Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1917)
- Date
- 1917-09-14
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Von MH und jfmt — Ten 3 i>(( ba t«e n j üdi sche n Gl anb e n s wind, wie von uns bereits mitgeteilt, solveit es die dienstlichen Verhältnisse gestatren, die Teilnahme an den arn Neujahrsfest und Versöhnuugsfest am 16.. 17.. 18., 25. und 26. d. M. ftnttfntbcirbcir jüdischen Gottesdiensten ermöglicht, ebenso den in den Lazaretten befilidlichen jüdischen Verwund et eil llnd Kranken, solveit es deren Gesundheitszustand erlaubt. -- Ter Staatssekretär des Reichsmarineamtes hat an die in Betracht kommenden Dienststellen der Marine unter Nr. A. I. b 10032 eine Verfügung erlassen, durch welche in gleichem Sinne wie durch den bereits veröffentlichten kriegsministeriellen Erlas; auch für die jüdischen M a r i ne Mannschaften die Begehung der .Herbstfeiertage, durch Urlaub, Tienstbefreiung und Gottesdienst geregelt wird. .-■■ Ter Direktor Franz Ben dir wurde bei dem Landgericht I in Berlin zum Handelsrichter ernannt; ferner wurden zu Handelsrichtern wiedereruannt: der Fabrikant Ludlvig 2 acobh und der Kaufmann Berthold K i r st e i n in Berlin, der Fabrikbesitzer Tr. Franz F ü r st e u h e i in in Eharlotteuburg, der Fabrikant Paul Lamm und der Kaufmann Berthold Tietz in Berlin-Wilmersdorf, sämtlich bei dem Landgericht I in Berlin. Zum stellvertretenden Handelsrichter lvurde Herr Eduard Growatd in Eharlotteuburg bei dem Landgericht I in Berlin ernannt. — Ter Pizefeldwebel Paul M unk, Sohn des Herrn Hermann Munk in Berlin, ist zum Leutnant der Reserve in einer Maschineneeloehr-Scharffchühenabteilling befördert loorden. — In Prenzlau verschied in seinem süufzicsten Lebensjahre der Borsitzeiide des Reprüsentnntenkollegiums, der Kaufmann Hugo L e v h. — Aus Bromberg wird uns geschrieben: Bei der Jahrhundertfeier des hiesigen Gymnasiums hielt u. a. auch Herr Rabbiner Tr. W a l t e r. eine Ansprache. Bankier Szawatolski stiftete 800 Mark zur Ausschmückung der Aula des Gv.mnasiums. — Nach längerem Leiden verschied in Bromberg der Kaufmann Magnus Jacob lohn im Alter von 75 Jahren. Der Tahingeschiedene stand allenthalben in großer Achtung, wovon die rege Beteiligung bei der Beerdigungsfeier den Beweis lieferte. — Ter langjährige Dozent des Breslauer jüdisch-theologischen Seminars. Professor Tr. Israel Lewh, ein hervorragender Talmudsorscher, dein zahlreiche Rabbiner aller Weltteile ihre Ausbildung verdanken, ist am 8. d. M. im Alter von 76 Jahren verschieden. — Dem Rabbiner Professor Tr. Nathan Porges, der nach 24 jähriger Wirksamkeit in der Leipziger Gemeinde am 1. d. M. in den Ruhestand getreten ist, wurde aus diesem Anlaß von Sr. Majestät dem König das Ritterkreuz erster Klasse des Albrechtsordens verliehen. — Ter in allen Fachkreisen ri/hmlichst bekannte Theateragent Kommissionsrat Eugen Frankiurter in Nürnberg kann am 1. Oktober d. I. auf eine 25jährige Berufstätigkeit zurückblicken. Herrn Frankfurter, der zu den nützlichsten und beliebtesten Theatern gen ten Teutschlands gehört, soll ' aus diesem Anlaß durch eine Festvorstellung im Nürnberger Stadttheater eine ganz ungolvöhnliche Ehrung zuteil werden. Tie Bühnenkünstler wollen auf