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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-09 · Heft 45 (9.11.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 45 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 abgeschwächt und Opfer chronischer Krankheiten. Am schlimmsten ist folgende Neuerscheinung: Ter ausgehungerte Organismus greift zuletzt auch das Knochenfett an, welches später, selbst bei reichlicher Ernährung, nicht mehr zu ersetzen ist, und der Betreffende bleibt dann für immer ein Krüppel. Bon der Gesamtzahl der jüdischen Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren, die laut Statistik in Warschau bis 90 000 ausmacht, finden in den Kinderheimen, Talurnd-Thorns, Gemeindeschulen und sonstigen Instituten nur zirka 21 000 Kinder Unterkunft. Tie restlichen zirka 70 000 Kinder laufen in den Häusern herum, betteln überall und sind den schrecklichsten Einflüssen der Straße Preisgegeben. Tie jüdischen Mädchen, welche früher der jüdischen Sittlichkeit der ganzen Welt als Vorbild dienen konnten, siickeu infolge der Not und des Elends immer mehr in den Abgrund. Ai'tr das Linken der Sittlichkeit kann man die jüdischen Mädchen keineswegs beschuldigen. Dafür verantwortlich vor dem jüdischen Volte sind diejenigen bemittelten und reichen Juden, die sich weigern, genügende Mittel zur Verfügung zu stellen, um die elenden, armen Menschen von dem Hungertode zu retten. So steht die ganze jüdische Bevölkerung in Polen vor einem völligen physischen und geistigen Untergang. Tie deutschen Behörden tun alles, um die Lage zu bessern, aber diesem Elend gegenüber reichen ihre Kräfte nicht aus. Tie bilden alter Länder müssen ihr Äußerstes tun, um die unglücklichsteu ihrer Brüder vom gänzlichen Untergänge zu retten. Von Msh und ssern. — v'ut das Kuratorium des Berliner Rabbiner-Seminars sind neu berufen worden u. a. die Herren Rabbiner Tr. W res chne r (Samterh Herr Rektor Tr. H offmann und Herr Handelsrichter Felir S t r n cl (Berlin). Einer der bekanntesten Berliner Aerzte, Sanitätsrat Tr. David Munter, ist nach langem Leiden im Alter von 62 fahren gestorben. Tr. Munter war Vorstandsmitglied der Aerztekammer und Vorsitzender des Vereins frei gewählter Kassenärzte. Auch iu der städtischen T e p u t a t i o n f ü r A r m e n P f l e g e war er als Bürgerdeplltierter tätig. Tie Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung auf dem Friedbos in WeißeiNee. Am 81. v. M. ist 'der Oberstabsarzt. Geheimer Sanitätsrat Tr. Ludwig P t o t k e im 03. Lebennah re verschieden. Ter Heimgeaangene gehörte seit dein Iabre IM der Arm-eukomnüssion der Berliner indischen Gemeinde an i'nd rahn.- auch sonst an den Bestrebmmen des Judentums regen Anteil. - Herr Paul Mankiewicz, Direktor der Deutschen Bank, begina am 0. d. Bä seinen 60. Geburtstag. Ter Kreisrabbiner a. T. Tr. Gabi' ist durch die Vcrleihuiw de? Roten Adlerordeus vierter Klasse ausgezeichnet worden. — Ter Architekt im Baubureau der jüdischen Gemeind- P b i l i v v L e \v i n ski. ein Solm des früheren Repräsentanten Adolph Leivinski, hat das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse erhalten. Nach den großen Erfolgen seines Konzertes im Mai, veranstaltet James R o t h st e i n am 14. November im Konzertsaal der Königlichen Hochschule einen Kompositiousabend mit älteren Werken (darunter auf vielfachen Wunsch „Jüdische Gesänge" und „Orientalische Rbap s o d i e") und neuen Liedern und Tnetten für Eello. unter Mitwirkung der Damen L o l o Barn a v , Eli s a b c t h O h l h o f f imd den Herren Leo G o l l a n i n, T h e o d o r v a n d e r W y k und Feli r R o b e r t M e u d e l s s o h n. — Tr. Martin S a l o m o n s k i, Fetdrabbiuer beim Stabe eines Armee-Oberkommandos, ist imFetde von dem Führer der Heeresgruppe, dem bayerischen Kronprinzen, empfangen und zur Tafel befohlen worden. - In Königsberg i. Pr. verschied iin 67. Lebensjahre der bekannte Nervenarzt, Sanitätsrat Tr. Hugo Hoppe. Er war ein eifriger Jude und in weiten Kreisen bekannt durch seine alkoholgeancrischen Borträge uiib Schriften. Rabbiner Tr. Nenfeld in Briefen (Westvrenßen) erhielt das Berdienstkrenz sür Kriegsbilfe. Tie Stadtverordnetenversammlung zu Grandenz beschloß die Annahme einer von Frau Stadtrat Jda Kiewe der Stadt überwiesenen Spende von 10 000 Mark zur Errichtung einer „Frau Stadtrat-Kiewe-Stiftnng". - Die Witwe des jüngst verstorbenen Stadtverordneten Herrn Simon Asch in Posen hat dem Oberbürgermeister Herrn Tr. Wilms 1000 Mark für städtische Arme ohne Unterschied der Konfession überweisen lassen. - - Anfang Dezember d. I. finden in der Breslauer Synagogerrgemeinde die Repräsentantenwahlen statt. Tie Zahl der Wahlberechtigten zu den Repräserrtantenwahlen beträgt 3600 gegen 6164 bei den letzten Wahlen im Dezember 1014. Mithin beträgt der Rückgang 1506 oder ca. 30 Prozent, offenbar infolge von Einziehung