Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1919)
- Date
- 1919-05-30
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
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itoci) Palästina gelten imb unter Fusainme mir Veit mit anderen Körperschaften in. Palästina imb in der Diaspora sich bemühen, einerseits den Zeitpunkt zu beschleunigen, an dem die größtmögliche jüdische Einwanderung nach Palästina stattfinden kann, und anderseits'dafür zu sorgen, daß diese in solcher Weise stattftndet, daß sie dem Interesse des Landes und der Ansiedler am besten dient. Dieser Zeitpunkt ist noch, nicht gekommen. Die Einwanderung kann nicht beginnen, bevor systematische Kolonisationspläne nach ökonomischen, finanziellen und anderen Gesichtspunkten ausgearbeitet worden sind, was zum großen Teil ans der Basis der Lösung der politischen Palästinaprob lerne geschehen muß. Bis dahin sollte t e in ei n z i g e r A n s rv n n d e r e r n a ch P a t ä st i n a k o m in c n. Wir halten es für notwendig, das zu betauen und alle Gruppen und Einzelpersonen vor übereilten Maßnahmen zur Auswanderung zu warnen. Niemand sollte in Hast seine Geschäfte liquidieren und sich zur Boise nach Palästina bereit machen. Eine voreilige, unorganisierte und übereilte Einwanderung birgt die größten Gefahren sowohl für die Einwanderer selbst wie auch für die ganze jüdische Zukunft in Palästina. Jeder Zionist und jeder Jude wird sich klarmachen, daß jede verfrühte Eimvanderung nicht nur seine eigene Zukunft, sondern auch die Zukunft anderer Einwanderer gefährdet. Die zionistische Organisation ist sich der schrecklichen Bedingungen bewußt, die gegenwärtig für die jüdischen Massen in fast allen Ländern Osteuropas herrschen, und würdigt durchaus den Wunsch weiterer Schichten des jüdischen Volkes, sich so schnell wie möglich in Erez Israel anzusiedeln. Die Organisation wird sich mit aller Kraft und mit Hilfe aller ihrer Institutionen bemühen, sobald wie möglich eine großzügige und 'systematische Einwanderung nach Palästina herbei zu führen. Wenn aber dieses Ziel erreicht werden soll, so müssen wir Geduld und Ausdauer haben und aus die itn(xvbingte Wachsamkeit der Organisation vertrauen. Die Selbstdisziplin, die von jeher die stärkste Stütze der zionistischen Bewegung war, ist in diesen großen Tagen notwendiger als je zuvor. . Jeder einzelne muß wissen, daß nur eine shstenmtische Eimvanderung und Kolonisation das große nationale Ideal den Wiederaufbau Palästinas als der nationalen Heimstätte des jüdischen Voltes verwirklichen kann. Aus: Jude beim „Jerusalem" von Cvea Leipzig. . und Gegenden, Baudenkmäler und Kunstwerke anschaulich zit beschreiben und in Bildern vorzuführen, für deren prächtige Wiedergabe die Verlagshandlung .außerordentlich viel getan hat. Diesen für deutsche Leser im allgemeinen wirksamen Umständen tritt für jüdische noch ein vierter Vorzug hinzu, daß er meist vorurteilslos und ohne Voreingenommenheit jüdisches Wesen zu schildern bestrebt ist, wenn man ihn auch keineswegs blind gegen jüdische Mängel nennen darf. Denn man darf nicht glauben, daß er ein wirklich ausgesprochener Judenfreund ist, und noch viel weniger darf man in ihm einen erklärten Christenfeind sehen. Vielmehr macht er seinen christlichen Ständp'unkt"häufig "genug^geltend: Jerusalem und'das heilige Land sind ihm zunächst Stätten des Christentums; jein christliches Bewußtsein, tritt stark hervor. Daneben zeigen sich gelegentlich trotz aller Bewunderung für den Heroismus, den die Juden im Altertum zu zeigen hatten, auch abfällige Bemerkungen über ihre Halsstarrigkeit und Treulosigkeit. Diesen außerordentlichen Vorzügen stehen freilich einzelne Mängel gegenüber. Von ihnen ist der geringere, daß der Autor sich bei kleinen Einzelheiten ungebührlich lange aufhälh der größere der, daß er, vielleicht in der Absicht, den Umfang seiner Bücher auszndehnen, Ungehöriges, namentlich Historisches, das mit der Reisebeschreibung in keinem inneren Zusammenhang steht und im großen und ganzen allgemein bekannt war, das übrigens auch nicht auf eigenen Forschungen beruht, sondern nur ein Abklatsch aus läicht zugänglichen Büchern ist, in ermüdender Breite vortrügt. Denn die seitenlangen Auszüge aus Josephus, die breiten, Ausführungen über geschichtliche Vorgänge, haben häufig mit dem Inhalt dessen, was der Verfasser zu berichten hat, gar nichts zu' tun. Sie halten nur die geographische Schilderung und die Betrachtung über den augenblicklichen Zustand der Länder und Stätten auf. (Schluß folgt-) Gebet. Hedin. F. A. Brockhaus. 1918. Sven tzedin: Jerusalem. Bon L u d w i g G e i g e rft. urch drei Umstände erregen des Schweden Sven Hedins Bücher die große Sympathie deutscher Leser: erstens durch seine deutsch-freundliche Gesinnung- Er verleugnet sie auch in diesem Werke nicht. Mitten im Weltkrieg, freilich vor dessen auch ihm unmöglich erscheinenden grausigen Ausgange, Predigt er den sicheren Sieg der Deutschen und die Niederlage der Engländer, die er, trotz seiner nahen Beziehungen zu vielen bestimmenden englischen Männern, verkündet. Zweitens durch seine Objektivität. Man hat das Gefühl, daß dieser Reisende alles, was er beschreibt, wirklich gesehen habe. Er schildert ohne Voreingenommenheit und ohne überflüssiges eitles Vordringen seiner Person, soviel er auch von seinen Wahrnehmungen und gelegentlich von seinen persönlichen Geschicken zn berichten weiß. Drittens durch seine Gewandtheit, Menschen J) Aus seinem Nachlaß. Die in dem Obigen ausgewählten Illustrationen sind mit ausdrücklicher Genehmigung der Berlagshandlnng dieser Anzeige beigefügt. Nahe! Varnhagen und die löibrlüberlrtzung Moles Mendelssohns. s ist allgemein bekannt, daß August v. B a r n h a g e n , einer der hervorragendsten politischen Schriftsteller, die Deutschland hervorgebracht, zu den eifrigsten Freunden und Verteidigern der Juden und ihrer Rechte zählte. Irrtümlich; aber ist die so ziemlich verbreitete Annahme, daß Varnhagen zu dieser Stellungnahme erst durch seine Gattin, die geniale Rahel, gelangt wäre, welcher Annahme z. B. Gutzkow in lakonischer Weise Ausdruck gibt, wenn er in seinen „Erinnerungen" einmal schreibt: „Barnhagen, Jude durch seine Gattin." Lange bevor Varnhagen mit Rahel sich vermähft hatte, zu einer Zeit bereits, wo er als Jüngling seinen Universitätsstädten in Halle oblag, verriet er, wie man in; seinen „Denkwürdigkeiten des eigenen Lebens" lesen kann, fast! leidenschaftliche Sympathien für die Juden. Da berichtete er! z B. über einen- Disput, den er mit seinen Freunden! über das Christentum und seine Bedeutung für die Gegen- > wart hatte, wo er unter anderem sagt: „. . . Die kleine Zahl