Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1918)
- Date
- 1918-08-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 veichs aus 1 3)4 Millionen gezählt. Die Mobilmachung und die Auswanderung nach Rußland haben aus dem Königreich Hunderttausende von Leuten Vertrieben und die zunehmende Sterblichkeit und der gleichzeitige Rückgang der Geburten haben das normale Anwachsen der Bevölkerung verhindert, die bis Ende 1917 aus rund 14 Millionen hätte anwachsen müssen. Die Statistik während des Krieges im Jahre 1916 und die in der letzten Zeit durch die Kreilsämter vorgenommenen Berechnungen haben für das Generalgouvernement Warschau 6)4 Millionen Einwohner, für das Generalgouvernement Lublin 3)4 Millionen ergeben. Das Gouvernement Suwalki hat 409 000 Einwohner, und nngefähr 120 000 Einwohner umfaßt der vom Gouvernement Siedlce abgetrennte Teil. Im ganzen also -beträgt jetzt, wie -es ineinem einschlägigen Artikel der „Gazeta Poranna" heißt, die Bevölkerung des früheren Königreichs Polen 10H Millionen Seelen. Das bedeutet einen Rückgang von 3)4 Millionen. Wi,e viele davon ausgewandert, wie viele im Kriege gefallen oder infolge des Krieges gestorben sind, ist schwer feftzustellen'. Erst nach Beendigung der Rückwanderung wird man Erhebungen darüber anstellen könnenwieviel Einwohner Polen durch den Krieg verloren hat. Ein interessantes Moment in dieser Statistik ist das Anwachsen der jüdischer Bevölkerung auch im Vergleich zu den Verhältnissen vor dem Kriege. Eine Zunahme der israelitischen Einwohner zeigen im deutschen Okkupationsgebiet vor allem die großstädtischen Kreise, wie Marschau und Lodz, sowie Mlawa, Plock, Pultusk, Kutno, Kalisch und Ostrow. Die Juden strömen vor allem in die Handelsmittelpunkte, sowohl in den Jndustriekrei.sen Warschau, Lodz wie in den landwirtschaftli-chen Kreisen Kalisch, Kutno, Plock, wo infolge guten Bodens und geringerer Kri,egsschäden Wohlstand herrscht. Im österreichischen Okkupationsgebiet sind die Verhältmsse dieselben. Hier hat dank der Konzentrierung der Aemter und der Belebung des Handels die jüdische Bevölkerung am meisten in Lublinzugenommen. Zurückgegangen ist sie in Radons, hauptsächlich im dortigen Industriegebiet. Von Mah und Fern. — Wie die Einfuhr st elle für Esrogim (Cedern) und Lu low im (Palmen) im Anzeigenteil dieser Nummer bekanntgibt, ist es dank der Unterstützung der Militärbehörden in letzter Stunde noch gelungen, eine Menge von einigen tausend Stück Esrogim in Syrien und Nordpalästina aufzukaufen, deren Eintreffen in der ersten Septemberhälfte erwartet wird. Die Einfuhrstelle hat Maßnahmen getroffen, um nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß mindestens jede Gemeinde bzw. Synagoge in Deutschland, einen Esrog erhält. Frische L u l o w i m können gar nicht, trockene nur irr sehr geringer Zahl dem Handel zur Verfügung gestellt werden. — Dem Prokuristen der Firma Rudolf Mosse, Herrn Leopold B e n a r i o (Berlin) ist das Verdienstkrenz für Kriegshilfe verliehen worden. — Vizewachtmeister Martin Schwarz, Sohn des Hoflieferanten Georg Schwarz, Gemeindevertreter in Berlin-Pankow, wurde zum preußischen Leutnant der Reserve befördert. — Dem Rabbiner des Synagogenvereins Moabit und Hansabezirk, Dr. Heinrich A. Cohn, der seit Ansang dieses Jahres als Armeerabbiner im Westen tätig ist, wurde vom Oberkommando das Eiserne Kreuz verliehen. — Reiche Vermächtnisse hat der in Berlin verstorbene Kaufmann Alexis Latte seiner Vaterstadt Culmsee zugewendet: je 20 000 Mark für weitere Ausbildung von Lehrlingen und zur Errichtung von zwei Betten im Kreiskrankenhause, 11000 Mark für die Synagogengemeinde. — Der Landtagsabgeordnete Kommerzienrat Aron - soh n in Bromberg legte sein Amt als unbesotdeter Stadtrat aus Gesundheitsrücksichten -nieder. Gleichzeitig überwies er der Stadt Bromberg als Spende 100 0,00 Mark. — Aus Posen wird uns berichtet: Das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Baude ist 'dem Zahnarzt L, e w i n aus Posen, M i litär - zahnarzt aus der Kieserstation des Hauptfestungslazaretts Posen, verliehen wurde. — Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Der Funker Fritz Feibelsohn, der Sanitätsunterofsizier Willy U n i - kower, der Funker B. Hei mann (unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier), alle drei aus Schildberg (Provinz Posen); Einjähriger, Kriegisfreiwilligev Borthold Jonas, -im Neserve-Feldartillerieregiment 11, Sohn des Kaufmanns Herrn Max Jonas, Inhaber der Firma. Julius Wolfs in Posen. Sein älterer Söuifrei: Joseph erhielt vor kurzem dieselbe Auszeichnung. — In einer gemeinsamen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Rogasen