Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Vrm MH und fem. — Geheimer Sanitätsrat Stadtrat Dr. Ferdinand Straßmann, der Ehrenbürger der Stadt Berlin ist, vollendete letzten Sonntag sein 80. Lebensjahr. Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung überreichten dem verdienstvollen Manne G'lückwunfchadreffem Die Mehrzahl der Magistratsmitglieder und zahlreiche Stadtverordnete erschienen Persönlich in der Wohnung Straßmanns, um ihre -Glückwünsche darzubringen. — An der Kaiser-Wilhelms-Akademie wurde Geheimer Medizinalrat Oberstabsarzt Profeffor Dr. v. Wassermann, Direktor des Kaiser - Wilhelm - Instituts für experimentelle Therapie in Dahlem, zum außeretatmäßigen Mitgliede des wissenschaftlichen Senats ernannt. — Frau Bertha Loewy geb. Rosen-' thal hat zum Andenken an ihre im vorigen Jahre verstorbene Tochter eine H e d w i g - L o e W h - S t r ftu n g mit einem Kapital von 30 000 Mark errichtet. Die Zinsen sollen alljährlich am 15. Oktober, dem Todestage der Tochter der Stif.terin, an zwei würdige jüdische junge Mädchen, die sich dem Studium 'der Musik widmen, verteilt werden. Unter den Gesuchstellerinnen sollen die Sängerinnen bevorzugt werden. Falls keine geeigneten Bewerbungen von Mustkstudentinnen eingehen, dürfen auch Gesuche von Damen berücksichtigt werden, die sich dem Studium eines anderen Kunstfaches widmen. Die Gemeindebehörden haben die Annahme dieser neuen Stiftung 'beschlossen. — Im HinMck auf die seit einigen Monaten eingetretene weitere Erhöhung, aller Nebenspesen, insbesondere der Verpackungsmaterialien, hat 'die Reichsgetreidestelle auf. Antrag der Bäckereien genehmigt, daß der Verbraucherhöchstpreis für das Pfund Mazzoth von 83 Pfennig aus 85 Pfennig erhöht wird. — Dem Amtsgerichtsrat Wilhelm Richter zu Charlottenburg ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. — Der KöniglicheGewerberat Emil P lo tke zu Berlin erhielt das Verdienstkreuz für Kriegshilse. — Sanitätsrat Oberstabsarzt. Dr. Martin Meyer (Berlin) hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Sanitätsrat Dr. Max Edel wurde die bulgarische Rote-KreuZfMedaille erster Klasse verliehen.^ — Aus Graudeniz wird berichtet: Unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Künast erfolgten, die diesjährigen Ersatzwahlen zum Vorstand der Synagogengemeinde. Als Vorsteher wurden gewählt: Kaufmann Philipp Reich und Rentier David Ja cobsohn, ferner als Stellvertreter Rentier D. I s r a e l o w i c z, Kaufmann S. B e r n - stein und L. Prager. Die Wahlzeit des ersten Vorstehers Kommerzienrat H. Belgrad läuft weiter.. — Stabsarzt Dr. Eckstein (Königshütte) und Lothar Weil (Görlitz) erhielten das Eiserne Kreuz erster Klasse. — Aus Dresden wird uns geschrieben: Auch die sächsischen Rabbiner haben sich nunmehr zusammengeschlossen. Am Sonntag, den 24. Februar d. I., ist in Dresden eine „Vereinigung der Rabbiner im Königreich Sachsen" gegründet worden. Zum Vorsitzenden wurde Herr Professor Dr. Winter in Dresden gewählt. — Der Rentier Isidor Meyer stein und Frau in Magdeburg feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Herr Rabbiner Dr. Lange überreichte die vom Kaiser verliehene goldene Ehejubiläumsmedaille. — Geheimrat Dr. v. Epstein in Detmold, Kabinettschef des Fürsten von Lippe, wurde mit dem bayerischen Militärverdienstorden vierter Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. — Aus Dortmund wird uns berichtet: Schwester Ottilie Beck aus Berlin, Kriegslazarett 58, wurde ausgezeichnet mit der österreichischen Ehrenmedaille mit Kriegsdekoration und dom württembergischen Charlotten-Kreuz. — Herr Dr. Sigmund Wassermann m Bamberg, Sohn des verstorbenen Hofbankiers Emil Wassermann, wurde zum Leutnant befördert. — Die Eheleute Israel und Lina L öwen st ein in Mühlhausen in Obsr. feierten am 24. v. M. in körperlicher und geistiger Frische das schöne Fest der goldenen Hochzeit. — Der Sekretär der S'ynagogengemeinde in Hannover, Herr Jacob Hosfmann, ist durch die Verleihung des Kronenordens vierter Klaffe ausgezeichnet worden. — Aus Gießen wird uns geschrieben: Geheimer Kommorizienrat S. Heichelheim errichtete 'beim Oberhessischen Museum eine in ihrer Art wohl bis jetzt einzig dastehende Sammlung, nämlich die sämtlicher Kriegsauszeichnungen aller deutschen Bundesstaaten, die während 'des Krieges gestiftet wurden. Der