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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-06-13 · Heft 24 (13.6.1919) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 24 (13.6.1919)
Date
1919-06-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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83. [Jahrgang. Nr. 24 Berlin, 13. )un! 1919 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. AbonnementS'preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 ITT. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Pbilippfon Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. ®er jüdische Religionsunterricht in den oberen Klassen der höheren Lehranstalten. Don Rabbiner Dr. Rvsenberg (Dhorn). — Die Woche. — Heim für schwer erziehbare Knaben. Don Direktor Bein (Beelitz). — Professor Hugo Kaufmann. Don Dr.'Ph. Lederer. — Aus Heilbronns jüdischer Vergangenheit. Von Bezirklstrabbiner Dr. Beermann (Heilbronn). — Die Juden auf dem Festlande Süditaliens. Von Professor Dr. Errnannv L o e v i n s o n (Rom). — Feuilleton: Der Spitteljude. Erzählung von Clemens Berg. — Gabriels Klagelied zu Ehren. R. S. Jekutiels. Uebersetzt von S. A f cf) n c t. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinkauf. — Druckfehler-Berichtigung. Dev Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Memel, Danzig, Altona, Leipzig, Nürnberg, Barmen, Kassel, Warschau. — Don Nah und Fern. Der jüdische Lellgionsunterncht in den oberen Klassen der höheren Lehranstalten. Von Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn). (Schlug.) eben dem Ethisch-Religiösen ist mit vollem Nachdruck auf die poetische Schönheit der Bibel die Aufmerksamkeit zu lenken. Wie die griechischen, lateinischen und deutschen Klassiker müssen die Schüler auch die Bibel ob ihres dichterischen Wertes schätzen lernen. Das wird.die Liebe zu diesem einzigartigen Buch erhöhen. Was den systematischen Religionsunterricht angeht, so soll dieser in Untersekunda seine Erledigung finden. Darum kann er aber noch nicht als ganz abgeschlossen gelten. Es wird gelegentlich immer wieder auf einzelne Stoffgruppen der systematischen Religionslehre zurückgegriffen werden müssen. In der Behandlung der jüdischen Geschichte werden sich genugsam Anknüpfungspunkte hierfür bieten. Ebenso wird bei der Bibellektüre Anlaß sein, auf besonders wichtige Gruppen zurückzugreifen. Insbesondere kann bei der Besprechung der Deligionsphilosophischen Werke des Mittelalters das im systematischen Religionsunterricht erworbene Wissen Ausgangspunkt und Grundlage der Unterweisung bilden. Aehnlich verhält es sich mit der Apologetik, der jetzt volle Aufmerksamkeit zugewandt werden muß. Es sollen die Schüler nicht nur ein umfangreiches religiöses Wissen sich erwerben, sie sollen auch die Wahrheit ihrer Religion nachaußen zu vertreten und zu verteidigen verstehen. Dies gilt besonders hinsichtlich der Lehren, in denen sich das Judentum von anderen Bekenntnissen unterscheidet. Bei dieser Gelegenheit wird sich ein Zurückgreisen auf die systematische Religionslehre immer wieder als notwendig erweisen. Im Anschluß an die apologetische Unterweisung ist die Lektüre Populärwissenschaftlicher Schriften über das Wesen des Judentums und seine Stellung zu anderen Bekenntnissen zu Pflegen. Vieles kann zwar hier der häuslichen Beschäftigung überlassen bleiben. Doch wird der Lehrer gut daran tun, besonders bedeutsame Ausführungen in den betreffenden Schriften während des Unterrichts zu besprechen, einmal um das Interesse der Schiller in erhöhtem Grade zu wecken, dann aber, weil diese in vielen Fällen noch der Anleitung bedürfen. Nicht selten wird sich auch die Notwendigkeit ergeben, die Stellung des Judentums den Hypothesen der Wissenschaft gegenüber 31t Präzisieren und zu verteidigen. Der Lehrer soll zwar nicht die Gelegenheit hierzu geflissentlich herbeiführen, sie anderseits aber auch nicht scheuen. Unsere Primaner lesen heute sehr viel, über dessen Stichhaltigkeit und Wahrheit pe sich nicht selbst Rechenschaft ablegen können, und das um so leichter Verwirrung in ihren Gedanken anrichtet, als es sich in das Gewand bestrickender Hypothesen -kleidet. Da ist es geradezu Pflicht des Lehrers, dem Schüler bei seinem inneren Ringen nach Wahrheit und Klarheit eine Stütze zu bieten. Von besonderer Wichtigkeit ist der Unterricht in der jüdischen Geschichte. In den drei Jahrgängen der Oberklassen kann eine zusammenhängende gründliche Kenntnis derselben geboten werden. Es sollen die Schüler nicht nur die äußeren Geschichtsbegebenheiten kennenlernen, sondern auch durch die selben unsere geistige und religiöse Entwicklung erfassen. Es muß ihnen vor allem das Uebergeschichbliche, die göttliche Waltung, in derselben n-achgewiesen werden. Sie sollen dadurch zur Erkenntnis kommen, daß Israel auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels und in seiner Zerstreuung über die ganze Erde das Volk der Religion, geblieben ist. Als ganz von selbst ergibt sich dann, welch unsichtbare geistige Bande uns mit den früheren Geschlechtern verknüpfen. Gerade die Schüler, die berufen sind, einstmals eine führende Stellung in der jüdischen Gemeinschaft einzunehmen, müssen die Vergangenheit verstehen, um der Gegenwart gerecht werden zu können. Es soll der Unterricht in der jüdischen Geschichte eben auch Geschichtsunterricht als solcher sein, weil erst das Bewußtsein einer großen und erhabenen Vergangenheit das selbstbewußte Streben weckt, das zur tätigen Mitarbeit an den Aufgaben der Gegenwart anspornt. Auch das literargeschichtliche Moment ist in Betracht zu ziehen, wenngleich es nicht im Vordergründe stehen soll. Es kommt nur insoweit zur Berücksichtigung, als es zur Erleuchtung und zum Verständnis der betreffenden Zeitepoche dient und die in Frage stehenden Werke auf die Entwicklung der nachfolgenden Periode von erhöhter Bedeutung waren, also nur insofern, als die geistige Entwicklung und die Geisteskämpfe unseres Stammes hierdurch wesentlich berührt werden. Und nun -das Unterrichtsverfahren! Zunächst bei den Stoffgruppen aus der systematischen Religionslehre, die auf der Oberstufe eine abermalige Behandlung finden. Die Schüler sollen hier eine gewisse Selbständigkeit im Urteil über die Grundlehren und Hauptforderungen der Religion erlangen. Was also bei den Schülern der mittleren Klassen zu vermeiden ist, das ist hier bis zu einem gewissen Grade zu pflegen. Jene sollen das Dargebotene nicht ans seine Wahrheit prüfen, sondern einfach als autoritativ an nehmen und

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