diese Art den; von ihnen hochgeschätzten Main; ihre Verehrung nusdrücken. ----- Aus Heldenbergen wird geschrieben: Auf eine ununterbrochene 60jährige Amtstätigkeit kann unser hiesiger Lehrer, der allverehrte Herr Leopold Werth ei wer, zurückblicken. In unserer Gemeinde wirkt Herr Mertheimer seit 54 Jahren, drei Generationen von Schülern hat er unterrichtet und betreut. Herr Lehrer Wertheimer, der schon 82 Jahre zählt, versieht sein Amt auch heute noch in seltener Frische, weil er in dieser schweren Zeit feinen Posten nicht verlassen will. - Tie Gemeinde Bornheim ist durch einen schweren Schicksalsschlag getroffen worden: ihr Kantor und Religionslehrer Herr Isaak Neumann, der als Musketier in einem Infanterieregiment seit etwa einem Jahre im Felde stand, ist den Heldentod gestorben. Herr Neumann hat über vier Jahre in dieser Gemeinde in treuester Pflichterfüllung sein Amt bekleidet. Durch seine hervorragenden Charaktereigenschllften hat er sich die Berehrllng der Gellwinde und die Achtung der andersgläubigen Mitbürger erworben. Tie Trauer um den Verlust dieses seltenen Mannes ist deshalb nllgeuleiu. — Aus dem Haag wird uns geschrieben: Die Spendeneinnahmen des Jüdischen Nationalfonds ergaben im August den Betrag von 2 2 2,323 Mar k. Der Anteil der einzelnen Landessammelstellen ist folgender: Rußland 139 100 Mark, Oesterreich 51094 Mark lbesetztes Gebiet 9246 Mark), Deutschland 11 606 Mark (besetztes Gebiet 2748 Mark), Nordamerika 6572 Mark, Südafrika 4358 Mark, Ostasien 3468 Mark. Argentinien 2259 Mark, England 1872 Mark, Griechenland 449 Mark, Südslalvische Länder 433 Mark, Schweden 392 Mark, Holland 326 Mark, Bulgarien 150 Mark, Belgien 96 Mark. Dänemark 71 Mark, Frankreich 57 Mark. Aegypten 20 Mark. Die Spendeneinmchmen des Jüdischen Nationalfonds vom 1. Januar bis 31. August 1917 betragen 1 05530 5 Mark. — Aus Krakau wird berichtet: K. u. k. Hofrat Josef Sare erhielt anläßlich seiner vom Kaiser bewilligten Versetzung in den dauernden Ruhestand das Komturkreuz des Franz-Josefs.-Ordeus. Hofrat Sare ist bekanutlich -langjähriger Vizepräsident der Stadt Krakau und Landtagsabgeordneter. Er gehört zu den hervorragendsten jüdischen Persöulichkeiten Galiziens. In letzter Zeit ist Hofrat Sare Präsident des Zentralkomitees für jüdische Kriegswaisen fürsorge in Galizien. --- Ans eine.. Anfrage des k. u. k. Generatgollveruements in Lublill, wie sich der Staatsrat die Ausgestaltung des Schulwesens für die indische Bevölkerung denke, wurden in der letzten Sitzung folgende Beschlüsse augenolnmen: 1. Für jüdische Kinder werden, wenn eine genügende Anzahl von Allträgen seitens der Ettern aestellt wird, besondere Klassell in11 Einhaltung der Sabbat feier eröffnet. Ter Sonntag soll für den Religionsunterricht bestiulmt sein. 2. Eheder, Talmudthora und andere konfessionelle Schuten werden als Privatschulen angesehen, wenn obligatorischer Unterricht in Polnisch und d" polnische Unterrichtssprache in Elementar fächern eingeführt und wenn diese Schulen der. allgemeinen Schulaufsicht unterstellt werden. 