Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1918)
- Date
- 1918-10-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Verwaltung einer der wertvollsten Mitarbeiter geworden, der besonders in der Kriegswirtschaft kaum ersetzbar ist. Die ihm nahestehenden politischen Blätter meinen denn auch, daß sein Tod eine Lücke verursache, die schlechterdings zurzeit nicht auszufüllen sei. Die am 24. d. M. erfolgte Beisetzung gestaltete sich demgemäß, obgleich der Verstorbene sich eine Beerdigung in der Stille erbeten hatte, zu einer eindrucksvollen Trauerkundgebung. Unter der großen Anzahl der Leidtragenden sah man u. a. Oberbürgermeister Dr. Göttelmann, Bürgermeister Dr. Külb, Stadtamtmann Dr. Krug, viele Stadtverordnete, Mitglieder des Landgerichts und Rechtsanwälte, die Vorstandsmitglieder der Israelitischen Hauptgemeinde, eine Reihe von Mitgliedern der Fortschrittlichen Volkspartei, des Kriegsausschusses der Stadt Mainz, der Loge U. O. B. B. usw. Der Kranz der Stadt Mainz, den Oberbürgermeister Göttelmann mit kurzer Ansprache niederlegte, trug ein Band mit der Inschrift: Die dankbare Stadt Mainz ihrem treuen Berater. Rabbiner Dr. Levi feierte den Heimgegangenen als Mensch, als treuen Bekenner seines Glaubens, als Wohltäter und als einen Mann, der für seinen Beruf wie für die Oefsentlichkeit in ersprießlichster Weise zu wirken verstanden hat. — Das hier seit einiger Zeit bestehende israelitische Soldatenheim erfreut sich andauernd des größten Zuspruches, und es zeigt sich immer inehr, welch großes Bedürfnis diese Einrichtung gewesen ist. Eine Reihe belehrender und wissenschaftlicher Vorträge wurde im Laufe des Sommers dort abgehalten. So sprachen u. a. Herr Lehrer Eschelbacher, Herr Hermann Kronenberger, Herr Rabbiner Tr. Levi. Außerdem sprechen regelmäßig Mittwoch- und Freitagabend zwei Herren aus der hiesigen Gemeinde. Von Sah und Fern. — Eine freie Iüdis ch e V o l k s h o ch s ch u l e wird, von verschiedenen jüdischen Orgnisationen vorbereitet, zum Winter in Berlin eröffnet werden. Sie hat den Zweck, die Wissenschaft von Juden und Judentum in weite Kreise zu tragen sowie Interesse für die großen Fragen und Bewegungen der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart zu wecken. Der Lehrbetrieb umfaßt nach Muster der' bekannten deutschen Volkshochschulen Vortragszyklen und seminaristische Hebungen und beruht auf dem Prinzip der unbedingten Lehrfreiheit. Jede wissenschaftlich vorgetragene Ansicht soll zu Worte kommen können. Es haben sich bereits bedeutende Vertreter der jüdischen Eeisteswelt: Gelehrte. Rabbiner, namhafte Schriftsteller d-cr Anstalt zur Verfügung gestellt. Näheres wird demnächst bekanntgegeben werden. Das jüdische Volksbildungs- und Unterhaltungsheim (Toynbee-Halle) wird am 12. Oktober, abends 834 Uhr, wieder eröffnet werden. Es finden wie bisher an jedem Sonnabendabend volkstüinliche, belehrende Vorträge statt, denen musikalisch-deklamatorische Darbietungen sich anschließen; zwischen beiden Veranstaltungen wird eine Erfrischung gereicht. - Die Jüdische Lesehalle und Bibliothek, Oranienburger Straße 58 pt., ist vom 1. Oktober ab wochentäglich von 10 bis 4 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 2 Uhr geöffnet. Kommerzienrat Maximilian Stein in Berlin, bekannt als eifriger Förderer werktätiger sozialer Wohlfahrtspflege und warmherziger Verfechter des Judentums, beging am 27. September seinen 50. Geburtstag. Aus Ostrowo i. P. wird uns geschrieben: Um die Erinnerung an die um die Stadt Ostrowo besonders verdienten Personen wachzuhalten, wird der Magistrat in denjenigen Straßen, die die Namen solcher Ehrenmänner führen, besondere Schilder anbringen lassen, welche neben den Namen auch die Zeit und die Art ihrer verdienstvollen Tätigkeit kurz enthalten. Es kommt dabei auch in Frage die Freymann-Voß-Straße. Tie Kosten aller dieser Schilder hat Frau Justizrat Boß, die vor kurzem hier weilte, aus treuer Anhänglichkeit an Ostowo übernommen. