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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1919-01-31 · Heft 5 (31.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
83 (1919)
Issue
Heft 5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 i werden sollten, wurde zum Zeichen UJtefyl gestreut. Linern Privatbrief entnehmen wir, daß von einer Notlage der Arbeiterschaft in der Stadt keine Rede war; nach den Schilderungen dieses Briefes haben d-ie Juden in Stvakonitz schwere Stunden durchgemacht. Auch in Caslau wurden bei den letzten großen Ausschreitungen meist jüdische Geschäfte geplündert. — Laut „Wiener Morgenzeitung" werden die jüdischen Flüchtlinge aus Böhmen und Mähren, die nach der Bukowina heimkehr-en, -an der Bukowinaer Grenze in Sniatyn von rumänische Behörden zurückgchalten und als „Fremde" nach der Bukowina nicht ineirrgelassen. Sie erdulden dort große Leiden, da sie weder Kleidung noch Nahrung besitzen. Tie „Morgenzeitung" warnt daher die Flüchtlinge in Böhnren und Mähren vor der beschlennigterr Rückreise nach der Bukowina. — Ter nach Budapest geflüchtete Oberrnbb irrer des Kurortes Pistyan, Kolo man Weber, erhielt von seiner Gemeinde die Verständigung, daß der Kommandant der tschechischen Besatzung den jüdischen Kaufleuten den Befehl erteilte, ihre Läden arn Samstag offen zu halten, sonst weide er ihre Geschäfte mit Gewalt öffnen und die Waren durch fremde Personen verschleißen lassen. Dieser Befehl ist urn so ungerechter, als im Kurort Pistyan genügend christliche Geschäfte vorhanden sind und die Bevölkerung stets irr genügender Weise ihren Samstagsbedarf dort decken konnte. Oberrabbiner Weber wandte sich unverzüglich an ^den Dudapester Gesandten des tschecho-slowakischen Staates, Tr. Milan H-odzsa, der wgleich versprach, wegen dieses Gewissenszwanges zu intervenieren, und ersuchte, daß nran sich, falls auch in änderen slowakischen Ortschaften ein religiöser Zwang auf die Juden ansgeüibt werde,, telegraphisch an ihn wenden möge. Van Aah und Frru - Der V o r sch u ß v e r e i n für hilfsbedürftjge Mitglieder per Jüdischen Gemeinde zu Berlin stellt heimkehrenden Kriegern Darlehen bis zu 1000 Mark zinsenfrei zur Verfügung, um auf diese Weise den heimkehrenden Handwerkern oder Händlern die Möglichkeit zu bieten, ihre frühere Tätigkeit wieder aufnehmen zu können. Gesuche sind an den Vorsitzenden Herrn O s c a r R athenau, Berlin W, Bendlerstraße 25, zu richten. - Das von der H a u p t st e l l e f ü r B e r u f s b e r atu n g der Juden an die Ortsgruppen und Vertrauensmänner des Centralvereirrs sowie an die jüdischen Gemeinden gerichtete Handschreiben hat dankenswerte Erfolge gehabt. Tie Hauptstelle ist in der Lage, namentlich einer größeren Anzahl selbständiger jüdischer Hnudwerker ^tiederlassungsmöallchkeiten mit Aussicht auf eine gute Existenz nachzuweisen. Die Niederlassung kann teilweise mit ganz geringen Kapitalsmitteln bewerkstelligt werden. Auch für Aerzte und Zahnärzte, vereinzelt auch für Rechtsanwälte, stellt eine Reihe Von Niederlassungsmöglichkeiteni in mittleren und kleineren Städten zur Verfügung. Nähere Auskunft erteilen die Hauvtstelle für Berufsberatung und die örtlichen Beratungsstellen. — Dem Regierungsbaumeister Mfred Breslauer, Inhaber der Berliner Architektenfirma Breslauer u. Salinger, sowie den Aerzten Kaminer und R. Mühs a m ist der Professortitel verliehen worden. -- Landgerichtsrat Geheimer Iustizrat Leo Goldfeld in Breslan beging am 20. d. M. seinm 60. Geburtstag. — Zum Rabbiner der Gemeinde Cöthen als Nachfolger des verstorbenen Dr. Seliakowitz umrde Herr Tr. Alexander, bisher Feldhilfsrabbiner. gewählt. Rabbiner Dr. Alerander ist ein Zögling der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft dcs Judentums. - In Bad Tölz starb am 6. Januar an den Folgen eines Falles Herr Isaak Freundlich im Atter von 89 Jahren; die Leiche wurde nach München übergeführt. Er war von Wittelshosen vor 28 Jahren nach München gezogen und betätigte sich auf allen religiösen Gebieten als wahrhaft frommer Mann. — In Rhina starb nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren der Kultusbeamte Levi B u x b a u m , der länger als 58 Jahre im Dienste seiner Gemeinde stand und sich durch seltene Treue und Opferwilligkeit auszeichnete. