Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 83 (1919)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1919)
- Date
- 1919-04-11
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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-M Gemeindebore. """ """" OelWe zur „ÄttArmetnen Eetrung des Judentums" Lorrrspondrnffkn unv Aschxjchtrn V *** Srvtschlsnil. ' E. M. Berlin, 8.April. '$) er Äe re in für Arbe.its- Nachweis, begründet von den Logen U.'O. B. B., hielt am letzten Mittwoch seine - 23: 'Generälversammlung üb, die vom stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Bf er mit einem Nachruf für die im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder des 'Vereins eingeleitet wurde. Hierauf gab der zwyte Stssstvertreter des Vorsitzenden, Herr Eugen Ga spary, an der Hand des> Jahresberichtes einen Ueberblick über die Wirksamkeit des Vereins im letzten Wirtschaftsjahre. Während bis zum Herbst 1918 pch die TätigkeitdesArbertsnachlveises durchaus im Rahmen "desVorjahreshMt, traten nach dem Zusammenbruch der deutschen Volkswirtschaft neue Aufgaben an ihn heran, die zu einer Aenderung und Erweiterung des Programmes zwangen. Bis zum Herbst 1918 wurden etwa 1000 feste Stellen vermittelt, gegen 1278 im Vorjahre und 1562 im Jahre 1916. Mit der Revolutionszeit begapn das Mißverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot ans dem Arbeitsmarkt rapide zu wachsen. Der geplante Ausbau dar. -^Schreibstube", die den Arbeitslosen vorübergehenden Erwerb bietet, konnte wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht verwirklicht werden. Der Abteilung „Berufsberatung" wurde besonderes' Interesse gewidmet. Sie arbeitet nach drei verschiedenen Gesichtspunkten, und zwar bearbeitet sie die allgemeine B e r u f s u m f ch i ch t u n g sowie die Berufsberatung für Kriegsteilnehmer und endlich die Bern f s b e r a t u n g für Jugendliche. Die Beratung für die leiden ersten Gruppen ist außerordentlich schwer, weil in allen Berufszweigen gleichmäßig wenig Arbeit vorhanden ist. Die L e h r ste l l en v e r m it t l u n g hatte dagegen erheblich bessere Erfolge aufzuweisen. Der „Arbeitsnachweis" hatte sich in seinem letzten Geschäftsjahre wiederum der Mitarbeit der Großloge wie auch der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und ihrer Verwaltungskomlnissionen zu erfreuen. Die von Herrn Caspary vorgeschlagene Umwandlung des etwas farbloien Namens „Verein für Arbeitsnach weis" in „Jüdischer Arbeitsnachweis" wurde nach längerer Aussprache für eine spätere Versammlung zurückgestellt. Am Schlüsse der Sitzung erfolgten die Vorstandswahlen, bei denen Dr. Max Ginsberg wieder zum ersten Vorsitzenden, die Herren Max Beer und Eugen Caspary zu dessen Vertretung und die Herren Hugo B,1a n k e n b u r g', und Emil C o h n zu Satzungsmeistern gewählt wurden. Nachdem Herr Wachsner als Vertreter der Jüdischen Gemeinde deren Grüße überbracht hatte, wurde die Generalverfammlung ton Vorsitzenden geschlossen. M. JV. ©erlitt, 8. April^ D e r Verbandjüd i 's cherFrauen für K u l tü'r a rb er t'i n Palästina gehört zu den Organisationen, die besonders hart durch den Krieg getroffen und in ihrer Wirksamkeit gestört worden find. In feiner letzten Versammlung gab Frau T r e i d e l den Jahresbericht, an dem man mit Bedauern feststellen konnte, wie sehr dieser aufblühende Verband in all seinen Bestrebungen durch die schweren Kriegsheimsuchungen getroffen worden ist, rpie alla verheißungsvollen Anfänge im besten Wachstum gestört wurden. Viele wertvolle Vlitarbeiter des Verbandes mußten das Land verlassen, das Krankenhaus zu Haifa wurde geschlossen, auch die Mädchenfarm konnte nicht erhalten werden. Die Spitzenschulen, deren Erzeugnisse sich in den letzten Jahren bei beständig wachsender Nachfrage vorzüglich eingeführt haben, mußten zum Teil geschlossen werden,- und-, diejenigen, die weiterarbeiteten, hatten mit ungewöhnlichen, ^wierigkeiten. betreffs Materialbeschaffung, mit TransPortLalamitäten uswzu kämpfen. Trotzdem hat sich diese Industrie über.Wasser gehalten, was um so mehr, anzuerkennen ist, da die jüdischen Arbeiterinnen ohne weitere Vorbildung die arabischen Muster, aus denen diese Industrie fußt, weiter fortentwickelt haben. Für modern qusgebildete Kunstgewerblerinnen müßte hier ein lveites Feld der Betätigung liegen.' Immerhin spricht es für die Lebensfähigkeit dieser Industrie, daß es vielen Mädchen gelungen ist, sich durch sie während, dev zu erhalten.. Auch, ist zu hoffen, daß