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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-11 · Heft 2 (11.1.1918) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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r—-- 16 gesteigert als vermindert worden. Haben die Juden auch^alt und jung, Männer und Früuen, als Streiter und Nichtstveiter, als Wirkende und Gebende in vollstem Maße ihre Pflicht getan — es steckt in den Massen eine solche Wucht von Abneigung und Haß, daß durch die neuerlichen^ in unseren Wochenübersichten mitgeteilben vertraulichen Aeußerungen unserer Feinde die Furcht erregt wird, dieser Anttsemitismus werde sich nach dem Kriege in entsetzlichen Vorwürfen und Anklagen zusammenballen, ja, er werde sich sogar in dem Schrei nach gesetzgeberischen Maßnahmen offenbaren. Me Woche. . Berlin, den 8. Januar 1928. 3n den Ansprachen, Neujahrsdepeschen und Antwortet) unseres Kaisers, des Generalfeldmarschalls Hinden? bürg, des Berliner Oberbürgermeisters und in den Erwiderungen der Angeredeten kommt der Siegeswille, die Ueberzeugung von dem endgültigen Erfolge zu lebhaftem. Ausdruck. Nicht minder tritt in den Aeußerungen. der französischen, englischen und amerikanischen Minister die Ueberzeugüng hervor, daß ihren Heeren der Sieg zufallen müsse. Ist auch die in den verschiedenen Briefen und Reden dargelegte Meinung eine entgegengesetzte, gemeinsam ist allen die Anschauung, daß der Krieg in seine letzte, entscheidende Phase getreten ist. Während auf seiten der Mittelmächte der ehrliche Friedenswille sich äußert, wird von seiten unserer Gegner, die es teilweise von vornherein ablehnen, an Friedensverhandlungen teilzunehmen, teilweise eine Antwort sich Vorbehalten, von der List der Deutschen gesprochen und die Besiegung Deutschlands als Vorbedingung für ernstliche Erwägungen hingestellt. Wir vertrauen auf unsere Ehrlichkeit, unser Recht und unsere Kraft und sehen mit Ruhe und Vertrauen den kommenden Ereignissen entgegen. Freilich schienen die frohen Frieden sh offnun gen eine kurze Zeit etwas herabgestimmt zu sein. Die russischen Delegierten hatten als Ort der Verhandlungen Stockholm vorgeschlagen; die deutsche Regierung hatte diesen Vorschlag abgelehnt. Die Russen hatten ferner Punkt 1 und 2 der deutschen Bedingungen verworfen, die sich auf die Modalitäten der Räumung der Gebiete und auf die Vornahme der Volksabstimmungen beziehen; die russische Presse hatte den Vorwurf erhoben, die Deutschen wollten sich in illoyaler Weise ihrer Zusage betreffend das Selbstbestimmungsrecht der Völker entziehen; die deutsche Regierung hatte erklärt, von beiden Punkten nicht abgehen zu können. Infolge dieses Gegensatzes waren einen Tag lang die Verhandlungen abgebrochen worden. Man mußte auf Grund dieser Mitteilungen die Hoffnung auf eine günstige Entscheidung einschränken. Zu bedenken war freilich, daß Machenschaften der Entente zu unserem Nachteil geübt wurden, aber es war zu hoffen, daß die Russen Widerstandskraft genug besitzen, um sich nicht von den Mächten ins Schlepptau nehmen zu lassen, die bisher die russische Regierung gar nicht anerkannt haben. Wirklich lief bald daraus die Mitteilung ein, die Friedensverhandlungen in Brest-Litowfk seien wieder ausgenommen. Ueber deren Inhalt ist bisher nichts Näheres bekannt, äußer, -daß statt Stockholm Bern als Ort der künftigen Verhandlungen genannt worden ist. *- Von Kriegshandlungen ist aus der Berichtswoche nicht viel zu melden; eine Hervorhebung verdienen nur besonders reiche Erfolge aus der Tätigkeit unserer Unterseeboote. O Von Md i;s.ch,Nachrichten, liegt. piÄeÄei. v0!r..... UÄS Rußland wird'berichtete V:: De-r-'-'-'NüH^erder - r st-si^i’$*trS-ö'KräM-fiWä' r. --; o-* gVstorben. - Aus Kiew wird geryeldet,/daß dort