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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-12 · Heft 41 (12.10.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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s Ofsizierstellvertreter und erhielt für hervorragende Tapferkeit das Eiserne Kreuz erster Klasse, einige der anderen Brüder sind schon längst im Besitz des Ordens zweiter Klasse. Auch über die Todesverachtung, mit welcher die wehrpflichtigen Mitglieder unserer Gemeinde kämpfen, wäre noch manches Rühmenswerte zu berichten. Da ist es auch begreiflich, daß die Zahl der während der 38 Kriegsmonate gefallenen Kriegshelden eine beträchtliche ist. Bei der Seelenfeier am letzten Versöhnungstage betrug sie schon weit über fünfzig. er. Breslau, 5. Oktober. In der Friedhofshalle des neuen israelitischen Friedhofes in Cosel vereinigte sich gestern nachmittag eine ansehnliche Trauerversammlung, um die Aschenreste des im Felde seinen Verwundungen erlegenen Generalagenten und Stadtverordneten Alfred Krimke beizusetzen. Vom Stadtverordn e t e n k o l l e g i u m waren offiziell in Amtstracht erschienen die Herren Professor Dr. W o h l a u e r, Schals ch a, Brinke I ä k s ch, Tau b e und v. R o ch o w. Als Vertreter des M agist r a t s war Stadtrat G. Tilgner anwesend. Auf dem Sarge prangte ein großer Kranz, den die Stadtgemeinde Breslau gestiftet hatte. Eine Abteilung Feldartilleristen hielt die Ehrenwache. Rabbiner Professor Tr. G u t t m a n n hielt eine Gedächtnisrede, in derer die Vorzüge des Verblichenen pries und hervorhob, daß der so jäh aus dem Leben Geschiedene treu in seinem Berufe, treu gegen andere, treu gegen sich und treu gegen das Vaterland gewesen sei. Tie Hälfte seiner Lebensaufgabe habe er kaum gelöst, da erreichte auch ihn das Schicksal, das jetzt vielen widerführt. Nur kurze Zeit habe der Verewigte der Stadt dienen können, doch bei allen Parteien habe er es verstanden, sich rasch Anerkennung und Hochachtung zu erwerben. Wie begonnen, so schloß auch die Feier mit Gesang; die Aschenreste wurden im Heldenhain beigesetzt. er. München, 5. Oktober. Auf dem alten israelitischen Friedhose wurde der Senior der Bankfirma H. Aufhäuser, Kommerzienrat Heinrich A u sh ä u ser, zu Grabe getragen. Mit den Verwandten nahmen an der Trauerfeier teil: Bankdirektoren, Bankgeschäftsinhaber, Industrielle, Vorstandschaftsmitglieder des Münchener Handelsvereins und der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde, Offiziere, darunter Polizeimajor Schroll, der Direktor des Städtischen Vermessungsamtes, Wirkt. Rat Loetz, und andere Leidtragende. Rabbiner Prof. Tr. Werner gab in einer ehrenden Gedächtnisrede ein Lebensbild des angesehenen Bürgers und treuen Juden. Justizrat O p p e n h e i nLe r widmete an der Ruhestätte dem Verstorbenen im Namen des Israelitischen Studien- und Arbeitsbeförderungsvereins einen dankerfüllten Nachruf. Unter den Kränzen war eine Widmung vom Münchener Handelsverein und von der Münchener Börse. — Fürth, 5. Oktober. Unter großer Anteilnahme aus allen Schichten der Bevölkerung fand auf dem neuen israelitischen Friedhof die Beerdigung des den Heldentod für das Vaterland erlittenen Flieger- Leutnants d. R. Max Ho lzi nger statt. Vertreten waren das aktive und Reserve-Offizierskorps der hiesigen Garnison, das Fliegerkorps durch 3 Leutnants und eine Abordnung der Fliegerschule Fürth, die Stadt Fürth durch die Herren Bürgermeister Kaufmann, Vorstand des Gemeindekollegiums Justizrat Dorsch und Magistrat Kommerzienrat Bechmann. Den Sarg schmückten ein Propeller mit einem Flieger- Sturz-Helm und die verdienten Auszeichnungen (Eis. Kreuz u. Militür-Verdienst-Orden). Herr Rabbiner Tr. Neubürger hielt dem früheren Schüler und späteren lieben teuren Freund einen von tiefer Rührung durchdrungenen Nachruf, der die trefflichen Eigenschaften des gefallenen jungen Helden kennzeichnete. Geboren am 2. Nov. 1892 als der Sohn des Grohkaufmanns Sigmund Ho lzi nger, genoß er eine vortreffliche Erziehung und Bildung, wie sie in einem solchen Hause selbstverständlich ist. 1908 absolvierte er die Kgl. Realschule Fürth und besuchte dann 1 Jahr die Handelshochschule in Neuschatel, um sich nachher noch 2 Jahre kaufmännisch weiter auszubilden. 