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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-09-13 · Heft 37 (13.9.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 nur zwei Prozent, und daß, je näher man zum Feuer an der Front gelange, desto mehr Christen, je weiter man sich entferne, desto mehr Juden zu finden seien. Der Bischof erhielt sofort öffentlich die nötige Antwort und wurde der Anwendung falscher Daten überwiesen. Der Bischof berief sich dann auf die Angabe eines nicht genannten Obersten. Auch dieser wurde öffentlich als Lügner bezeichnet, hat sich aber bis jetzt nicht gemeldet. — Tie auf dem Deutschen Bolkstage in Wien betriebene Pogromhetze hat auch in Ungarn ein Echo gefunden. Ein Budapester katholisches Blatt knüpft an den Bericht über die Wiener Vorgänge den Wunsch, daß die Massen des ungarischen Volkes dem Wiener Beispiele folgen sollten. Gegen diese von der Zensur und den Behörden gebilligte Aeußerung protestiert der liberale „Belag" und weist darauf hin, daß diese in G a l a n t h a bereits günstigen Boden gefunden habe. Wie das Blatt erfährt, haben dort seit einigen Tagen Straßendemonstrationen stattgesunden, wobei sich Banden bildeten, welche die Galanther Juden mit Messern anfielen. Polizei und Gendarmerie trafen keine Maßnahmen. Das Blatt protestiert energisch gegen die systematischen Judenhetzer und fordert die Negierung zum Einschreiten auf. — In der Gemeinde Satoralja-Ujhely drang in den Morgenstunden unter dem Kommando eines Wachtmeisters eine Abteilung Gendarmen mit ausgepflanztem Bajonett in das Gotteshaus ein, wo sich die Gläubigen in großer Zähl versammelt hatten und eifrig beteten. Der Wachtmeister forderte die Betenden auf, den Tempel unverzüglich zu verlassen, und gab Befehl, den Gottesdienst zu unterbrechen. Dieses Borgehen rief.lebhafte Bestürzung und Entrüstung hervor. Als die Gendarmen sahen, daß sie nichts .ausrichten tonnten, wendeten sie Gewalt an und zerrten die Betenden in die Mitte des Tempels, wo sie sich in Reih, und Glied aufftellen mußten. Bemerkenswert ist„ daß es zum größten Teil Leute über das militärpflichtige Atter hinaus waren, die von den Gendarmen in die Mitte genommen wurden. Die Betreffenden wurden dann durch die Straßen der Stadt eskortiert. Die Papiere der meisten wurden in Ordnung befunden und die Betreffenden sofort entlassen. Wie verlautet, wird der Abgeordnete Bela Bernath ersucht werden, diese Angelegenheit in Form einer Interpellation im Abgeordnetenhause zur Sprache zu bringen. Van Aah und Mn. — Der kürzlich verstorbene Geheime Regierungsrat Professor Tr. Hermann C vH e n hat in hochherziger Weise neben einer ganzen Reihe von Legaten für Lehrinstitute und Wohltätigkeitsanstallen auch der Hilfskasse für israelitische Kantoren und Kulkusbearnte und deren Witwen und Waisen zu. Berlin 10 000 Mark testamentarisch vermacht. — Die neue Zusammenkunft aller derer, die Angehörige in englischer Gefangenschaft haben, findet am Montag, den 2 3. Sept e ln b e r, abends 8 Uhr, int Bür g e r s aal des Berli ne r R n t h a u s e s statt. — Professor Ernst C a s s i r e r , Pri-vatdozent der Philosophie, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilse erhalten. — Privatdozent für Handels- und Zivilprozeßrecht Rechtsanwalt Tr. Artur N ußba u m hat die Lehrb'fu-gnis für Deutsches Bürgerliches Recht erhalten. —Anläßlich des. 80. Geburtstages seiner Mutter stiftete Fabrikant Otto Levy, Berlin-Nikolassee, seiner Vaterstadt Malchow (M,. eklen bürg) 10 000 Aka-rk für wohltätige Zwecke. — Der Oberarzt Tr. Ernst Weil e, Sohn des Stadtverordneten und Repräsentanten der Berliner jüdischen Gemeinde Architekt S. Weite ist am 27. v. M. als Opfer seines Berufes int Dienste dos Vaterlandes int blühenden Alter von dreißig Jahren verschieden. Die Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung weiter Kreise am 5. d. Al. auf dem Friedhof in Weihensee. — Frau Jenny Spiegel, Ntitglied des Kuratoriums des Jasfaschen Fürsorge- und Waisenhauses der Großloge des U. O. B>. B., ist gestorben. — Der Gattin des Rabbiners Tr. Olitzki in Allenstein wurde die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen. —- Aus Zempelburg lvird uns geschrieben: Hier verschied der Lehrer Herr Louis L ewy. Derselbe. hat dem Repräsentantenkollegiunt als langjähriger Vorsitzender und Rendant der Gemeinde stets warmes' Interesse entgegengebracht. Im besonderen förderte er mit großem Geschick den Religionsunterricht. Seine biedere Gesinnung