Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1917)
- Date
- 1917-09-07
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Von Ksh und Fern. Die F r i e d h o f § f o m m t f f i o n der I üdische n G e - m eind e hat von Frau Johanna L o e w e n t h a l, der Witwe des verstorbenen Gemeindeältesten Willibald Loewenthal, der der Friedhvfsverwaltung der Gemeinde fast ein Bierteljahrhundert, zuletzt als Vorsitzender, angehörte, ein Porträt Loelventhals zum Geschenk erhalten. Das Gemälde ziert den Sitzungssaal der Friedhofskommission. Die feierliche Uebergabe des Geschenks erfolgte in der letzten Sitzung der Beerdigungsverwaltung durch den jetzigen Vorsitzenden. Herrn Hugo B ln n t e n b u r g. - An den beiden Mittelschule ir der Jüdischen Gemeinde, der Knabenschule in; der Großen Hamburger Straße und der Mädchenschule in der Kaiserstraße, sollen im Winitechailbjahr -den Mo,ächlichen Kindern Frühstückssuppen verabreicht lverden, wenn der Magistrat genügende Mengen von Nährmitteln bereitstellt. Aehnliche Einrichtungen bestehen bereits bei einer ganzen Neihe von Schulen. - Mit Zustimmung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde finden von jetzt ab an jedem Mittwochabend im Anschluß an das Abendgebet in der Alten Synagoge, Heidereutergasfe, Lehrvorträge statt, welche abwechselnd von den Herren Rabbinern Tr. P e t u ch 0 w s k i und Tr. Loewenthal gehalten werden. - Ten 70. Geburtstag beging Herr Dr. Oskar L i p s ch i tz , der Rabbiner des Synagogenvereins Lippmann Tauß. Der Jubilar entstammt einer alten berühmten Rabbinerfamilie. Seit mehr als 30 Jahren bekleidet der Jubilar das Rabbinat der Lippmann- Tauß-Gemeinde. An seinem Ehrentage sind ihm zahlreiche Glückwünsche und Ehrungen von jüdischen Körperschaften zuteil geworden. Der Vorstand der Lippmann-Tauh-Gemeinde hat mit einer kunstvoll ausgeführten Adresse eine Ehrengabe überreicht; unter den zahlreichen Gratulanten befand sich auch der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Tie Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhielt Schwester Klara L e v y, Tochter des Rendanten der Synagogengemeinde Danzig, Herrn Adolf Levy. - Aus Posen wird uns geschrieben: Der ordentliche Honorarprofessor für Münzkunde an der Universität Jena, Direktor des Münzkabinetts des Herzoglichen Hauses in Gotha, Professor Tr. Behrendt Pick, ist zum Geheimen Hofrat ernannt worden. Pick ist geborener Posener und Abiturient des Königlichen Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Hierselbst. Zunächst Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek in Berlin, habilitierte er sich als Privatdozent für römische Altertumsgeschichte und Numismatik an der Universität Zürich, wurde außerordentlicher Professor für geschichtliche Hilfswissenschaft und schließlich 1893 an das Herzogliche Münzkabinett in Gotha und gleichzeitig als Honorarprofessor nach Jena berufen. — Das Berdienstkreuz für Kriegshilfe erhielten: der praktische Arzt Tr. Wolfs in Gnesen, Fabrikbesitzer Kommissionsrat Eugen Simon in Jastrow und Hauptlehrer Lew in in Schneidemühl. — Herr Geheimrat Dr. Rüben so hu in Grätz beging in vergangener Woche sein fünfzigjähriges T o k t o r j u b i - I n it m im engsten Kreise. Tie Universität Berlin hatte ihm aus diesem Anlaß das Diplom erneuert. Tie Stadt und Umgegend ließen es sich nicht nehmen, dem beliebten Arzt die gebührende 'Achtung zu erweisen. Fabrikbesitzer Wilhelm Engel (Breslau), bisher Vizefeldwebel im Infanterieregiment 156, ist zum Leutnant dieses Regiments befördert worden. Der Beförderte ist auch seit August 1916 Besitzer des Eisernen Kreuzes II. Klasse. Aus Breslau wird geschrieben: Mit Professor Tr. Emil T o e p l i tz , der am 22. v. M. verschieden ist, ist einer der letzten großen Lehrer hingegangen, deren Namen an die Gründungszeit des Johannes- Gymnasiums erinnern, dem fast 40 Jahre lang seine Lebensarbeit gehörte. „Tie Anstalt hat an ihm einen hervorragenden Lehrer verloren, der in seiner Wissenschaft einen geachteten Platz einnahm, seine Schüler durch seine vorbildliche Klarheit förderte und ihre Herzen durch sein warmes Interesse und seine nie ermüdende, auch während seiner Leidenszeit nie erschütterte Pflichttreue gewann." Doeplitz stammte aus Lissa, wo sein Vater am Königlichen Gymnasium als Oberlehrer für Mathematik lehrte. Die Mathematik blieb in der,Familie heimisch, sie vererbte sich von einem Geschlecht auf das folgende. Jetzt bekleidet der Enkel den Lehrstuhl dieser Wissenschaft als außerordentlicher Professor an der Kieler Universität. Ter Verstorbene war noch besonders bekannt