zum Heere oder aus wirtschaftlichen Gründen, die mit der Kriegslage Zusammenhängen. Die zum -Heere Eingezogenen verlieren ltatf) Entscheidung des Ministers des Innern das Wahlrecht, sobald sie die Steuern nicht mehr bezahlen. — Aus Liegnih wird gemeldet: 100 000 Mark für ein Wald-Erholungsheim hat Fabrikbesitzer Richard Li eb recht (u Fa. A. Doctor), der schon oft sein warmes Herz und seine offene Hand für die leidende und bedürftige Menschheit betätigte, der Stadtgemeinde Liegnitz vermacht. Lungenkranke Krieger und bedürftige Lungenkranke aus Liegnitz Stadt und Land sollen dort Genesung finden. — Die Eheleute Ludwig Blumann und Frau in Hamburg begingen das Fest der diamantenen Hochzeit. — Durch die Einverleibung der Gemeinde Kriegshaber in die Stadt Augsburg ist auch die alte israelitische 'Kuttusgemeinde K r i e g s h a b e r von der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg übernommen worden. — Aus Wiesbaden wird geschrieben: Am 17. v. M. starb plötzlich während einer Vorstandsfitzung der Rendant und Sekretär der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Benedikt Straus, im 75. Lebensjahre. Der Entschlafene hat sich um die jüdische Gemeinde, Vereine und Wohltütigkeitsanstalten große Verdienste erworben. — Das „Israelitische Wochenblatt" in Zürich, meldet: Die freisinnige Delegiertenversammlung des Wahlkreises Jura-Nord hat in Delsberg mit 32 gegen 26 Stimmen beschlossen, statt des bisherigen Vertreters im Nationalrat, Regierungsrat Simonirr, Advokat Götschel in Delsberg zu portieren. Letzterer ist Jude. - Am 1. November waren es 25 Jahre, seitdem Rabiner Tr. Berthold Oppenheim, Vorsitzender des Mühr.-Sckrles. Rabbinerverbandes, das Rabbinat in Olmütz verwaltet. — Aus Budapest wird geschrieben: Minister Tr. Vazsonhi hat anläßlich des Todes fernes Vaters, des Pensionierten Lehrers Adolf Weißfeld, von der Kabinettskanzlei Seiner Majestät folgendes Telegranrnr erhalten: „Se. Kais, nnd Königl. Apost. Majestät haben mit Bedauern Kunde -erhalten von denr Ableben des Vaters Ew. Exzellenz und geruhen, Ew. Erzellenz anläßlich des schweren Schlages sein Beileid anszudrücken. Auf Allerhöchsten Befehl: Baron Nagy." — In einem Aufsehen erregenden Leitartikel bespricht die „Morning Post" vorn 9. Oktober die Lage irr Rußland und bricht den Stab vollends über derr Sowjet und die russische revolutionäre Demokratie. Das Blatt meint, das russische Volk werde von denr Sowjet, einer Gruppe von politischen Doktrinären mit deutschen Namen, die zumeist Deutsche oder derrtsche Inden sind, irregeleitet und die vermeintliche russische Demokratie diene nur dazu, das russische Heer zu zersetzen und die deutsche Propaganda zu fördern. Die Sowietleute 'seien von deutschen! Golde geblendet und trieben eine Politik, die in der -Weltgeschichte ihresgleichen suche. Das antisemitische englische Organ findet hierbei Gelegenheit, den russischen Juden für die Zeit nach denr Kriege oder für den Fall der Wiederherstellung einer Monarchie in Rußland mit der schlimmsten Vernichtung zu drohen, weil sie es seien, die für den Frieden nnd die versöhnlichen Prinzipien arn energischsten propagierten. - Aus Petersburg wird berichtet: Nach den Mitteilungen der Jüdischen Bildungsgesellschaft wurden im Laufe des letzter! Schuljahres fast in allen Städten, die eine größere jüdische Bevölkerung zählen, jüdische Gymnasien eröffnet. Gegenwärtig ist die Gesellschaft mit der Herstellung eines einheitlichen Programms der jüdischen Lehrgegenstände für diese Gymnasien beschäftigt. — Der „Hacherntb", die bekannte in Jerusalem erscheinende hebräische Zeitung, hat ihr Erscheinen eingestellt, da der einzige noch zur Verfügung stehende Redakteur Ben-Atara zum Heeresdienst einberufen wurde. — Tie traurigen Ereignisse in Palästina, die Evakuierung Jaffas nnd die dadurch hervorgerufene äußerst kritische Notlage der jüdischen Flüchtlinge hat die Juden aller Länder zu schneller und umfassender Hilfeleistung veranlaßt. Nun gelangt es zu unserer Kenntnis, daß auch im fernsten Osten die „Jewish Eommunal Association" in Shanghai eine Hilfsversammlung veranstaltet hat und als erstes Resultat einer noch weiter auszubauenden Hilfstätigkeit Lst. 3000 an das Londoner jüdische Hilfskomitee zur Weitersendung nach Palästina überwiesen hat. - Eine jüdische Bürgermeisterin. In Moorehaven (Florida) ist eine Jüdin, Frau Marion N. Horwrtz, zur Bürgermeisterin ernannt worden. Sie war zwar anfangs sehr gegen eine Besetzung des Amtes durch eine Frau, mußte sich aber, da sie als einzige Kandidatin ausgestellt worden und fast einstimmig gewählt nwrden war, bereit erklären, das Anrt anzunehrnen. Frau Horwitz ist der erste weibliche Bürgermeister in den Vereinigten Staaten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Ftoraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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