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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-04-04 · Heft 14 (4.4.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Dättemsrlt. z. Kopenhagen, im März. Die dänische Tageszeitung > „Berlingske Tidende" brachte kürzlich -eine Meldung „aus j Warschau", daß man in den Kellerräumen der Tlornackn-! Synagoge einen größeren Lebensmittelvorrat entdeckt habe. Der Führer der dänischen Judenhei.t, Professor D. S i m o n s e n, der die polnische Judenpolitik in der führenden dänischen Presse wiederholt gebrandmarkt hat, veröffentlichte daraus in der genannten Zeitung einen Brief, in dem er auf die unglaubliche Geschicklichkeit des „Warschauer" Korrespondenten dieses Blattes hinwies, der es fertigj gebracht habe, ein direktes Telegramm von Warschau nach Kopenj Hagen Zu senden, in einer Zeit, da ein telegraphischer Verkehr zwischen j Warschau und dem Auslande nicht bestand. Die Redaktion sah sich j hierauf veranlaßt, zu erklären, daß das fragliche Telegramm nicht aus Warschau, sondern aus Wien, und zwar von der dortigen — Polnischen Legation stamme. Um der kompromittierten polnischen Legation aus ihrer unangenehmen Lage herauszuhelfen, veröffentlichte ein sich in Kopenhagen aufhaltender Pole namens Professor Dr. Rozniecki in der „Berlingske Tidende" einen Artikel, in denr er vor „deutschen Sensationstelegrammen", die die Polen verleumden, warnte. Tie Zeitung bringt nun in ihrer Nummer vom 4. März eine sehr scharfe Erwiderung von Professor Simonsen, der die Missetaten der Polen, insbesondere die Pogrome in Galizien, aufs schärfste geißelt. Nachdem Simonsen auf die unerhörte Tatsache hinweist, daß die polnische Legion in Wien sich so weit erniedrigt, ihre eigenen Landsleute im Auslände zu verleumden, weist er auf die polnischen Pressehetzer in Kopenhagen hin, die die dänische Gastfreiheit zum Zwecke judenhetzerischer Propaganda mißbrauchen. Er weist des ferneren darauf hin, daß die Polen ihre Verbrechen den Inden gegenüber mit dem Hinweis auf die Juden Trotzki und Joffe zu rechtfertigen versuchen, die Namen aber solcher Juden wie Samuel Gompers, Henri Bergson, Lucien Klotz, Lord Reading, Herbert Samuel, Edwin Montagu und vieler anderen, die für die polnische Freiheit und Selbständigkeit kämpfen, vergessen. Der sehr eindrucksvolle Artikel schließt mit den Worten: „Ist das wirklich eine patriotische Tat, wenn von gewisser polnischer Seite als naheliegende Möglichkeit erwogen wird, daß die Juden aus die eine oder andere Weise aus Polen vertrieben werden? Nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch im Interesse der Polen selbst wäre es doch richtiger, die zivilisierten Länder des Westens als Vorbild zu nehmen und nicht das zaristische Rußland, von dessen Joch Polen mit Hilfe dieser Länder befreit worden ist." Von Sah und Mrn. — Ter Jüdisch-liberale Iugendverein zu Berlin veranstaltet am Montag, den 7. April, abends 1% Uhr, im Oberlichtsaale der Philharmonie eine öffentliche Kundgebung: „Wir und der Zionismus." Referenten: Rabbiner Dr. Gold mann (Leipzig) und Rechtsanwalt Tr. John Wertheim (Berlin). — Ter ordentliche Professor der orientalischen Philologie an der Universität Greifswald, Dr. Eugen Ri i t t w o ch, ist an die Berliner Universität versetzt worden; er wird zugleich eine Lehrerstelle am Seminar für orientalische Sprachen an Stelle von Prof. Dr. M. Hartmann übernehmen. Dr. Mittwoch, Schüler von Sachau und Barth, gehörte vor seiner Berufung nach Greifswald mehrere Jahre dem Lehrkörper der Berliner philosophischen Fakultät sowie dem des Orientalischen Seminars an. — Ten 80. Geburtstag beging Herr Theodor S ch ü ck, der seit September 1891 Mitglied der Armenlommission der Jüdischen Gemeinde ist. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, die Armenverwaltung und Zahlreiche andere Körperschaften haben dem Greis, der sich großer Frische erfreut, ihre Glückwünsche dargebracht. — Aus Posen wird uns geschrieben: Aus der Jnternieruugshaft entlassen wurden die Herren Stadtverordneten-- Vorsteher Justizrat P l a c z e k und Direktor Dr. Franz K a n t o r o - w i c z von hier. — Im Alter von 82 Jahren verschied in Grätz der Kaufmann Adolf B e r n st e i n. Der Dahingeschiedene betätigte sich als Mitglied in allen Wohlsahrtsangelegenheiten und erwarb sich Achtung und Wertschätzung in allen Schichten der Bevölkerung. — Frau Stadtrat Marie Schreyer in Lissa i. Pos. ist vom Verein Frauenwohl zum Ehrenmitglied ernannt worden in Anerkennung ihrer Verdienste und Arbeit, die