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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-04-26 · Heft 17 (26.4.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 17 (26.4.1918)
Date
1918-04-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 wenn er den Namen „Jude" nennen hart. Siegmund Schlesinger ist tot. Der Typus lebt noch immer." — Ueber das jüdische K o l o n -i sationspro b I e m in P a I ö st -i n a sprach hier kürzlich der deutsche Nationalökonom Professor B a l l o d vor einer großen Zuhörerschaft im Konzerth-aussaal. Ter Vortrag war dadurch besonders interessant, daß wir rniit ihm eine Darstellung von nichtjüdischer Seite erhielten, die dadurch objektiven Wert bekam. Professor Ballod wies 'nachdrücklich auf den ethischen Wert und auch auf die poetische Bedeutung dieser Bewegung hin, die darauf hinausgeht, einem Teile des jüdischen Volkes eine gesicherte Wohnstätte in der Urheimat zu verschaffen. Der Vortragende polemisiert gegen die Behauptung, daß Palästina eine Steinwüste mit einigen Oasen sei, ganz ungeeignet für eine Kolonisierung größerer Volksmgssen. Palästina ist anfüdlungsfähig und fruchtbar zu machen durch künstliche Bewässerung und andere Abhilfen. Ganz -besonders geeignet ist -das Jordantal. Eine Minderheit des jüdischen Volkes fände dort hinreichende Möglichkeiten in Bodenwirtschaft usw. Mit den Juden würde Palästina ein Heer von Kulturpionieren bekommen, ein intelligentes und arbeitstüchtiges Element, das namentlich für die Türkei von hoher Bedeutung sein könnte. Ten Mittelmächten, die mit sechs-bis acht Milliarden inder Türkei engagiert sind, würde eine derartige Kolonisation mancherlei Vorteile bieten. In England sieht man die Wichtigkeit dieses Problems ein, und man versäumte dort nicht, mit dem Zionismus zu rechnen. Es ist zu hoffen, daß die Idee auch von den Zentralnrächten in bester Weise gefördert wird. Tie interessanten, auf wissenschaftlicher Basis fundierten Ausführungen fanden wärmsten Beifall. England. Z. London. (Indirekt.) Unter dem Vorsitz von Major Lionel d c 9t othfchi ld (Präsident) und Lord S w a i t h l i ng (Vizepräsident) wurde hier eine „Liga der britischen Juden" gegründet mit dem Zweck, das zionistische Nationaljudentum zu bekämpfen. In einem unter dem Vorsitz von M. A. Kirschbanm am 3. Februar in der Toynbeehall von der „MiMesend Literary and Social Union“ abgehaltenen sehr stark besuchten Meeting hielt Major Laurie Magnus eine demselben Zweck gewidmete Ansprache, die in weiten Kreisen großes Aufsehen erregte'. Er führte darin aus, daß, solange die geistige Mission Zions in der Welt nicht erfüllt sei, die Juden Palästina nur als eine Station auf dem Wege akzeptieren -könnten. Zion dürfe keine Marionette aus dem Sack der Tricks der europäischen Diplomatie sein. Wenn die Juden auch die Offerte der britischen Regierung willkommen hießen und an deren edlen Beweggrund glauben, so müßten sie doch eine Verbesserung der darin enthaltenen Worte „ein nationales Heim" verlangen. Diese Worte kämen der Sprache der messianischen Stellen in unserer Liturgie zu nahe. Die Verbesserung, wäre die bloße Weglassung eines kleinen Wortes. Es würde aber jeder Konflikt mit der nationalen Pflicht als Engländer verhindert, wenn es sich nur darum handle, die Besiedlung Palästinas mit solchen Juden, welche wünschen, nach dem Kriege aus Palästina ihr „Heim" zu machen, zu unterstützen. Das sei der Sinn des dritten Hauptpunktes in der Verfassung der neuen Liga. Der Redner wies dann aus die Konfusion zwischen dem geographischen Palästina und dem traditionellen Heiligen- Lande; hin. Dieselbe habe sogar dazu geführt-, daß manche Zionisten eine Analogie konstruieren wollten zwischen Belgien und Serbien und der Politik, die Mr. Balsour in seinem Brief an Lord Rothschild skizziert hat. Er glaube nicht, daß die Mission Israels: eine „Nation von Priestern" unter den Völkern zu sein, aufgehört habe. Ein „nationales Heim" für das jüdische Volk, in dem bürgerliche und politische Rechte mit Christen und Mohammedanern in gleicher Weise zu teilen seien, würde übrigens in nationalem Sinne sich nicht unterscheiden von den Verhältnissen in irgendeinem Lande der Emanzipation. Dasselbe wäre eine Einschränkung des weltweiten jüdischen Priesterberufes und würde durch die Betonung des Nationalen dem Antisemitismus in allen Landern Vorschub leisten. Auf diese antisemitische Gefahr ging dann der Redner ausführlich ein und bezeichnete es als Hauptaufgabe der neuen Liga, ihr entgegenzuwirken. Der Rede folgte eine längere, äußerst lebhafte Diskussion. Daß die zionistische Presse sowohl gegen obige Rede als überhaupt gegen die Liga scharf macht, ist selbstverständlich. Sie geht sogar so weit, letztere als -eine „Partei Amaleks", welche, dem jüdischen Volke in den Rücken falle, zu bezeichnen. VsvMh '.tutfr frnt. — Die diesjährige Generalversammlung des Hilfs-Vereins der Deutschen Inden findet, wie bereits mitgeteilt, Sonntag, den 28. April 1918, vormittags. 