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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-27 · Heft 13 (27.3.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 13 (27.3.1918)
Date
1918-03-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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82. Jahrgang. Nr. 13 Berlin, 27. März 191$ Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Aeituyg erscheint wüchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel' oder Me Post (in Berlin und vororteii durch unsere vertriebsstellen). bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Br. Lubwig Philippfon Unter Leitung des Geheime« vegiernngsratr Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Moste, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf rnosse, Berlin. Das Fest der Hoffnung. Von Dr. B. Seliakowi.tz (Cöthen). Die Woche. — Ulla Wolff-Frank. Von I. Landau. — Megilas Baisingen. Von L. G — Zum apologetischen Unterricht. Von S. Go ldst ein (Berlin). — Zur Frage der Gesamtorganisation der Juden Preußens. Von Geh. Justizrat Loewe (Berlin). — Feuilleton: Der Weg des jungen Hermann Kahn. Von Clementine Krämer (München). — Passah. Von S. Asch ne r. — Miszellen. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlaus. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Schweidnitz, Hamburg, München, Dortmund, Essen, Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Wien, Budapest. — Von Nah und Fern. Las Mt Her Hoffnung. Von Dr. B. S e l i g k o w i tz (Cöthen). as Judentum, das Volk der Verheißung, ist recht eigentlich das Volk der Hoffnung. Sein ganzes Leben ruht auf Hoffnung. Sein eigentümlichster Besitz, sein köstlichstes Erbteil ist Hoffnung, eine Hoffnung im großen Stil. Durch die Jahrtausende geht sie hindurch, immer anwachsend, immer heller leuchtend, immer gewaltiger wirkend. Und jede besondere Hoffnung, die in irgendeinem einzelnen Fall das Herz eines gläubigen Inden bewegt, hängt mit jener großen Hoffnung des ganzen Judentums zusammen. Die durch Jahrtausende reichende messianische Hoffnung des israelitischen Volkes, die nicht nur mehr als einmal die Zertrümmerung seines Bestandes überdauert, sondern auch den besserungsfähigen Rest des Volkes erhalten und seine Neugestaltung wesentlich bedingt hat, erscheint wie ein großes, heiliges Erbgut, das von den ersten Urvätern des menschlichen, Geschlechts herabkommt, durch den Glauben der ganzen Bundesgemeinde bewahrt geblieben ist. Propheten sind die Künstler, die in dem Wort ihrer Predigt oder in bedeutungsvollen Zeichen die Hoffnung Israels gestalten und als bleibende Zeugnisse uns vor Augen stellen. Die Hoffnung, die aus dem Glauben an die alten den frommen Urvätern erteilten Gottesverheißungen erwuchs, hat die werdende Volksgemeinde unter dem Druck Aegyptens aufvechtcrhalten und hat ihre Führer und Berater, vor allen anderen das erste Haupt des Volkes, den Mittler des Bundes, Mose, jenen gottbegeisterten Helden des Glaubens und der Tat, zu ihrem einzigartigen Werk tüchtig gemacht. Mit allen Wurzeln feines Lebens haftet Mose in dem Gott der Väter, den er als einen Gott der Hoffnung erkennt. In der Kraft dieses unerschütterlichen Grundes der Hoffnung zerreißt er die Bande der ägyptischen Knechtschaft und führt das Volk in das Land der Verheißung und der Hoffnung, in dem der Gott der Väter unter seinem Volk wohnen wollte, und diese Hoffnung auf eine Zukunft hat dieses Volk auf dem Dornenpfad eines langen Märtyrertums, unter allem Druck, unter allen Leiden und Schmerzen aufrechterhalten. Am Peffachfest wecken undnähren wir diese Hoffnung in unseren Herzen. Dieses Jahr noch hier — im künftigen Jahr im Heiligen Land> wo die ganze Erde ein heiliges, gelobtes Land sein wird, in dem Wahrheit, Recht und Friede unter den Menschen walten wird, wo die Freiheit über das Gesetz der Natürlichkeit, die allgemeine Ueberzeugung von der Kraft und der Wahrhaftigkeit des Reiches des Geistes über das Reich der Materie obsiegen wird. Das Peffachfest, das zur Erinnerung an die Erlösung aus schmerzlichen Banden einst eingesetzt worden ist, ist der deutlichste Zeuge dafür, daß Gott allmählich die ganze Menschheit aus den Banden der Engherzigkeit und Selbstsucht, der Ungerechtigkeit und des Unfriedens in das gelobte Land der Wahrheit, des Friedens und der Liebe führen wird. Bei den alten Völkern lagen alle Seligkeit, alle Höhen des Menschengeschlechts rückwärts; vorwärts dagegen nichts als Versunkenheit und Elend. Selbst nach dem Tod erwarteten sie nur ein ödes Vergessen und einen Zustand zwischen Sein und Nichtsein, einen Zustand der Ohnmacht in dem Hades. Von einer dereinstigen Erhebung, Veredelung, von einem Fortschritt der Menschheit findet sich kaum eine Spur. Eine veredelte Zukunft fürs Erdenleben, eine geistigere, sittlichere Aera der Menschheit im ganzen noch hienieden kennt und lehrt einzig das Judentum. Dem gedankenreichen Arbeiter auf dem Gebiete der Kulturgeschichte hat die nicht abzuweisende Frage nach dem Fortschritt und der Zukunft der Menschheit immer aufs neue zu schaffen gemacht. In unserer Zeit deS Messens und Wägens, bei der Bevorzugung einer Methode, die sich darauf zu beschränken, und vorwiegend den naturwissenschaftlichen Disziplinen folgend, das Sinnfällige ins Auge zu fassen, die bunten Erscheinungen zu studieren liebt, konnte es nicht fehlen, dem Problem sich zu nähern zu versuchen. Dabei ist in der Tat viel an Einsicht, viel an llebersicht des Wiffens, unendlich viel an einzelnen Beobachtungen und Daten, die hauptsächlich der Urgeschichte zugute kommen, gewonnen worden — und doch sind wir dem Ziel eigentlich nicht näher gerückt. Allein jene Stufe der Weltanschauung liegt nicht da, wo der Mensch seine Kenntnisse von sämtlichen Naturkräften vollendet, sondern da, wo er zum Bewußtsein des Gegensatzes zwischen Natur und Geist gelangt und dadurch seine Stellung und seine Aufgabe auf Erden und sein Verhältnis zur Welt und zu Gott klar zu erfassen vermag. Das Ideal für dieses Lebensbild war in seiner absoluten Wahrheit aufgestellt von Israels Propheten. Als Träger dieses Wiffens kündigt sich das Judentum an, und es behauptet dadurch in der Menschheit die Stellung, die der Geist in einem jeden einzelnen Menschen einnimmt. Wie dieser bei dem individuellen Menschen neben der Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse stets das Ideal des absoluten Guten bewahrt und dadurch dem Menschen stets seinen

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