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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-11 · Heft 2 (11.1.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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nach Abschüttlung des Einflusses der chassidischtzn „Höfe" unter den Einfluß der neuen thoratreuen Politiker (der deutschen Orthodoxie) geraten sind. Neben den naiven Elementen unter den Rabbinern, die weder wissen, warum sie zu der Versammlung gekommen und womit sie weggefahren sind, zeigten sich urteilsfähige Rabbiner mit festen Grundsätzen und Anschauungen und endlich als dritte, politisierende Rabbiner. Diese, die früher oft sich als Anhänger des nationalen Wiederaufbaues des jüdischen Volkes erklärt haben, haben auf der Konferenz eine unklare Kompromitzstellüng eingenommen. Wir erwarteten eine klare Stellungnahme zu den nationaljüdischen Forderungen, zur Palästinafrage und zur Erziehungsfrage. Aber da. man . Furcht hatte/bei der Abstimmung über die Resolution würde sich doch noch ein klares Wort hören lassen, so faßte man überhaupt keine Resolution und Beschlüsse. Nach drei Tagen und drei Nächten eifriger Beratungen wurde beschlossen, daß die Rabbiner, wieder nach Hause gehen sollten — und sie gingen. Das ist das Resultat der Konferenz. Von Wh und Mm — Der Direktor der inneren Abteilung des jüdischen Krankenhauses, Professor Dr. H. Strauß, hat das Eiserne Kreuz,, am weißschwarzen Bande erhalten..— Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt der Vorsitzende, der Kriegshilfskommission der jüdischen Gemeinde, Justizrat Bernhard Breslauer. Die gleiche Auszeichnung wurde Herrn Max Lieb.es, dem früheren Repräsentanten der. jüdischen Gemeinde, Adolf L e w i n s k i, und dem Direktor der Auerbachschen Waisenerziehungsanstalt, Dr. A l t m a n n, verliehen. — Für ihre Tätigkeit bei der Prüfstelle für Ersatzglieder haben der Geschäftsführer Professor Dr.-Jng. Georg Schlesinger von der Technischen Hochschule das Eiserne Kreuz zweiter Klasse am weißschwarzen Bande und Patentanwalt Dipl.-Jng. - B. Bloch das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Aus Graudenz wird uns geschrieben: Frau Sanitätsrat Dr. Kempe in Oderberg (Mark), Vorsitzende des dortigen Vaterländischen Frauenvereins, welche sich durch Gründung zahlreicher Zweigvereine in der Umgegend besonders verdient gemacht hat, erhielt die Rote-Kreuz- ' Medaille. — Aus Ostrowo i P. wird uns geschrieben: Ter Jsrae- - litische Frauenverein in Ostrowo beging miteinem schlichten Festakt fein 75jähriges Bestehen. Bon einer größeren Feier wurde mit Rücksicht auf die ernste Zeit abgesehen. Zum Andenken an den 1908 verstorbenen Rechtsanwalt Ludwig Spiro, einen Schüler des hiesigen Gymnasiums, sind von der Familie Kaufmann Max Spiro und dem Justizrat G o l d s ch m i d t dem Gymnasium 3000 Mark in Reichsanleihe überwiesen worden, die zur Beschaffung von Bücherprämien dienen sollen. — Zum Leutnant der Reserve wurde befördert: Vizewachtmeister im Feldartillerieregiment Nr. 20 Goldschmidt, Sohn des Bankiers Goldschmidt in Posen. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse erhielten: Landsturmarzt Dr. Paul S a l o m o n aus Posen, Schütze Ernst L e w i n aus. Nogasen. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhielten: Dr. Leo Lubinski, praktischer Arzt in Posen, und Fräulein Margarete Latte, Tochter des Kaufmanns Latte in Posen. — In Araenau wurde in der ersten Wählerabteilung Herr Rentier Josef Mendel, der schon seit 1890 der Stadtverordnetenkörperschast angehört, mit großer Stimmenmehrheit wiedergewählt. — Dem Gefreiten Otto Bachenheimer, Sohn des Predigers Herrn S. Bachenhenner zu Geestemünde, wurde auf dem westlichen Kriegsschauplatz das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe verliehen. — In Nürn^ berg tagte kürzlich die Konferenz der bayerischen Rabbiner. Auf ihr Telegramm an den König ist, folgende Antwort eingegangenr „München, 25. 12. Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal, Nürnberg. Ihnen und allen Teilnehmern an der Konferenz der bayerischen Rabbiner in Nürnberg danke ich bestens für ihre Huldigung und für das Treugelöbnis. Mit Ihnen teile ich den Wunsch nach einem Frieden, der wert ist der vielen an Gut und Blut gebrachten Opfer. Ludwig." — Die israelitische Kultusgerneinde in Ansbach ist bei der Stadtverwaltung vorstellig geworden, die Beerdigung von den in der dortigen Heil- und Pflegeanstalt verstorbenen israe- - litischen Patienten auf dem städtischen Friedhose zu gestatten. Die städtischen Behörden haben dieses Gesuch nach sorgfältiger Prüfung abgelehn-t; sie berufen sich daraus, daß die Kultusgemeinde einen eigenen Friedhof besitzt und nach dem Gutachten des RabbinatS die