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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-11-22 · Heft 47 (22.11.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 47 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Verein beabsichtigt-, ein eigenes Haus Zu erwerben, wofür er 81 600 Mark besitzt. Dieser Tage fand hier eine jüdische Volksversammlung statt, die daS Zionistische Zen t ralk o mite e veranstaltet hatte. «Zum Vorsitzenden der 5000 Köpfe starken Versinumlung wurde der jüngst aus Rußland zurückgekehrte Zionistensührer Podlizewski gewählt. Eine Entschließung sprach sich vor allem für die zionistischen Ideale aus, verlangte aber auch Anerkennung der jüdischnationalen Rechte und ein Anrecht auf die Schaffung eines jüdischen Volkslebens auf autonomer Grundlage überall, uw Juden in größeren Gemeinschaften wohnen, besonders in Polen. Mit einer Begrüßung an die Brüder aller polnischen Gebiete forderte die Versammlung zum nationalen Kampf im vereinigten Polen auf; sie protestierte gegen die alte nationaldemokratische Politik der Ignorierung und Verfolgung der jüdischnationalen Minderheit und forderte die jüdischen Volksmassen auf, einig und geschlossen durch Schaffung eines Ralionalrats in den Kampf für die nationalen Rechte und die Befreiung einzutreten. Holland. S£2 Den Haag, int November. Das Grundprinzip des I ü d v s ch e n N a t i o n a l f o n d s - Erwerb von Land in Palästina als Gemeinschaftseigentnm des jüdischen Volkeshat dieser Institution bereits die besondere Liebe und Anhänglichkeit der breiten Massen gewonnen. Im Zusammenhang mit den umwälzenden Ereignissen, die dem Jüdischen Nationalfonds ungeahnte Perspektiven eröffnen, ist er auch den vermögenderen und einflußreichen jüdischen Kreisen näher-;;evracht worden. Die Folge ist, daß nun Zuwendungen und Stiftungen seitens jüdischer Korporationen und einzelner Juden häufiger werden. Nach einer dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds im Haag zugegangenen Meldung hat jüngst der Minister für öffentliche Arbeiten, B a r o n Alfred 9)1 und, bekanntlich auch Herausgeber der „Westminster Gazette", sich verpflichtet, durch fünf Jahre je fünftausend Pfund Sterling teilt Jüdischen Nationalfonds zu zurr enden. Diese Spende von insgesamt 25 000 Pfund Sterling ist die größte seit Bestehen des Jüdischen Nationalfonds; seine Eingänge, die 19)7 bereits -den Jahresbetrag von 2 Millionen Francs erreicht haben, setzten sich vornehmlich aus kleinen und kleinsten Spenden zusammen. Folgende größere Zuwendungen ragten in den letzten Jahren hervor: 200 000 Francs von Lord Mayer Jacob Moser (Bradford) für das Gebäude des hebräischen Gymnasiums in Jaffa; 160 000 Francs von Baruch Ca ha ne aus Nmnäni-en; 54 000 Mark voll einem anonymen Stifter. - Die im Oktober von I. N. F. vereinnahmten Spenden ergeben 296 467 Francs. Am 20. Oktober hat im Pavillontheater in London das erste in der Reihe der Nationalf o n d s m e e t i n g s stattgefunden, deren Abhaltung bei der Nationalfondskonferenz in Manchester beschlossen war. Den Vorsitz führte Nahum S o k o l v w , der einen warmen Aufruf zur Förderung der Nachtah-Spende für die Tschenow-Kolonie au die Versammlung richtete. Als Redner traten ferner auf die Herren Joseph C o w e n , M. S h i r e , Morris M y e r , die Rabbiner S. Daiches und I. K. G o l d b l o o m , sodann Herr I. R v s o f f, der über Dr. Tschleuow und seine Tätigkeit für den Jüdischen Nationalfonds in Rußland sprach, das Parlamentsmitglied Commander I. C. Wedgw o o d, sowie Captain Wedgwood B e n n , welch letzterer für das Parlament kandidiert. Das Meeting war sehr stark besucht und verlief sehr begeistert. Es wurden zirka 100 Pfund in bar gesammelt. — Am 13. Oktober wurde in Utrecht eine Konferenz der h v l l ä n d i sche n Vertrauens m ä n ner -des I ü bisch e n N a t i o n a l f o n d s abgehalten. Die Tagung stand unter dem Eindruck, daß es zur Verwirklichung der nächsten Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds in Erez-Jsrael unverweilt großer Aktionen bedarf, ganz anderer, als sie bis nun im Rahmen der Nationalfondsorganisation üblich waren. Vorläufig soll.die Propaganda für die Friedensschecks und die Sammlungen mittels des Familienbuchs (Spendenbuchs) eifrig fortgesetzt werden. Sobald die Instruktionen des Hauptbureaus für die große Nationalfondsaktton vorliegen, soll eine weitere Konferenz der holländischen 9tationalfondsvertrauensleute einberufen werden. Gelegentlich einer kürzlich stattgehabten Tagung in Wien wurde von Herrn Heinrich B a r d (Lemberg) angeregt, ein B e r w a l t u n g s