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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-30 · Heft 48 (30.11.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Nunder lasses l>ont 10. November 1916 ernmchtige ich im Einvernehmen mit dem Herrn Minister sür Hanjdel und Gewerbe die Herren Regierungspräsidenten, hinfort ungelernte jüdisch-polnische bzw. jüdisch russische Arbeiter und Arbeiterinnen, die von der deutschen Arbeiterzentrale für die Beschäftigung in Deutschland neu angeworben werden, zur Beschäftigung in gewerblichen! Betrieben jeglicher Art und in Bergwerken zuzulassen. Dabei wird auf die Auswahl gesunder, kräftiger und sittlich einwandfreier Leute Bedacht zu nehmen fein, wenn auch die Anforderungen in bezug auf kräftigen Körperbau nicht zu hoch zu stellen sein werden, da die jüdische Bevölkerung des Ostens infolge natürlicher Veranlagung und der Unterernährung in den letzten Jahren meist nur einen schwächlichen Körperbau aufweist. Derartige Leute Norden zweckmäßig in Stellen beschäftigt werden können, sür deren Wahrnehmung mehr Intelligenz als körperliche Kraft erforderlich ist." — Der Chirurg Dr. Artur Schlesinger in Charlottenburg hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. — Der Geschäftsführer des Verbandes deutscher Ledergroßhändler, Max Königsberger, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Der Berliner Kaufmanu Albert B i r n b a u m, ältester Sohn des Herrn Ph. Birnbaum in Vaudsburg. wurde mit dem bulgarischen Verdienstorden mit Krone ausgezeichnet. — Stadtverordneter I. L. I a st r o w (Charlottenburg) beging am 28. d. M. seinen 70. Geburtstag. Jastrow, der Vorsitzender des Fortschrittlichen Vereins Neu-Charlottenburg ist, gehört zu den führenden Persönlichkeiten des entschiedenen Liberalismus im Wahlkreise Teltow-Beeskow-Charlottenburg. Er ist auch Vorsitzender des Vereins der Volkskindergärten in Berlin-. -- Das Verdienstkreuz für Kriegshilse erhielt Frau Justizrat Meta Str aßmann (Berlin). — Professor Mar Lieberma n n hat jetzt ein Bildnis des Fürsteir Bernhard v. Bülow gemalt. Bülow hat schon srühcr einmal während seiner Kanzlerschaft dem Meister gesessen - - im November 1907 - , doch entstand damals nur ein Bildnis in Kreidezeichnung. - - Der. bekannte Liederkomponist James Roth stein veranstaltete wiederum einen Kompositionslabend im Konzertsaal der Königlichen Hochschule für Musik, der ältere und neuere Werke aus seiner -Feder brachtet Die Mitwirkenden waren: Fräulein Johanna Behrend. der bekannte Konzertsanger Leo Gollanin, Herr Theodor Heß van der Wyk (Baßbariton) und der sehr beliebte jugendliche Cellist Felix Robert M e n d e l s s o h n. Sie alle mit dem Komponisten am Flügel trugen zum vollen Gelingen des Abends bei. — Ans Königsberg i. Pr. wird uns geschrieben: Herr Hermann Wolffheim, hier, Repräsentant der Synagogem gemeiude, der sich bereits im Besitze des Roten Adlerordens IV. Klasse befindet, hat kürzlich in Anerkennung seiner Tätigkeit zur Bekämpfung der Tuberkulose während des Krieges das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. Am 18. d. Nt. ist in Osterode in Ostpreußen der Prediger und Lehrer Herr Jacob S t u r m a n n im 80. Lebensjahre verschieden. Er stand 52 Jahre im Dienste der Gemeinde und entfaltete eine segensreiche Wirksamkeit auch im Dienste des Judentums. Er war Begründer und langjähriger Vorsitzender des dortigen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und nahm besonders an den Arbeiten des Vereins jüdischer Religionstehrer Ostpreußens, dessen langjähriger Vorsitzender er war. regen Anteil. Ehre seinem Andenken. --- Aus Bereut in Westpreußen wird uns geschrieben: Der kürzlich in Danzig verstorbene Kaufmann Max Neu m a n n, ein Sohn unserer Stadt, der hier vor seinenr Fortzuge nach Danzig viele Jahre gewohnt hat und in der städtischen Verwaltung als Mitglied des Magistrats und in Kommissionen tätig war, auch in der Shnagogengemeinde als Repräsentant und Vorstandsmitglied wirkte, hat testamentarisch der hiesigen Lynagogengemeinde 6000 Mark vermacht. — Man schreibt uns aus Kattowitz: Unter großer Beteiligung aller Kreise unserer Stadt nmrde Herr Natau W eitzma nn, der mehr als 40 Jahre in vorbildlicher Art als Religionslehrer der Synagogengemeinde wirkte, zu Grabe getragen. Die Feier auf dem Friedhof begann mit einem Trauerchoral, den Oberkantor Simon vortrug, worauf Rabbiner Tr. de H a a s einen Nachruf hielt. — Im Alter von 98 Jahren ist in Natibor der Rentier und frühere Gasthosbesitzer Joses Block gestorben. Er war das dreizehnte Kind eines Mannes, dessen Geburtstag noch im sriderizianischen Zeitalter lag, des Talmudgelehrten und privilegierten Arrendators Reb. Kallinann Block zu Ratibor. Im Revolntionsjahre 1848 während der Polnischen Aufstände im Feuer bewährt, lvar Josef Block einer der ältesten! lebenden Veteranen. Den heutigen Weltkrieg verfolgte