sich bei normalen - Zeiten die Industrie wieder heben wird. Schon jetzt liegen Nächlnchten vor, daß eine größere Anzahl «Ware versandbereit fertig/lagerte Herr Dr. A u e r b a ch wies dann darauf hin, daß die ganze .Kplonisation durchweg von dsr Mitwirkung der Frau abhängig sei: vor allen Dingen bei der Landwirtschaft. Ein Gedeihen des Bauernstandes ohne tätige Mitwirkung der Frau ist eben nicht möglich. ' Wir sehen es an dem bleibenden Wohlstand der schwäbischen BäüMn, dessen Seele die rührige Bauernfrau in ihrer schmucken Häuslichkeit ist. Die Mitarbeit der Frau, nicht nur die positive, sondern auch die, die sie durch Vermeidung unnützer Ausgaben, durch sparsamesWirtschaften leistet, ist der bestimmende Faktor bei dem Wohlergehen des Landwirts. Eine große Aufgabe, liegt auch, vor der Frau, die als Krankenpflegerin nach Palästina gehen wird.. Hw-.wird nicht nur.als Assistentin des Arztes wirken, sondern auch jewständig als Gemeindeschwester bk Frauen zu beeinflussen haben, üm ihnen, die teilweise auf ganz primitiven Kulturstufen stehen,'die wichtigsten sanitären Begriffe beizubringen. Besonders den Kinder- und Säuglingspflegerinnen liegt ein weiter Wirkungskreis offen. : Wenn man bedenkt, daß die Säuglingssterblichkeit irr.Palästina 50 Prozent beträgt und die Kinder-- sterbljchkeit dementsprechend groß, ist, so wird man es verstehen, daß Dr. Auerbach die ganze Zukunft Palästinas, von der Beantwortung der Säuglingssürsorge abhängig macht und seine Ansicht darüber in die Worte zusammenfäßt: „Das Volk wird in Palästina die Oberhand gewinnen, das die geringste Säuglingssterblichkeit aufweist." Wie sehr die europäische Külillr mit ihren Begleiterscheinungen auf die Krankheiten des Orients einwirkt, das beweist der Stand der ägyptischen Augenkrankheit, die überall in Palästina im Sinken begriffen, sogar stellenweise erloschen ist, wo sich europäische Kolonien auftaten. Aehnliche Ausgaben wie die Krankenpflegerin wird die Kindergärtnerin zu erfüllen Huben. — Ein besonderes Problem, allerdings eins, das in der ganzen Welt augenblicklich akut ist, wird in Palästina die Stellung des Hauspersonals zur Dienstherrschaft bilden. Es ist anzunehmen, daß sich 'dort ziemliche Schwierigkeiten dadurch ergeben werden, da sich die dienenden Schichten durch so viel Gemeinsames — durch gleiche Rasse, gleiche Religion usw. — ihren Dienstherrenverbunden fühlen und sich ihnen nur schwer im althergebrachten Sinn unterordnen werden. Es empfiehlt sich daher, in großzügiger Weise, was ja auch dem allgemeinen Zug der Zeit entspricht, den dienenden Klassen entgegenzutommen, um die sozialen Gegensätze möglichst auszugleichen. Dr. Auerbach schloß ferne interessanten Ausführungen mit dem Hinweis daraus, daß auch die berufstätige Frau ihren Hauptberuf mebötrf. Dieser Beruf sei der der Gattin und Mutter, und zwar der kinderfrohen, kinderreichen Mutter, die freudig die Arbeit auf sich nimmt, die eine zahlreiche Kinderschar''uckt^ichMMAt.. ''Äerln die Kinder, die Träger der Zukunft, werden auch über Palästinas Zukimst entscheiden. W. Posen, 4. April. In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde wurde u. a. die Frage der Errichtung einer jüdischen Volksschule in Posen behandelt. Nachdem auf Anregung des JüdiselMN Volksrates in öffentilicl)er Versammlung diese Angelegenheit besprochentlnd hier von einem Vertreter des Jüdischen Voltsrates erklärt war. daß die jüdische Schule zu Ostern dieses Jahres bestimmt errichtet würde, daß auch die Genehmigung der Maßgebenden Instanzen bereits erteilt sei, ist der Vorstand der Jüdischen Gemeinde beim Obersten Polnischen Volksrät m dieser Angelegenheit vorstellig-gewordene ' Er 'hat M einer mündchckM llnterrediun'g den Bescheid erhalte^ ^Daß diemaßgebellden Stellen.bisher teine Beschlüsse hierüber gefaßt und zu Der Frage überhaupt noch nicht Stellung genommen haben. Der Oberste Polnische Volksrat seu durch die Nachricht von der-: angeblich' bevorstehenden Errichtung einer jüdischen Schule - in Posen^ ebenso überrascht worden mj.e der BorstaM.- dtzr . SynagoWngemeLnde. f Zu nder Aussprache wurde mitgeteilt, -daß die städtische SckMldePutation zu dieser Frage., in ablehnendmx Sinne Stellung genommen habe. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: - - „Die RepräsentanteMersammlung tritt, dem Beschlüsse des Vorstandes dahin bei, daß dem Oberstell Polnischen Volksrat nritgeieiit werde, es möge in allen jüdische Angelegenheiten betreffenden Fragen, insbesondere inder Frage -der