Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 Dmieinarkt. Z. .Sio^oiiOrtfKU, im Mm. Die l' i q a b r i t i i d; c r 3 u d e „ l,ielt am l.s. sJJtäv(’> tu London it]v-e V\a()u'cucvianun(mui ab. Major Vtoiid d e i)iVt l) i cl) i l d führte 'teil Vorsitz. Es mctrcn nur RHuiifle Teilnehmer anwesend. Ter Vorsitzende referierte über die Arbeit des verflossenen Jahres unter besonderem Eingehen ans das Verhältnis der Liga (yim Zionismus. Vinn sei nicht zu einer Verständigung, mit Tr. W e i z m a n n und Herrn Svkolv 10 getont m-en., sei aber bereit, die englische Negierung in jeder Weise zu unterstützen, die britische .Kolonie Palästina erfolgreich zu machen. Lun wetteren Verlar,? seiner Vede stellte er die Behauptung auf, der Zionismus habe einen starken Antisemitismus hervor-geruf-en, der durch die Liga bekämpft werde-. Dir. Leonard L. E 0 h e n sagte, die Mitglieder würden sicherlich die bisherigen Versuche einer Annäherung an die Zionisten billigen, aber man dürfe nicht vergessen, das; es ein Hanptprinzip der Bewegung sei, „Religion und Nationalität" als unabhängig voneinander zu betrachten. Wie aus der Neve des Vorsitzenden hervvrgiug, hat die Liga dieses vitale Prinzip vielfach verteidigen muffen. Ter Antisemitismns, der sich nicht nur aus die Presse beschränkte, hat diese Theorie -eines jüdischen Nationalismus als eine neue Waffe in seinem Kampf, benutzt. Tie Anstrengungen richteten sich darauf, diese Angriffe zurückznweisen. Umstücklicherweise rügen diejenigen, die als hundertprozentige jüdische Rationalisten bezeichnet wercken, der jüdischen Ta che hier und anderswo und sogar dem Zionismus großen Trhaden zu. Herr P a d e r e tv s t i hat jette jüdischen Separatisten, die eine besondere Klasse, eine Nation in der Nation bilden wollen, gebrandmarkt. Diese verderbliche Theorie, daß die Inden eit'.e besondere politische Rationalität bilden, lvitt die Liga bekämpfen. Zn Polen und überall sonst beanspruchen sie vollkommene Freiheit und Gleichheit. Nir. E. G. Ni o n t e s i o r e unterstrich einige Punkte dieser Allssührungen. Er sagte, man beschuldige die Mitglieder der Liga, sic Wien nicht patriotisch, weil sie die zionistischen Pläne der englischen Negierung nicht genügend unterstützen. Tiese Vorwürfe habe der Vorsitzende in gebührender Weife znrürkgeiviefen. Tie seien froh, das; Palästina unter englische Kontrolle tommt, sie z ö g e tt vor, m e h r e n g l i j eh a l S j ü 'd i s ch z u s e i n. Tie seien gegen die Gründung eines jüdischen Staates oder einer jüdischen Nationalität. Es solle ruhig eine englische Kolonie in Palästina <?ebeu, in der alle Bekenntnisse, und alle Religionen gleich sind und wo ihre Glaubensgenossen jegliche bürgerliche und kulturelle Freiheit genießen. Er glaube uicht, daß diese Anschauung im Gegensatz ztl dem Plan der englischen Negierung bezüglich Palästinas stehe. Major Laurie Magnus wies ebenfalls auf die Nichtigkeit des von Paverewski gemachten Unterschiedes zwischen polnischen Staatsbürgern jüdischen Glaubens und jüdischen Separatisten hin. Außerdem sprachen Tir Harry Tamuel, Mr. E. L. Franklin und Tir Niareus T a m u e l. In den Vorstand wurden getvählt Mr. E. Ni. T a m u e l, Geuerallcutuant Tir John Mo na sh und Major F. E. T t e r u. ZI'ewish Ghronicle" widlnet dieser Sitzung eine Betrachtung. Mau habe bisher immer noch gehofft, das; die Liga eine gemeinsame Plattform mit den übrigen Juden finden werde, doch warten die Ergebnisse der letzten Jahresversammlung in dieser Beziehung keineswegs erunttigend. Von Sah und Fern. Ter zum Tolmetscher der deutschen Friedensdelegation ernannte Herr Instizrat Tr. Schauer befindet sich mit in Versailles. Tr. Schauer war zunächst Rechtsanwalt in Niainz, dann Justiziar der deutschen Botschaft in Paris und zuletzt während des Krieges Ehes der deutschen Justizverwaltung beim Generalgouvernement in Brüssel. - - In seinem Universitätskolleg über Deutsche Literaturgeschichte berührte neulich Professor Gustav Roethe die brennende Tagessrage und gebrauchte dabei die folgende Wendung: „N n r einem von Jude n und Soziali st e n verhetzten Volte tonnte eine derartige Katastrophe zustoßen." Tiese Aenßerung in einem Augenblick, wo alle Volksangehörigen zusammenhalten und Pnrteigezänk hintanstellen sollen, verdient niedriger gehängt zu werden. - Der Berliner Prediger Rabbiner Tr. Hermann Loeb, ein Schüler der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, ist znm Prediger und Rabbiner in Gvtenbnrg in Schweden berllsen worden. Rabbiner Tr. Siegfried Klei n (Berlin) wurde zum Rabbiner in Düsseldorf gewählt -- Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Jugendorganisationen von Groß-Berlin veranstaltet am Sonnabend, den 24. Mai, abends 7X> Uhr, in