Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Heimstätto in Betracht zu. ziehen., ist.. In der am 14. d. M. statt- . schabten Pkenarsttzmrg des Äultusvorstandes 'brachte Präsident Tr.?llfred Stern die munifizente Stiftung der'Frau Camilla Cohn zur Kenntnis «des Vorstandes. Der Vorstand beschloß einhellig, der Stifter in für diese hochherzige Widmung den Dank auszuip recken. Die Verwaltung der Stiftung geschieht durch ein Kuratorium. Die ersten Verleihungen aus dieser Stiftung werden voraussichtlich gegen S-ckluß dieses Jahres erfolgen. — Am 6. b. M. fand die diesjährige Generalversammlung des Vereins „Zukunft" zum Schutze armer, schulentlass.ner Kinder statt. Die Präsidentin Frau Minna Heckt, die die Versammlung leitete, erstattete den Jahresbericht, dem zu toMe die Zahl der Schützlinge von 116 ans 165 gestiegen ist. Die'e wurden zumeist bei Handwerkernuntergebracht und für ihre vollständige Verpflegung gesorgt. Durch den Umstand, daß geeignete Familien, die solche Jugendliche nach ihrer Schulentlassung gegen Entgelt zu sich nehmen, nicht zu finden sind, war der Verein während des Vereinsjahres gezwungen, für einen Teil feiner Schützlinge ein geeignetes Hei,m> zu errichten, und wurde dasselbe im <S. Bezirke, Bennoplatz 1, am 15. Januar d. I. seiner Bestimmuna übergeben. In diesem Heime werden derzeit 37 Schützlinge, vollständig verpflegt, sie haben dort ein trautes Heim gefunden. Die Präsidentin dankte allen. Freunden und Gönnern für ihre erfprießlicl-e Mitarbeit. Speziellen. Dank zollte sie dem Fachbeirate Moriz Ungar, Obevossizial der israeMifchen Kultusgemeinde, der unermüdlich für die Entwicklung des Vereins arbeitet. Ebenso dankte sie Amtsleiter Rudolf Krau s für die Förderung der. Vereinsbestrebungen. Die Vorsitzende berichtete ferner, daß sich für den edlen Vereinszweck ein Herrenarbeitskomitee gebildet habe, und dankte den Mitgliedern desselben, besonders bem Obmann des Komitees Oskar Gol d f ch mied für das ersprießliche Wirken im Interesse der guten Sache. Nach dem Bericht der Kassiererin Emmy Mautner hat der Verein gegen 68 7 0 Kronen im Vorjahre 58 557,02 Kronen im abgelaufenen Vereinsjahre verausgabt. Leider waren-die Zuflüsse, an den Verein nicht in dem Maße, .wie sie für diesen eminent wichtigen Zweig der Fürsorge notwendig g wesen wären, so daß das Bilanzkonto mit einem Passiv stand von 8329,90 Kronen abschließt. Namens des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde und des Kuratoriums der Heimstätte für jüdische Kinder dankte Medizinalrat Dr. I. Samu e ly dem Vereinsvorstande für da? außerordentlich ersprießliche Wirken auf dom Gebiete der sozialen Fürsorge und sprach die Hoffnung aus, daß, wenn «der Verein, -in dem bisherigen Tempo weiterarbeitet, es gewiß möglich sein werde, eine große Anzahl Jugendlicher vor dem sicheren Verderben zu bewahren. Von MH und ffern. Prof. Dr. Otto Pniower, der Kustos des MärkisckM Museums, beging dieser Tage sein 25jähriges Amtsjubiläum im Dienste der Stadt Berlin. Der Magistrat hat aus diesem Anlaß^dem um die Ausgestaltung der Sammlungen des Museums hochverdienten Beamten als Zeichen der Anerkennung die Amtsbezeichnung eines Direktors des Märkischen Museums beigelegt. — Dem Großpräsidenten der Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B., Herrn Geheimen Justizrat Berthold Timendorfer (Berlin), ist die Rote-Kreuz-Medaille II. Klasse verliehen worden. — Der Mitinhaber der Firma F. A. Schumann, Leipziger Straße 109, Otto Pariser, erhielt das Kriegshilsskreuz. — Herrn Stabsarzt Dr. Zwirn, stellv. Vorsitzenden des Neuen jüdischen Gemeindevereins, ist das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen worden. — Frau Anna Ginsberg, die unter Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit unermüdlich im Dienste der Wohltätigkeit wirkte, ist am 19. April gestorben. Sie hat ihren verstorbenen Gatten, den Fabrikbesitzer Dr. I. G i n s b e rg , nur kurze Zeit überlebt. Anna Ginsberg nahm besonders teil an den Bestrebungen, welche der Wohlfahrt armer Kinder gelten. Sie widmete ihre Arbeit unter anderem dem Mädchenhort. dem Reichenheimschen Waisenhause und dem Verein für Schülerwanderungen. Während des Krieges war sie in einem Lazarett hilfreich tätig. — Kurz nach Eintrittin ihr 100. Lebensjahr starb am 16. April in Berlin Frau Pauline Blumenthal geb. Hirsch und wurde am 21. April in Weitzensee zu Grabe getragen. Sie hatte Ururenkel gesehen. — Am 28. April ist Frau Bertha Man he im er, die Witwe des bekannten Philanthropen Moritz Manheimer im Alter von 81 Jahren gestorben. Nach dem Totze.