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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-07 · Heft 49 (7.12.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 49 (7.12.1917)
Date
1917-12-07
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 seiner Gesinnung bekundete sich in der' letzwilligen Verfügung, die Nachrufe an seinern Grabe untersagte. Nur Rabbiner Professor Dr. Schwarz war es vergönnt, einige eindrucksvolle und wahrhafte Worte zu seinem Gedenken zu sprechen. Sein segensvolles Wirken wird aber nicht minder im Prager Gemeindele-ben dauernde Spuren hinterlassen und wird für immerwährende Jetten seinen Namen in unauslöschlicher Erinnerung bewahren. Von Msh und Lern. Von der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg wurden zu Ehrendoktoren ernannt: Der Verleger des „Berliner Tageblattes" Rudolf M o s s e und Kommerzienrat Carl Leopold Netter, Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin. — Der spanische Generalkonsul Eugen Landau, der seit Beginn des Krieges als Rittmeister Dienst tut, ist zum Major befördert worden. —- Leutnant IuliusHolz, Sohn des Geheimen Samtäts« rats Dr. Benno Holz (Berlin), wurde mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. — Die Hauptstelle für Berufsberatungder Inden hat in 39 Orten Oberschlesiens die Berufsberatung organisiert, und zwar in der Weise, daß sich in den größeren Städten lokaleOrganisationen gebildet haben, während in den kleineren Gemeinden ein Vertrauensmann mit der Berufsberatung beauftragt ist. In der am 11. November stattgehabten Sitzung des Vorstandes der Berufsberatungsstelle ist beschlossen worden, eine Reihe von Propagandaversammlungen an den größeren Orten des Bezirkes abzuhalten. — Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Lewy (Berlin) ist vom Generalkomando Ober-Ost als Direktor und Sachverständiger für jüdische Ilnterrkchtsfragen nach Bialystok berufen worden. — Hans Oppenheim er . Sohn der Frau Sanitätsrat Dr. Oppenheimer, wurde mit der bronzenen bulgarischen Verdienstmedaille am Kriegsbande ausgezeichnet. — Stabsarzt Dr. Kallenbach in Memel ist von der Gefangenschaft ausgetanscht zur.ückgekehrt. In der Naturwissenschaftlichen Abteilung der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zu Posen sprach Professor Tr. M e n d e l s o h n mit Vorführungen über „Aus der deutschen Dyaszeit". — Aus Breslau wird uns geschrieben: In das Kuratorium der Kommerzienrat Fraenckelschen Stiftungen ist Herr Privatdozent Tr. phit. Friedrich Marck als Kurator an Stelle seines verstorbenen Vaters, des Stadtrats Morrs Marck, eiugetreten. Nach den Bestimmungen der Stiftung hat jeder ueueintretende Kurator sogleich zu den Akten seinen Nachfolger zu bezeichnen. — Rabbiner Professor Dr. Guttmann (Breslau) erhielt das Verdienstkreuz für Kriegshilfe — Aus Reichenbach i. Voatl. wird uns geschrieben: Ter Vizefeldwebel und Offiziers- Aspirant stud. iur. Friedrich Deutler, Sohn des Fabrikbesitzers Jos. Beutler, hier, hat am 18. November 1917, kurz vor feiner Beförderung zum Leutnant, den Heldentod erlitten. Der Verewigte war Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, hat an den Kämpfen an der Westfront zwölf Monate teilgenommen. Er besaß außergewöhnliche Geistesgaben, die zu den besten Hoffnungen berechtigten. Die Teilnahme an seinem frühen Hinfcheiden ist groß. — Eine jüdische Jugendkoinpagnie in Hamburg hatte im Oktober dem Kaiser ein besonderes Treueaelöbnis übersandt. Darauf ist von der hiesigen preußischen Gesandtschaft zu Händen des Herrn Willi Aron folgende Antwort eingegangen: „Von dem durch Throneingabe vom 4. d. M. von der 83. jüdischen Iugendkompagnie im Bereiche des 9. Armeekorvs Seiner Majestät dem Kaiser und König dargebrachten Treuegelöbnis ist zuständigen Orts gern Kenntni's genommen worden, und die Königliche Gesandtschaft ist beauftragt worden, der Jugendkompagnie für die damit bekundete Patriotische Kundgebung bestens zu danken." — Herr Michael Nußbaum, Mitglied des oberbaherischen Landrates (Kreisvertretung), der auch bisher schon eines der einflnßreichsten Mitglieder der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde München war und ausgleichend gewirkt hat, ist nunmehr zum ersten Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde einstimmig gewählt worden. Die einstimmige Wahl ist ein Zeichen des großen Vertrauens, das sich Herr Nußbaum in seinem bisherigen Wirken erworben hat. — Aus Nürnberg wird berichtet: Die Stadt hat zur Erweiterung des neuen israelitischen Friedhofes einen Teil des zwischen diesem und dem Krematorium liegenden Grundstückes endgültig abgetreten. Die Kultusverwaltung hat nunmehr den Münchener Stadtbaurat Professor Grassel, den Schöpfer der dortigen