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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-29 · Heft 48 (29.11.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 48 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 (id;ciT und kommerziellen Fragen dos bürgerlichen Löbens-, wobei die Kommunen in einer gemeinsamen nati-onal-jüdischen Organisation vereinigt waren. Iw der. j.üdrsch-pVU'tischen Welt hegt man jetzt die feste Hoffnung, vast das wiedergeborene Polen in dem Augenblick, da es vor dem Tribunal der Völker seine Freiheit zurückerhält, von selbst die Forderungen' des jüdischen Volkes zurückführen wird, das sich ebenfalls an die Feinde der Völker wendet, damit ihnt eine national-kulturelle Autonomie garantiert wird." Kalen. x. Warschau, im November. Eine stark besuchte Versammlung jüdischer Frauen, die sich mit den verschiedenen jüdischen Problemen in Polen beschäftigte, hat hier am 5. November stattgefunden. In einer Reihe von Resolutionen-wurde die Entstehung eines freien unabhängigen und vereinigten' Polens begrüßt. Ferner wurde gegen die Schließung zionistischer Vereine in der österreichischen Okkupation schärfster Einspruch erhoben. Zur Erreichung voller Gleichberechtigung der Frauen in Polen wurde ein Zusammenschluß mit den polnischen Franenvereinen gefordert und die Gründung einer jüdischen Repräsentanz verlangt. Des Jahrestages der englischen Palüstinadeklaration wurde in herzlichen Worten gedacht und dagegen protestiert, daß die polnische Regierung die jüdische Gesellschaft immer noch ignoriert, und der Hoffnung Ansdruck gegeben, daß in dem künftigen freien Palästina kein Unterschied des Geschlechts und der sozialen Schicht gemacht werden wird. Eine Bersammlnn-g jüdischer Stndente n und Studentinnen der Warschauer Hochschulen beschloß eine Resolution, in der der polnische Staat aufaefordert wurde, der jüdischen Bevölkerung in Polen eine durch die Verfassung verbürgte nationalpersonale Autonomie zu geben. Die Gründung einer einheitlichen jüdischnationalen Repräsentanz wurde gefordert. Ron Msh und Fern. - Dem Berliner Universit ätsProsesso r Tr. He i n r i ch R nun ist der Charakter als Geheimer Sanitäksrat verliehen worden. — Die Privatdozenten in der juristischen Fakultät der Universität in Berlin Dr. Ernst Lewy und Dr. Artur Nußb a u m haben ben Titel Professor erhalten. Der Fabrikbesitzer Herr Joseph G a r b a t y - N o ' e n t h a t in Berlin-Pankow, Inhaber der bekannten Zigarettenfabrik I. Garbath. hat sei-ner Wohnortgemeinde Pankow auch in diesem Jahre zu gemeinnützigen Zwecken die namhafte Summe von 17 000 Mark überwiesm. Dem Wunsche des Spenders entsprechend, wll der Betrag in erster Linie zur Linderung des Notstandes verwandt werden, außerdem sollen die W'twen und Waisen gefallener Krieger, bedürftige Krallten lind die Ortsarm.'n bedacht werden. Am 22. d. M. starb im 20. Jahre nach kurzer, schwerer Krankheit im Lazarett zu Lahr in Baden, rmck)- dem er seit dem ersten Kriegslage dem Vaterlande treu gedient hatte, der Unteroffizier Richard Harris, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, Sohn des Lehrers a. D. Herrn Max Hanfs in Berlin. - Als Opfer der letzten schweren Kämpfe fiel mit 30. Oktober an der Spitze seiner Kompagnie der Leutnant d. L. Professor Dr. Siegfried lFritz) Veit Simon. Privatdozent an der Universität Göttingen. - Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied am 22. d. M. Dr. Hans Gideon H e y m a n n im 35. Lebensjahre. Er entstammte einer alten angesehenen Berliner Familie und nahm, den Traditionen seines Hanfes getreu, an mannigfachen zur Hebung des Judentums dienenden Bestrebungen regen Anteil. - ''•Kur dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Weißensee fand am 25. d. M. die Beerdigung der greisen Mutter des bayerischen Ministerpräsidenten K u r t Ei s u e r , der anläßlich der Rcichstönferenz hier weilte und auch an der Beerdigung teilnähm, statt. Aus Posen wird uns berichtet: Tie Firma Eugen Mamlvk, die ihr zwanzigjähriges Geschäftsjubitäum feierte, hat aus diesem. Anlaß folgende Stiftungen gemacht: 1000 Mark für erblindete Kriegsteilnehmer, 1000 Mark zur Speisung armer Schulkinder hiesiger Stadt, 1000 Mark für die Bne-Brith-Logen. 1000 Mark dem Armenverein Hierselbst und 1000 Mark dem Alter- und Siechenheim der L e t g scheu Stiftung. — Bei den Stadiverordncteuwa'hlen, die in Wreschen abgehalten wurden, sind acwählt worden: in der zweiten Abteilung Herr Kaufmann Emil B r u ck m a n n und in der ersten Herr Kaufmann Paul L e w i n. Dr. Hans H v n i g in n n n, Sohn des verstorbenen Syndikus der Breslauer Israeli tischen Gemeinde Justizbat Dr. Honigma-nn, wurde zum Direktor -dies Zoologischen Gartens.