Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1917)
- Date
- 1917-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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81. Jahrgang. Nr. 48 i U-ebererichtet: den 'den texander Lachsenlnde für i g ver- Koppel eon den apoleon- M. im! o w i tz le Bildatz' sind bekannt tag der ein geöarschau — Der üdischen verboten ezeichnet r-Eszlar. it Ober- % Teleptember isgesamt Zaracken, Familien haltenen zt nötig, itten zu Wasche, ehörigm Bruderl gemeine ne Verid gegen aten bees Pr.osion des irschaner worden, ifjana 'naget ferner xq von tschau er ren. Zn abbinern n s o h n nneinden l e y c r - amerikaabbonim schlossen, zu dem ne Bitten Präe Depnan düs >r „Voss. Entente-- über die ) i sche n reits zue Durch- 3 gestellt llmachten iftraße 58. rdenau. Allgemeine Kerlin, 3v. November 1917 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese .Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die post (in Berlin und Vororten durch unsere Vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 tTU — Postscheckkonto 32H. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Negierungsrats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. „Ihr seid bisher noch nicht zur Rühe gekommen!" Von Ijl.lljmi«. Rabbiner Dr. Bruno L an ge (Magdeburg). — Die Woche. — Prof. Tr. S. Blaschke. Von L G. - Stadtrat Alfons Marek. — Akademische Gleichberechtigungsarbert. Von Dr. Felix (Zoldmann. — Tarnopol. Von Elias Nacht (Berlin), zurzeit Tarnopol. — Englischer Antisemitismus unter judensreundlicher Maske. Von F. Liebermann. — Miszellen. — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Gotdschmidt. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Aachen, Köln, Frankfurt a. M., Wien, Lodz. — Von Nah und Fern. „Ihr" leid bisher noch nicht?ur Nohe gebammen!" Von Rabbiner Dr. Bruno Lange (Magdeburg). 3n diesem Worte der Bibel (5. M. 12, 9) liegt ein herrliches Ahnen und zugleich ein mildes Trösten.für. den, der sein Judentum liebt und ans seine Zukunft hofft. Die alte Zeit mit ihren Kümmernissen und stündlichen Gefahren, die dieses Wort tiefer hätte empfinden müssen als wir, liest darüber hinweg, ohne es sestzuhalten und an ihm sich zu stärken. Nehmen wir die Gedanken auf, die dieser Vers bei den Alten geweckt hat, so sehen wir, daß sie ein Jahrtausend lang fast immer dasselbe sagen, als ob sie aneine in Tische gesessen und.mit einer Hand geschrieben hätten. Sie fanden an dem, was das Leben ihnen bot, ein solch starkes Genüge, daß alles, was uns ein selbstverständliches Besitzen geworden ist, ihnen unerreichbar deuchte. Wenn unser Blick über die Oberfläche der Geschichte streift und wir das äußere Leben der Juden, das immer hart neben dem Tode schritt, im Nebel des Mittelalters liegen sehen, so muß es uns wundersam erscheinen, daß das innere Lehen, entgegen dem äußeren, dem Tode so abgewandt, so lebensvoll, io unsterblich gewesen ist. Sollte es vielleicht ein seltsames, i» der Tiefe der menschlichen Natur begründetes unerkanntes besetz sein, daß mit der Todesnähe das Wissen vom Leben wächst und die tiefen Untergründe des Seins sich auftnn, das Auge die Weltenseele näher schaut! Daß die persönlichen Farben des einzelnen, sein Mehr und Weniger gegenüber dem anderen, aus dem Bewußtsein heraustritt und des Menschen , Leben wie ein Unendliches sich, auftut! „In deinem Blute | wllst du leben," hat Ezechiel gesagt; hat das Wort wohl diesen rinn? — Wie sehr auch das Hin und Her der vergangenen