Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1918)
- Date
- 1918-03-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Die erste Ausschreibung wird im August dieses Jahres erfolgen. Es ist daher zwecklos, vorher Gesuche um Stipendien emzureichen-. Die Stiftung selbst sowie ihre Satzungen haben die Genehmigung des Staatsministeriums gesunden. Die Verwaltung ist von dem Stifter dem Vorstand der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. übertragen worden. Der SLiftungsvorstHand .soll folgendermatzen zusammengesetzt sein: aus dem Stifter, selbst als Vorsitzenden, dem Syndikus der Israelitischen Gemeinde als stellvertretendem Vorfitzenden (Justizrat Dr. B. Bär), einem vom Gemeindevorstraind zu entsendenden Mitglied als Kassenführer (Ludwig Schi st) und zwei der Israelitischen Gemeinde aus Frankfurt a. M. angehörenden Lehrern als Schriftführer und dessen Stellvertreter (I. B. Levy und Dr. Jul. Höxter). Möge diese hochherzige Gründung noch Lange Jahre zur Freude und- Genugtuung des Stifters und zum Segen des jüdischen Beamtenstandes blühen und wachsen. Sie wird immer Zeugnis oblegen von der treuen Fürsorge des edlen Stifters, nicht nur für seine Standesgenossen, sondern für alle, denen die Wege jüdischer Angelegenheiten obliegt. Grstrrrkich-Nngarn. . 2. Wien, 8. März. Am 16. v. M. hat hier eine vom „Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien und Niederösterreich" einberufene Konferenz der Orthodoxie in Oesterreich stattgefunden. Der Zweck der Konferenz war, die Schaffung einer Gesamtorgamfation der Orthodoxie in Westösterreich in -Angriff zu nehmen, die dazu berufen sein soll, sowohl innerhalb des Judentums als auch nach außen hin als die 'legitime Vertreterin des gesetzestreuen Judentums zu gelten. Dem Rufe des Vereins war eine große Zahl Delegierter gesolgst. Etwa 200 hatten ihre Teilnahme angemeldet und mehr als 100 sind auch erschienen, darunter Delegierte aus Prag,. Brünn, Mährisch-Ostrau, Nikolsburg, Boskowitz, Kostel, Wiener>Neustadt, Baden, Innsbruck, Strakonitz usw. Etwa 80 briefliche und telegraphische Zustimmungskundgebungen liefen ein. Die Verhandlungen nahmen einen überaus ernsten und würdigen Verlauf. Allseits wurde die Notwendigkeit anerkannt, die Orthodoxie in Oesterreich zu organisieren und derselben einen gebührenden Einfluß auf die Gestaltung der innerjüdischen Verhältnisse sowie auf die Stellung der Judenheit nach außen. zu sichern. Auf Wunsch der Provinzvertreter, die eine intensivere Vorarbeit als wünschenswert erklärten, wurde beschlossen, der Konferenz den Charakter einer Vorkonferenz zu geben und binnen drei Monaten eine neue Konferenz auf breiter Basis einzuberufen. Es wurde ein dreißiggliedriges 'Aktionskomitee eingesetzt, dessen Aufgabe die Fortführung der Organisationsarbeit und die Einberufung der neuen Konferenz sein soll. —Die Konferenz fand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Vereins zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien, Herrn B. Hofbauer, statt, der die Versammelten begrüßte und, den Friedensschluß mit -der Ukraine feiernd, mit einem begeistert aufgenommen>en Hoch auf den Kaiser schloß. An die Allerhöchste Kabinettskanzlei wurde eine Huldiaungsdepes-che aboesandt. Die Konferenz wurde hierauf mit einer Ansprache des Rabbiners Fürst einaeleitet. Dr. I e i t e l e s (Prach.überbrackte die Grüße der glaubenstveuen Juden in Prag. Rabbiner Dr. L a n d a u (Strakonitz) diejenigen der böhmischen Landgemeinden; Feldrabbiner Deutsch und kaiserlicher Rat Rabbiner Dr. Lew in lNikolsbural überbrachten die Grüße.der mährischen Orthodoxie, und Rabbiner Dr. Link (Innsbruck) begrüßte die Konferenz im Namen der verstreuten Gesetzestreuen in Tirol. Sämtliche Redner schilderten' eingehend die Verhältnisse in ihren Kreisen und betonten die NoAvendigkeit und die Ersprießlichkeit einer Zentralovganisation. Hinsichtlich der Zugehörigkeit Galiziens und der Bukowina wurde festaestellt, daß> es der dortigen Orthodoxie überlassen werden soll, ob' sie sich anschließen will, ein solcher Anschluß wird aber mit Freuden begrüßt werden. Zur Verhandlung standen folgende Gegenstände: 1. Die Orthodoxie in Oesterreich; 2. Die Orthodoxie in der Gemeinde: 9. Religiöse Jugenderziehung: 4. Organisation; 5. Die soziale Gesetzgebung und das religiöse Leben: 6. Die Stellung der Ortbodorie zu den iüdischen Forderungen beim Friedensschluß: 7: Die Palästinafrage. Zu jedem Punkte wurde ein Referat erstattet, dem eine Diskussion folgte. Mehrere Resolutionen, die seitens der Referenten beantragt, sowie mehrere Vorschläge, die im Lause der Diskussionen