Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-10-18 · Heft 42 (18.10.1918) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 42 (18.10.1918)
Date
1918-10-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229381--74380-3286872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

82. Jahrgang. Nr. 42 Berlin, 18. Oktober 1918 eilungdes Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon Unter Leitung des Geheime« Regierungsrats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Moese, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buch. Handel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 5 M. — Postscheckkonto 324» Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-43, zu richten. Verlag von Rudolf Mssse, Berlin. Die Lösung des Judenproblems. Von Sanitätsrat Dr. IJlUjm** Scherbel (Lissa i. P.). - Entbiete den Geist! Von Bezirksrabbiner Dr. Beermann (Heilbronn). — Die Woche. — Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, geb. 19. Februar 1835, gest. 5. August 1918. Von Tr. Armin Abeles (Wien). — Brief aus Kroatien und Slawonien. Von Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann (Virovitica). — „Mein Judentum." Von Felix Goldmann (Leipzig). — Feuilleton: Jedem das Seinige. Roman von M. Pulvermann. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"): Berlin, Posen, Breslau, Bad Kissingen, Magdeburg, Eisenach i. Thür., Hannover, Wiesbaden, Krefeld, Den Haag, Prag, Kiew. — Von Nah und Fern. Die Lötung des Iudenproblems. Von Sanitätsrat Dr. Scherbel (Lissa i. P.^. on geschätzter Seite werde ich daraus aufmerksam gemacht, daß eine wirklich befriedigende Erklärung des Juden- Problems*) in der im „Jahrbuch für Jüdische Geschichte und Literatur" 1918 enthaltenen Arbeit von Rabbiner Dr. Max iv | chelbacher (Düsseldorf) „Der Wille in der jüdischen Geschichte" enthalten sei. In dieser Arbeit setzt Dr. Eschelbacher auseinander, daß nicht dem leidenden, sondern dem ernst und tatkräftig wollenden Judentum die Zukunft gehört. Der -Lebensquell des Judentums sei sein Lebenswille. Nur durch den Willen zu leben und durch den Entschluß, sich zu behaupten, hätte das Judentum sich lebendig erhalten -und trotz seiner äußeren Ohnmacht sich durchgesetzt. Die -Grundlage aber der jüdischen Gemeinschaft und ihres Lebenswillens sei eine geistige: ihr Schrifttum, das die Hülle ihrer Religion sei und dessen Pflege ihr allezeit ein Herzensbedürfnis, eine seelische Notwendigkeit gewesen sei. Die Erkenntnis, die aus der Religion stamme, habe sich mit dem Willen verbündet, und dadurch sei -die bewegende Kraft der jüdischen Geschichte entstanden: der Widerstand. Grätz hätte leine „Geschichte der Juden" gerade so schließen können, wie Friedrich der Große seine „Geschichte deS Siebenjährigen Krie- „Die Standhaftigkeit allein ist es, was in den größten Geschäften und Gefahren zu erretten vermag." Eine Lehre für die Jetztzeit! — In den Wanderungen zeige sich überwältigend die Standhaftigkeit der jüdischen Seele, ihr Streben, das Schicksal nicht nur hinzunehmen, sondern es auch zu bemeistern. Jüdischer Wille, jüdische Energie und der Trieb der Selbstbehauptung haben die Zeiten geändert und haben die Juden zu einer lebendigen Macht gemacht. — Das ist alles schön, wahr und unbestreitbar, und welche ideelle, auch auf Den Frieden einwirkende Macht könnte das Judentum darstellen, wenn es in sich einig und geschlossen wäre! Aber den innersten, letzten Kern des vielgestaltigen, tiefgründigen Judenproblems, das heute die Welt bewegt, h Vgl. Nr. 26 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". trifft es nur insoweit, als es das Recht des Juden, sich in Freiheit kraftvoll durchzusetzen und zu behaupten, betont und den Kampf gegen Willkür und Gewalt bis zur Erlangung der gleichen menschlichen und staatsbürgerlichen Rechte -verlangt. Jedoch auch hierin gibt es für die Juden nur einen Weg zum Siege: Sie müssen ein einig. -Volk -von Brüdern sein! Nur so können sie das innere wie das äußere Judenproblem lösen, nur so die -heilige Mission erfüllen, mit der sie -die -göttliche Weisheit betraut hat und die sie -alle Völker der Weltgeschichte überleben, alle Stürme der Zeiten wunderbar überstehen ließ. Es wird noch -die Behauptung ausgestellt, die Grundlage des Judenhasses sei und bleibe der Umstand, daß eine winzige Minorität sich heransnimmt, eine der überwältigenden Majorität diametral entgegengesetzte Religion zu haben: alles andere seien Folgen und Begleiterscheinungen, und es liege darin absolut nichts Rätselhaftes oder Wunderbares. Man will -also all -die vielgestaltigen Gründe, alle Nuancen und Farbenstrahlungen -des Judenhasses wie durch ein Prisma auf den einen Grund: die Verschiedenartigkeit der Religion zurückführen. Dem kann ich nicht beipflichten. Denn dieser Grund trifft bei einem großen Teile -der -Antisemiten nicht zu. Viel eher ist es das Fremde, das Andersartige, die angebliche Verschiedenheit der „Rasse", -der Neid, -die Mißgunst, was den Judenhaß begründet, der alle Dinge bei den Juden -durch das Vergrößerungsglas des Vorurteils ansieht. Daß die Juden sich nicht zur „Religion der Liebe" bekennen, war im Mittelalter der Hauptgrund, sie zu verbrennen, jetzt ist der Religionsunterschied nur der Nebengrund, um ihnen Rechte, Freiheiten' und Lebenslust „auf kaltem Wege" zu nehmen. Der Weltkrieg hat alle R-eligionsunterschi-ede verwischt; er hat die Bekenner -Mohammeds an die Seite Deutschlands, die Bekenner Buddhas und des Consucius ins Heerlager der Entente geführt. Von allen Internationalismen scheint, nach den Worten Breuers, allein der Judenhaß übriggeblieben zu sein. Der Judenhaß ist eben so alt -wie die Namen Pharao, Amalek und Ham-an, und -das Judenproblem ist ebenso schwer zu lösen wie die soziale Frage. Mit beiden haben sich die erleuchtetsten Geister, „arme schwitzende Menschenhäupter" (nach Heine) zermartert; sie sind nicht in ein e r- Nacht zu lösen. Wohl aber gibt es einen Weg dazu, den steinigen-, dornenvollen, jäh aufsteigenden Weg, der zu den Höhen der Menschheit führt. Ihn -gilt -es einzuschlagen und in ernster, selbstloser, entsagender Liebe zum großen Ganzen in Einigkeit zu wollen und zu handeln. Das ist eine schwere Aufgabe wegen der körperlichen, geistigen und sittlichen -Unvollkommenheit -des Menschen von Anbeginn, und zu welchen Schrecken diese führt trotz aller Errungenschaften in Kultur -und Wissenschaft, das zeigt der jetzige Krieg. Aber wenn die Menschheit „immer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.