1912 genügte er im 3. Train-Bataillon als Einjährig-Freiwilliger seiner Militärpflicht und trat dann in London in ein angesehenes Handelshaus ein. Der dortige Aufenthalt wurde jäh unterbrochen durch den Ausbruch des Weltkrieges. Noch am letzten Tag, an dem Telegramme passieren tonnten, heimgerufen, war es dem schon immer für sein Vaterland begeisterten jungen Mann nur durch eine List möglich, England zu verlassen. Auf einem Kohlendampfer erreichte er deutschen Boden und stellte sich sofort in den Dienst zur Verteidigung des Vaterlandes. Er-diente zuerst beim Train, dann im Alpenkorps in Tirol und Serbien, auf welch letzterem Kriegsschauplatz er durch Brust- und Armschutz verwundet wurde. Kaum geheilt, eilte er wieder ins Feld und meldete sich zur Fliegertruppe, weil er glaubte, in dieser Waffe besser seinem Vaterlande dienen zu können. Nach der Ausbildung in Schleißheim erfolgte seine Zuteilung zu einer Feldfliegerstasfel und später zu der Fliegerstaffel beim Armee-Oberkommando, eine besondere Anerkennung' der Leistungen des tapferen Fliegers. Auf einem Erkundungsflug brachte ihn nicht der Feind zum Absturz, sondern ein tückischer Zufall. Der junge Offizier war bei den Kameraden beliebt und geehrt, von den Vorgesetzten geschätzt. Das Hans Holzinger hat ein schwerer Verlust getroffen, es hat den einzigen Sohn dem Vaterlande zum Opfer bringen müssen, zu den Vieleck Opfern, die es im Frieden und im Kriege schon gebracht hat. Kränze legten an der Bahre nieder die Fliegerstaffelwelcher der Gefallene angehörte, die Fliegerschule Fürth, die Veteranen- und Militärvereine von Fürth, die mit 2 Fahnen erschienen waren, der Klub Phoenix, ein Angehöriger vom Personal des Hauses und die Loge zur Wahrheit und Freundschaft. Unter den Klängen eines Trauermarsches durch die Kapelle der Ersatz-Abteilung des 21. Jnf.-Regts. -trugen 6 Flieger den toten Kameraden zur letzten Ruhestätte. Gebete des Rabbiners am Grabe und ein Trauer-Choral der Militärkapelle schlossen den Trauerakt. Bald darauf streiften Flieger über den Friedhof, auch auf diese Art des Gefallenen gedenkend. =r Köln, 5. Oktober. Dem hier erscheinenden „Israelitischen Gemeindeblatt" entnehmen wir folgenden Bericht: Anfang Oktober dieses Jahres begeht in seltener Frische die als Philanthropin weit über Kölns Grenzen hinaus bekannte Frau Dr. Plato ihren '80. Geburtstag. Im Jahre 1837 als Tochter des wegen seiner großen Gelehrsamkeit berühmten Rabbiners Dr. Hirsch geboren, genoß sie eine sorgfältige Erziehung. Besonders hatte sie das Glück, mit hervorragenden Geistesgrößen in Berührung zu kommen, die in ihrem Elternhaus verkehrten. Diese reichen und edlen Anregungen mögen auch wohl für die spätere Lebensentwicklung unserer Jubilarin von großer Bedeutung gewesen sein. Ein leuchtendes Vorbild jedoch war und blieb ihr der Vater. Im Jahre 1856 heiratete sie den Rabbiner und Seminardirektor Dr. Plato zu Köln, der ebenfalls als bedeutender Gelehrter und Mann von großer Selbstlosigkeit noch heute im Gedächtnis vieler Kölner fortlebt. Schon in jungen Jahren zeigten sich bei ihr hervorragende Charaktereigenschaften: hohes Zielbewußtsein, unerschütterliches Gottvertrauen, große Herzensgüte. Sie hielt es jedoch für ihre Nächstliegende Pflicht, sich ihrer Familie zu widmen und trat infolgedessen wenig an die Oefsentlichkeit. Nachdem sie jedoch ihre Kinder erzogen hatte, widmete sie sich voll und ganz sozialen Ausgaben. Besonders waren es die armen östlichen Juden, denen sie ihr lebhaftes Interesse zuwandte. Zu jener Zeit fand eine große Einwanderung in unserer Gemeinde statt; so fand Frau Dr. Plato ein großes Feld für ihre Tätigkeit. Ihr spezielles Augenmerk richtete sie auf die Erziehung der etwas vernachlässigten Jugend dieser Kreise. So gründete sie im Jahre 1890 einen Kindergarten, der von einer großen Anzahl dieser Kinder besucht war, deren Mütter tagsüber dem Erwerb nachgehen mußten. In schneller Folge wurde dieser Kindergarten ausgebaut. Es schlossen sich baldan: Suppenanstalt, ein Kinderhort eine Haushaltungsschule, eine Kochschule, ein Kinderashl, ein Säuglingsheim und eine Volksküche. So entstand aus kleinen An sängen das jetzt weit über Kölns Grenzen hinaus bekannte Jsra elitische Kinderheim in der Lützowstraße. Was diese Anstalt von ähnlichen Institutionen im wesentlichen unterscheidet, ist deren Viel seitigkeit in ihrer Wirksamkeit und die Tatsache, daß sie ohne nennenswertes Vermögen und einer Hypothekenschuld auf dem Haus von 200 000 Mark jährlich mehr als 100 000 Mark aufbringt, die den Aermsten der Armen zugute kommen. Seit Ausbruch des Krieges hat das Heim seine Leistungen noch vermehren können: mehr als 200 Kinder werden dort täglich versorgt. Das dies ermöglicht werden konnte, ist nur der unermüdlichen Schaffensfreudigkeit von Frau Dr. Plato zu danken. — Möge es ihr beschieden sein, noch lange Jahre in Frische und Gesundheit als Leiterin ihres Lebenswerkes segenspendend zu wirken. 22 Mainz, 5. Oktober. Am 28. v. M. ist hier ein jüdisches Soldatenheim begründet und eröffnet worden, das sich der Förderung aller hiesigen jüdischen Kreise zu erfreuen hat.

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