I Jahrhunderte den Juden äußerlich ruhelos machte, wie sehr er auch von Ort zu Ort, von Land zu Land getrieben wurde, er hatte im Gegensatz zu uns ein Wesentliches: Klarheit im Wissen und Sicherheit im Wollen. Seine Lebensanschauung war fest geschlossen und in dem Sinne wohlgebildet, wie die I jüdischen Denker seit zwei Jahrtausenden erkannt und gelehrt I hatten. Das Ziel, dem alles zustrebte, war, das. eigene Licht 1 mit der göttlichen Weltensonne zu vereinen und sich emporzulenken zu Gott im Eifer der Tat, im Suchen der Vernunft. Das innere Erleben war eines, so fest und stark, daß es in den Weltengrund hinuntergriff, um mit ihm sich zu verbinden oder aus ihm aufgestiegen sich zu erfassen. Und da, wo Menschen ihren innersten Besitz wie ein Heiliges erleben, wo dieses Sichselbsterfassen zugleich ein Gottergreifen ist, da ist das, was man Glaube nennt, dieses mit der allmächtigen Weltkraft gegen die ganze übrige Welt Sichalleinstellen. Je mehr das Ich in das All-Jch sich hineinversenkt, um so unmittelbarer wird dieses Bewußtsein, an dem man niemanden teilhaben lassen kann. Es treibt in die Einsamkeit und schließt ab von der Allgemeinheit. So steht der Jude wie ein Einsamer, mit rätselhafter Widerstandskraft und Ertragungsfähigkeit, im Blutbade des mittelalterlichen Geschehens! Die Gemeinsamkeit war ihm ein Unnotwendiges, weil er Gott in sich« und sich in Gott erlebte. Unzählbare wutentbrannte Anstürme solcher, die ihn zum inneren Wanken bringen wollten, mußten mißlingen, im Gegenteil, das Glück der Selbstanfsindnng stieg mit der Marter und ward im qualvollen Tode reif. Nur mechanisch konnte der Jude hin und her geworfen werden, bis eine neue Zeit ein neues Erleben gebar. Bis in die letzten Gettojahre lebte auch der deutsche Jude in derselben Welt, die soeben geschildert wurde. Als aber die schweren Pforten sich anftaten und die Wogen der neuen Bildung die Jndengassen überfluteten, wurden zwar die äußeren Judenzeichen weggeschwemmt, aber zugleich mit ihnen die innere Kraft gebrochen. Viele gingen überhaupt unter und kamen nicht mehr ans Licht, viele auch wurden hinausgetrieben und irrten ab von dem Wege, der bisher so streng beachtet war. In ihrer Gesamtheit wurde die deutsche Judcnschaft eine andere. Die znrückgehaltene Kraft langer Jahrhunderte stürzte sich ans Kunst und Wissenschaften, Handel und Wandel. Zwar war die Veränderung in vielen Teilen uns selbst, mehr noch der menschlichen Gesellschaft zunutze. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß der Jude in den verflossenen 150 Jahren der Freiheit der Welt mehr gegeben hat, als er sich selbst in jahrhundertelangem Geitostnuen zu geben, vermochte. Mit einer unvergleichlichen Gewissenhaftigkeit wußte er die Vorzüge und Errungenschaften seiner Arbeit anzulegen und zu der materiellen Sicherheit zu gelangen, die einen ruhigen Lebensgang verbürgt. Die Unruhe und das Geschobenwerden ist einer ungestörten Seßhaftigkeit gewichen, zugleich aber wurde die innere Sicherheit gestört. Die Religion, die unseren Vätern heiligstes Erleben war, wurde vom Nenjuden zur Wissenschaftsreligwn herabgedrückt, der die Kräfte des überirdischen Seins nicht innewohnen. So sind wir in den Besitz einer Religion gekommen, die einem Gassenmonismus gleicht, die mit wahrer Wissenschaftlichkeit nichts anderes gemein hat wie den dünkelhaften, verschrobenen Namen. Die neue Bildung, und die Religion der vernünftigen Verkündigung, die Moral, sind nicht gleichen Schritt gegangen. Jene