Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-31 · Heft 35 (31.8.1917) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229321--73378-3285856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ter reich beschenkte Jubilar dankte jedem Redner besonders und versprach auch in Zukunft seine Kraft in den Dienst des Gemeinwohls All stellen. Telegramme und herzlich gehaltene Glückwunschschreiben waren aus allen Teilen Deutschlands eingetrofsen, darunter auch von den zahlreichen jüdischen Verbänden, mit denen der Jubilar in Verbindung steht. W. Posen, 24. August. Die Deuts ch e G esellschast s ü x K a u f m a n n s - (§ r h o l u n g s h e i m e hat das bisherige Sanatorium Ludwigshöhe bei Moschin käuflich erworben. Dasselbe wird nach Kriegsbeendigung gründlich renoviert und den Mitgliedern und den Angestellten der Mitglieder der Gesellschaft gleich den übrigen Heimen zur Verfügung gestellt werden. Für dieses Heim sind u. a. bereits folgende Zuwendungen eingegangen: Handelskammer für den Regierungsbezirk Posen 13 000 M., Chemische Fabrik Milch A.-G., Posen, weitere 10 000 M., Ostbank für Handel und Gewerbe (Saul), Posen, weitere 7000'M., Kommerzienrat Hamb u r g e r , Posen, 5000 M., Hartwig K a n t o r o w i e z A.-G., Posen, weitere 5000 M., Gebrüder Lesser, Posen, weitere 5000 Ai., Hermannmühle A.-G., Posen, weitere 3000 M., Leo B er lat, in Firma Berlak, Posen, 2000 M., Geheimer Kommerzienrat Razarh Kantorowiez in Posen weitere 1000 M. or. Leipzig, 24. August. Rabbiner Professor Tr. Nathan P o r g e s, der nahezu ein Alenschenalter an unserer Gemeinde wirkte, tritt nun in den Ruhestand. Am Sabbat, den 1. September, wird sich Professor Tr. Porres von seiner Gemeinde verabschieden. Sein großes Wissen und sein warmherziger religiöser Sinn machten ihn zum wirtlichen Führer seiner Gemeinde, in der ihm Liebe und Verehrung von alt und jung entgegengebracht werden. Auch an äußeren Ehren hat es Herrn Rabbiner Dr. Porges nicht gefehlt, den der König im Jahre 1913 bei seinem 2 5jährigen Dienstjubilünm mit dem Professortitel auszeichnete. Vor einigen Monaten wurden ferne Bestrebungen um die Kriegshilse durch die Verleihung des Kriegsverdienstkreuzes anerkannt. Professor Dr. Porges hat die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Studien in verschiedenen Büchern und Zeitschriften niedergelegt. Er gehört zu den ständigen Mitarbeitern der „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums", der „Revue des Etndes Juives", der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" und anderer mehr. An eigenen Werken hat er eine Arbeit über die V e r b a l st a m m .Gilbung in beit s e m itische n Sprachen (1375) und B i b e l k u n d e - B i b e l f u n d e (1903) veröffentlicht', außerdem hat er 1915 di-e von Friedmann begonnene Herausgabe des AI i d r a sch S i f r a d e b e R a h besorgt. Gr gilt als großer Bibliograph; sein seines Verständnis für Bibliophilie wird in sachtuudigeu Kreisen sehr geschätzt. - Professor Tr. Porges ist am 21. Tezember 1348 zu Proßnitz in. Mähren geboren. Er studierte an der Breslauer Universität und an dem dortigen Jüdisch-The alogischen. Seminar, an dem er 1869 die Nabbinerwürde erlangte. 1875 übernahm er das Räbbinat in Rakel, 1879 wurde er nach Al a u n - h ei in 'berufen, 1880 nach P ilsen. 1882 ging Tr. Porges als Rabbiner nach Karlsbad, wo er bis zu seiner 1888 erfolgten Berufung nach Leipzig oerblieb. Bor einigen Jahren besuchte er gemeinsam mit dein Generalsekretär der „Alliance Israel ike" die palästinensischen Schulen der Allianoe, um die dort vorhandenen Ali'ßstände zu beseitigen. Möge dem unermüdlichen Arbeiter noch ein langer ungetrübter Lebensabend beschioden sein. Sein Wort und seine Taten werden in unserer Gemeinde segensreich fortwirken. 