der Singakademie einen Indischen Kunskabend. Mitwirkende: Arnold Földessh (Eellvvirtuose), Erna Gerstmann (Konzertsangerin) \u\h Niagnns Davids v h n (Duette), Ludwig Hardt, Dr. Helix Günther (Klavier). Billetts zu 2,50, 4,00 und 0,00 Mart bei Bote n. Vvck und Kauihaus des Westens. Aus Posen wird uns geschrieben: Als Sachverständige über Ostfragen für die Friedensverhandlnngen sind nunmehr endgültig für Posen unter anderen ernannt worden: Geheimer Kommerzienrat Arons o h n , Bromberg: Instizrat B a e r w a l d , Bromberg: Stadtrat F r i e d t a e n d e r , Bromberg; Kaufmann F u , Bromberg; Dr. Moritz Jaffa, Posen; Bankier Georg Hermann L o e lv y , Rmvitsch; Generaldirektor Dr. Pietrtvwsti, Posen; Geheilter Regiernngsrat, Archivdirektor Tr. Warschauer. —- 4iach langem, schwerem Leiden verschied in Schwersenz Iran Henriette K i w i, Borstandsmitglied des Jüdischen Frauenvereins. Die Verstorbene hatte sich bei allen Mitbürgern der Stadt durch ihr leutseliges Wesen Liebe und Achtung erworben. Dies bewies auch die starte Beteiligung bei der Beerdigung. — Im Altonaer Stndttheater gelangte ein historisches Drama von Jacob Loewenberg „Aelfrida" zur Uransführnng. Es spielt in der Zeit des Angelsachsenkönigs Edgar von England um WO. Die dramatische Novität wurde sehr beifällig ausgenommen. -. Unter den Geiseln, die tu München von betrunkenen russischen Soldaten au die Wand gestellt und niedergeschossen wurden, befand sich auch der Maler Ernst Berger, den sein trauriges und grausames Schicksal im 02. Lebensjahre erreicht hat. Berger hat an der Wiener Akademie unter Eisenmenger und Makart studiert und in einzelnen seiner Werte, deren man sich auch von Wiener Ausstellungen her entsinnt, war er bestrebt, das Makartsche Kolorit sieh anzueignen. So entsinnen wir uns eines Bildes „Orientalischer Mark in Venedig" und eines anderen, das die Wassertveihe in Venedig darstellte. Ernst Berger gehörte einer der angesehensten jüdischen Familien Wiens an. Sein Bruder, Dr. Alfred Berger, war jahrelang Vorstandsmitglied der israelitischen Knltnsgemeinde; sein Vater, Heinrich Berger, war ein eifriger Förderer der jüdijchen Literatur und zählte zu den vornehmsten Repräsentanten des orthodoxen Judentums im alten Oesterreich. — In Hemer in Westfalen begingen am 10. Mai die goldene Hochzeit Herr S. Gott j cl) ei i f und Frau R e g i u a geborene Blumenthal. Herr Gottschalk war lange Jahre Borstandsmitglied der israelitischen Gemeinde in Hemer. ----- Zum Stadtrabbiner in Karlsruhe wurde als Nachfolger des verstorbenen Rabbiner Dr. Appel der bisherige zweite Rabbiner Herr Dr. Kurrein, ein Sohn des Teplitzer Rabbiners, geivählt. - Die Illden in Spanien, meistens Kriegsflüchtliuge ans Rußland, standen vor kurzem vor der Gefahr einer restlosen Anslveisung aus dem Laude, die innerhalb 24 Stunden vollzogen werden sollte Die Ursache dieses drakonischen Erlasses war eine generelle Verleumdung der .giden siireus des ehemaligen russischen Generalkonsuls in Spanien, der alle Ilideu des Bolschewismus beschuldigte. Die spanische Regierung hatte ohne weitere llntersuchuug zum alten Mittel der Iudenausrreibuug gegriffen und ließ bereits ein Schiss bereitstelleu, das die russischen Ilideu, besonders jene, die sich lvährend des Krieges m Barcelona meoerließen, nach Odesta bringen sollte. Im letzten Allgenblick gelang es jedoch, diesen Ausweis nngsvefehl rückgäilgig zu luachell. Dank den. Bemühungen des englischen Botschafters -paroing mtö lxs bekannten Müschen Professors an der Maorider Universität, Dr. Iahuda, lvnrde eine Untersuchung eingeleitet, die die gänzliche Grundlosigkeit der gegen die Inden erhobelien BeschtlldiglUlg ergab. Injolge dieses Ergeonisses sowie der besonderen persönlichen Garantie des Professors Iahuda, der sich für eine loyale Haltung der ruichicoen Inden in Spanien verbürgte, erhielten die letzteren die Erlaubnis, weiter im Lande zu verbleiben. .- In Konstantiuopel ist Mr. Albert A. A n t e b i, der Direktor der technischen Schule oer Alliance zu Jerusalem und deren Vertreter in Patastlna, gestorben. Antebi war enter der einflußreichsten lüoischen Pcrsvnttchtetten Palästinas, or lvnrde deshalo vor zwei wahren von Djernal Pascha ans Palast ina verbannt. — Das Jüdische Preßbllrean ln Stockholm berichtet Die briti,che Administration ln Palästina beabsichtigt, zwei Millionelt Pfund für die Verbesserung des Hafens von Haifa und die Modernisierung Iertlsalems zlt investieren. —- Nach der Aufstellung des „Amerikanischen Hilfskomitees für die füdischen Kriegsopfer" hat dieses Komitee bis zum 1. Marz fast 10 Millionen Dollar verteilt Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, ReuköUn. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.