Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 Alisschußtuitgliedes Herrn Jagues Simon getroffen hat. Der Plötzlich Tod des Lehrerverwalters der Gartenbauanstalt, Herrn Josef Jet l inek, hat den Verein gleichfalls in liefe Trauer versetzt. Ein überaus schätzbarer, eifriger und berufener Vereinsbeamter ist in ihm heimgegangen, der in der Gärtnerausbildung Vortreffliches geleistet und sich allgemeine Anerkennung erworben hat. Der Bericht des Direktors hebt die auf dem Gebiete der Berufswahl und des Lehrlingsschutzes erreichten Resultate hervor; auch ist ihm zu entnehrnen, daß zwanzig Gewerbefachschülern Stipendien im Gesamtbeträge von 2870 Kronen bewilligt worden sind. Tie moralischen und Produktionsergebnisse der Gartenbauanstalt entsprechen den Erwartungen. Der Acterbauminister hat als Subvention eines Kurses für landwirtschaftliche Hausindustrie 1000 Kronen angewiesen. Der Verein hat unter unerhört schweren Lebensbedingungen für die Verpflegung, Bekleidung und Ausbildung von mehr als dreihundert armen, verlassenen Kindern, darunter Kriegswaisen, zu sorgen. Den Einklang zwischen Ausgaben und Einnahmen zu erreichen, was mit der ungestörten Fortsetzung der segensreichen Tätigkeit des Vereins gleichbedeutend ist, erheischt große Opfer. Alle Menschenfreunde mögen dies wohlwollend beherzigen. Von Mah und Lern. Wie wir bereits mitgeteilt haben, findet die diesjährige Generalversammlung des Hilfsrereins der Deutschen Juden am Sonntag, den 27. d. M., vormittags 11 Uhr, im Logenhaus der Logen U.O.B. B., Kleiststraße 10, statt. Ter Vorsitzende des Vereins, Herr Tr. James S i m o n , und Herr Tr. Paul N a t h a n , der Geschäftsführer i. E., werden über die Tätigkeit des Hilfsvereins im abgelaufenen Jahr und seine weiteren Ausgaben berichten. — Professor Tr. Julius Gutmann von der Universität Breslau, der zum Dozenten für R e l i g i o n s p h i l o s o p h i e und Ethik an der Berliner Lehr a n st alt für die Wissenschaft des Judentums berufen worden ist, hält Sonntag, den 27. April d. I., mittags 12 Uhr, in der Aula der Lehranstalt, Artllleriestraste 14, ferne öffentliche Antrittsvorlesung. — In der Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 30. Mürz' wurd? in der anschließenden geheimen Beratung Herr Rechtsanwalt Tr. Georg Bau m in Berlin zum höheren Beamten im Sinne des § 50a des revidierten Gemeindestatuts gewählt und die Berufung des Herrn Rabbiner Tr. Emil L e v y (Strapburg) als Gemeinderaboiner beschlossen. — Professor Ernst Sachs wurde zürn dirigierenden Arzt der gynätologifch-geburtshilflich^n Abteilung des Kraurenhauses der Jüdischen Gemetnoe in Berlin gewühlt. Sachs war früher Oberarzt der Unwersitärs-Frauentlinit in Königsberg i. Pr. —- Herr Tr.Lstnr Götz begeht am 1. Mai sein 25jähriges Amtsjubiläum als Direktor der Rauenfchen Erziehungsanstalt. Ter Jubilar hat sich um die tnoderne Ausgestaltung der seit nunmehr 130 Jahren bestehenden Anstalt große Verdienste erworben. Mögen ihm noch viele lebensfrohe ^zahre im Dienste dieser ältesten jüdischen Anstalt in Berlin beschieden sein. — Herr Fabrikbesitzer Garbath in Berlin-Pankow spendete für Wohlfahrtszwecke der Amtlichen Fürjorgestelle in Pankow 10 000 Mart als Ostergabe, die an besonders Bedürftige verteilt werden konnten. — Geheimer Baurat Professor Tr. Richard W o l s f e n st e i n, RUtglied der Akademie des Bauwesens und Erbauer verschiedener Synagogen, ist am 14. April in Berlin im 73. Lebensjahre verstorben. Geheimrat Wolfsenstein erfreute sich in den Kreisen der Berliner Architettenwelt und Künstlerschaft großer Wertschätzung. In jüdischen Kreisen ist der Verstorbene als Erbauer der Gemeindesynagoge m der Lmdenstraße und als Schöpfer der Synagogen in Tessau, Königsberg i. Pr. und Posen besonders bekannt geworden. Ter Verstorbene, der sich um die Interessen der Prlvatarchitetten ein großes Verdienst erworben hat, wurde zmn Doktor und Professor, 1912 zum Geheimen Baurat ernannt und wurde 1915 ordentliches Mitglied der Akademie des Bauwesens. Mit ihm ist ein großer Künstler und warmfühlender Jude heimgegangen. — Im 62. Lebensjahre verschied am 12. d. Al. Jnstizrat Earl Engel. Der Verstorbene gehörte seit mehreren Dezennien dem Verein der Gesellschaft der Freunde an, wurde schon früh in den Vorstand gewählt und stand seit dem Jahre 1912 als Vorsitzender an der Spitze des Vereins. — Am 1-3. d. M. starb kurz nach vollendetem 53. Lebensjahre Justizrat Dr. Berthold Faerber. — Aus Schwetz a. d. W. wird uns geschrieben: In Snuermühle b. Osche verschieden am 10. April an den