blieb bekanntlich ergebnislos, sofern sie nicht gar die inneren Kämpfe im Judentum vorübergehend verschärfte. Aber die mannhafte und vielfache Erfolge zeitigende Abwehr der ersten Ausbrüche des damals neu erwachenden Antisemitismus verdient der Vergangenheit entrissen zu werden, womit keine Schmälerung

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