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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-03-15 · Heft 11 (15.3.1918) · p. Seite 132

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 11 (15.3.1918)
Date
1918-03-15
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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132 Gebrauch eingeführt. S. 497: 14. Jahrhundert. S. 600: Petrarca gegen Averrhoerer und die Araber. S. 465: 16. Jahrhundert. Aus-, breitung der türkischen Macht. , Veranlassung der Flucht griechischer Gelehrten nach Italien. (Vgl. Gibbon, Vol. II.) Das Studium Platos kommt in Schwung. Streitigkeiten der Averrhoisten und Phrtoniker. (Vgl., darüber Toivin in „Mmoires des Inscriptions“, Vol. II. p. 715. Roscoe S. 94.) S. 684: Neue Krankheiten. 1414 in Frankreich der Keuchhusten, 1485 das englische Schweißfieber. Lustseuche zu Ende des 15. Jahrhunderts. „Curiositäten." Von Verbuch. 9. Band- III. Stück, S. 217. Im Leben des Abtes Johannes Trittheirn (1516): Einen getauften Juden bei dem er zu Heidelberg Hebräisch gelernt hatte, unterhielt er, solange er lebte, im Kloster Spanheim. Der Jude im italienischen Theater. Im italienischen Volksdrama des Mittelalters erscheint der Jude als der Verfolgte und Unterdrückte, der sich bisweilen durch Schlauheit des Geistes den Schlingen zu entziehen weih,.- die ihm gelegt find. Das ist der Fall noch in einzelnen Dramen der Renaissancezeit, z. B. bei den untergeordneten Juden rollen, wie sie in P. Aretinos Mareskalco und Cortegiana Vorkommen. Aber auch die Dolkskomödie im 16. Jahrhundert bemächtigte sich dieses Typus. Whon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, hauptsächlich in den in der Gegend zwischen Venedig und Bologna entstandenen Dramen, treten einige Juden auf als Verspottete und Unterdrückte, so in den Ragiomenti, ähnlich in dem Drama Amphiparaso (1597) des Fracatrippa (Akt 3, Szene 3). Die Tätigkeit der Juden, die den Spott reizt, ist der Wucher; die Anklagen, die ihnen schuld gegeben werden: Kinderraub und Christenmord. Aehnlich im 17. Jahrhundert, wofür ein Szengrium der „Heiraten der Juden" und ein paar Szenen in Bonicellis Jl pantalone Bullo vollgültige Beweise liefern. In der Mitte des 17. Jahrhunderts übernimmt Rom die Führung, wie überhaupt in der Darstellung der theatralischen Dinge so auch in der literarischen Darstellung der Juden. Neu ist in der römischen Posse jener. Zeit die Vorführung einer Beschneidung; ein armer Teufel will zum Judentum übergehen, wenn er 30 Scudi erhält, worauf dann wirklich die Beschneidung erfolgte (1a almula); neu ist ferner die Einführung komischer Sprechweise, die den Juden in den Mund gelegt wird: Mschung römischer provinzieller und hebräischer Ausdrücke. Wir müssen uns einstweilen mit diesen kurzen Notizen begnügen. Gewiß ist die wichti ge Zeitschrift ^), der die vorstehenden Bemerkungen entnommen sind, auch während des Krieges erschienen, aber seit dem Ende 1914 ist kein Band der genannten Zeitschrift an die Königliche Biblio* thek gelangt, und ich vermag nicht zu sagen, ob der wichtige Gegenstand weiter behandelt worden ist. Bei dem Studium dieser italienischen Zeitschrift, die ich zu anderen Zwecken durchzunehmen genötigt war, wobei ich die aufmerksame Erwähnung und die unparteiische Würdigung deutscher Geistesarbeit vielfach zu beobachten Gelegenheit hatte, wurde mir so recht der betrübende Gedanke lebhaft, daß zwei Nationen, die jahrzehnte-, fast jahrhundertelang so innig verbunden, geistig geeint waren, sich nun feindlich gegenüberstehen. Für den wirklichen Kulturfreund ist diese Trennung in. entgegengesetzte Heerlager eine der furchtbarsten Erscheinungen des an entsetzlichen Wirkungen so reichen Weltkriegs. Soll wirklich ein derartiger Zustand verewigt werden? Ist es denkbar, daß die westlichen Nationen in dieser geistigen Feindseligkeit, in ihrer Absperrung von deutschen Kulturelementen auch nach dem Kriege verharren, oder darf man die Hoffnung hegen, daß in nicht allzu langer Zeit wieder eine Verbindung angeknüpft und ein friedliches Zusammenarbeiten ermöglicht wirb? L. G. Zrr Treitschke twfc die %ubtn2). In Heidelberg befreundete sich Treitschke mit dem berühmten Handelsrechtslehrer Levin Goldschmidt. Ueber diesen, der Anfang 1870 nach A) Dgl. Ernilio Re: Qualche note sul tipo dell Ebreo nel teatro popolare italiano in Giornale storico della letteratura italxana, IX, S. 383—393. Turin 1912. Der Verfasser weist auf zwei Arbeiten hin, die mir unbekannt geblieben sind, nämlich auf die von C. Levi in kivlsta tea träte italiana X 6, S. 360—365, die sich auf eine dasselbe Thema behandelnde Studie in Atercure de France bezieht. 