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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-30 · Heft 22 (30.5.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 22 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Ende eines Nianues von großem Erfindertalent, der an Armut, Dumpfheit und Eigennutz — das. sind die ihn umringenden Schicksal smöchte -. zerbricht. Die Umständlichkeit und Bewegungslosigkeit der Darstellung macht oftmals den Eindruck geringer Kunst; aber sie ist fast immer wsselnd. Und im letzten Akt ist das verzloeifelte Aufschreien des Helden von einer Wahrhastigkeit, in ihrer wortarmen Menschlichkeit von so mächtiger Kraft, daß die Bühne hier wirklich den Glanz tragischen Geschehens empfängt. In einem schönew Gedanken zeigt sich übrigens auch eine große Feinheit der Gestaltung. Ter Dichter schildert dasselbe Schicksal ln drei verschiedenen Formen: nur fo sorgsam abschattiert und gefärbt, daß ihre Absicht kaum merklich ist. Ailch zwei Kameraden des Helden war sein Geschick bereitet. Der eine wollte Maler werden: nun ist er ein stiller, resignierter Mensch, dem von seiner Sehnsucht nichts blieb als ein leises, schmerzendes Verflackern nnd ein tiefes Mitleid und Verstehen für den armen Eisik Schestel. Ter andere wollte zur Bühne gehen. Der ist — sei nein komödiantischen Naturell gern aß — ein lustiger und übermütiger Mensch geblieben, der sein Talent in der Nachäffung seiner Umgebung austoben läßt. Man wäre jedenfalls begierig, noch andere Werke , von David Pinski kennenzulernen. Gespielt wurde ganz vortrefflich: insbesondere die Hauptfigur hatte in Karl Felda einen Darsteller von großer Einfachheit und lebendig gestaltender Kraft gefunden. Das Publikum bereitete dem Werk und den Schauspielern eine geradezu enthusiastische Dankbarkeit. Von MH und Mn. — Um festznstellen, was für die W i e d e r a n f r i ch t n n g der E r i st e n z de r z u r ü ck g e k e h r t e n K r i e g s t e i l n e h m e r getan lverden könnte, hat die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden bei sämtlichen größeren Gemeinden, Stiftungen und Vereinen angefragt, ob Mittel für diesen Zweck ans den vorhandenen Fonds über den örtlichen Wirkungskreis hinaus vorhanden seien. Es hat sich ergeben, daß dies nicht der Fall ist. —- In diesem Zusammenhang mag -erwähnt sein, daß auf dem Gut in Halbe, wo sich das Heim für schwer erziehbare Knaben befindet, 00 Morgen Land zur A n siedln ng von 10 bis 15 jüdischen Kriegsbeschädigten auf aenossenschaftlicher Grundlage bestimmt sind. •- Der Verein für Ferienkolonien iüdischer Kinder. E. V., hat die ersten drei Kolonien nach den Orten Misdroh (45 Kinder), Elmen (80 Kinder), Hirschberg in Schlesien (80 Kinder) in diesem Jahre hinausgesandt. Ende dieses Monats folgen die Kolonien in Segeberg (80 Kinder). Kotberg ($0 Kinder). Im ganzen sollen gegen 1000 erholnngsbedürstige, schwächliche, unterernährte Kinder fvrtaesandt werden. --- Alls Elbing wird uns geschrieben: Ailch hier hat sich die jüdische Jugend in einem jüdischen Ingeudverein zusannuengeschtossen, der deln Verbände der jüdischen Ingendvereine Deutschlands beigetreten ist. Der Verein kann erfreulicherweise schon eine verhältnismäßig hohe Mitgliederzaht aufweisen. Deni Vorstand gehören Tr. med. Levh als Vorsitzender, Frl. Alice Meher als Kassiererin und Hebr Theodor Neumann als Schriftführer an. All einem der letzten Abende sprach Herr sind. inr. Erwin L i ch t e n st e i n (Königsberg) unter großem Beifall über „Die Allfgaben der jüdischen Jugend". Zinn Vorsitzenden der Vosener Handelskammer ist, da der seitherige Vorsitzende, Geheimrat Kantorowicz, die Wiederwahl ablehnte, der bisherige Stellvertreter, Kaufmann Israel F r i e d l n e n d e r , gewählt worden. Zweiter Stellvertreter wurde Kaufmann Leo Verlock. In dem Verein „Freundschaft" zu Köthen sprach Rabbiner Dr. . G o l d m a n n (Leipzig) über das Thema „Die gegenwärtigen Strömungen im Judentum". — Dr. Mar Breslauer, Privatdozent au der Tcchllischen Hochschllle Berlin, ist zum Abhalten von Vortesungell im „Elektrolnaschinenbau" an die Köthener Gelverbe- und Handelshochschllle berufen lvorden. —- In Wolfenbüttel ist der Direktor der israelitischen höheren Lehranstalt (Snmsonschule) Prof. Dr. Ludwig T a cha u gestorben. (Nekrolog folgt.) -- Die sechsklassige öffentliche Volksschule in Essen (Ruhr) hat nunmehr ihr Lehrerkollegium vervollständigt. