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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-20 · Heft 25 (20.6.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 25 (20.6.1919)
Date
1919-06-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 die Finanzierung der Notstandsarbeiten in Zukunft anderen Kolonisativnssattoren obliegen wird. Ter Jüdisclie National sonds wird sich, 10ic bie* in letzter Zeit wiederholt betanntgegeden wurde, in der nächsten Zutnnst auf seine so überaus wichtige -Hauptaufgabe: een X n n d e r w e r b , zu vefchränten haben, um feine Bestimmung, den Boden von Erez Israel als Nationaleigentum zu erwerben, so weit als irgend möglich zu erfüllen. Immer häufiger treten in letzter Zeit Gruppen künftiger Palästinasiedler, auch solche, die industrielle Unternehmungen zu gründen beabsichtigen, an den Jüdischen Natwnalsonds mit dem Verlangen heran, ihnen Erbpachtland zu reservieren. (£'* ist klar, das; der Jüdische Nationalfonds in der Hauptsache Palästinaboden nur in dem. Matze wird erwerben und den Reflektanten zur Verfügung stellen tonnen, in welchem ihm aus dem Wege freiwilliger Besteuerung Geldmittel zu diesem Zweck zufliehen. Die Freunde und Vertrauensmänner des Jüdischen Nationalfonds, denen es um die Geulath Haarez ernst ist, sind darum bemüht, feine Organisation so auszubauen, das; er die auf ihn gefetzten Hoffnungen der breiten Massen in absehbarer Zeit erfüllen kann. Von verschiedenen Seiten gehen indessen der Nationalfondsverwaltung Anregungen zu, die den Zwvck verfolgen, dem Jüdischen Nationalfonds über seine Spendeneingänge hinaus bedeutende Kapitalien zuzusühren. Ein wiederholt gemachter Vorschlag betrifft die Aufnahme einer N a t i o n a l a n l e i h e.. deren Verzinsung aus den regelmäßigen Spendeneinnahmen sichergestellt werden soll. Ein anderer Vorschlag geht dahin, daß der Jüdische Nationalfonds sich das Erbpachtb z w. E r b ba u - r e ch t auf st ä d t i s ch e n Boden für 49 Jahre i in voraus bezahlen lasse, um aus dem Erlös, der den Wertzuwachs einschlletzen soll, desto mehr landwirtschaftlichen Boden erwerben zu können. Für letzteren kommt die Vorausbezahlung weniger in Betracht, weil die überwiegende Zahl der Ansiedlerkandidaten aus Blinder- und Unbemittelten besteht, die nicht in der Lage wären, die Pacht für einen längeren Zeitraum auf emmal zu entrichten. Bei Verwirklichung all dieser Vorschläge kommt es begreiflicherweise nicht zuletzt aus das Ausmaß der Landkonzessionen an, die der Zionistischen Organisation eingeräumt werden. Das Tempo der Ansiedluyg großer Blassen wird jedoch in jedem Falle von der finanziellen veisou-ngsfähigkeit des Jüdischen Nauonaftonos, abhäugeu, da auch vei sehr weit gehenden, politischen Rechten der Erwerb und die Bereitstellung ausreichender Ländereien seitens des Jüdischen Nationalsonds Hunderte ooh Millionen erfordern wird. San Mah «mV Lern. Ter Entwurf für d i e A e n d e r u n g d e r G e m einde - ve r fa s s n n g hat .die Zustimmung.der Aufsichtsbehörde erhalten. Wie wir erfahren, werden die nächsten Repräsentantenwahlen, die gemäß den Bestimmungen des neuen Gemeindestatuts nach dem Proportiona (Wahlrecht erfolgen sollen, im Monat September dieses Jahres stattfin'ten. Ein lebhafter Wahlkampf hat bereits eingesetzt. — Die Kantoren der Jüdischen Gemeinde zu Berlin haben sich zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, welche sich die Wahrung der gemeinsamen Standesinteressen und die Pflege aller Berufssragen zur Ausgabe gemacht hat. Zum Vorsitzenden der Kantorenvereinigung wurde Oberkantor Asch von der Synagoge Lützowstraße, zum Schriftführer ' Obertautor Friedman n von der Synagoge Levetzowstraße gewählt. . Der Lehrer und Prediger der Synagogengemeinde Gr.-Strchlitz -Herr Felix Steiner, ist im 74. Lebensjahre verschieden. — Aus Gleawitz wird uns geschrieben: Ein .Einbruch in die Synagoge hat unsere Gemeinde in Aufregung versetzt. Es wurden folgende Gegenstände gestohlen: zwei rote Plüschvorhünge, ein großer, grünweiß gestreifter Bor Legeteppich, vier kleine Vorlege teppiche, fünf schwarze Talare, ein seidener GebetmanteL mit Sil'berborte, ein Gebetbuch, zehn Stück kleine Gebetmäntel, ein roter Läufer, etlva vier Bieter lang, vier kleine Nickelbecher, eine gedrehte Wachskerze, zwei Flaschen Wein, zwei Samtbaretts, eine silberne längliche Hand, gezeichnet Ehrfried, und zwei braune lederne Polstersitze. Die Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden. — Dieser Tage feierte «der Repräsentant der Israelitischen Gemeinde in Bremen und Vorsitzender der lEhewra Kadischa Herr Moses Schragenheim seinen 70. Geburtstag. AuS diesem Anlaß wurde er Gegenstand großer Ovationen. Die Israelitische Gemeinde ernannte ihn zum Ehrenmitglied' Seitens des Kranken-Wohltätigkeits-Vereins, den er seit fast 25 Jahren leitet, wurde ihm eine Moses-Schragenheim-Stiftung überreicht. — In Köln ist dieser Tage Sanitätsrat Tr. Otto .N u ß b a u m , der 18 Jahre lang dem Vorstände der Synagogengenleinde angehörte, nach kurzem Leiden verschieden.