11 Uhr (Gesellschaft der- Fremde, Potsdamer Straße 9) statt. Der Vorsitzende des. Vereins Herr Dr. James S i m o n und Herr Dr. Paul N a than, der GeschäM führev i. E., werden über -die Tätigkeit des Hilfsvereins im abgelaufenen Jahre berichten-, insbesondere über das KriegshiWwerk. — Zwischen der Vorsitzenden des Jüdischen Frauenbundes und dem Hauptvorstande -des Vaterländischen Fvauenvereins haben Besprechungen stattgefunden, um zwischen beiden Verbanden ein auf gegenseitiger rückhaltloser Anerkennung beruhendes freundnachbarliches Verhältnis herbeiz-uführen. — Dem Fäbrikdirektor Nathan Landsberger in Charlottenburg wurde der Königlich Bayerische Verdienstorden vom heiligen Michael 4 Klasse verliehen. — Der Ofsizierftellvertreter Erich Brasch (Berlin) wurde mit dem-Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. — Reserveoffizier Robert N e u - mann, Mitinhaber der Firma Rosenberg n. Krumbeck (Berlin), hat sich bei. den letzten Kämpfen im Westen das Eiserne Kreuz erster Klasse erworben. — Vize'feldwebel Heinz- Rah me r, Sohn des verstorbenen Sanitätsrats Dr. Rahmer in. Berlin, wurde zinn Leutnant befördert. — Rabbiner Dr. Brau n schwerger in Rhbni-k wurde zum Gemeinderabbiner in Oppeln gewählt. — Aus Hirschberg wird unter dem 11. April geschrieben: Der heutige Kreistag stimmte der Annahme der Erbschaft der am 17. Dezember 1917 in Herischdorf verstorbenen Frau- Cecilie Wattersdorf zu. Die Höhe der Erbschaft beläuft sich nach zuverlässigen Mitteilungen auf über eine Million Mark zu wohltätigen Zwecken. — Das „Kölner Gemeindeblatt" berichtet: Am 5. Maisind 25 Jahre verflossen, seit Herr Lehrer Louis Jacobh I, Hnmiboldtstraße 42, seine erste Lehrerstelle ange>treten hat. Herr Jacoby, der zurzeit Soldat ist, versieht auch seit längeren Jahren das Amt als Kantor der Shnagogengemeinde in der Synagoge Glockengasse. - Das Verdienstkreuz für Kriegshilse ist in Kassel verliehen worden, dem Bankier Baruch Elias, dem Semninardirektor Dr. Felir L az a r u s, dem Fabrikanten Hermann O P P e n h e i m. dein Maschinensetzereileiter Artur Simon und dem Bankprokuristen Bernhard Wetzlar. — Aus Hildesheim wird uns geschrieben: Mit Genehmigung des Herrn Oberprüsi deuten hat der Regierungspräsident zu Hannover, laut Schreiben vorn 16. d. M-., Herrn Landrabbiner Dr. Lewinsky, hiersel'bst, die kommissarische Verwaltung , des Landrabbinats Hannover über tragen . — Im Kra nkenh a u se -der Israelis scheu G emeinde zu Frankfurt a. M., Veveinsla-zarett 26, wurde den Schwestern Paula Block, Toni Stern, Seilma v. d. Walde und Carh Wols die Denkmünze der freiwilligen Krankenpflege verliehen. - Der schweizerische Bundesrat hat das Schächtverbot provisorisch aufgehoben. — Der österreichische Unterrichtsminister hat dein israelitischen Relig-ionslehrer am Staatsreälghmnastum in. Karlsbad, Rabbiner Dr. Ignaz Ziegler, den Titel Professor verliehen. — Eine Stiftung zur Bekämpfung der Krebskr-ankheit ist der Wiener -israelitischen Kultu-sgemeinde zugefallen. Der verstorbene Großkaufmann Rudolf Noss-al hat im Testament 179 000 Kronen für humanitäre Zwecke hint-erlassen, wovon 60 000 Kronen für eine zu errichtende Stiftung für jüdische. Krebskranke in die Verwaltung der Gemeinde übergehen. Die restlichen 110 000 Kronen sind für verschiedene jüdische und in-terkonfesslionelle Wohlf-ahrtseinrichtungen bestimmt. — Die Chewra Kadischa in Budapest, der -größte derartige Verein der Welt, hat vorkurzem 5200 neue Mitglieder ausgenommen; unter ihnen Honvedoberst E i s e n st edier, Sektionschef im Honvsdministerium Sebes, de Sa r Vas, Ministerialrat Edm. Klein, Jurist Johann Baszony, Sohn des Justizministers. — Auf einer: vor kurzem abgehaltenen , Versammlung des „Board of Deputies" wurde nach verschiedenen Ansprachen ein Komitee mit Lord Rothschild und La Ski an der Spitze gegründet, in der Absicht, den judenfeindlichen Angriffen -der gelben Presse die Spitze zu bieten. Das Komitee hat das -notwendige .gesamte Material zu sammeln und es der Advokatur und dem Parlamentskomitee zu unterbreiten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. ' Drück Und Verlag von Rudolf Mosse.

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