M Alker von ZlährW Ber Boröeschow, der bekannte Führer der jüdrsch-sozialdemökratischen Partei ^,Poalei Zion" in Rußland, gestorben ist.. .7.. Boroeschow war einer der ersten Theoretiker des sozialistischen Zionismus und schon seit 1993 „örthodoxer Maxjmälist" ätzM der Palästinabewegung. Hauptsächlich atzf seine Gegenpropaganda war es zurückzüführen,. daß Vas englische Angebot, MMbä Äs jüdisches Kölonisationsgebiet zür Verfügung zu stellen, durch 'den 7. Zionistenkongreß von 1Y15. abgelehnt wurde. Während der russischen Revolution von 1905 verhaftet, flüchtete Böroeschow 1907 nach Brüssel und begab sich dann Itzll nach Wien, wo er bis zürn Kriegsausbruch verweilte. Dann ging er über Italien nach Ame? rika, wo er Redakteur der jüdischen -Tageszeitung „Die Wahrheit" und Herausgeber des Organs der amerikanischen Poalei-rZiymsten, „Der jüdische Kämpfer", war. Im Juni 1917 kehrte er mit seiner Familie aus New Uork nach Rußland zurück und war während des. Juli und August Mitglied der Poalei-Zionisten-Delegation in Stockholm. Boroeschow nahm regen Anteil am russischen politischen Leben 7 und vertrat seine Partei u. a. auf dem durch die Rada der Ukraine zusammenberufenen Nationalitätenkongreß zu Kiew; ferner war er Mitglied, der demokratischen Konferenz in Petersburg, die das Vorparlament schuf, und sein Name stand auf der Kandidatenliste der Konstituante mit an erster Stelle. Seit mehr als 10 Jahren arbeitete Boroeschow übrigens an einem großen Standardwerk der jüdischen Literatur, zu dem er Studien im Britischen Museum, in Wien,. Mailand und New Uork gemacht hatte. * Ueber die Not der Inden in Saloniki lesen wir im „Berliner Tageblatt": Zürich, 5. Januar. In einer Unterredung, die der Vorsitzende der englischen jüdischen Wohltätigkeitsvereinrgung, Sir Stuart Samuels mit Venizelös hatte, bestätigte der letztere, daß die griechische Regierung eine Gesetzesvorlage einbringen werde, die die Enteignung des von der Feuersbrunst heimgesuchten Teils von Saloniki zum Gegenständ habe. Durch diese Vorlage werden bekanntlich Tausende jüdischer Familien um ihr. Heim gebracht und zur Auswanderung gezwungen. Die Schädigung der Abgebrannten ist doppelt groß, da die Zahlungen nicht in bar, sondern in griechischen Schatzbonds erfolgen sollen. Die ganze Aktion richtet sich gegen die Juden, die zumeist spaniolifchen Ursprunges sind, weil sie in Saloniki im wesentlichen die Träger der gegen Venizelös gerichteten kömgstreuen Politik sind. Die- Bemerkung Venizelös^ zu Sir Stuart Samuel: „Ich kann erklären, daß es für Saloniki ein Unglück wäre, wenn die Juden auswandern sollten, da es dadurch jene Kräfte verlieren würde, die es zur Blüte gebracht haben", wird als.eine bewußte Unwahrhaftigkeit in jüdischen Kreisen empfunden. Die Verzweiflung und Not unter den Juden iit Saloniki ist entsetzlich. Weit über 2000 Familien sind gezwungen, seit Monaten in Zelten zu wohnen, annähernd 1000 Familien wohnen in Pferdeställen. Die natürliche Folge sind epidemische Krankheiten- und Hungersnot. * Aus Schweden wird uns geschrieben: Das finnische „Hüsvudstadsbladet" vom 23. Dezember meldet aus Helsingfors: In der Plenarsitzung des finnischen Landtages vom 22. Dezember wurde der Gesetzantrag betreffend die Bekenner des jüdischen Glaubens in Finnland in dritter Lesung behandelt. Der Landtag beschloß mit 170 Stimmen gegen eine, die Behandlung für eilig zu erklären. In der darauf folgenden Abstimmung wurde das Gesetz mit 163 Stim^ men gegen sechs angenommen.: Dieselbe Nunrmer enthält folgenden Artikel: Di e endliche Lösung der Judenfrage. * Das finnische Volk hat der jüdischen Bevölkerung Finnlands ein schönes Geschenk gemacht: das Bürgerrecht. Gestern nahm der Landtag

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