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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-05-09 · Heft 19 (9.5.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 19 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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&ttfl)oUoni>en Juden wurde von vor Miliz vereitelt -die die Angreifer vertrieb und die Hallen sperrte. Das gleiche geschah' auch in der Wolowki- und Stawtigasse. — Die Ausschreitungen der „Pojener" dauern an. Unter dem Vorlvand, man habe aus -den Fenstern geschossen^ dringen sie in jüdische Häuser ein und nehmen „Untersuchungen" vor. bei welcher Gelegenheit alle Wertsachen verschwinden. Juden werden aus den Straßen überfallen und mißhandelt, andere werden ausgepl-ündert. Betrunkene und mit Handgranaten bewaffnete Soldaten durchstreiften die Graniczna!, Grzhbowska und Twarda und verprügelten die vorbeigehenden Juden.. Die Miliz ist machtlos. In der Sa kroczy.mska strafte nahmen die, „Posener" drei Polizeibeamte, die sie bei der „Arbeit" störten,, fest' und führten sie nach der Zitadelle ab, wo die Posener Truppen untergebracht sind. Mit großer Mühe gelang es dem Warschauer' Polizei'ches, die verhafteten Beamten zu befreien. Am Dienstag. drangen um 9 Uhr abends in die Konditorei von Teckel, Ecke Bagna- und Sw. Krzyskastrafte, 30 bis 40 bewaffnete „Posener" ein und' warfen sich mit wildem Geschrei: „Heute muß inan alle Juden ab-, schlachten!" auf die zufällig anwesenden Juden, die durch Seiten-' nusgange flohen. Einem 70jährigen Juden, David Hirsch Steinmeister, der nicht rasch genug fliehen konnte, schlugen sie den Schädel ein. Er wurde in hoffnungslosem Zustande nach Hause gebracht. Zahlreiche jüdische Geschäfte in der Marianska-, Panstä-, Fretannd Sw. Krzyskastrafte wurden ausgeraubt, desgleichen die jüdischen Restaurants und Privatwohnungen. Es wurden viele Verwundete gezählt. Auf Befehl des Stadtkymmandanten Z awd sti wurde der Feldwebel Kabza, Kommandeur der Posener MilitürabteiLung, den die Hauptschuld an den Exzessen treffen soll, verhaftet. Die polnischen Zeitungen Warschaus fahren ungeachtet der furchtbaren Folgen in ihrer blindwütigen Hetze gegen die Juden fort. Sie rechtfertigen offen die Pogrome der „Posener" und verbreiten dabei das Märchen, jüdische Händler hätten durch Verabreichung von denaturiertem Spiritus an polnische Soldaten sechs „Halleristen (Angehörige der Armee des Generals Haller) vergiftet. Tie Negierungsorgane unternehmen nichts, um dieser furchtbaren Hetze entgegenzutreten, itnb die jüdische Oeffendlichkeit appelliert vergeblich fortwährend an das Kommando des Warschauer Militärbezirks und an die Stadtbehörden. Von Mah und Fern. -- Eine Gedenkfeier für d i e v e r st v r b e n e Phila n t h r o p i n Frau B e r t h a M a n h c iw c r veranstaltete die Altersversorgungsanstalt in der Schönhauser Allee anläßlich der Wiederkehr des ersten Todestages ihrer Stifterin ant Montag, den 28. April, in der Anstaltssynagoge. Ter Vorstand der Altersversorgungsanstalt war mit dem Vorsitzenden Herrn Leopold Badt, ebenso sämtliche Ehrendamen des Instituts sowie Verwandte und Freunde des Hauses erschienen. Die Insassen der Anstalt nahmen ebenfalls an der Feier teil. Ter Anstaltsrabbiner Dr. Grünfeld entwarf in kurzen Zügen ein Lebensbild der Entschlafenen. Er schilderte die Großzügigkeit ihres Wohltätigkeitssinnes und pries die Tugenden der edlen Frau, deren Leben allen Werken aufrichtiger Menschenliebe geweiht war. In ihrem Sinne soll die Anstalt weitergeleitet und geführt werden. Oberkantor T a v i d s o h n verrichtete das El-mole-rachamim-Gebet und umrahmte die Feier mit weihevollen Trauergesängen. — Professor Dr. Ernst Levy, Amtsrichter a. T. und Privatdozent in der Berliner juristischen Fakultät, ist zum Extraordinarius für römisches Recht an der Universität Frankfurt a. M. in Aussicht genommen. Dr. Levh, ein geborener Berliner, war von 1909 bis 1913 als Amtsrichter in Oranienburg tätig. 1914 erhielt er die venia legendi für römisches und deutsches bürgerliches Recht an der Berliner Universität. — In Berlin traf der ehemalige Minister für jüdische Angelegenheiten in der Ukraine R e w u tz k i ein. Rewutzki gehörte bekanntlich der letzten ukrainischen Regierung Petljura- Winitschennto an, die der bolschewistischen Invasion weichen mußte. — Tie in Berlin ansässigen sephnrdischen Juden haben auf einer am 13. v. M. veranstalteten Versammlung folgende Resolution angenommen: Die am 13. April 1919 in den Räumen des Jsraelitisch- Sephardischen Vereins versammelten sephardischen Juden Berlins begrüßen die Bildung des Jüdischen Rationalrates in Konstantinopel und geben der Hoffnung Ausdruck, daß