h a u s für den N a t i o n a l f o n d s in Jerusalem zu errichten, für das er einen größeren Betrag zur Verfügung stellte. Van Msh und Fern. Der F r a u e n - V e r e i n der Berliner Log e n U. O. B. B„ der der Fürsorge für Mutter und Kind, der wichtigsten sozialen Aufgabe unserer Zeit, dient, wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit folgendem Aufruf: „Immer mehr wächst durchs die Not der Zeit d'e Zahl der Hilfesuchenden. Durch die allgemeine Teuerung sind die Unterhaltungskosten um ein Vielfaches vermehrt. Unsere bedürftigen Glaubensschwestern sind in ihrer schweren Stunde säst ausschließlich auf unsere Hilfe angewiesen. Soll eine jüdische Mutter in solcher Stunde Abweisung erfahren, solange es Glaubensgenossen gibt, die helfen können? Nein, wir wissen, daß jeder, der zur Hilfe aufgerufen wird, uns gern beisteht!" Beiträge sind an Frau Minna S ch w a r z, Charlottenburg 4, Schlüterstrabe 53, zu richten. (Konto 21 076 beim Postscheckamt in Berlin NW 7.) — Im Oberlichtsaal des Berliner, Neuen Museums wurde dieser Tage eine Papyrus-Ausstellung eröffnet, die unter anderem auch eine große Anzahl von für die jüdische Geschichtschreibung wichtigen Handschriften aufweist. Tie neue Versammlung aller derer, welche Angehörige in e n g l i s ch e r K r i e g s g e f a n g e n s ch a f t haben, findet am- Freitag, den 6. Dezember, abends Uhr, im Lehr ervereinshaus, Aternnderstraße 41, statt. - - Vom Vorsitzenden des Hilfsausschusses des Lehrerverbandes, Herrn Direktor P e r i tz in Königsberg i. Pr., erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Zuschrift: „Um den demnächst aus dem Kriege 'heimkehreN'- den, durch die Heere sein.Ziehung stellenlos gewordenen jüdischen Lehrern und Kan t ore n bald zu geeigneten Stellen zu verhelfen, haben wir eine Stellender m i t t e l u n g bei unserem Hilfsausschusse eingerichtet, die Gemeinden und Beamten in uniparteiischer und gewissenhafter Weise dienen will. Wir bitten die v or ehrlichen G e m e i ndev or stände und sonstigen jüdischen Berwaltunaen, die solche Stellen zu besetzen haben, sich diesethalben unter Mitteilung ihrer Anforderungen und Gegenleistungen unverz ü g - l i ch an uns zu wenden. Die stellenlosen Lehr e r u n d Kantoren wollen ihre Bewerbungen und Zeugnisabschriften an uns einsenden. Alle Zuschriften in der Sache sind an den Geschäftsj fetter unserer Stellenvermittelung, Herrn Prediger F a l k e n st e i n in Landes Hut (Schlesien), zu richten." - Aus Myslowitz wird! geschrieben: „Privatnachrichten melden, daß im benachbarten polni- I scheu Grenzgebiet Judenpogrome ausgebrochen sind, die unter an-! dereur auch in den Orten Dombrowa, Zagorze und Szczakowa geunitet haben. Die Juden wurden von polnischen Pöbelbanden überfallen, gemißhandelt und ausgeraubt und ihre Häuser in Brand ge-; steckt. Biele Juden flüchteten, ohne mehr als das nackte Leben retten! zu können." — Aus Benthen, O.-S., wird uns berichtigend mitgeteilt, daß nicht, wie in Nr. 45 unter „Nah und Fern" irrtümlich angegeben, der - in Benthen verstorbene, sondern der dort lebende Kaufmann Hans Kirsch u e r, um das Andenken seines im Juli v. I. verstorbenen Vaters, des Kaufmanns Advls Kirschner, zu ehren, eine Stiftung von 12 000 Mark errichtet hat, die von den städtischen Behörden in Benthen angenommen wurde. - Aus Breslau wird berichtet: Die Rabbiner Dr. Ferdinand Rosenthalsche Ehrenst i f t u n g hat anläßlich des 80. Geburtstages des Jubilars eine Erhöhung erfahren. Tie Stiftung wurde errichtet zum 25jährigen Ortsjubiläum des Rabbiners und mit 3000 Mark ausgestattet. Den Zweck zu bestimmen, wurde dem Geehrten überlassen, der sie für Witwen von Rabbinern und für Kultusbeamte bestimmte. In einem Falle hat auch bereits eine Beamtenwitwe die fälligen Zinsen erhalten. Der Stiftungsfonds ist nunmehr um 5000 Mark auf 8000 Mark erhöht worden. — In Hohenfalza beschlossen die Polen im Soldaten-, Arbeiter- und Bürgerrat, die Stadträte Schwers e n z und S a X o m o n s o h n zur Niederlegung ihrer Aemter aufzufordern. - Auf dem israelitischen Friedhose in Harburg haben nächtlicherweise Grabschänder ihr Unwesen getrieben. Sieben Grabsteine wurden umgerissen und einige davon weggeschleppt. Die Täter konnten noch nicht ermittelt werden. — An Stelle des nach mehr als 40jühriger Amtstätigkeit wegen hohen Alters zurückrjtretcneu Moses Sta h l wurde dessen Sohn Jacob Stahl zum Ae (testen der Synagogengemeinde Gilserberg ernannt und bestätigt. Verantwortlicher Redakteur: Albert A atz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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