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurden an die Schule berufen: Lehrer Duch-hei-w, vorher in Kirchberg (Hunsrück). tätig, lind Fro-h s i n n, von der jüdischen Volksschule Bellthen «Oberschl.). Desgleichen trat eine Essener Lehrerill, Fräulein S a m - s o n , in den Lehrkörper der Schule ein. In München hat sich ein Deutz'cher Weltbund zur Befreiung v o m I u b c n t it m gebildet. Die Geschäftsstelle des Bundes ist der Festland-Verlag in München 23, an dessen Spitze der Leiter des Bundes, Schriftsteller und Tonkünstler Albert Pfeiffer, steht. — Der bekannte Bildhauer Dr. Hugo K ansmann ist nach kurzem Leiden, 50 Jahre alt, in München verschieden. — Ans dein Haag wird unsberichtet: Die Aprileinkünftedes Jüdischen Nationalfonds haben 338 390 Francs ergeben. Folgende Länder haben hierzu beigetragen: Südafrika 5424,15,4 Pfund Sterling, Deutschland 99 748 Mark, England 1817,12,754 Pfund Sterling, Nordamerika 7427 Dollar, Kanada 2632 Dollar, Oesterreich 28 896 Kronen, Schweiz 5562 Francs, Frankreich 3788 Francs, Griechenland 96 Pfund Sterling, Belgien 2613 Francs, Holland 683 Gulden, Dänemark 627 Kronen, Schlveden 317 Kronen. Polen 820 Mark, Australien 14,16 Pfund Sterling, Marokko 50 Francs, Palästina 1 Pfund Sterling. — Die durch die Umwälzung in Ungarn geschaffene Lage bat ein unentwirrbares Chaos im gefaulten öffentlichen Leben herbeigc führt. von dem das j ü d i sch e G e m e i n d e l e b e n am schwersten und llnheilbarsten betroffen wird. Es ist alles auf den Kopf gestellt. Die bisher gerade in Ungarn mit hoher Autorität ausgestattete Gemeiudeinstitution ist m\ einer bloßen Vereinseristenz degradiert, die durch die Au f-hebn na der Simpelsteuer (Einheitssteuer) eine weitere Unsicherheit und Zerrüttuna erfährt. — Die gesamte polnische Presse brachte dieser Taae eine Mitteilung, derzufolae das Mitglied der amerikanischen Friedenskommission in Polen. Oberleutnant F oft er, naeb seiner Rückkehr aus Pinsk. wo er nach den blutigen Ereignissen weilte, berichtet habe. daß die Eraebnisse seiner eigenen Ermittelungen über die Pinsker Vorgänge mit den- Angaben der offiziellen Erklärung, die der Krieasminister auf die Interpellation der südiscben Abgeordneten im polnischen Landtag abgegeben bat. völlig übereinstimme, und daß diese Beantwortung aan.r der Wahrheit entsvreche. Auf Aufforderung des Oberleutnants Foster gibt nunmehr das Minist"- nin,T des Aenßeren wlaeudes bekannt: Oberleutnant Folter habe Erklärungen irgendwelcher Art über dm Ereianiste in Pinsk übcrh a n v t nicht a b g e g e b e n. Er denrentiert sämtlickie ^eitnnaLmitteibmgen, die über seine Person im Zufammenbana mit diesell Vorgängen' bekannt Wiarden. - Do?' ^offner hebräische G v ul - n a s i u m ist loieder in feinem alten Gebänd^ untergebracht worden, das bisher von den Militärbehörden als Hospitzil benutzt worden war. -- Der Bibliothekar des ainerikaniscknn Kongresses. Herbert Putnam. hat Herrn de Haas in einem an ihn gerichteten Brief versprochen, der Hebräischen Universität in Iernsalem einen vollständigen Katalog der amerikanischen NationaUnbliotbek zur Verfügung zli stellen. Dieser Katalog besteht ans 8000 Karten über eine Million Bände nnd wird vollkommen ä iour geführt. Die Universität soll auch rede Publikation der Kongreßbibliothek erhalten. Bisher bat nilr das Internationale Bibliograpbiebureau in Brüssel den Kataloa erhalten. —- Dr. V. S i e g e l st e i n . der Präsident des rumänischen Verbandes in Amerika, bat dnrch das Staatsdepartement in Washington ein Telegramm aus Rumänien erhalten, ans welchem hervorgeht, daß die rumänischen Juden vor Hunger zugrunde gehen. Ihre Lage ist sehr traurig imb sie ersuchen das amerikanische Judentum. ihnen so rasch als möglich Hilfe zu senden. - Die Wohltätigkeitsgesellschaft jüdischer Damen in New chork veranstaltete eine Versammlung, die im Namen der jüdischen Mütter, deren Söhne ans dem europäischen Schlachtfeld gekämpft haben, einen Protest gegen die polnischen Pogrome beschloß. Abschriften dieses Protestes wurden an Fron Wilson, die Königinnen von England und Italien nnd die Damen Poincare, Lloyd George, Clömenceau und Orlando geschickt. — Eine Delegation argentinischer Inden hat, wie die „Agenzia Americana" meldet, den Präsidenten der Republik um Schuh ersucht gegen allfällige Pogrome, die in gewissen Kreisen geplant würden. Die argentinischen Juden stünden vollständig außerhalb der Agitationen, die gegenwärtig das Land beunruhigen. (Anläßlich der Streiks fanden bekanntlich vor nicht allzulauger Zeit, unter der Beschuldigung, die Juden wären Bolschewisten, in Argentinien heftige Judenpogrome statt.) Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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