eingebracht wurden. sind dem Aktionskomitee zu gewiesen worden. Von -sh und — Die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung veröffentlicht im Anzeigenteil dieser Nummer einen Aufruf um Hilfe für die durch die KriegSnot so flauer heimgesüchten Juden im Heiligen Lande, dessen Beachtung wir unseren Lesern äüfs wärmste empfehlen. — Die Professoren Dr. Lesser, Direktor der Klinik uttd Poliklinik für Haut- und GeschlechMrankheiten an der Universität Berlin, und Dr. Neufeld, Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten „Robert Koch" in Berlin, sind zu Mitgliedern des Reichsgesundheitsrats ernannt worden. — Den Schwestern im Krankenhaus der Berliner Jüdischen Gemeinde: Lina Schönholz, jetzt verehelichte Margolin, Marianne Fr ie dlän de r, Bertha S ch m u h 'l, Susi Kant. orowie z, Hildegard Grabowski und dem Pfleger Paul Kunze sind die Rote-Kreuz- Viedaille dritter Klasse verliehen worden. - Handelsrichter Albert K r r sch st e i n, Vorsitzender des Verbandes deutscher Damenwäsche-- fabrÄan'ten und stellvertretender Vorsitzender - des In ter essenverbandes der deutschen Bekleidungsindustrie, beging am 13. d. M. feinen 60. Geburtstag. — Frau Kommerzienrat Henriette Hecht, Leiterin des von ihr eingerichteten Vereinslazaretts „Sanrtas" (Berlin), erhielt die Rote--Kreuz-M.edaille zweiter Klasse. — Dem Rabbinatskandidaten, Hiörer der Lehranstalt für die M-ssenfchaft des Judentums Rudolf Nothmann ist das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen worden.—. Dem Kaufmann Rudolf P e t ersd o r s in Posen ist . das. österreichische Verdienstkreuz zweiter Klasse für Kriegshilfe und dem Fabrikbesitzer Ludwig Asch (Inhaber der Posener Dampfseifenfabrik in Luisenhain), Gemeindevorsteher von Luisenhain, ist das Verdienstlkreüz für Kriegshilfe verliehen worden. — An läßlich der goldenen Hochzeit des bayerischen Königspaares spendete Kommerzienrat Philipp' Rosen thal in Selb 20 000 Mark für Säuglingsfürsovge, Mathilde Freifrau v. Hirsch, Gutsbesitzerswitwe in Planegg, 50 000 Mark für die Kleinkinderbew'ahr.anstalt in Planegg!. — Am 6. d. M. ist nach schwerer Klrankheit der Landrabbiner Dr. Gronemann in ^Hannover im 75. Lebensjahre verschieden. Der Entschlafene, ein /Mann von reichem Wissen und" edler Gesinnung, hat 34 Jahre lan'g das Amt als Landrabbiner mit höchster Pflichttreue >aU'sgeü'bt und im Geiste 'des ' traditionellen Judentums segensreich gewirkt. Die Beerdigung hat am letzten Sonntag unter großer Beteiligung stattgefunden. Ein ausführlicher Bericht folgt. — Der Präsident der Handelskammer in Lemberg und ehemaliger Präsident der dortigen israelitischen Kultusgemein de Herr Samuel Edler v. H o row i tz ist durch Verleihung des Kriegskveuzes für Zivilverdienste erster Klasse ausgezeichnet worden. — Der Genuß von Hülsenfrüchten und D ö r r o b st an den kommenden Pefsachfeiertagen .wurde vom orthodoxen R-abbinatskollegium in Krakau zunächst für Militärpersonen gestattet. — Die Londoner interalliierte Sozialistenkonferenz verlangt in ihrem Memorandum betreffs der Kriegsziele für die Juden aller Länder vollständige Gleichberechtigung und spricht die Anschauung aus, daß Palästina ein freier Staat unter internationaler Garantie werde, wohin alle Judeü, die es'wünschen, zurückkehren können, um sich ohne Einmischung der Angehörigen fremder Raffen und Religionen zu eigener Freiheit durchzuarbe'Mn. — Wie der „Ternps" meldet, befahl der Rat der VolkskowmiMre die Suspendierung aller jüdischen Zeitungen Rußlands. Die Redakteure sämtlicher Blätter wurden verhaftet, ebenso' »der Vorsitzende des Organisationsausschusses des Russisch-Iüdiichen Kongresses, der demnächst in. Petersburg zusammentreten sollte. — Die Landwirtschaftliche Gesellschaft in Lublin hat auf ihrer kürzlich abgehaltenen Tagung unter anderem folgende Resolution angenommen: „In Anbetracht des gewaltig zunehmenden Ueberflusses an Juden auf dem Gebiet unserer teuersten nationalen Interessen erachtet es die Landwirtschaftliche Gesellschaft in Lublin für notwendig, eine Kommission zu schaffen, die unablässig auf der Wacht für unsere Interessen stehen soll. Die Kommission hat die Aufgabe, den An- und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte zu vermitteln und Genossenschaften zu gründen, die die Produkte absetzen und einschlägige Informationen herausgeben sollen." Auf der Tagung waren fast alle polnischen und galizischen Städte vertreten. Verantwortlicher Redakteur; Alvert K a tz in Berlin-Pankorv, Floraslratze 58. Verantwortlich für den Anzeisenteil: Mar Iunae,. Verlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofle.