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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-10-12 · Heft 41 (12.10.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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81. Jahrgang. Nr. 41 Berlin, 12. Oktober 1917 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungsrats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsftellen) bezogen vierteljährlich 3 2H. — Postscheckkonto 324. Tinholt* Kriegsgefahren für das Judentum. Von Canitätsrat jßlHVniL. Dr. Scherbe! (Lissa i. P.). — Die Woche. — Ans Briefen der Rahel de Castro. Mitgeteilt von Ludwig Geifer. — Rheinisch- Westfälische Rabbinerkonferenz. — Kriegsausstellung in Wien. Pavillon „Militärseelsorge". Von Pros. Dr. H. Pollak (Wien). — Marianer können wir Juden nicht werden! Offener Brief an den Kaiserlichen Rat Joses M. Gally zu Wien. Von Felix Liebermann. — Karlsbader Reisebrief. Von Leibusch Flausenmacher. — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Beuthen O.-S., Breslau, München, Fürth, Köln, Mainz, Wien, — Von Nah und Fern. Kriegsgefahren für das Judentum. Von Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l (Lissa i. P.). egenüber all dem Unheil, das der Krieg über die Welt gebracht hat, ist man jetzt bemüht, ihn auch als den Schöpfer guter Dinge hinzustellen. Man rühmt ihm nach, daß er wie ein Gewittersturm gewirkt und mit rücksichtsloser Gewalt umgewälzt und gestürzt hätte, was die Friedenszeiten nie vermocht hätten. Die Menschheit habe er zur Einfachheit, Mäßigkeit, Genügsamkeit, Herabsetzung der Lebensbedürfnisse erzogen und Mut, Selbstaufopferung, Vaterlands- und Nächstenliebe, zubleich mit anderen Tilgenden, zur höchsten Entfaltung gebracht. Und so hebt man auch hervor, daß er für die Inden in Polen und Rußland eine neue Epoche der Freiheit, der Gleichberechtigung bedeutet, daß er ihnen Fesseln gelöst hat, die Jahrhunderte geschmiedet hatten und unzerreißbar schienen, daß er sie durch Nacht zum Licht geführt hat und ihnen die strahlende Sonne des Rechts und der Menschenwürde aufgehen ließ. In dieser Beziehung muß man freilich betonen, daß alles noch im Werden und Entstehen, in der Umbildung ist, und daß man nur wünschen kann, es möge kein Reif in der Frühlingsnacht die schönen Hosfnungsblüten vernichten. Vernichtet hat der Krieg ohnehin schon anderes genug in der Judenheit, was unersetzlich ist, und die Antisemiten werden wohl kaum mehr in die Lage kommen, von der internationalen Solidarität der Juden zu sprechen und die Macht der „Alliance israelite universelle" zu beschwören — die beide nie bestanden haben, obwohl sie in den Schriften Eduard v. Hartmanns und anderer „objektiver" Beurteiler der Judenfrage eine so große Rolle spielen. Die Orthodoxen klagen über ein Sinken der Frömmigkeit infolge des Krieges und suchen der drohenden Gefahr entgegenzuwirken, und ob der religiöse Sinn durch ihn mehr zuals abgenommen hat, darüber sind die Meinungen sehr geteilt. Zngenommen hat jedenfalls etwas anderes, das verhängnisvoll für das Judentum ist, und das sind die M i s ch - ehen. / Daß der Krieg selbst dazu beigetragen hat, ihre Zahl erheblich zu steigern, kann keinem Zweifel unterliegen. Das jf. hat der Krieg zunächst in rein mechanischer Weise bewirkt. Er hat die Volksstämine und Konfessionen durcheinander gewürfelt, nicht allein draußen im Schützengraben, sondern auch drinnen in der Heimat. Er hat die Rheinländer und Süddeutschen nach dem Osten gebracht (und mit ihnen das schöne Wörtchen „nicht?") und die Ostpreußen, Litauer und Polen nach Elsaß-Lothringen und der Pfalz, er hat jüdische Mädchen mit evangelischen und katholischen Männern und umgekehrt Juden mit Christinnen in den Garnisonen, Lazaretten, Verpflegungsstätten usw. näher als in Friedenszeiten zusammengeführt, und so ist er — Julius Stettenheim würde gesagt haben: „Verzeihen Sie das harte Wort!" — zum „Heiratsvermittler" geworden. Er hat das Zustandekommen von Mischehen in außerordentlicher Weise begünstigt und gefördert. Die Mischehen aber bilden eine furchtbare Gefahr für das Judentum. Wer sich darüber genauer unterrichten will, der lese das Buch „Der Untergang der deutschen Juden" von Dr. Felix A. Th ei lh ab er. Dieser gründliche ärztliche Statistiker schiebt die Schuld an dem von ihm behaupteten drohenden Untergang der deutschen Juden zu einem großen Teile den Mischehen zu. Fast alle Kinder, die in den Mischehen geboren werden, gehen dem Judentum verloren, und wenn die deutschen Juden, die in ihrer Zabl durch den Krieg ohnehin so mitgenommen worden find, durch die sich häufenden Mischehen noch weitere Verluste erleiden, so ist es klar, >)aß hierin eine nicht zu unterschätzende Gefahr liegt. Es handelt sich um ein einfaches Rechenexempel, wie jetzt in so vielen anderen Dingen. Wenn der Krieg so viele Opfer unter der kräftigen Männerwelt, der Jugendblüte der deutschen Judenheit, verlangt, wenn die Geburtenzahl sich vermindert und auf Jahrzehnte hinaus naturgemäß weiter sinken wird, wenn durch Mischehen und Taufen eine weitere Abnahme erfolgt, dann ist die Rechnung nicht schwer zu lösen und das Ergebnis leicht zu ziehen. Wie kann etwas für die DaiM kraftvoll bestehen, wenn andauernd mehr sortgenommen wird als hinzukommt? Es kommt dann, wie es kommen m u ß! Dr. Pasmamk sagt: „Wo sind wir jetzt? Vor unseren Augen vollzieht sich ein Abbröckelungsprozeß. Taufen, Mischehen, Atrophiezustände speziell auf dem religiösen Gebiete — all das macht die Assimilation handgreiflicher." Seitdem die Zivilehe jedem, der nur will, die volle Möglichkeit bietet, zu heiraten, wen er wünscht, wird diese Freiheit weidlich ausgenutzt. Die Zahl der Mischehen ist heute schon so groß, daß wir sagen können, die Juden vermischen sich immer mehr mit der übrigen Bevölkerung. Was die Ursachen und Folgen der Mschehen betrifft, so ist folgender Hinweis von , Dr. Theilhaber sehr bezeichnend: „Reiche Juden verheiraten sich mit unbemittelten, aber angesehenen Christen, und zwar.

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