sie dem Verein als Zweite Vorsitzende und als Leiterin des Kinderhorts geleistet hat. — Aus Ratibor wird uns berichtet: Für dm aus dem Amte scheidenden stellvertretenden Vorsitzenden der Shnagogengemeinde, Kaufmann I. Hahn, wurde durch die Repräsentantenversammlung im Beisein des Bürgermeisters Kremser als Wahlkommissar der Wildhändler S. B o ß zum stellvertretenden Vorsitzenden gewühlt. — Herr Julius Lis, sauer in Lübeck vollendete fein 70. Lebensjahr. Seit 35 Jahren gehört er dem Vorstand her israelitischen Gemeinde an und hat sich besonders durch leitende Tätigteit in Wohlfahrtsvereinen verdient gemacht. — Dr. phil. nat. Friedrich Levi habilitiert sich in der Leipziger philosophischen Fakultät auf Grund.einer Schrift „Welsche Gruppen mit abzählbaren Elementen". — Aus Magdeburg wird uns geschrieben: Justizrat Choyke, der lange Jahre an unserer Gemeindeverwaltung wie auch als Vorsitzender des Literaturveveins gewirkt hat, verläßt mit seiner Gattin unsere Stadt, um sich dauernd in Berlin, wo seine Kinder ansässig sind, niederzulassen. Zu Ehren dieses um die Entwicklung der jüdischen Gemeinde hoch verdienten Mannes, der zwei Jahrzehnte Vorsitzender der Reprüsentantenversammlung war, wird eine Abschiedsseier geplant, die, dem Ernste der Zeit und dem bescheidenen Sinn des Scheidenden entsprechend, sich nur in engen Grenzen bewegen wird. — Herr Rechtsanwalt Dr. Guggenheim in Ofsenbach a. M. ist zum hessischen Notar mit dem Amtssitz in Offenbar ernannt worden. — In Frankfurt a. Nt., Schellingstraße 4, verstarb im Alter von 79 Jahren Herr Maier Bodenheim er. Er wurde unter lebhafter Beteiligung am Sonntag, den 16. Mürz, beerdigt. — Einen lvertvollen Beitrag zu denr noch recht schwach bestellten Gebiet der Jüdischen Friedhvfskunst bildet ein im Berlage von Gebr. Buck in Mannheim erschienenes Heft, das von Dr. Herbert T a n nenbau m herausgegeben ist. Es enthält unter dem Titel „Jüdische Kriegerdenkmale" Grabzeichen, die mit wenigen von Nt. v. H u g o stammenden Ausnahmen von Hermann E s ch entworfen wurden und die eine wertvolle Ergänzung bilden 311 der großen allgemeinen Veröffentlichung über Kriegerdenkmäler und Kriegergrabmäler. Bei der großen Armut an guten Vorbildern muß jeder Beitrag auf diesem Gebiete freudig begrüßt werden. — Aus Wien wird berichtet: Das Staatsratsdirettorium hat mit Beschluß vom 26. Februar d. I. den mit dem Titel eines außerordentlichen Universitätsprofessors bekleideten Prioatdozenten Dr. Heinrich N e um a n a zum außerordentlichen Universitätsprosessor für Ohren-, Nasen- und Kehltopftrantheiten an der Universität in Wien ernannt. Professor Heinrich Neumann, der jetzt im 46. Lebensjahre steht, ist Mitglied des Kultusoorstandes und glaubenstreuer Jude. — Im griechischen „Journal Ofsieiel" vom 8. Februar wurde ein Gesetz veröffentlicht, demzufolge jede Gemeinde, die von 50 jüdischen Familien dauernd bewohnt wird, gehalten ist, jährlich 12 000 Franken zum Unterhalt des israelitischen Kultus beizusteuern. — Der britische Staatssekretär für Indien, der Jude Lord Montagu, wurde zum Präsidenten der Finauzkommission der Friedenskonferenz ernannt. Die erste Sitzung dieser Kommission fand am 13. Mürz statt. Die Korn Mission hat den Auftrag, Bericht zu erstatten über alle Finanzsragen wie das Geldwesen und die Nationalschuldeu, die im Text des Friedensvertrages ihre Berücksichtigung finden müffeu. —- Das Jüdische Pressebureau in Stockholm meldet: Am 7. März fteütcu die Nationaldemokratcu (Antisemiten) G r a b s k i und G l 0 m b i n s k i in der polnischen konstituierenden Versammlung den Antrag auf Einsetzung einer Kommission Zur Erörterung der Judenfrage. Die Ausgabe der Kommission ist, das gesamte aus die Judenfrage Bezug habende Material zu sammeln, Enqueten durchguführen und dem Landtage Vorschläge zur Lösung der Judenfrage in Polen zu unterbreiten. Der Kommission, die aus 15 Mitgliedern zu bestehen hat, soll nur ein jüdischer Mgeordneter angehören. — Die größte Judengemeinde der Welt ist die m New Jork, welche gegenwärtig 1X> Millionen Mitglieder zählt. Ihr Budget beträgt 13 700 000 Dollar, wovon 3 600000 Lollar aus den Unterricht entfallen, obwohl die jüdischen Schulen nur von 14 Prozent der jüdischen Kinder besucht werden. Die größten Judengemeinden in Europa sind die in Budapest und Warschau. Dann kommt Wien mit 250 000 Seelen und Berlin mit 150000. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 38. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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