und Ehrenhaftigkeit sichern ihm ein treues Gedenken innerhalb -der Gemeinde. — Rabbiner Professor Dr. Jacob Guttmanu in Breslau begeht am 14. d. M. das o0 jährige Doktorjubiläum. — Herr Rittergutsbesitzer Alfred F r a n k in Nauen, dent in Anerkennung seiner Verdienste um die Krieg.swi.rtschaff schon früher das Berdienstkreuz fü-r Kriegshillse tlnd neilerdings der Titel Königlicher Kommis.siönsrat verliehen wurde, hat für die Errichtung einer neuen Friedhofshalle der dortigen Synagogengetneinde den Betrage von 10 000 Mark zugewiesen. — Frau Kommerzienrat Weinstein in. Eisenach ist das Ehrenzeichen für Frauendienste im Kriege vorn Großherzog von Sachsen-Weimar verliehen worden — Herr Lehrer Max Lazarus in Lübbecke i. W. hat das Berdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Aus Gelsenkirchen wird uns geschrieben: Durch das Eiserne Kreuz Erster Klasse wurden ausgezeichnet: Bizeseldwebel Alfred Kaufmann, Sohn des Haupttehrers M. Kaufmann; Offiz.-Stellv. Max Hey m a n n, Seminarlehrer in Münster, Sohn des Herrn Hartoch Heymann in Gelsenkirchen; Leutnant d. R. Walter K r o n h e i m, Sohn des Herrn Artur Kronheim in Eickel. Das Berdienstkreuz für Kriegshilse erhielt Herr Rabbiner Dr. Galliner in Gelsenkirchen. — Der Wähl des Rabbiners Dr. Baerwald in München zum Landrabbiner in Kassel ist jetzt die königliche Bestätigung erteilt worden. — Bizeseldwebel Marcus L e h nt ann, Sohn des Schriftstellers Oskar Lehmann in Mainz, der bereits mit dein Eisernen Kreuz und der Hessischen Tapferkeitsmedaille dekoriert ist, erhielt das Hessische Kriegereh renzeichen in Eisen. — Kommerzienrat S. Guttmann in München wurde zum Königlich Bayerischen Geheimen Kommerzienrat ernannt — Albert Freiherr von G o l d s ch m i d t - R o t h s ch i l d, Attache bei der preußischen Gesandtschaft in München, und« Konzertdirektor Hugo Knepler (Wien) erhielten den Michaelsorden 4. Klasse. - Aus Wien wird geschrieben: Das k. u. k. Kriegspressequartier veröffentlichte dieser Tage einen Bericht, der die Bemühungen der Italiener schildert, unter den österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen polnischer Nationalität Verräter zum Eintritt in die „slawische Legion" zu werben — ein Bemühen, das freilich von wenig Erfolg begleitet war. In dem Bericht heißt es dann: „300 galizische Juden in diesem Lager sollen durch ihre Aufklärungsarbeit viel dazu beigetrugen haben, daß die polnischen Mannschaften sich nicht ködern ließen." — Ueber die Behandlung jüdischer Kriegsgefangenen nach der Annahme des Judengesetzes im rumänischeil Parlament berichtet das Kopenhagener Zionistische Bureau: „Beim 37. Infan teriereg iment aus Botosani werden alle aus der Gefangenschaft zurückkehrendeni jüdischen Soldaten auf Befehl des Oberstleutnants Pascu mißhandelt; viele werden in Einzelarrest gesteckt, alle werden weiter mobilisiert gehalten, während die Zurückkehrenden Rumänen gut behandelt werden, einen achttägigen Urlaub bekommen und dann entlassen werden. — Zwei jüdische Feldprediger find im französischen Dienst dem Krieg zum Opfer gefallen: der Brüsseler Rabbiner Schwarz starb in einem Lazarett in der Gegend von Belfort an den Folgen einer Krankheit, die er sich an der Front in Ausübung seines Berufes zugezogen hatte, und der Rabbiner von St.-Etienne Vi ls en ist an der Front gefallen. — Gelegentlich des 70. Geburtstages Balfours hatte Herr Nahum So ko low namens des Zionistischen Bureaus in London dem Staatssekretär ein Glückwunschschreiben gesandt. Hierauf ging folgende Antwort von Herrn Balfour ein: „Es war für mich eine Quelle tiefer Befriedigung, daß ich in der Lage war, mich an den Bemühungen zu beteiligen, eine nationale Heimstätte für die Juden in Palästina zu errichten, und Sie können von meiner stündigeil Bereitwilligkeit, diese bewundernswerte Sache zu fördern, versichert bleiben." —- Die Warschauer jüdische Presse brachte folgende Aufsehen erregende Nachricht: „In den Kreisen, der jüdischen Arbeiterschaft in Warschau hat die Tatsache großes Aufsehen erregt, daß neunzehn Mitglieder der jüdischen gewerkschaftlichen Vereine plötzlich verschwunden sind." Wenn die polnischen Verwaltungsbehörden die erforderliche öffentliche Aufklärung dieses geheimnisvollen Vorganges, nicht schaffen können oder wollen, dann sollten die deutschen OkkuPatronsbehörden sie dazu anhalten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck' und Verlag von Rudolf Mosse.

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