2) Vgl. eine ähnliche Notiz in Nr. 6. Leipzig übersiedelte, schrieb er an Gustav Frehtag am 9. Januar 1870: «Mein kleiner Umtzangskr?is hier wird einen empfindlichen Verlust erleidendurch Goltschmidts WeWug. Den empfehle ich Ihnen aufs wärmste. Er ist Jollys Jugendfreund, ein gescheiter, tapferer Preuße, Gentlemän durchaus; von jüdischen Schwächen-chat er gar nichts, auch seine feine Frau nicht." Goldschmidt gehörte im ganzen - zu den politischen Gestnttungsgenossen Treitschkes. In der Frage dev Kleinstaaterei, des Verhältnisses zu Oesterreich teilte er durchaus seine Ansicht. Darüber sägt der Herausgeber unseres Briesbandes. „Ebenso stand er mit dem Satze „Nur eine sittliche Schränke besteht: das Wohl des Vaterlandes" ganz aus Treitschkes Seite; die Anwendung dieses Grundsatzes aber, die Treitschke, wie früher, in der sächsischen, so jetzt in der für Goldschmidt «fälschlich sogenannten Judenfrage" vertrat, war diesem unerträglich * Während Treitschke erklärte: «Die Juden sind dem neuen Deutschland Dank schuldig für das Werk der Befreiung; denn die Teilnahme an der Leitung des Staates ist keineswegs ein natürliches Recht aller Einwohner, sondern jeder Staat entscheidet darüber nach seinem freien Ermessen/ forderte Goldschmidt — und nicht «als Geschenk oder als Wohltat" — die «volle, rückhaltlose Gleichberechtigung" . . auf welche wir sittlichen wie rechtlichen Anspruch haben". Und mochte ihn auch der Freund in eine Reihe stellen mit „Felix Mendelssohn, Veit, Rieher u. a.", die „deutsche Männer waren im besten Sinne, Männer, in denen wir die edlen und guten Züge deutschen Geistes verehren". Goldschmidt erklärte- „in der angegriffenen Genossenschaft" sich tief verletzt zu fühlen, «auch als Ausnahme". Ms Treitschke 1867 Heidelberg verließ, um die Stellung in Berlin anzunehmen, verabschiedete er sich schriftlich von dem Freunde, von dem er sich, ungern entfernte. Er schrieb ihm: «Lieber Freund, einen kurzen Abschiedsgruß muß ich Ihnen doch senden, bevor ich — am Sonntag — abreise. Die Laskersche Torheit erscheint um so abgeschmackter, je näher man die Umstände kennen lernt. Die Fraktion hatte nämlich den Antrag, Baden sofort aufzunehmen, ausdrücklich verworfen. Lasten redete aber in einem ..Tone, als ob er das Verworfene billige und fordere. Es geht nicht an^ vatz wir diesen seichten Schwätzer Laster als eine sakrosante Person behandeln. In Berlin erfahre ich hoffentlich, daß die Zerspaltung der Fraktion im vollen Gange ist." Die Laskersche Torheit — ein temperamentvoller Ausdruck, wie er bei Treitschke nicht wunder nimmt — bezieht sich, wie aus dem Zusammenhänge hervorgeht, aus das Verhältnis zwischen Preußen und Baden bei der Bildung des Norddeutschen Bundes und den kommenden schweren politischen Zeiten. Man weiß, daß beide Männer, nachdem Goldschmidt einige Jahre eine hervorragende Stellung an dem Leipziger Reichsgericht bekleidet hatte, in Berlin wieder zusammentrafen und auss neue das Glück hatten, gemeinsam an einer und derselben Universität zu lehren. Die freundschaftliche Gesinnung, die sie in der Neckarstadt verbunden hatte, setzte sich in der deutschen Reichshauptstadt fort, so schwer auch bei Treitschkes völliger Taubheit ein gesellschaftlicher Umgang war. Schließlich aber kam es durch gewisse politische Differenzen züm Bruch, da Treitschke immer mehr nach rechts rückte, Goldschmidt bei aller Mäßigung, die seiner vornehmen Natur eigen war, seine liberale Gesinnung wahrte. Vielleicht wäve diese politische Divergenz heilbar gewesen, wenn sich nicht zu ihr die religiöse gesellt hätte. Als nämlich Treitschke sein heftiges Pamphlet gegen die Juden geschrieben hatte, schloß sich Goldschmidt, soweit mir erinnerlich, der Erklärung mancher hervorragender Berliner Professoren an, und gerade dieses Abrücken des ehemals so nahe Verbundenen betrübte Treitschkes ehrliche und mannhafte Natur auf das tiefste. L. G. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Rote Hahn. Gottfried Behn Diesterweg. Eine Novelle. Berlin-Wilmersdorf 1918, Verlag der Wochenschrift «Die Aktion" (Franz Pfempfert). v Zionismus und Weltpolitrk. Von Franz Karl. Endres, Kais. Osm. Major a. D. 1918. Duncker & Humblot, München und Leipzig. - T

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