3. Die Abteilung für Kultus und Unterricht beim provisorischen Staatsrat hat demnächst Maßnahnlen mix Ausbildung von indischell Religionslehrern zu tref-fen. - Znm 30jährigen RegieruugsjnbilLum des Königs Ferdinand fand am 15. Auoust in bei* Synagoge der deutsck>israelitischen .Kliltusgelneinde in Sofia ein feierlicher Gottesdienst statt. Gememderabbiner Tr. Z. Rabiner hielt die Festprediat. welche ans die Anwesenden, einen tiefen Eindruck maebte. - - Italienischen Blättern wird aus Saloniki mitgekeilt, daß infolge des großen Brandes nahezu 40 000 Juden obdachlos geblieben fiitb und viele unter ihnen ihre ganze Habe verloren haben. — Etwa 67 Organisationen waren in einem Meeting vertreten, welches vorigen Monat in London abgehalten wurde, um gegen die Deportation- und die Zwangseinreihllng vrotestieren. Es wurde eine Resolution angenommen, derzufolae die russischen Juden für den Fall, daß nun; sie zwingen sollte, für das Land Militärdienste zu leisten, dessen Büroer sie nicht sind, sich veranlaßt sehen würden, den; Beispiel der Opponenten aus GlNnsseusgrünÜW (eon^eiontion8 objectors) zu folgen. Tie Redner snateir. daß das einzige, was sie wünschten, Erleichterungen wären für sie und ihre Familien, um nach Rußland zurücknlkehreu. — Wie das in Warschau erscheinende „Jüdische Wort" nntteilt, wird für die neuen Polnischen Gerichte dne große Zahl Schössen und Beisitzer gebraucht. Auch einige jüdische Bor ei ne sind zum Vorschlag geeigneter Personen aufgefordert loorden. Es ist bestimmt anzunehmen, daß eine Anzahl Juden ans dem Verein der Hauswirte, dem Kaufmannsberem und den; Handwerkerverein zu Sillöffen bestiunnt werden loird — Tie türkisch-offiziöse Agentur Milli ist ermächtigt, der aus London verbreiteten Nachricht über ein der spanischen Regierung von der Hohen Pforte angeblich gegebenes Versprechen förmlich eutaegenzutreten, nach der den indischen Eva liierten von Jaffa die Erlaubnis zur Rückkehr in ihre Heimstätten erteilt werden solle. Die spanische Regierung hat in Anerkennung der Vollgültigkeit der strategischen Gründe, die diese Räumung nötig gemacht haben, niemals einen Schritt in diesem Sinne bei der Hohen Pforte getan, mithin fehlte der Hohen Pforte selbst jeder Anlaß, mw derartige Zusage zu machen. — Aus New Pork wird geschrieben: Tie Verhaftung und Internierung des bekannten jüdischen Bankiers Rudolf H echt, Vizepräsident der Firma Ehandler u. Co. in New Pork, hat in den Kreisen der amerikanischen Juden großes Aufsehen und bedeutende Mißstimmung hervorgerufen-. Er wurde am 11. Juli durch Polizisten auf seinem Kontor verhaftet und ins Gefängnis geführt, von wo man ihn dann in ein Jnterniertenlager auf Etiseiland verbracht. Weder die Pol; zdbehö öden noch der Staatsattorneh gaben dein Verhafteten oder seiner Firma eine Erklärung für diesen Schritt. 3iudotf Hecht gehörte schon vor dem Kriege der Firma Ehandlor u. Co», an und ist in New Borker Bankkreisen sehr gut bekamrt. Obwohl deutscher Abstammung, hatte er doch schon im Jahre 1913 das amerikanische Bürgerrecht erworben. Trotz des Protestes seinen Freunde und dos berühmten Bankhauses verweigern bie Behörden jede Auskunft. Glegen Hecht ist keinerlei Klage angestrengt worden. Veranlwortliwer RedaNeur: Aloert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Dcrantwortlich für den Anzeigenteil: Max Jnnqe Berlin-Friedenau, Druck und Verlag von Rudolf Mosse.