Friedhöfe, insbesondere auch des Waldfriedhofes, mit der Erstattung eines Gutachtens für die ästhetische Aus- und Umgestaltung des Friedhofs beauftragt. — Max Eisenk r a e m e r vom Hause Beer, Sondheimer u. Co. in Frankfurt a. M. wurde zum preußischen Artillerieoffizier befördert. — Die Konservenabteilung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" macht bekannt, daß die Zahl der einem Bezieher wöchentlich zur Verfügung stehenden Konserven auf die Höchstziffer von vierzehn.erhöht worden ist. Die sonstigen für den Konfervenversond geltenden Bestimmungen bleiben unberührt. — Im hohen Alter von 85 Jahren ist in Baden-Baden Herr Leopold Stern verschieden. Der Verstorbene, Mitbegründer der jüdischen Gemeinde Baden-Baden, war ein treuer Anhänger der jüdischen Sache und hat in Gemeinschaft mit seiner frommen Frau unendlich viel Gutes getan. Herr Lehrer G r ü n f e l d t widmete dem ältesten Gemeindemitglied herzliche Worte des Gedenkens. Einer der Besten ist mit dem Dahingeschiedenen ins Grab gegangen. — Die Prager Judenschaft hat einen schweren Verlust erlitten. Herr Moritz Wsl t s ch, dem seine jüdischen und nichtjüdischen Mitbürger eine Reihe von Ehrenstellen übertragen hatten, starb unerwartet im 67. Lebensjahre. Er war unter anderem Vorstand der Chewra Kadischa, des Unterstützungsvereins für Handelsangestellte, des israelitischen Mädchen- Freitischvereins und der Klanssynagoge. — Aus Budapest wird berichtet: Ministerpräsident Dr. Alexander W ek e rle hat den bekannten Bndapester Redakteur und Advokaten Dr. Heinrich G o n d a als Chef seines Pressedepartements berufen. Tr. Gonda ist ein selbstbewußter Jude, der aus frommer jüdischer Familie stammt. Die Vorgänger Dr. Gondas in dieser exponierten, verantwortlichen Stellung im Pressedepartement waren gleichfalls Juden, und zwar Edmund Klein und vor ihm der gegenwärtige Chefredaktenr des „Pester Lloyd" Josef V e s z i. — Die „Morning Post" bringt die russischen Juden in Zusammenhang mit dem maximaliftischen Erfolg und schreibt: Einstmals hieß es, daß die spanischen Israeliten ans Spanien ausgewieseu wurden, weil sie die Tore Spaniens den Mauren geöffnet hätten. Es würde für die Juden der ganzen Welt verhängnisvoll sein, wenn jetzt sestgestellt werden könnte, daß die russischen Juden die Tore Rußlands den Deutschen geöffnet haben. Diejenigen unter uns, die stets Sympathie für die Juden in Rußland hatten, würden dann zug-eben müssen, daß die Behandlung, welche die Juden von jeher in Rußland erfahren haben, berechtigt war. — Die provisorische russische Negierung hat einen Erlaß veröffentlicht, nach welchem den Rabbinern in Rußland dieselben Rechte und Befugnisse zukommen wie den christlichen Geistlichen. — lieber die Zahl der künftigen jüdischen Staatsratsmitglieder ist es, wie der „Glos" vorn 23. November meldet, zwischen den Aktivisten und Passiviisten zu einer Verständigung gekommen, wonach, sofern der zukünftige polnische Staatsrat 109 Mitglieder zählen werde, fünf Stellen im Staatsrat mit Juden, darunter einem aus dem Laaer der Nichtassimilatoren, besetzt werden sollen. — Unter den 22Landmefsern, die den Kursus bei der Warschauer Technischen Hochschule beendet haben, befinden sich acht Juden, die ersten jüdischen Landmesser in Polen. — Nach seiner Freisprechung im „Beilis-Prozeß" hatte Mendel Beilis bekanntlich seine russische Heimat freiwillig verlassen und war nach Palästina übersiedelt. Me man jetzt erfährt, befindet er sich zurzeit unter den Evakuierten aus Jaffa. Sein Sohn, Pinkas Beilis, ist nach Absolvierung des Jaffaer Gymnasiums in die türkische Armee eingetreten, wo er jetzt als Offizier dient — Ans New Pork wird gemeldet: Das Exekntivkomitoe des Kongresses faßte am 14. Oktober den Beschluß, den Kongreß auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Er soll erst abgehalten werden, wenn Friedensverhandlungen in Sicht kommen. Von den 140 Mitgliedern des Komitees stimmten insgesamt 73 für die Verlegung des Kongresses. Als Gründe wurden angeführt, daß es nicht patriotisch wäre, den Kongreß abzuhalten, wenn Amerika im Kriege ist. Die Juden dürften nicht den Eindruck erwecken, daß sie besondere Interessen hätten. Dann wäre eS auch zu schwierig, die jüdischen Forderungen zu formulieren, wenn man den Ausgang des Krieges nicht kenne. Auch könne der Kongreß nichts über die Rechte der Juden in den europäischen Ländern sagen, wenn man ihre Wünsche nicht gehört habe. Der Aufschub des Kongresses hat in der Bevölkerung, vor allem dem national gesinnten Teil der Arbeiterschaft, tiefe Mißstimnumg hervorgerufen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar. Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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