er mit großer Anteilnahme. — Professor Tr. Julius G u t t m a n n, Privatdozent für Philosophie an der Universität Breslau, ist an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin als Dozent für Religionsphilosophie -berufen worden. Professor Guttmann ist ein Sohn des Breslauer Gemeinde^ rabbiners Professor Dr. Jakob Gnttmann. Der Gewählte ist zurzeit im Heeresdienste beim 6. schlesischen Trainbataillon tätig. — Dem Lehrer und Prediger Ludwig B a u m in Rheine i. W. wurde aus Arrlaß seines goldenen Dienstjnbiläums der Kgl. Kronenorden IV. Klasse mit der Zahl „50" verliehen und durch den Schulrat Kranold mit feierlicher Ansprache überreicht. — Der Feldunterarzt Manfred Meyer, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, Sohn des Lehrers Herrn Ernst Meyer in Eisenach, wurde zum Feldhilfsarzt befördert. — Friedrich Rüdenberg aus Hannover, Ritter des Eisernen Kreuzes erster Klasse, ist vor kurzem zum Fliegerleutnant befördert worden. — Die Rote-Kreuz-Medaille wurde im Krankenhaus der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. dem Verwaltungsinspektor Louis A h r c n s verliehen. — In Frankfurt am Main ist ein Verein „Wissenschaftliches Institut für die Kultur und Wirtschaft des modernen Orients" begründet worden. Der Verein will in Verbindung mit der Universität ein Orientinstitut errichten. Der Direktor des Orientalischen Universitätsseminars, Professor Dr. Joseph H o r o v i tz, ist zum Leiter dieses Instituts in Aussicht genommen. — Die goldene Hochzeit beging am 13. d. M. das Ehepaar Hermann Silzdorf in Frankfurt-Heddernheim. In der Synagoge in Heddernheim fand eine schlichte Feier statt, an der auch der evangelische Pfarrer und zahlreiche christliche Einwohner teilnahmen. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Kober aus Wiesbaden, der auch die von ' Seiner Majestät dem Kaiser und König verliehene Ghejnbiläumsmedaille überreichte. — Auf Ansuchen der beiden Vizepräsidenten des schweizerischen israelitischen Bundes und des schweizerischen Zionistenverbandes um Schonungder heiligen Stätten in Palästina und um Schutz für die dort lebende indische Bevölkerung ist nach einer Meldung der „Basler Nationalzeitung" von amtlicher deutscher Seite folgende Zusicherung eingegangen: „Nach den vorliegenden Nachrichten von türkischer Seite ist bereits auf die Schonung der heiligen Stätten in Jerusalem, die auch bei den Mohammedanern Verehrung genießen, Bedacht genommen worden; soweit es die militärischen Interessen nur irgendwie gestatten, wird man der Bevölkerung Jerusalems Rücksicht angedeihen lassen. Selbstverständlich haben die Juden, dabei keinerlei Ausnahmematzregeln zu befürchten." Ein gleicher Schritt ist auch bei der englischen Regierung unternommen worden. — Am 7. d. M. feierte der Präsident der Oesterreichischen Textilwerke A.-G. in Prag vormals Jfaac Mautner u. Sohn, Isidor Mautner, das 50jährige Jubiläum eines Eintrittes in die Firma. Die Gesellschaft beschloß eine Isidor-Mautner-Stiftung für Angestellte und Arbeiter der Oesterreichischen Textilwerke A.-G. vormals Jsaac Mautner it. Sohn zu errichten und mit einem Betrage von 1 Million Kronen auszustatten. — Die „Oesterreichifche Wochenschrift" meldet: Dr. Hantke (Berlin), Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, lvar vergangene Woche in Wien, um hier mit den Führern der österreichischen Partei zu konferieren. Den Gegenstand dieser Besprechungen bildete insbesondere der bevorstehende österreichische Judenkongreß. Herr Dr. Hantke wurde während seines Wiener Aufenthaltes vom Minister des Aeußern, Grafen Czernin, empfangen. — Dieser Tage ist in Krakau der berühmte Rabbi Abraham Markus Klingberg, genannt der Zaleschitzer Rabbi, im hohem Greisenalter gestorben. Der Heimgegangene hat weit und breit eine hohe Verehrung genossen. Von den fernsten Gegenden kamen seine Anhänger und Verehrer, bei ihm sich Rat zu holen. Er war ein Mann des Friedens und großer Klugheit, der viel Wohltätigkeit geübt hat. Vor vielen Jahren wirkte er in Zaleschitz in Polen, von wo aus er nach seiner Ausweisung nach Krakau, seiner Geburtsstadt, übersiedelte. — Aus New Jork wird berichtet: Jakob Billokopf, der leitende Direktor des amerikanisch-jüdischen Unterstützungskomitees (American Jewifh Relief Commitee) teilt mit, daß die ersten zwei Wochen des Monats Dezember d. I. für eine große Aktion bestimmt seien, um in New Vork 4 Millionen Dollar behufs Ergänzung des 10 000 000 - Fonds für jüdische Kriegsnotleidende aufzubringen. Die Gesamtsumme (10 Millionen Dollar) müsse aufgebracht werden, um die von Julius Rosenwald in Chikago unter dieser Beding,uilg versprochene Million Dollar zu erhalten. Die Aktion wird Jakob H. Schiss selbst leiten, unterstützt von Felix N. Marburg, Louis Marshall und anderen hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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