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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-14 · Heft 50 (14.12.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 ohne dauernde Beschäftigung. Nach der Ansicht der Arbeiterorganisation müßte für 500 Arbeiter gesorgt werden. Ein beträchtlicher Prozentsatz der Arbeitslosen sind Evakuierte, so in Petach-Tikwah 185 von 530. Der Jüdische Nationalfonds hat beschlossen, sich an diesen Notstandsarbeiten mit 100 000 Francs in Gold zu beteiligen, und zwar aus den für diesen Zweck einfließenden Mitteln, deren erhebliche Vermehrung in nächster Zeit erwartet werden darf. Der Anbeil des INF. soll vornehmlich zur Deckung des Gesamtbedarfs der Gemüsebaugvuppen dienen, weil die Förderung dieses Produktionszweiges für die Lage der Gesamtbevölkerung von größter Wichtigkeit ist. Der Rest ist für Arbeitskredite in Judäa bestimmt. Unbeschadet der Propaganda in den meisten Ländern, Kapitalien für eine großzügige Siedlungsarbeit nach Friedensschluß aufzubringen, obliegt den Palästinafreunden die unabweisbare Aufgabe, durch Notstandsarbeiten den opferfreudigen Pionieren zu Hilfe zu kommen und damit gleichzeitig die Grundlage für die künftige kolonisatorische Tätigkeit zu festigen. Von Mh und jfrrn. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten: Dr. Karl D v e r n b e r g e r (Berlin-Oberschöneweide), N. Landsberger und N. Birawen, Vorsteher der Eisenhandelsgesellschaft Berlin, Siegmund K ö n i g s b e r g e r , i. Firma A. Königsberger (Berlin), Dr. Mar Wittenberg (Berlin-Grunewald, früher in Hamburg), Fabrikbesitzer Eduard Joseph, Inhaber der Berlin-Lichtenberger Melassefabrik. ----- Nach einem Referate des Herrn Moritz A. Loeb bildete sich zwecks Gründung einer jüdischen Gartenstadt auf einem 300 Morgen großen Terrain in Falkenberg bei Crünau eine Genossenschaft m. b. H., deren 240-Mark-An-teile in monatlichen Raten zu 20 Mark gezahlt werden können. Schon jetzt liegen Pläne vor, in Verbindung mit der Gartenstadt eine jüdische Schulgemeinde, einen Sportvlatz und eine Gärtnerinnenschule zu errichten. Zuschriften: Diplom - Ingenieur Loewh, Eharlottenburg. Schillerstraße 60. Die Svnagoaengemeinde Tuchel betrauert das Hinscheiden ihres ersten Vorstehers Herrn Samuel Fabian, der 27 Jahre in vorbildlicher Treue und Gewissenhastigkeit zum Segen der Gemeinde aewirkt hat. Tie Rote-Krenz- Medaille 3. Klasse erhielten: Rechtsanwalt Dr. Alfred Man affe (Posen). Geheimer Medizinalrat Königlicher Kreisarzt Dr. Michaelsohn (Meseritz), Frau Justizrat Dora Oral e r und Fräulein Elfriede Popper (Posen). - - Die jüngst vorgenommenen Stadtverordnetenwahlen in der Provinz Posen ergaben das Resultat, das; allenthalben eine verhältnismäßig hohe Zahl von jüdischen Bürgern in die Ehrenämter gewählt wurden, so in Bromberg in der ersten Abteilung Bankier Schamgt o l s k i , in Kosten in der ersten Abteiluna Kaufmann Jakob Gotth e l f. in Schroda in der zweiten Klasse Kaufmann Ban m. — Am 3. d. M. beging das Rentner Marcus H e p P n e r s ch e Ehepaar in Lissa i. P. das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Eine große Anzahl von Gratulanten brachte dem Jubelpaar ihre Verehrung zum Ausdruck. Vormittags fand eine religiöse Feier statt, bei der nach einem musikalischen Vortrag Rabbiner Tr. Gelles das Paar einsegnete und die von Seiner Majestät verliehene Eheiubilänmsmedaillc und das Glückwunschschreiben aus dem kaiserlichen Zivilkabinett im allerhöchsten Auftrag übergab. — Tr. Paul Schottlaender in Breslau, Ritterguts- und Fideikommißbesiher, hat vom Kaiser die Bestätigung als Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (bis Ende März 1921) erhalten. - - Die städtischen Körperschaften zu Gleiwitz haben den früheren Stadtverordnetenvorsteher, Justizrat E u g e n L u st i g, zum Ehrenbürger der Stadt gewählt. — Bei der Ergänzungswahl zu den Verwaltungskörpern der jüdischen Gemeinde in Leipzig erfolgte die Wiederwahl der ausgeschiedenen Vertreter: Breslauer, Dr. med. B e l m o n t e . E o h n , Elias, H a h n , Lustig, Nathan- R o s c n t h a l, Schiff und Justizrat Dr. Wachtel. - Tie Zweite sächsische Kammer beschäftigte sich in ihrer zehnten öffentlichen Sitzung am 6. d. M. mit der Befreiung der Israeliten von der kirchlichen Besitzwechselabgabe. Abgeordneter Brodaus (freis. Volksp.) begründete den Antrag auf Befreiung der Juden von dieser kirchlichen Mgabc und auch von der kirchlichen Grundsteuer im Wege der Verordnung oder durch Gesetz und empfahl dessen Ueberweisung an die gesetzgebende