Folgen der durch ruchlose Hand verübten Schusiverletzllngett bet frühere Mühlengutsbesttzer Rentier Baruch Rosenberg und feine Frau Rosalie Rosenberg gcb. Segall im Alter von 76 bzw. 68 Jahren. Die Beerdigung fand am 13. d. M. unter großer Beteiligung weiter Kreise auf dem hiesigen israelitischen Friedhof statt. — Unser geschützter Mitarbeiter Herr Stadtverordnoker Leon Scheinhaus in Memel beging vor kurzem das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Wir entbieten ihm nachträglich unseren herzlichsten Glückwunsch. — Zu der Meldung, daß Oberlandesgerichtsrat Dr. S a l i n g e r in Breslau als erster preußischer Jude jetzt zum Reichsgerichtsrat ernannt wurde, wird uns ergänzend mitgeteilt, daß der ordentliche Professor für deutsches Privatrecht Dr. Jakob Friedrich B e h r e n d, der von 1888 bis 1900 Reichsaerichtsrat war, gleichfalls dem Judentum angehörte. — Aus Rybnik wird uns berichtet: Auf Anregung unseres Herrn Rabbiners Tr. Artur R o s e n t h a l wurde hier ein neutraler Jugendbund gegründet und diesem eine Jugendgruppe angegliedert. Ter Verein zählt bisher 70 Mitglieder, die Kindergruppe 15. Erster Vorsitzender ist Rabbiner Tr. Artur Rosenthal. — Am 14. d. M. ist in Münster i. W. der Seminarlohrer Herr Jakob Fein stein verschieden. Ter Heimgegangene, der 4u Jahre lang an der Marks-Haindorffjchen Stiftung »segensreich gewirkt hat, war ein Mann gründlichen jüdischen Wissens und aufrichtiger Frömmigteit. — Bei der Ergänzungswahl für die Gemeindeverwaltung in Mannheim wurde an Stelle des m den Synagogenrat gewählten Herrn Ludwig Zimmern Herr Prokurist Ludwig Mosbacher als Mitglied der Gemeindevertretung gewählt. — Aus Karlsruhe wird geschrieben: In den Kommisistonssitzungen des Landtages wurde ein Antrag angenommen, der den Religionsunterricht als em Pflichtfach erklärt. Die Befreiung vom Besuch des Religionsunterrichts kann nur dann bewilligt werden, wenn der Schüler von einer hierzu geeigneten Person den entsprechenden Religionsunterricht erhalt. Alle Schüler vom 6. bis 10. Lebensjahre müssen unter Ausschluß jeder Privatschule die ösfentliche Volksschule besuchen. — Aus Wien wird gemeldet: Herr Oberravbiner Dr. E h a je s , der soeben aus der Schweiz zurückgekehrt ist, machte die Mitteilung, daß es dein Jüdischen Nationalrat sur Deutsch- Oesterreich gelungen ist, die Eiureis edewilllgung für zunächst fünfhundert Kinder seitens der Schweizer Behörden zu erlangen. Ausdrücklich wurde vemerkt, daß die Aktion auch auf die in Wien weilenden Flüchtlingskinder ausgedehnt werden tanu. — Die in Lemberg erscheinende Zeitschrift „Ehwila" meldet, daß dort ein jüdisches Komitee zur Bekämpfung des Schleichhandels gegründet wurde und daß die dortigen Raobiner in den Synagogen feierlich verkünden ließen, daß ern jeder Jude, der des Verbrechens des Schleichhandels überführt würde, mit dem Bannfluch belegt werden wird. — „Republiea", das offizielle Organ der westukrainrschen Volksrepublik, teilt mit: Das Staatssekretariat wird demnächst im ukraimschrn Nationalrat ein Gesetz über die jüdische Autonomie einbringen. Bis dahin sind die Bezirkskommissäre angewiesen, den Bestrebungelt der Juden nach politischer Organisation kein Hindernis zu bereiten. Als Vertretungstörper der Juden gelten die jüdischen Orksnationalräte, die auf Grund der eigenen Wahlordnung bereits gewählt worden oder zu wühlen sind. Die höchste autonome jüdische Behörde im Lande mit Steuerhoheit für die jüdische Bevölkerung ist der Jüdische Rationalrat für Ostgalizien, der seinen Sitz in Stanislau hat. — lieber Sn jüdisches Soldaten- und Seeleuteheim in London berichtet „Daily Telegraph" -in einer seiner letzten Nummern. Das jüdische Soldaten- und Seemannsheim ist eine Gründung des Jüdischen Arbeiterklubs unter Leitung und Förderung der Christian Young Men Association (Christlicher Verein junger Männer)). Tie Bestrebungen des Arbeiterklubs wurden vom Baron Anton v. Ro th s chil d in London unterstützt, so daß der Verein 1916 imstande war, ein großes Heim zu errichten. Das neue Haus hat. unter den jüdischen Kriegsteilnehmern bald großen Anklang gefunden. Nicht weniger als 100 000 jüdische Krieger haben die Anstalt benutzt, ferner eine kaum geringere Anzahl von Nichtjuden, denen das Heim gastlich offen steht. Diese Toleranz hat, wie „Daily Telegraph" ausdrücklich konstatiert, „viele Schranken niedergelegt, die bigotte Unwissenheit und Gedankenlosigkeit aufgerichtet hatten". Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 88. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.