Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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82. Jahrgang;. Nr. 6 Berlin, 8. Februar 1918 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner Vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungsrats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adreffe: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin 8XV, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 Ul. — Postscheckkonto 32$. ff ttftafi . Zeit ist'S . . . Von Direktor Dr.^S. A dl e r (Frankfurt a. M.)r IjMiJuli* — Die Woche. — Daniel Iacoby. Ein Gedenkblatt. Von) Ludwig Geiger. 7- Die Wiener Juden. 1700 bis 1900. Von b. rn. —» Zum 60. Geburtstage des Direktors Prof. Dr. L. Tachau in WolfenbüttelL (9. Februar 1918). Von Stadtrabbiner Dr. Behrens (Göttinnen). — Die^ Geistes- und Gemütshygiene im alljüdischen Schrifttum. Eine Psycho-J hygienische Studie. Von Dr. med. Rainer, Arzt zu Wiesbaden, z. Z.I Kopenhagen. — Feuilleton: Der Weg des?jungen Hermann Kahn.ff Von Clementine^ Krämer (München). — Die Faust. Von Alfreds Friedmann. — Beim Frieden. Von Alfred Friedmann. — Miszelle. U — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. » Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums").. Berlin, Posen, Breslau, Stettin, Hamburg, Köln, Worms, Bamberg, Mann- * heim, New York. — Von Nah und Fern. | Seit ist » ... f Von Direktor Dr. S. Adler (Frankfurt a. M.). iner jüdisch-geistigen Organisation, die die Gleichberechtigung des Judentums in unserem Vaterlande „erarbeiten, nicht erkämpfen" soll, die „eine Lebensfragedes Augenblickes" sei, will F r a n z R o s e n z w e i g in einem an Hermann Cohen gerichteten offenen Briefe *)■ Richtung und Wege weisen. Er baut sie auf einem bis ins einzelne durchgeführten, nach seiner Ansicht neuen religiösen Bildungsgang aus, der den deutschen Juden, unbeschadet und ungeachtet der Welt, die sie umgibt, eine „eigene jüdische Welt" als ureigenen Besitz verschaffen soll. Den Eintritt in diese Welt öffnet das lebendige tätige Verständnis des Gottesdienstes: Siddur und Machsorim haben deshalb die hauptsächliche Grundlage für die religiöse Unterweisung der Jugend abzugeben, biblische und nachbiblische Geschichte finden als besonderer Lehrgegenstand höchstens in der Vorschule der höheren Lehranstalten ihren Platz, späterhin können Einzelbilder der Geschichte aus den Quellen selbst, der Heiligen Schrift und der Hagada, gewonnen werden. Der jüdische Kalender, das eigene Kirchenjahr, wird der Rückgrat des gesamten Unterrichtes; an ihn hat sich die Unterweisung auf fast allen Stufen anzulehnen. In der Sexta werden bei der Einführung in den Kalender von Anfang an kleine hebräische Stücke, die auf den Sabbat und die Feste bezug haben, „beigegeben", und zwar wird der hebräische Unterricht im ersten Halbjahr nach der alten „schlecht und rechten Weise des Wort-um-Wort-Uebersetzens" erteilt, im zweiten Halbjahr wird der Sextaner in die Grammatik der hebräischen Sprache eingeführt, die in der ersten Hälfte der Quinta mit dem unregelmäßigen Zeitwort abschließt. Nach der Meinung des Verfassers ergeben sich hierbei keine übergroßen Schwierigkeiten, wenn auf alles Beiwerk von Ausnahmen und Abweichungen in Sprache verzichtet und nur das nackte Gerüst der Regeln und Schemata systematisch dargeboten wird, — alles Weitere tue die Uebung; eine derartige grammatische Unterweisung lasse sich bequem in 70 bis 80 Zwerglektionen i) Zeit ist's . . . Gedanken über das jüdische Bildungs-Problem des Augenblicks. Berlin-München 1918. von je einer Viertelstunde erledigen! — Neben ihr ist im zweiten Schuljahr der Quinta noch die Lektüre des ersten Buches her Heiligen Schrift und alle wesentlichen Teile des Siddur, wenigstens die täglichen und sabbatlichen Gebete, zu behandeln. Den Anschluß an den Kalender findet der Schüler wieder im dritten Schuljahr, der Quarta; nach dem jedesmaligen Wochenabschnitt wird hier das 2. bis 5. Buch der Heiligen Schrift, ferner ausgewählte Stücke aus den Machsorim und der Peffach-Hagada durchgenommen; auf Grund dieser Vorbereitung sind die Schüler nunmehr in der Lage, an dem Sabbatgottesdienst mit Verständnis teilzunehmen, und sollen für 5 bis 4 Stunden am Sonnabend vom profanen Schulunterricht befreit werden; die Direktoren können ja in diese Zeit den christlichen Religionsunterricht legen! Den „künstlich zurecht gemachten" Jugendgottesdienst lehnt der Verfasser ab, weil er nicht in das Leben der Gemeinde einführe. — Gleichfalls dem Kalender folgend ist mit dem Untertertianer Thora mit Raschis Kommentar zu treiben; daneben hat eine kursorische Lektüre der erzählenden Bücher, von Josua bis Nehemia, ihren Platz zu finden und den Schüler auf quellenmäßiger Grundlage mit der Geschichte der Richter bis zum Ende der Königszeit bekannt zu machen; dem O b e r t e r t i a - ner bleibt, gleichfalls im Anschluß an den Kalender, die Durchnahme der Haftaroth, der Pirke-Aboth und ausgesuchter Abschnitte aus der Mischna, dem Untersekundaner die Kenntnis der Psalmen Vorbehalten- Als Abschluß für die aus dieser Klasse in großer Zahl abgehenden Schüler sind hier ferner in 25 Unterrichtsstunden leichte und charakteristische Proben aus dem Talmud und in 15 Stunden ein gedrängter Ueberblick über die jüdische Geistesentwicklung im Zusammenhang mit der allgemeinen Geschichte des jüdischen Volkes zu geben. Die znrückbleibenden Schüler sind in der nächsten Stufe, der O b e r s e k u n d a, noch tiefer in den Talmud einzuführen, auch die talmudische Literatur, namentlich die Midraschim, sind bei der Unterweisung nunmehr zu berücksichtigen. — Vor allem aber ist auf dieser Stufe eingehend die Prophetie auf Grund der Lektüre zu behandeln und dabei das Verhältnis des Judentums zu seiner Tochterreligion gründlich zu erörtern. In der Unterprima wird dieexilische Literatur (von Philo bis in unsere Zeit!) behandelt, dem Schüler der letzten Stufe ein Einblick in die Religionsphilosophie durch ausgiebige Literatur der einsckllägiaen Schriften gewährt. — An diesen Schulunterricht schließt sich für diejenigen Schüler, die nicht bloß eine ihnen eigene jüdische Welt gewinnen, sondern den theologischen Beruf zu ihrer Lebensaufgabe wählen und entweder als Rabbiner oder — was der Verfasser für besonders dringend hält — sich zu Religionslehrern an höheren Lehranstalten ausbilden wollen, der Besuch eines Rabbiner- Seminars an, solange nicht das große Ziel erreicht ist, die Gründung einer theologischen Fakultät an einer deutschen