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilse ist dem Buchdruckereibesitzer Friedrich Bernstein, dem Sohn des Vorstehers Rentier Jacob Bernstein in Schroda, verliehen worden. - Die in Breslau wohnenden alten Ple'chner sind zusammengetreten, um die jüdische Gemeinde in Pieschen, die jetzt nur noch 60 Mitglieder zählt, auch künftig zu erhalten. Ein äußerer Anlaß bot die Gelegenheit. Ein frommer und gelehrter Pleschner, Jakob Oppler, der erst kürzlich den 80. Geburtstag feierte, war von schwerer Krankheit genesen und spendete 15 000 M. für die Gemeinde Pieschen; ihm schloß sich C. Lewin mit 20 000 M. an, Moritz Bayer mit 10 000 Mark. Es liegt in der Absicht dieser Männer, zunächst einen Grundstock von 200 000 M. zusammenzubrittgen und ihn ihrer Heimatgemeinde zur Verfügung, zu stellen. Aus Bocholt wird uns geschrieben: In seltener Jugendsrische beging am 24. September die Seniorin der ebenso bekanntenwie geachteten Familie Cosmann Cohen, Frau Rosalie Cohen, ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin, die sich in allen Kreisen der Bevölkerung seltener Beliebtheit erfreut, ist eine Zierde unserer Gemeinde, vorbildlich durch ihre Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Auch jetzt hat sie wieder unsere Stadt und Gemeinde sowie Vereine und Anstalten mit bedeutenden Zuwendungen bedacht. Mögen ihr noch viele segensreiche Jahre in gleicher Frische wie bisher beschieden sein! — Oberarzt Dr. Max Auerbach in Köln, Sohn der Vorsitzenden des dortigen Israel. Frauenvereins, Frau Bendix Auerbach, wurde mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. — Ter Direktor des Pbilanthrophin in Frankfurt am Main, Herr Dr. Adler, hat den Charakter als Geheimer Studienrat erhalten. — Wie^ aus Frankfurt a. Main gemeldet wird, stand dort der diesmalige Jom kippur unter dem Zeichen der Fliegergefahr. Sowohl am Kol Nidre wie zu Neilah wurden die Gottesdienste vorzeitig beendet. — Aus Budapest wird uns geschrieben: Das Israelitische Knäbenwaisenhaus unserer Gemeinde ist mit einer Volks- und einer Bürgerschule verbunden, die je ein eigenes Internat besitzen. Im verflossenen Schuljahre wies die Volksschule mit ihrem Internate 128, die Bürgerschule 92 Zöglinge auf. Neu ausgenommen wurden im abgelaufenen Schuljahre 39 Kinder, aus der Anstalt entlassen wurden 20 Zöglinge. 122 Zöglinge wurden der Sommerfrischen teilhaftig. Für das lausende Jahr wurden an der Volksschule 150 Schüler eingeschrieben. Die Bürgerschule zählt 97 Zöglinge, von denen 69 die Bürgerschule, 21 höhere Handelsschulen besuchen. Tie Anstalt zählte auch 35 Externisten. — Der Präses der Bekescsabaer israelitischen Kultusgemeinde Adolf Rosenthal und seine Gattin geh. Gisella Kun haben zur Erinnerung an ihren auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohn Abdorin Bekescsaba ein Waisenhaus errichtet, in dem 24 Kriegswaisen ohne Unterschied der Konfession von ihrem sechsten bis zu ihrem fünfzehnten Lebensjahre Unterweisung erhalten sollen. Dieses Waisenhaus wurde anfangs September errichtet und eröffnet. — Die jüdische Bevölkerung >in Tripolitanien beträgt nach italienischer Schätzung 16 000 Seelen. In der Stadt Tripolis wurden 10 471 Juden gezählt. — Der Großrabbiner der Türkei, Haim Nachum, weilte zu kurzem Aufenthalt in Wien. Bei der Anwesenheit des Kaiserpaares wurde er mit dem Großkreuz des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet. Am 1. Neujahrstage stattete er der türkischen Israelitengemeinde einen Besuch ab und hielt im Türkentempel in der Zirkusgasse 3410 Uhr vorm, eine Predigt in spaniolischer Sprache. — Ueber die Länge des Jordanslusses läßt sich, so sonderbar es klingen mag, eine ganz sichere Angabe nicht machen. Die eigentliche Schwierigkeit liegt in dem Hauptteil des Flusses zwischen dem See Genezareth und dem Toten Meer. Die Entfernung zwischen dem Austritt des Flusses aus jenem und seiner Mündung in dieses ist allerdings zu 105 Kilometer genau gemessen worden, aber der Fluß macht auf dieser Strecke so unzählige Windungen, daß seine wirkliche Länge auf 380 Kilometer und darüber geschätzt worden ist. Diese Zahl wird auch in den neuesten wissenschaftlichen Schriften vertreten. Eine sorgfältige Nachmessung auf der besten Karte hat jedoch ergeben, daß der^Fluß mit allen Windungen nur rund 154 Kilometer zurttcklegt. Ueberhaupt ist auf Grund Zahlreicher Beobachtungen anzunehmen, daß der eigentliche Lauf eines größeren Flusses die durchschnittliche Laufrichtung an Länge kaum je um mehr als das Doppelte übertrifst. Die wahre Länge des Jordan in der genannten Hauptstrecke dürfte demnach nicht viel mehr als 160 Kilometer betragen Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.