als Mitherausgeber des Kunzeschen Kalenders für das höhere Schulwesen in Preußen. —- Der Hamburger Senat verlieh den Titel eines Professors den Herren Dr. Phil, et med. H. C. Plaut, Dr. A. Alsberg und Dr. S. K o r a ch. — Dem Leiter des Bankhauses E. Calmann in Cuxhaven, Herrn Arthur Gotthelf, ist das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden. —- Dem Armeerabbiner Herrn Dr. Rosenak aus Bremen wurde der Eiserne Halbmond verliehen. — Der Prediger der Synagogengemeinde Herford, Herr Siegmund Gold mann, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen bekommen. — Der Professor für organische Chemie und organisch-chemische Technologie an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, Dr. Paul Friedländer, vollendete am 28. August das 60. Lebensjahr. -- Dem Lehrer Hirsch Sulzbacher in Groß- Bieberau, der feit dem Ausbruche des Krieges den Unterricht an einer Klasse der dortigen Volksschule erteilt, wurde vom Großherzog das Kriegsehrenzeichen verliehen. — Aus Hagenau (Elsaß) wird berichtet: Im Alter von 72 Jahren verstarb hier Herr Joseph Levy, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert als Präsident an der Spitze der hiesigen Kultusgemeinde stand. Herr Levy hat sich in dieser Zeit um alle Institutionen unserer Gemeinde hoch verdient gemacht. — Am 29. v. M. beging der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgem-einde Doktor Alfred Stern bei vollster körperlicher und geistiger Fische seinen 86. Geburtstag in Baden bei Wien. — Aus Budapest wird gemeldet: Unter den 24 neuen Rittern des österreichischen Maria-Theresien-Ordens befindet sich auch ein Jude, und zwar der Hauptmann Geza Heim des Infanterieregiments Nr. 64. Heim ist in Szegedin geboren und der erste Jude, der den Maria-Theresien-Orden erhalten hat. Mit der Verleihung des Maria-Theresien-Ordens ist neben einem nicht unbeträchtlichen Ehrensold auch die Erhebung in den Adelsstand verbunden. Eine hebräische Uebersetzung von Sienkiewicz „Quo vadis?" ist in Krakau erschienen. Die Uebertragung hat ein junger jüdischer Gelehrter Jacob Avigdor besorgt. — Wie Depeschen aus Saloniki melden, ist die halbe Stadt abgebrannt. Wenn man weiß, daß dort 70 bis 80 000 jüdiscke Seelen (die Hälfte der Gesamtbevölkerung) wohnen, dann begreift man, welch Elend wohl wieder durch diesen Brand über die dortigen Juden gekommen ist, von denen sicherlich viele Hab, Gut und Obdach verloren haben. So häuft sich allerorten Unglück auf Unglück durch diesen Krieg, und wann wird es enden? Die 30 000 russischen Juden, die die englische Regierung in die englische Armee zwingen will, haben in einer Konferenz beschlossen, lieber mit ihren Familien nach Rußland zurückzukehren und, falls die englische Negierung darauf beharrt, ihnen die Gelegenheit dazu zu verweigern, dem englischen Dienstzwang mit passivem Widerstand zu begegnen. Sie haben gleichzeitig telegraphisch an die russische Negierung appelliert. Inzwischen versucht die Northcliffe-Presse, die Ostendbevölkerung zu einem ähnlichen Pogrom aufzuhetzen, wie er nach dem ersten diesjährigen Luftangriff in London stattfand. (Siehe auch in dieser Nummer „Die Woche". Die Red.) — Wie die Pariser Ausgabe des „New York Herald" aus Petersburg zu melden weiß, wird zur Hebung der jüdischen Not in Rußland geplant, amerikanische Bankiers um Uebernahme einer Anleihe von 12 M illionen Rubel anzugehen. — Unter den ru mänisch-jüdi scheu Heimlosen im Gouvernement Beßarabien ist eine Epidemie ausgebrochen. Eine Meldung, die das „Zentral-Hilfskomitee" in Petersburg erhielt, berichtet über das Umsichgreifen des Typhus und anderer Hungerkrankheiten, denen täglich viele Heimlose zum Opfer fallen. Schnelle Sanitätshilfe tut not, um Abhilfe der erschreckenden Zustände 51t schaffen. — Aus Warschau wird gemeldet: Nach langwierigen Verhandlungen hat der Magistrat den Entschluß gefaßt, vom 1. September an die jüdischen Arbeiterküchen in seine Regie zu übernehmen. Dasselbe gilt auch für das städtische Arbeiterheim und den Bildungsverein. Für all diese Institutionen werden vom -Magistrat die gleichen Summen ausgeworfen, wie sie bisher die Jüdische Gemeinde bewilligen mußte, was eine wesentliche Entlastung der letzteren bedeutet. - Nach vorläufigen Nachrichten über die Wahlen zum Jüdischen Kongreß in Amerika haben mehr als 400 000 Wähler ihre Stimme abgegeben. An den Wahlen beteiligten sich in großer Zahl auch Frauen. Verantwortlicher Redakteur: Alvert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwvrtlich für den Anzeigenteil: Max Junge Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.