— Mit Erlaubnis der britischen ^Nilitärbehörde erscheint in Bonn ein neues jüdisches Wochenblatt, betitelt Jüdischer Bote vom Rhein". Die erste Nummer ist vom 4. Juni datiert. Herausgeber ist Rabbiner Dr. Emil Cohn. — Die neu gewühlte Kultusverwaltung in München wählte Herrn Michael Nußbaum zum Vorsitzenden und Dr. Karl O e st r i ch zum stellvertretenden Borsitzenden. Ein von Kommerzienrat F r ä n k e l gestellter und von Dr. E. Strauß unterstützter Antrag auf Einsetzung eines sozialen Ausschusses wurde abgelehnt, ebenso der Antrag Dr. Strauß ivegen Eintreten der Gemeinde zugunsten der von der Ausweisung ans München l>edrohten Ostjuden. — Gustav Landauers Schwiegervater war ein Knltnsbeamter in dem kleinen bayerischen Ort K r u m b a ch. Diese Tatsache wird von der antisemitischen Presse zur Hetze gegen . die staatsseindliche Tendenz des Judentums benutzt, die den verstorbenen Schwiegervater Landauers sofort nachträglich zum Rabbiner gestempelt hat. Hierzu wird ans Krumbach geschrieben, daß dort sen vierzig Jahren kein Rabbiner mehr amtiert, die Familie Landauer dort nur eine Wohnung innehatte, aber m keiner Verbindung mehr mit dem Judentum stand und auch keinerlei Beziehungen zu den dortigen Juden unterhielt. Auch der verstorbene Schwiegervater, der früher im Auslande Kultusbeamter gewesen sein soll, stand mit der Krumbacher Jüdischen Gemeinde in keiner Verbindung. — Ans Frankfurt a. M. wird nns geschrieben: Die Bureaus der „Agndas Jisroel" in Zürich und Haag haben von Herrn Morris Engelman in New Port, dem bekannten verdienstvollen Gesinnungsgenossen im Joint Distribution Committee, die telegraphische Mitteilung erhalten, daß es ihm gelungen sei, einstweilen tausend Donnen rituelles Fleisch unter Aussicht von Rabbiner Dr. Klein in New?)vrk und anderer orthodoxer Autoritäten hergestellt — für die Einfuhr nach Mittelenropa zu sichern. Tie Beschaffung von Fett steht in Aussicht. - D i e N v t l a g e der j ü d i s ch e n Religion s l e h r e r beschäftigte den „L andesverein israelitischer R e l i g i v n s - lehrer in Baden" in seiner Letzten Mitgliederversammlung. Als Mindestforderungen für die Religivnslehrer wurden verlangt: Durchführung der seit 1914 von der Synode beschlossenen Besoldungs- und Pensionsverhältnisse aus Mitteln der israelitischen Zentralkasse, höhere soziale Wertung, Fachbildungskurse usw. —Die V e r - ä u ß e r u n g einer jüdischen Bibliothek soll im Wiener Dorotheum erfolgen. Es handelt sich um die erste Auktion der Arbeitsgemeinschaft für jüdische Kunst und Kultur „Die Arche". Es gelangt eine größere Bibliothek aus dem Nachlaß eines Wiener jüdischen Besitzers zur Versteigerung, in der sich wertvolle alte Drucke und Erstausgaben in Judaica, Hebraica, Orientalin und Antisemitica befinden. — Unter dem Namen einer „Liga der Freunde des Heiligen Landes" hat sich in Paris eine Vereinigung zur Bekämpfung des Zionismus gebildet. Den Vorsitz in dieser Vereinigung führt Herr Josef Rein ach. Ein anderer Mitarbeiter, der es sich angelegen sein läßt, in der französischen Presse für die Liga Propaganda zu machen, verbirgt sich unter dem Pseudonym Jules R a i s. — Ans- London wird-gemeldet: Herbert Samuel ist als Spezialkvmmissar für Angelegenheiten, die den Wiederaufbau Belgiens betreffen, der Gesandtschaft in Brüssel attachiert worden. Man sieht in Samuel den zukünftigen Generalgouverneur sür Palästina. — Aus Warschau wird geschrieben: Infolge der andauernden fürchterlichen Pogrome hak das Zentralkomitee der ,,Schlome Emune Jisroel" alle jüdischen Gemeinden Polens «uf,gefordert, den zwanzigsten Siwan als allgemeinen Fast- und Trauertag abzuhalten. Die Bewegung, an der sich alle Rabbiner und Rabbis Pollens eifrig, betätigen, hat weite Kreise gezogen. Das Komitee wandte sich auch nach Palästina mit der Bitte, dort ebenfalls diesen Tag als Fastrag zu begehen. Durch Vermittlung des Zentrakbureaus der „Agudas Jisroel" in Zürich trat das Komitee auch mit anderen Ländern in Verbindung. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Perlag von Rrrdolf Mosse.

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