er den Anfang bilde zu einem i machtvollen Emporblühen jüdischen Lebens und jüdischer Kultur . unter den Juden der Türkei. - Die Königsberger Ortsg r u P P e des Jüdische n F raue u b undes eröffnet in diesem Jahre von Juni bis September ihr E r h o l u n g s h c i nt in Gran z, Schubertstraße 4, in der erholungsbedürftige jüdische Mädchen, die im Beruf stehen oder sich für einen solchen vorbereiten, gegen mäßigen Pensionspreis Au fnahme finden. Tie Vorbereitungsarbeiten liegen in den Händen der Frau Rabbiner Dr. Vögelst e i n. — Die Jüdische Gemeinde in. Jannowitz beging am 5. v. M. die Feier des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge durch eine Festandacht. Der Gemeinderabbiner Herr Dr. I a c v b s o h n aus Gnesen hielt die Festpredigt. Die Gesänge zur Feier wurden durch Herrn Oberkantor W i l k o m i r s k i aus Posen ausgesührt. — Aus Köthen (Anhalt) wird uns berichtet: Der bekannte Chemiker und Chefredakteur der „Eyemiker-Zeitung" Dr. Walter R o t y hat von der anhaltinischen Regierung einen Lehrauftrag für „Geschichte der Chemie" an der hiesigen Gewerbe- und Handelshochschule erhalten und angenomnteu. Dr. Roth ist der erste Jude im Lehrkörper. — Obertantor R. R a t h a n s o n in Altona beging am 5. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Die Rechtsanwälte Dr. Manfred H o r o w i tz und Tr. Herbert P a r d o wurden als sozialdemokratische Abgeordnete in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Tr. Manfred Horvwitz ist ein Sohn des Kaufmanns Herrn Leon Horowitz in Hamburg, eines hochgebildeten Mannes, der neben seiner umfangreichen kaufmännischen Tätigkeit noch immer Zeit und Muße findet, sich auf dem Gebiete der jüdischen, insbesondere der neuhebräischen Literatur zu betätigen. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts redigierte er zusammen mit dem im hohen Alter in Warschau verstorbenen Eh. S. Slvnimsti die hebräische Zeitung „^.azefirah", die damals in Berlin erschien. Seine unter dem Pseudonym n'TX iu verschiedenen hebräischen Zeitungen erschienenen Aussätze zählen nach Hunderten und zeichnen sich in Sprache, Form uiiD Stil durch das Gepräge des unverfälschten Hebraismus aus. — Im Atter von 76 Jahren ist Tistriktsrabbiner Nathan Bamberger m Würzburg verschieden. — Ein „Daniel-Bund" (Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums, E. V.) wurde unter dem Vorsitz von Dr. med. A. T h e i l h a b e r in München gegründet. Die Hauptaufgabe des Bundes ist: Gründung und Förderung jüdisch-vegetarischer Landsiedelnngen, vornehmlich in Palästina, mit Obst- und Gemüsegärtnereien, unter Ausschaltung der berufsmäßigen Viehzucht. Prospekte lind Flugblätter sendet unentgeltlich der Schriftführer des Bundes M. Chawkin, Vküuchen, Bergmannstrabe 7. — Prvvinzialrabbiner Dr. Michael Cahn in Fulda ist aus Antrag in den Ruhestand versetzt worden. An seiner Stelle wurde sein Sohn Dr. Lev Cahn zum Rabbiner der Gemeinde Fulda und zum Provinzialrabbiner ernannt und von der Regierung bestätigt. — „Mein Weißbuch über den Weltkrieg" betitelt sich ein soeben erschienenes kleines z Werk in zwei Bänden von Benj. Wechsler, Frankfurt a. M.! Ein eigenartiges und interessantes Buch, dessen Untertitel „Messianifcher Zionismus" in die Gedantensphüre des Inhaltes eiufuhrt. Auch für Leser, die den Ideen des Berfassers ablehnend gegenüberstehen, enthält das Buch eine Fülle von Nachdenklichem und Interessantem. - - Aus Lemberg wird berichtet: Es ist letztens wuwerholt von geheimer polnischer Seite der Versuch unternommen worden, Waffen und Munition in Gebäude der jüoifd)cu Institutionen in Lemberg zu durchsichtigen Zwecken emzufchmuggeln. . Dieser Tage wurde ein gleicher Versuch von polnischen Individuen unternommen, Waffen in das Haus , Müschen Gemeindeverwaltung hineinzuschaffen. Es wurde dies jedoch von einem Gemeindebeamten bemerkt, der davon der Polizei Meldung machte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 5«. Verantworruct) für den Anzeigenteil: iltaj Fahrnranoer, ymitouii. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. Geschäftliche Moti- Bad Salzbrunn. Tie Fürstlich Plefsischen Luellen. sind vom 1. April .an an die Mineralwassergvoßhandlung Oscar Gießer in Breslau auf. einen langen Zeitraum verpachtet worden. Tie hiesige Abteilung genannter Firma — der Salzbrunner CneHensUkrianb — führt sich nun durch die Herausgabe einer neuen, sehr hübsch ausgestatteten Brunnenschrift ein, welche alles Wissenswerte über die drei Hanptguellen, „Oberbrunnen", „Kronenguelle" und „Fürstensteiner (Marthaquelle)" enthält und die vom „Quellen-Versand" von jedermann kostenlos bezogen werden kann.

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