wurde sämtlichen Gemeindebeamten wesentliche Ausbesserung der Kriegsteuerungszulagen bewilligt. — Zahlmeister-Stellvertreter Martin Behle, Sohn des Lehrers S. Behle in Lissa in Posen, hat das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten. Derselbe ist Zögling der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin. — Dem Rendanten der Synagogengemeinde Lissa, Herrn S. A n s o r g e, ist anläßlich seines Uebertritts in den wohlverdienten Ruhestand das „Silberne Verdienstkreuz" Allerhöchst verliehen worden. — Leutnant Ludwig Kaufmann (Görlitz), Offizierstellvertreter Dr. Friedrich Weiß (Gleiwitz), Unteroffizier Thea Harburger, Sohn des Justizrats Harburger (München), Leutnant Jakob S t e i n a ch e r (Nürnberg) und Leutnant Emil K r a e m e r, Sohn des Kantors Kraemer (Ansbach), erhielten das Eiserne Kreuz erster Klasse. —Man schreibt uns aus Urspringen: Am 28. August sind 40 Jahre verflossen, seitdem Hauptlehrer S. Kissing er ununterbrochen seit seinem Seminaraustritt in der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde tätig ist.' In Anbetracht der Zeitverhältnisse soll eine größere Feier unterbleiben; doch wollen die Gemeinde sowie die zahlreichen Schüler und Schülerinnen diesen Feiertag mit einer schlichten Feier begehen. — Aus Coswig wird geschrieben: Der im Frühjahr verstorbene Geh. Rat Professor Dr. Cohen, der hier in einem Hause der Domstraße geboren ist und in Coswig die Elementarschule besucht hat, hat der Stadt ein nach dem Dode seiner Gattin auszuzahlendes Legat von 10 000 Mark ausgesetzt, dessen Zinsen als Stipendien an studierende Kinder von Arbeitern oder Lehrern gezahlt werden sollen. — Arthur Bodenheime r, Sohn der, Witwe Bodenheimer aus Saarbrücken-Brebach, Vizefeldwebel der Reserve und Offiziersaspirant, von Berus Kaufmann, ist mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse für Tapferkeit vor dem Feinde ausgezeichnet worden. — Aus Aachen wird uns geschrieben: Dem Oberkantor der hiesigen Gemeinde, Herrn Sally M e h e r , wurde für seine Verdienste um das österreichische Rote Kreuz im Aufträge des Kaisers Karl von Sr. k. u. k. Hoheit, dem Erzherzog Franz Salvator, die Silberne Ehrenmedaille vom österreichischen Roten Kreuz mit Kriegsdekoration verliehen. — Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt Offizierstellvertreter Willi Feld mann, Sohn des Herrn Repräsentantenvorsitzenden L. Feldmann (Bonn), ferner Dr. A. Samuel, Sohn des Rentners S. Samuel (Bonn.) — Das holländische Komitee zur Verteilung der amerikanischen Hilfsgelder sandte bisher 6 487 000 Mark nach Warschau, 670 000 Franken (in Gold) nach Palästina. — Zum Tode des bekannten dänischen Dichters Peter Nansen schreibt Dr. R o s e n m a n n in der „Österreichischen Wochenschrift": Sein Großvater war der nicht minder berühmte Großkaufmann und nationalökonomische Schriftsteller Löb Nathanson, der Reorganisator der Kultusgemeinde Kopenhagens und Gönner Jsak Noa Mannheimers, dem es die Munifizenz Nathansons ermöglichte, die Studien an der Mittelschule und Universität seiner Vaterstadt zu absolvieren, um dann gleichfalls durch Nathansons bedeutenden Einfluß am dänischen Königshofe zum israelitischen königlichen Katecheten ernannt zu werden. Ob Peter Nansen dem Judentum noch angehörte, läßt sich dermalen nicht seststellen. Zweifelsohne sind viele charakteristische Züge seiner edlen Dichtkunst nur auf seine schon vor hundert Jahren kulturell hochstehende jüdische Abstammung zurückzuführen und so zu erklären. — Der rumänische Handelsminister Grig o r e C a ntae u zion o äußerte sich zu einem Mi-tar beiter 'der „Gazeta Bucurestilor" über die bevorstehenden Wahlen für die Handelskammern: Wir wollen bei den Wahlen keine Politik machen. Jetzt, wo wir im Begriffe sind, der Judenfrage die denkbar, weitestgehende Lösung zu geben, halten wir es für notwendig, daß auch jüdische Kaufleute und Industrielle den Handelskammern angehören, um gemeinschaftlich mit den übrigen zur Wiederbelebung des Handels beizutragen. — Die jüdische Bevölkerung in Tripolitanien beträgt nach italienischer Schätzung 16 000 Seelen. In der Stadt Tripolis wurden 10 471 Juden gezählt. — Die Zahl der einrückenden Juden in die amerikanische Armee stellt sich im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung viel höher als es in allen anderen kriegführenden Ländern der Fall ist, weil eine hohe Zahl der Nichtjuden zivile Aemter innehat und mit dem Ackerbau beschäftigt ist. Die Zahl der amerikanisch-jüdischen Soldaten hat bereits die Höhe von 110000 Mann erreicht. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.