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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-05-16 · Heft 20 (16.5.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 20 (16.5.1918)
Date
1918-05-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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82. Jahrgang. Nr. 20 Berlin, 16. Mai 1918 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wSchenUtch. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32h. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheime« Regiernngsratr proseffor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin» Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße Hü-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Tlttittflff* Das Wochenfeft. Von Albert Katz. — Zum Wochenfest. LßlllJülL. Aon Willi Cohn, z. Z. im Felde. — Die Woche. — Die Aron-Hirsch-Stiftung am Werbellinsee. A. K. — Der Einfluß des Krieges auf die Armenrnid Wohlfahrtspflege. Von Bureauvorfteher Nathan Cohn (Berlin-Charlottenburg). — Naffenmerkmale. Von Margarete Marasse. — Feuilleton: Die Flucht aus Jerusalem. Von Jakob Fingermann. — Megillath Ruth. Von S. Aschner. Dev Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*). Berlin» Hohenfalza, Chemnitz- Nürnberg, Frankfurt a. M., Wien, Den Haag. — Von Nab und Fern. Sss Wochenkrlt. Von Albert Katz. ir feiern das Schabuotfest nicht mehr, wie die Heilige Schrift es bezeichnet, als Tag der Erstlinge, an dem die für den Tempeldienst vorgeschriebenen zwei Opferbrote, von neuem Weizenmehl bereitet, dargebracht würden. Diese Vorschrift, an Zeit und Ort gebunden, ist seit der Zerstörung des Heiligtums auf Zion außer Kraft getreten; sie gilt uns nur noch als blasse Erinnerung an die Zeit, >da Israel, als Volk im eigenen Lande lebend, den heimatlichen Boden bestellte und die Erstlinge der erntereifen Frucht Gott zum Dank für den gespendeten. Segen weihte. Wir begehen jetzt das Schabuotfest ausschließlich als Tag der Gesetzgebung, an dem Israel durch seine Bereitwilligkeit, die von allen anderen Völkern verschmähte Thora zu empfangen und zu betätigen'), der Träger und Verkünder der höheren Gottesidee, das Licht der Nationen geworden ist. Schabuvt gilt uns als mjCjD Abschluß des vorangehenden Passahfestes, das, wie hoch wir es auch geschichtlich bewerten, nur die Vorstufe für die Feier des Tages bildet, der in uns die Erinnerung an die Thoraverkündigung am Sinai lebendig erhält. Nach der Auffassung unserer Weisen hat die nationale Geburt des jüdischen Volkes, die durch die Zertrümmerung der Sklavenketten Aegyptens eine greifbare Gestalt angenommen, ihre Weihe für die Zukunft erst am Sinai erhalten. „Ihr habt gesehen," heißt es in der Heiligen Schrift, „was ich an Aegypten getan, ich habe euch wie auf Adlersflügeln getragen und euch gebracht zu mir""). Zu mir! In diesem Wort, lehrt Maimonides'), ist die Bedeutung und der eigentliche Zweck der Befreiung aus Aegypten ausgesprochen. Der Gottesgedanke, der am Sinai hell erstrahlt ist, der allein ist es, der die ägyptische Finsternis vollends verscheucht und Israel Licht und Freiheit gebracht hat. Darum war und ist es in Israel heiliger Brauch, von dem nächstfolgenden Tage des ersten Passahtages an die Tage und Wochen bis zum Schabuotseste zu zählen, das sicherlich schon in alter Zeit neben seinem ursprünglichen Charakter als „Tag *) Jüllkut Schimom. Ji'tro. 2) Rosch haschana 5a. 3) Exodus 19, 4. *) More N'buchmi 3, K. 43. der Erstlinge" hauptsächlich als min Mv DV Tag der Thoraverleihung begangen wurde. Das bezeugt auch Onkelos, indem er in Numeri 28, 26, wo vom „Tage der Erstlinge" die Rede ist, das Wort E2'nm£’2 mit sl2'mL22 wiedergibt, das der Benennung des Schabuotsestes mit n“l2£P, das sowohl Schlußfest wie auch Versammlung bedeutet, vollkommen entspricht. Allerdings, in der Thora wird das Schabuotfest nicht ausdrücklich als Tag der Gesetzgebung bezeichnet; allein das ist noch kein Beweis, daß es eine spätere rabbinische Erfindung und nicht schon früher in dieser Eigenschaft gefeiert worden ist. Schon daß die Sadduzäer, die bekanntlich um den Tag des Wochensestes, der nach ihrer Auffassung (dem Wortlaut der Schrift entsprechend, fünfzig Tage von dem Sabbat nach dem Passahfest gezählt) stets auf einen Sonntag fallen müsse, einen leidenschaftlichen Streit mit den Pharisäern führten, das Schabuotfest ebenso wie diese Azeret nannten") und seine Eigenschaft als Tag der Gesetzgebung nicht bestritten, beweist, daß diese ihm zugesprochene Bedeutung ans historischem Hintergrund beruht. Ferner wissen wir, daß auch die Karäer, denen in der Verwerfung der Tradition die Sadduzäer als Vorbilder dienen, das Schabuotfest ebenso wie die rabbinischen Juden Azeret nennen und zum Andenken an die Gesetzgebung am Sinai begehen. Aus all diesem spricht der Gedanke, der in Israel auch stets lebendig war, daß weniger der Auszug aus Aegypten als' die darauffolgende Versammlung am Sinai dem jüdischen Volke die wahre Erlösung gebracht und mit ihr zugleich seinen Bestand für die Ewigkeit gesichert hat. Ja, wenn cs ein jüdisches Volk gibt, so ist es nur seine Thora, die ihm Lebensmöglichkeit verleiht. Ein jüdisches Volk, losgelöst von Gott und seiner Dhora, ist undenkbar: es wäre sonst schon längst untergegangen wie jene alten Stämme Israels nntcrgegangen sind, deren verblendete Könige und fälsche Propheten sie ihrem Gott und seinen: Gesetz abtrünnig gemacht hatten. Dieser Gedanke durchzieht das ganze jüdische Schrifttum, von den ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag. „Des Ewigen Teil," sprach Moses kurz vor seinem Tode, „ist sein Volk, Jakob, das Los seines Besitzes""). „Ich, der Herr, habe dich berufen zum Heile, habe deine Hand gefaßt, dich gebildet und eingesetzt zum Bunde für das Volk, zum Licht der Nationen"'). „Heilig ist Israel dem Ewigen, ein Erstling seiner Frucht"* 2 3). An das erste der zehn Worte: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Aegypten geführt, knüpfen unsere Weisen die Bemerkung: p-iKtt “pftKXH p n;£ bl" "l'by bapntr D'-lJttt Ich habe dich nur unter der Bedingung aus Aegypten geführt, daß du mich als deinen Gott anerkennst, dich mir unterordnest"). Drei °) Menachot 65b. 6) Deut. 32. 9. ') Jesaia 42, 6. , 8) Jeremia 2, 3. ®) Erodus rabba, K. 29.

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