Deputation. Nach kurzer Aussprache wurde der Antrag der Deputation zur Weiterberatung überwiesen. — Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: In voller körperlicher und geistiger Frische beging am 28. November Frau Julie Eisen - h e i m e r , Feldbergstraße 12, ihren 80. Geburtstag. Die Jubilarin, eine geb. Eahn aus Mainz, ist die Tochter eines hervorragenden Talmud- und Schriftgelehrten und die Schwester des Geheimen Legationsrats Dr. Wilhelm Eahn (Berlin). Sie erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und war daher an ihrem Geburtstage der Gegenstand zahlreicher Ehrungen. — Man schreibt uns aus Mannheim: Der Schriftsteller S. L u ß, der dreißig Jahre an «dem israelitischen Erziehungsinstitut zu Pfungstadt als Lehrer tätig war, und seit zwanzig Jahren in Mannheim wohnt, vollendet am 13. Dezember sein -70. Lebensjahr. Bei dieser Gelegenheit werden seine zahlreichen Schüler wie die vielen Leser, die er durch seine Erzählungen: „Schamsche", „Um 20 Gulden", „Die Mitgift", „Das Gelübde", „Land und Stadt" und viele andere Romane aus dem jüdischen Gememdeleben erfreute, sich seiner Tätigkeit gern dankbar erinnern. — Privatdozent Dr. Isidor P o l l a k, Bibliothekar zweiter Klasse an der Prager Universitätsbibliothek, wurde zum außerordentlichen Universitätsprofessor für semitische Sprachen ernannt. — Der langjährige Direktor der Kanzlei der Kultusgemeinde Pilsen, Wilhelm Arnstein, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Heimgegangene hat mehr als 80 Jahre an der Spitze des Verwaltungsapparates der Gemeinde gestanden. Neben seinen beruflichen Pflichten hat er seine Kräfte gern in den Dienst verschiedener humanitärer Vereinigungen gestellt. - - Felir Kuranda, Verwaltungsrat und ehemaliger Direktor des Wiener Bankvereins. Sohn des verstorbenen Präsidenten der Kultusgemeinde Felix Kurande, ist verschieden. — Allgemein betrauert wird das Hinscheiden des königlich ungarischen Kommerzialrates. Herrn Philivv K oh n. In dem Heimgegangenen beklagt die Wiener jüdische Gesellschaft den Verlust eines edlen, vornehmen Menschen und eines eckst jüdischen Wohltäters, der sich in weitesten Kreisen hohe Wertschätzung errungen hat. — Auf einer Versammlung von Gemeindevertretern, die dieser Tage in Lemberg stattfand, wurde beschlossen, einen galiziWen Gemeindebund zu gründen, um die Interessen der südischen Gemeinden zu wahren. — Das israelitische Zentralkonsistorium in Paris hat die militärischen Feldvrediaer dazu aufgefordert, ihm sämtliche Gräber von gefallenen jüdischen Soldaten mitzuteilen, mit genauer Ortsangabe, damit die Gräber gepflegt werden können. Ebenst wird den benachbarten jüdischen Gemeinden ans Herz aelegt, diese Pietät zu erfüllen. — Betreffs der rumänischen Juden, die in Frankreich wohnen, hat die parlamentarische Kommission in bezug auf die Militärfrage beschlossen, sie ins französische Heer nicht einzugliedern. Die sozialistische Gruppe hat dies beantragt. „weil die rumänischen Juden in ihrem Heimatlande außerhalb des Gesetzes stehen, und man sie daher nicht verpflichten könne, für ihr sogenanntes Vaterland zu kämpfen". — Aus Lodz wird uns geschrieben: Die jüdische Schulkommission der Schuldeputation ist mit der Ausarbeitung eines Planes zur Errichtung einer jüdischen vierklassigen städtischen Schule beschäftigt. — Die Schuldeputation trifft Anstalten zur Eröffnung von Kursen für jüdische Handwerkerlehrlinge. Zum Leiter der Kurst ist Ingenieur Russak ausersthen. — In New Aork ist Rabbiner Barnet W o l i n s k h im Alter von 113 Jahren gestorben. Er war der' älteste Mann Nein Vorks. Er hinterläßt 118 Nachkommen; seine Gemahlin (die dritte Ehefrau) hat er vor sieben Jahren geheiratet; diese zählt jetzt 55 Jahre. Er war in Rußland geboren und kam nach Amerika im Alter von 68 Jahren. - - Der amerikanisch-jüdische Philanthrop Lewinsohn hat jüngst das 50jährige Jubiläum seiner Ankunft in Amerika gefeiert. In Deutschland geboren, wanderte Lewinsohn vor 50 Jahren nach Amerika aus, wo er sich im Lause der Zeit einen außergewöhnlichen Reichtllm erwarb. Wegen seines Kupferhandels ist Lewinsohn unter dem Namen Kupferkönig bekannt. Sowohl im wohltätigen wie im gesellschaftlichen Leben der amerikanischen Juden, hat der Jubilar eine vordere Stellung erlangt. Auf dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett sprachen u. a. I. H. S ch i f f , Ex-Präsident Taft und viele andere Persönlichkeiten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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