^ ihres Gatten war di^hochbetäW &änie, j>(c von ihrem Ehemann geschaffenen gemeinnützigen Werke und Anstalten wirkte, stets, kränklich Sie und ihr Gatte häbßn ihr Leben ganz dem Dienste der Nächstenliebe geweiht. '— Der Beamtenstellvertreter Emil Simonsohn in Königsberg i. Pr., zurzeit beim Bekleidungsinstandsetzungsamt des 1. Arnreekorps, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten..-- Rabbiner Dr. Nsufeld in Briefen ist als Nachfolger des Rabbiners Dr. Sali L e v i-Breslau zum Armeerabbiner der 10. Armee ernannt worden. .--- Aus Posen wird uns geschrieben: Am 13. April verschied auf feiner Erholungsreise in Berlin- Herr Sanitätsrat Dr. Benno G o t t 'b e r g, hier. Der Verstorbene hat bis zuletzt trotz eigenen Leidens seinen Berus in vorbildlicher unermüdlicher Pflichtersiüllung ausgeübt. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt der Eisenbahnvorschlosser Sally L-ewß in Bromberg. — DieStadtveror dnetenverfainmlung zu Görlitz beschloß in ihrer Sitzung am 12. April, die Sallh-und-Helene-Hehmann-Stistung in Höl)e von 85 000 Mark anzunehmen. Insgesamt haben Kom nwrzienvat Sally Hehmann und seine Ehefrau 300000 Mark für wohltätige Stiftungen bestimmt. — Aus Sommerfeld. (N.-L.). wird geschrieben Der Prediger und Kantor Herr Louis Bock, hier, feierte am Sonnabend mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit, Herr Bock, der hier bereits seit 63 Jahren fungiert, versieht sem Amt nach wie. vor. — Dem Landesrabbiner Dr. Silber stein in Schwerin i. M. wurde am 23. b. M. vom landesherrlichen Kommissar und Jsr. Obervat, Herrn Amtsgerichtsvat Mehlhardt, das vom. Großherzog ihm verliehene Militärverdienstkreuz II. Klasse am roten Dqnde für . bewiesene Auszeichnung im Kriege überreicht. — Das preußische Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde in Miainz den Herren Bankier Isaak Jos. Fulda, Kommerzienrat Felix Goldschmidt und Prokurist Siegfried Schwarzsch'ild verliehen. — Aus Wien wird berichtet: Der Kaiser hat dem beim Generalgouvernement Lublin eingeteilten Feldrabbiner Pros. Dr. Majer Ball ab an in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen. Pros. Dr. Ballaban, der in Friedenszeiten an den Lemberger Mittelschulen tätig war, ist durch seine wertvollen Arbeiten auf dem Gebiete der polnisch-jüdischen Geschichtsforschung bekannt. - In einer Versammlung des Katholischen Volksbundes Ungarns sprach Abgeordneter Karl Huszar über die Notwendigkeit der Organisa tion der Christen und betonte, daß wohl ein neues, aber ein christliche? Ungarn not tue, daher müßten die Kräfte des katholischen Lagers auch in der Politik zur Geltung gelangen. — Der bekannte Baron G ü n z b u r g aus Petersburg befindet sich zurzeit in Japan. Die Bo'lschewiki haben sein Palais konfisziert. Sein Gesuch, sich in Dänemark niederlassen zu dürfen, wurde von der dänischen Regierung abgelehnt, weil Mangel an Nahrungsmitteln herrsche. — Das polnische Kultusminister tum hat der Gesellschaft für jüdische Mittelschulen in Lodz die Erlaubnis zur Gründung eines Seminars erteilt zur Ausbildung von Lehrern für die jüdischen Unterrichtsfächer: jüdische Religion, hebräisch Sprache, jüdische Geschichte und Literatur in den Elementarschulen und in den vier untersten Klassen der Mittelschule. Die Absolventen be* Seminars werden nur lehrberechtigt in jüdischen Fächern sein; um in den allgemeinen Unterrichtsfächern die Lehrberechtigung 51t erlangen, wird noch ein besonderes Examen von ihnen gefordert. Die Unterrichtssprache im Seminar ist für die allgemeinen Fächer polnisch für die jüdischen Fächer hebräisch. — Die großzügige Geldsammlung der New-Uorker Judenheit zugunsten der jüdischen Kriegslei den den Ende Dezember 1917 hat, wie man weiß, ein hohes Ergebnis, 5 Millionen Dollar" ,gezeitigt. Die Seele dieser Hilfst aktion war Jakob H. Schiff, der allein mit einer Spende von 250 000 Dollar voranging. In einer Zuschrift an den „American Hebrew" gibt Schiff seiner Freude über den überraschenden Erfolg der Sammlung in folgenden Worten Ausdruck: „Ich befinde 11ticl] in diesem Lande nahezu 53 Jahre. Noch niemals habe ich einen solch herrlichen Augenblick erlebt. Als ich nach Amerika kam, hätte ich nicht glauben können, die Gesamtjudenheit sei imstande, solche Geldsumme aufzubringen, wie sie jetzt die New Aorker Juden allein a.uf-gesammel't haben. Schauet, wie weit uns Einigkeit und Organisation bringen!" , _ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Verlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.