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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, I. Februar 1918 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Aettu«9 erscheint wSchentlich. Abonnementr-Prets: durch den Buch. Handel oder die ssost (in Berlin und Vororten durch unsere Vertzriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps-« Unter Leitung des Geheime« Regierungsrats Professor Vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Moese, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse: Verlag der „Allgenr. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf rttosse, Berlin. flttftttlf* Zum Normallehrplan für den Religionsunterricht an HLÜLJULL. hSherest Lehranstalten. Von Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn). — Die Woche. — Aron Hirsch. Zu seinem 60. Geburtstage. Von A. K. — „Methodische Fragen". Von Dr. M. Spanier (Berlin). — Feuilleton: Der Weg des jungen Hermann Kahn. Von Clementine Krämer (München). Der Gemeindebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Breslau, Hamburg, Kolberg. Magdeburg, Elberfeld, Worms, Stuttgart, Straßburg, Prag. — Von Näh und Fern. Lum Mormsllehrplsn kür den Seiigionsmttrrricht an höheren Lehranstalten. Von Rabbiner Dr. Rosenberg (Thorn). ls ich in Nr. 22 dieses Blattes vom vorigen Jahrgang mich über die Grundsätze aussprach, die mich bei dem von mir ausgearbeiteten Lehrplan geleitet hatten, gab ich dem Wunsche Ausdruck, daß ihm von seiten der Schulmänner eine recht eingehende, sachliche Besprechung zuteil werden möchte, weil nur auf solche Weise die Meinungen geklärt werden könnten. Zu meinem Bedauern hat bis jetzt nur Herr Rektor Friedländer in Danzig das Wort genommen und sich in Nr. 28 und 47, Jahrg. 1917, dieses Blattes zu dom Plan geäußert. Nur schade, daß seine Ausführungen den streng sachlichen Charakter vielfach vermissen ließen. Ueber seine ersten Darlegungen habe ich mich bereits in Nr. 30, Jahrg. 1917, dieser Zeitschrift ausgesprochen. Im Sprechsaal derselben Nummer hat auch Herr S. Pinkus gegen jene Erörterung des Herrn Friedländer Widerspruch erhoben und ihm dabei den Vorwurf gemacht, daß er nur „Lusthiebe" austeile, da „er zum großen Teil Forderungen bekämpfe,'die in jenem Lehrplan gar nicht aufgestellt worden seien". Von diesem Verfahren hat sich Herr Friedländer auch in seiner in Nr. 47 dieses Blattes des vorigen Jahrganges veröffentlichten Besprechung noch nicht sreigemacht. So bemängelt er abermals die Anordnung des Lehrstoffes nach konzentrischen Kreisen. Ausdrücklich habe ich aber in meiner Erwiderung hervorgehoben, daß der Lchrplan keineswegs auf die konzentrische Methode festgelegt sei, sondern die Mitte zu halten suche zwischen dem konzentrischen und dem fortschreitenden Lehrversahren — was eine vorurteilslose Betrachtung auch anerkennen wird. Jenen «Satz hat eben Herr Friedländer geflissentlich außer acht gelaffen, um besser gegen die vermeintliche von mir empfohlene konzentrische Methode polemisieren zu können. Meine von ihm wörtlich angeführte Aeußerung über die konzentrische Lehrweise richtete sich aber nur gegen das Verdikt, das er ganz allgemein über dieselbe gefällt hatte, während sich im Grunde das ganze Unterrichtsverfahren in den höheren Lehranstalten wie all unser Wiffenserwerb auf dem konzentrischen Prinzip aufbaue. Herr Friedländer tritt ferner dafür ein, daß es beim Religionsunterricht nicht aus das abgeschloffene Wiffen, sondern auf die Charakterbildung ankomme. Wo aber geht aus meinem Lehrplan hervor, daß ich die Charakterbildung außer acht lasse? Oder schließt dies Herr Friedländer daraus, daß bei mir das Streben vorwaltet, den ins Leben tretenden Schülern ein abgerundetes, in sich geschloffenes religiöses Wiffen mitzugeben. Ich meine, das eine schließt das andere nicht aus. Herrn Friedländer liegt nichts daran, ob die von der Schule abgehenden Schüler ein solch abgerundetes Wissen sich zu eigen gemacht haben oder nicht. Mir jedoch sehr viel. Mir erscheint dies als eine unerläßliche Aufgabe des Religionsunterrichts. — Der ungeordnete, zusammenhanglose religiöse Wissensstoff wird wohl Gefühlserregungen wachrufen und zeitweilig auch den Willen beeinflussen können. Dem eigentlichen Ziel des Unterrichts, zu einer in sich gefestigten religiösen Lebensanschauung und Lebensauffassung heranzubilden, wird aber aus solche Weise nur in geringem Maße gedient. Hierzu bedarf es vor allem einer gewiffen Abrundung des religiösen Wissens, einer allgemeinen Uebersicht über den Lohrinhalt der Religion und ihrer Entfaltung im Lause der Zeiten. Und das ist gerade bei den ins Leben tretenden Schülern sehr vonnöten. Wie sollen diese später die Religion mit ihren Lehren und Forderungen vor sich selbst und vor anderen verteidigen — und solche Momente bleiben für keinen in unserem heutigen, bewegten Leben aus —, wie kann vor allem das religiöse Interesse, das zu erwecken der Religionsunterricht in erster Linie erstreben muß, bei ihnen auch nach der Schulzeit wach erhalten bleiben, wenn ihr religiöses Wiffen' nur aus zusammenhanglosen Bruchstücken besteht, die ihnen niemals ein klares Blld von der Erhabenheit und der hehren Bedeutung unserer Religion zu geben vermögen? Oder sollen wir etwa die Religionsgeschichte mit der Zerstörung des zweiten Tempels oder zu irgendeinem Zeitpunkt des Mittelalters abbrechen, ohne daß die Schüler etwas von der neuzeitlichen, religiösen Bewegung im organischen Zusammenhang mit dem Judentum der früheren Jahrhunderte erfahren? Sollen wir ihnen in der Religionslehre nicht auch einen allgemeinen Ueberblick über den Lehrinhalt der jüdischen Religion zu verschaffen suchen? Anderenfalls muß man von vornherein die Befürchtung hegen, daß ihr Interesse an den religiösen Fragen der Gegenwart nach und nach vollständig verkümmert. Gerade in diesem Punkte weiß ich mich mit vielen hervorragenden Schulmännern eins, und auch der neue Lehrplan für den evangelischen Unterricht, an dem die tüchtigsten Pädagogen und Gelehrten mitgearbeitet haben, baut sich, wie dies schon früher hervorgehoben wurde, auf dem gleichen Grundgedanken auf. Doch sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der vorliegende Lehrplan vor jenem erschienen ist Ganz besonders eifrig wendet sich Herr Friedländer gegen das von mir für die Vorschule in Aussicht genommene Pensum, das ihm viel zu umfangreich und schwer erscheint. Statt dessen

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