Beendigung von Israeliten im allHemMen Fri^- hof auch gegen die rituellen Vorschriften verstoßen würde. ■ Die orientalische und älttestamentliche Wissenschaft hat. einen ihrer Mdeutendsten Vertreter durch den Tod verloren. Ans Göttingen die Trauerkunde, daß dort Geheimer Regierungsrat Proseffor Hr. I u l i u s W e l l h a u s e n, der berühmte Philologe und der Forscher des Alten Testaments, im Alter von 73 Jähren gestorben ist, -.w- Frau Martha - - Schbesrn ge r> Frankfurt a/ Main, wurde von . Sr: Majestät dem Kaiser das BerdiensMeuz für Krisgshilfe' verliehen, - nachdem ihr bereits vorher das Diplom rrrch die Gedenkmünze -der- Kriegszeit von der Stadt Frankfurt verliehen worden war. — Dr. Michael Halberstam, f. u. k. Feldrabbiner, Leiter der israelitischen Militärseelsorge der i u: k. zweiten Jsonzoarmee, erhielt das Goldene Verdienstkreuz mit Her Krone und den. Schwertern am Bande der Tapferkeitsmedaille in Anerkennung seines tapferen und aufopferungsvollen Verhgftens vor. dem Feinde. — Das Komitee der israelitischen Mmeinden in Italien teilt mit/ daß-sich unter den Flüchtlingen aus den von den deutsch-österreichischen Truppen besetzten Gebieten auch viele Juden befinden. Da nun die Regierung die Niederlassung von Flüchtlingen in der römischen Provinz verboten hat und die meisten derselben nach dem südlichen Teil Italiens sich begeben, besteht - für die Juden die Gefahr, sich plötzlich weit von jüdischen Zentren zu finden. Der Vorstand des Komitees hat daher in dem Sinne bei der Regierung gewirkt, daß es den jüdischen Flüchtlingen gestattet werde, sich nach Livorno zu begeben, und daß auch Sorge dafür getragen werde, daß sie dort Wohnung und Unterhalt finden können, — Das französische Judentum hat einen großen Verlust erlitten. Im Alter von 74 Jahren ist Großrabbiner Joseph Lehmann, der Direktor der Rabbinerschule in Paris, Mitglied des Zentralkonsistoriums, Ritter der Ehrenlegion, am 22. November nach jahrelangem Leiden verschieden. — Professor Emil Dürkheim, der bedeutende Soziologe von der Sorbonne, ist im Alter von 60 Jahren gestorben. — Zwei Enkel des Barons Major Rothschild, des Gründers des englischen Hauses, sind infolge Verwundungen, die sie bei den Kämpfen in Palästina, erhalten haben, gestorbene Es find dies der Major. Ev elY n d e Roths chi ld,.ein Sohn won Leopold v. Rothschild, und der Kapitän R e i l P r i m r o s e, der jüngste Sohn von Lord Rosenberg. — Aus Odessa kommt die Nachxicht, daß dort der Senior der. ' hebräischen /und jiddisches SchMDÄer S. I. Abramowitz (Mendeln Mocherseforium) im Alter von 81 Jahren gestorben ist. — Das Aktionskomitee der zionistischen Organisation errichtete . in Warschau ein zentrales jüdisches Wirtschaftsamt für Polen. Die Aufgabe dieses Amtes ist die Sammlung von Mater-ial über die , Wirkungen des Krieges auf das -wirtschaftliche Leben der polnischen Judenheit. Es werden zu diesem Zwecke Erhebungen und Untersuchungen aller Art veranstaltet werden. Es wird beabsichtigt, der Exekutive des Jüdischen Kongreffes in Amerika, ebenso wie der Exekutive des Jüdischen Kongresses in Rußland einen umfassenden Plan für den ökonomischen Wiederaufbau in Polen zu unterbreiten. Die verschiedenen Richtungen der polnischen Judenheit, namentlich auch die jüdischen Arbeiter, werden zur Mitarbeit an diesem großen Unternehmen herangezogen werden. — In New Pork starb im vorigen Monat im Alter von 62 Jahren Herr Isaak N. Seligman, Chef des großen internationalen Bankhauses I. F. W. Seligman u. Co. Der Verstorbene genoß großes Ansehen in der Finanzwelt und als Philanthrop; er zeigte immer großes Interesse für das Schicksal der Juden und war ein warmer Befürworter des Zusammengehens der jüdischen und amerikanischen Bevölkerung, Er bekleidete viele Ehrenstellen und Würden, die ihm großen Einfluß sicherten. Der Verstorbene war der Schwiegersohn des H. Salomon Löb (von der Firma Kuhn, Löb u. Eie.)! ,urtb war auch Un Schwager des H. Jakob H. Schiff — Die nationale „Vereinigung der rumänischen Juden in Amerika" entfaltet gegenwärtig eine große Tätigkeit zwecks Erlangung der Emanzipation ihrer Brüder in der Heimat. Eine Reihe jüdischer und nichtjüdischer Politiker von Ruf nahmen an der Festlegung des Programms der Aktion teil. Im Namen der Vereinigung sandte der. Vorsitzende des. Bne- Brith-Ordens, Ad. Krauß, eine Depesche an Wilson, in der die gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien geschildert und der P'räWM aufgefordert wird, seinen Einfluß auf das verbündete Rumänien geltend zu machen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Natz in Berlin-Pankow, Floraftratzß 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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