Stifter hat sich die Erweiterungder SEMu^ besonders auch die Erwerbung der KiviegscmGeiWungen der mit uns verbündeten Staaten, Vorbehalten. Die originelle ' Sämmluttg ' ■ dürfte allgemeines Interesse erregen. — Der „Ifraelitische Holzverein" in Hymbü rg beging das. Fest des 100jährigen Bestehens in einer der Zeit angepaßten schlichten Feier.. Der Verein hat durch feine Fürsorge, daß 'bedürftige Familien alljährlich zürn Winter ihre notwendigen Brennmaterialien erhalten, in der langen Zeit seines Bestehens unendlichen- Segen gestiftet. — Aus Straßbürg i. Elf. wird uns geschrieben: Die Begr undu ng einer -jüdischen Gemein de'bi b li.othek wird infolge einer Anregung unseres neuen Oberrabbiners Emil L e v geplant. Im Sitzungsraum der Konsistorialsynagoge hat bereits eine Vorbesprechung stattgefundon, die sich mit.'der Frage der Gründung einer iüdischen Bücherei in Straßburg beschäftigte. Diese soll wisien sckiaftlich-j«ü>dische Werke, jüdische Zeitunaen und Zeitschriften sowie jüdische belletristische Bücher 'beiter Art sammeln und aus- . leihen. Ein Ausschuß von 13 Herren hat die Aufsicht übernommen, und es steht wohl zu erwarten, daß die. schöne gemeinnützige Absicht schon in Bälde durchgeführt werden kann. — Alls Wien wird uns geschrieben: Der erste jüdische Dankgottesdienst für den ersten Frieden im Weltkriege wurde am Donnerstag, den 14. Februar, von der hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde abaehalten. Unter überaus großer Beteiligung fand aus Anlaß des Frie'densschlaffes mit der Ukraine und der Einstellung der Feindseligkeiten mit Rußland ein feierlicher Dankgottesdienst statt, bei welchem der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde mit hem Präsidenten Dr. Alfred Stern und dem Vizepräsidenten Bosrat Dr. Rappaport, der Bethausvovstand mit dem Obmann Landesschulrat Dr. M a r k u s. S v i tz * * - sowie die aesawte Beamtenschaft unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler erschienen. Zahlreiche jüdische Vereine und Korporationen hatten Vertreter entsandt. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Ta glicht, die kantovalen Funktionen versah erster Kantor Matyas. Mit der VoMhvmne schloß die Feier.. — Die . Wie ne r Jüdische Bühne ist in den Oesterreichischen Bühnenver'band ausgenommen, worden. Wie die, „Bühnenzeitung", das. amtliche Organ des Oesterreichischen Bühnenverbandes mitteilt, hat der Wiener Bübnenveroin beschlossen, die Mitglieder der Jüdischen Bühne als Mitglieder in «den Verband au^-nnehmen. — In Oberhollabrunn feierte vor kurzem die jüdische Schriftstellerin Carolina Luzzato ihren 80. Geburtstag. Im Jahre 1837 zu Triest geboren, war ste vom berühmten Rabbiner Moise Tedeski in der hebräischen und in den modernen Sprachen unterrichtet worden. Im Jahre 1878 übersiedelte sie nach Görz und widmete sich vollständig dem Journalismus. Als Leiterin des „Corriere di Gorizig" hatte sie Gelegenheit, sich viel mit lokaler Politik zu befassen. Sie arbeitete auch für den Triester „Corriere Jsraelitico" und scheute sich nie, wo es not tat,- als Jüdin aufzutreten. . In ihrem Alter mußte sie infolge des Krieges Görz verlassen; sie ertrug auch dieses Schicksal mit dem Mute, der sie während ihres ganzen Lebens aus-, gezeichnet hat. — Unter den neuen italienischen Ministern sind zwei indische Unterstaatssekretäre vorhanden: Reggio für das Transportwesen und M o r p u rgo als Unterstaatssekretär für Handel und Industrie. — Irr Paris starb im Alter von 78 Jahren Moise Schwab, Bibliothekar an der Pariser Nationalbibliothek, einer der hervorragendsten Talmudforscher der ätzten Jahrzehnte. Tr hat «den jerüsalemischen Talmud ins Französische übersetzt (1871 bis 1889); die Uebersetzung umfaßt elf Bände. — Das Warschauer „Jüdische Wort" -berichtet, daß das kürzlich im Haag gegründete Jüdische Zentral-Rettungskomitee seiner ersten Sendung, von 300 000 Mark soeben wieder die Summe von 540 000 Mark hat folgen -lassen; 200 000 sind für die Provinz, 100 000 Mark für Lodz, 90 000 Mark zur Verfügung der Warschauer .Gemeindeverwaltung, 75 000 Mark für Heimatlose, 60 000 Mark für Schulkinder und 15 000 Mark für die jüdischen Kinderheime bestimmt. _ Beranüvortlicher Redakteur: Albert 5latz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlrn-Friedenau, Druck und Verlag von Rudolf Mosse.