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Im Alter von 69 Jahren ist Geheimer Sanitätsrat Dr. Theophil I a f f e gestorbm. Er war namentlich sozialärztlich tätig, als Mitglied der Aerztekammer und in der Verwaltung derisraelitischen Gemeinde, als deren erster Assistenzarzt er in früheren Jahren gewirkt hat. Um das neue Hospital der israelitischen Gemeinde am Röderb?rg hat sich Dr. Jaffe als Vorsitzender des Organisations¬ und Bauausschusses bleibende Verdienste erworben. — Auf dem Bockenheimer israelitischen Friedhof an der Sophienstraße wurden durch Bubenhände in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr schwere Verwüstungen angerichtet, indem sie auf zahlreichen Grabstätten die Grabsteine zerstörten und teilweise sogar die Sockel aus den Fundamenten herausrissen. Die Frankfurter israelitische Gemeinde setzte aus die Ermittelungder Täter eine Belohnung von 60 Mark aus. — In die Badische Nationalversammlung wurden u. a. gewählt: Rechtsanwalt Dr. Ludwig Haas (z. Z. Minister des Innern der vorläufigen Regierung, Dr. G. Leser von der Demokratischen Partei und Rechtsanwalt Mar um (z- Z- Justizminister) von der Sozialdemokratischen Partei. — Aus dem Leben des nunmehrigen Präsidenten der tschechischen Republik. Masaryk, wird folgende Episode erzählt: „Auf einem Stuben tenausfluge sah er, wie ein jüdischer Jüngling das Abendgebet mit rituellen Zeremonien verrichtete. Dies übte auf ihn einen fo tiefgehenden Einfluß, daß er ans einem Judenfreund wurde, was er später in seinem Eintreten für Hilsner dokumentierte. Er selbst sagte daß er an den Rit.ralmord gleubte ... bis er den jungen Mann beim Abendgebete belauschte..." — Aus Wien wird geschrieben: Aus der Grundlage der vom Staatsrat Dr. Ofner und dem Abgeordneten Sever eingebrachten Anträge hat der Justizausschuß die Richtlinien einer Reform der Eheaesetzaebung vorgezeichnet. Danach soll es wie bisher bei der kirchlichen Eheschließung und Matrikelführung bleiben, die obligatorische Zivilehe wird nicht in Aussicht genommen. Die Sondervorschristen über die Judenehen werden beseitigt und füralle Bekenntnisse «ein einheitliches staatliches Trennungsrecht eiügeführt. — In Kesmark (Oberungarn) ist der dortige Oberrabluner R. Llbraham Grünberg, einer der hervorragendsten talmudischen Gelehrten unserer Zeit, ein Gaon im wahrsten und edelsten Sinne, im patriarchalischen Alter gestorben. — Das offizielle Organ des Vatikan „Osservatore Romano" dementiert die Nachricht über eine bevorstehende Veröffentlichung betreffend die Palästinafrage, an der der Vatikan arbeite, und die bereits an die amerikanischen Botschafter in Paris und London verschickt worden sei. — Die englische Regierung hat eine Verfügung erlassen, die beit Handelsverkehr mit Sinnen und Palästina und die Ausfuhr von Artikeln, die keinen besonderen Beschränkungen unterlieaen, wieder gestattet. — Das Kopenhagen er Zionistische Bureau berichtet aus Kiew: Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen ist in indischen volitiischen Kreisen der Gedanke aufgetaucht, die Tätigkeit der jüdischen Zentralorgane, die in den Einzelstaaten des ehemaligen russischen Territoriums entstanden sind, zu koordinieren. Das Jüdische Nationalsekretariat beschloß zu diesem Zwecke eine permanente Beratung der jüdischen Zentralorgane Groß-Rußlands, der Ukraine, Litauens und Weißrußlands zu schaffen. Diese Beratung soll später eine Vertretung wählen, die bevollmächtigt wäre, im Namen des rußländischen Judentums ainzutreten, um seine nationalen und politischen Forderungen durchzuführen. — Wie „Nowe Dzrennik" vom 3. Jannar mitteilt, ist der zionistische Führer Ingenieur N. Svrkin in Kiew am 24. Dezember gestorben. Während seines Begräbnisses, an dem Vertreter aller jüdischen Parteien und Institutionen sowie eine Militärabteilnng des ukrainischen Direktoriums teilnahmen, waren alle Geschäfte der Stadt geschlossen. — Auf Veranlassung des Herrn E. S. K a d o o r i e haben chinesische Juden beschlossen, eine besondere chinesische Kolonie in Palästina zu errichten. Herr Kadoorie hat zu diesem Zweck dem Jewish Colonial Trust bereits 50 000 Pfund überwiesen. — Das große New Porker arabische Tagblatt „Al-Hoda" kündigt an, daß sich ein aus allen syrischen Elementen Amerikas zusammengesetztes Palästinakomitee gebildet hat, um den zionistischen Bestrebungen entgegenzuarbeiten. Das Komitee hegt keinerlei Abneigung gegen die jüdische Kolonie in Palästina, aber es opponiert gegen die Schaffung eines jüdischen Staates in Syrien. Man vernimmt anderseits, daß das britische Gouvernement die Führer der arabischen Bewegung in Kairo wissen ließ, daß das Arabische auch weiterhin im palästinensischere Staate, der selbst auch fernerhin den arabischen Charakter beibehalten wi>rd, die offizielle Sprache bilden soll. Die Zionisten werden daselbst nur ein. tim% jeglichen politischen Charakters entkleidetes Heim besitzen. Verantwortlicher Redakteur: Albert K a tz in Berlin-Pankow, Florastraßk 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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