-in Posengewählt. — Am 28. November begeht Herr WAhelm W o l f s in Lübben sein vierzigjähriges Dienstjubiläum als erster Vorsteher und Rendant der dortigen Synagogengellleinde. — Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Unsere Gemeindebibliothek. lvird auch im Laufe dieses Winters wieder einige ölffenkkiche Vorträge aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur veranstalten, zu denen jedermann unentgeltlich Zutritt haben wird. Als erster Redner ist Herr Rabbiner Dr. Baeck aus Berlin gewonnen. Im Anschluß an seine im Feld gewonnenen Erfahrungen wird er über das Thema „Krieg und Religion" sprechen. Für die späteren Veranstaltungen -der Genleindebibliothek sind ebienfalls hervorragende Redner gewonnen worden. — Herr Hermann Seckbach in Frankfurt a. M., Mitverweser des Gum per tfchen S iechenha uses, des Rothschild-Spitals und eines Kriegslazaretts (Nr. 33 Rotes Kreuz), hat die Rote- Kreuz-Medaille 3. Klasse erhalten. — Herr Hermann C o h n , zurzeit Kopenhagen (Deutsch-Amerikaner), hat einen Preis für die beste Arbeit über „Monismus im Mionotheismus" gestiftet. Namhafte Professoren haben das Preisrichteramt übernommen. — Im -tschechoslowakischen Staate weilen derzeit 18 000 jüdische Flüchtlinge aus Galizien, die nicht heimkehren können, da ihre Heimat zerstört äst. In Böhmen sind 10 000, in Mähren 7000, i«n- Schlesien 1000. Ter Jüdische Nationalrat in Prag wendete sich im Interesse dieser Flüchtlinge an den Abgeordneten Reizes, der -mit dem Redakteur Wechsler beim tschechischen Gesandten in Wien, Tus-ar, vorfprach und ihm das Ersuchen vorlegte, man möge diese Flüchtlinge einstweilen no.ch im Ischiecho-slowakischen Staate -lassen und 'ihnendie Unterstützungen wie bisher auszahlen. Tusar erklärte, daß er schon aus Alenschlichkeit-srücksichten -diieses Ersuchen sofort telephonisch dem tschecho-slowakäschen Nationalausischuß. in Prag vo-rlegen werde. - - Tie J.u.stizab.t-eilung der neugebildeten Krakauer Regierung beabsichtigt, für eine Reihe von Vergehen die öffentliche Prügelstrafe einzuführen. Sie soll insbesondere bei Vergehen der Juden gegen bestimmte Gesetze in Anwendung kommen. Die sozialistische Partei Frankreichs fordert: „Der Friedens-Vertrag muß für jene Staaken, wo dies noch nicht geschehen ist, die Verpflichtung enthalten, ihren jüdischen Angehörigen dieselben Rechte wie ihren anderen Bürgern zu gewähren!, und den Juden überall, mo sie bedeutende Minoritäten bilden, die freie Entwicklung ihrer rationalen Kultur garantieren." — Im Alter von 82 Jahren ist in Rom Cavaliere Dr. R. S-egrä, bekannter Schriftsteller und Jouritalift, gestorben. — Nach Zeitungsberichten fand in Wilna ein blutiger Pogrom statt, wobei es zwei Tote und gegen hundert Verwundete gab. Bon Wilna fuhr eine jüdische Abordrmng nach Berlin, mir vorstellig zu werden, daß solchen Vorfällen durch geeignete Maßnahnreu vorgebengt würde. Näheres ist noch nicht bekannt. — Wie aus Warschau gemeldet wird, hat sich mit Zustimmung Englands und der Bereinigten Staaten ein jüdisches Ministerium für Palästina gebildet, dessen Mitglieder führende Zionisten der Ententeländer sind. Der Chef des Kabinetts ist der Führer der amerikanischen Zionisten. Oberrichter Louis Brandeis. — Wie über London berichtet wird, ist Mr. Samuel Mo-son, der im Aufträge der Jüdischen Cinigrationsgesellschaft in Nerv?)ork Japan und Sibirien bereist hatte, von seiner Reise zurück gekehrt, mit dem traurigen Berichte, daß in Sibirien allein 20 WO Juden in Not und Elend buchstäblich verkommen. Tie von ihm mitgeführten Mittel reichten kaum aus, 2000 Emigranten das Leben für eine kurze Zeit zu erleichtern. Durch das Verbot der amerikanischen Regierung, Hilfsgelder nach Rußland zu schicken, ist aber der amerikanischen Judenheit keine Möglich keit mehr gegeben, hier helfend einzugreisen. Auch die Unterstützungen für Litauen mußten in Amerika aus dem gleichen Grunde eingestellt werden, so daß den Notleidenden hier wie dort auch die letzten. Hilfsquellen verstopft wurden. - - Tie Zahl der im englischen Heere dienenden australischen Juden beträgt 4O0O und -ist — int Verhältnis — dreimal so groß wie die Zahl der unter den englischen Fahnen stehenden nicht jüdischen Australier. Sie ist um so bemerkenswerter, als in Australien keine Wehrpflicht besteht und die ganze australische Armee von 4OO OOO Mann aus Freiwilligen besteht. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrahe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, BerNn-Fnehenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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