6f. Fürth, 24. August. T i e h i e s i g e I s r a e l i t i s ch e R ea lsch u l e ivurde vor einem, halben Jahrhundert als Jsraelitische Bii,rgerschn'le begründet. Sie hat den Zweck., ihre Schüler auf jüvifchreligivser Grundlage zusittlicher Tüchtigkeit zu,, erziehen und ihnen eine höhere allgemeine Bildung in vaterläudifchem Geiste zu gewähren. Im. Schuljahre 1916/17 wurde die Anstalt von 163 Schülern besucht, von denen 52 auf die mit der Realschu'l.e verbundene Vorschule eutsall.en. Auch im dritten Kriegsjahre nahm» die Schule .an den Kriegsereianissen und den daheim für den Krieg zu erfüllenden Aufgaben lebhaften Anteil. Zur fünften Kriegsanleihe zeichneten die Schüler 7500 Mark, zur sechsten Anleihe etwa 16 500 Mark. Eine Anzahl Schüler meldete sich zum vaterländischen Hilfsdienst und ivurde von den znstärldigen militärischen Stellen der Beschäftigung in landwirtschaftlichen Betrieben zu gewiesen; zwölf Schüler fanden unter Mitwirkung des hiesigen Indischen Frauenvereins Unterkunft bei jüdischen Familien auf dem Lande, wo sie für diese Zeit den Volksschulen der dortigen Landgemcinden überwiesen wurden. Tie patriotischen Gedenktage und Siegesfeiern wurden in üblicher Form abgehalten. Mit den ehemaligen Schülern, die im Felde stehen, wurden nach Möglichkeit die Verbindungen anfrechterhalten. Einer Anzahl von ihnen wurden Auszeichnungen und Beförderungen zuteil. Seit Juli 1916 sind zehn ehemalige Schüler der Anstalt gefallen, nenn wurden mit dom Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet, Mei andere wurden zu Offizieren der Reserve befördert. 22 Frankfurt a. M., 24. August. Das Bureau der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums e. V." veröffentlicht folgende Mitteilung: Tie Verpflegung der an der Front und an Orten ohne rituelle Speiseeinrichtung befindlichen jüdischen Heeresangehörigen durch unsere „Konservenabteitnug" hat in der letzten Zeit .eine angenehm empfundene Bereicherung erfahren. Es stehen zur Herstellung von Suppen I e n nil - W ü r s e l zur Verfügung, und es ist neuerdings dank den Bemühungen der „Kriegs- .kvmmission für rituelle Lebensmittel" und dem Entgegenkommen des Kriegsministeriums genehmigt worden, daß auch rituelles P f I n n zens.c t t (Tomor) entsprechend den für die allgemeine Fettversorgung des Heeres geltenden Vorschriften zum Versand gelangt. Danach können bezogen werden: 55 bzw. 65 Gramm als Tagesration, je nachdem, ob sich der betreffende Mann bei einer mobilen Formation im Westen oder im Osten befindet, 60 Gramm w öd) ent - l i ch, wenn die Leute einem immobilen Truppenteile oder dem Aerzte-, Pflege- oder sonstigen Personal eines Reservelazaretts oder Genesungsheims im Jnlnnde an ge hören und etwa 180 Gramm wöchentlich-, ivenn sie als Kranke oder Verwundete in einem Lazarett des Inlandes beköstigt werden. Rachd-cm die Fleischrate für die bürgerliche Bevölkerung ans 250 Gramm wöchentlich wieder herabgesetzt worden ist, dürfen auch Heeresangehörige bei i m m o - Ml eit Truppenteilen bei ihrem Konservenbezilge nicht mehr Fleisch empfangen, als dieser Hüchstmenge entspricht. Als Ersatz dafür werden neben den gemischten Fleisch- und Gemüsekonserven reine Cemüfekonserven (Rudeln, Graupen und Grieß) hergestellt. Alles Nähere besagen die Drucksachen der „Konservenabkeilnng". Grsterrrich-Angarn. z. Wien, 24. August. T i e größte Sv n a g o g e u u s c r e r G e m einde , der Tempel in der Leopoldstadt, Tempelgasse 2, ist durch einen Brand, der am 17. d. Al. nach einem Festgottesdienst am Geburtstage nnsers Kaisers ansgebrochen ist, schwer beschädigt worden. Bald nach Schluß des Gottesdienstes wurde das Feuer bemerkt, das die linke Seite des Gotteshauses ganz vernichtet hat. Auf dem Brandplatze erschienen vom Kultnsvorstande kaiserlicher Rat Sigmund K anders. Gemeindernt Tr. S ch io a r z - H i l l e r und Landesschulrat Tr. Spitzer, Sekretär Emil Engel blieb vom Ansbruche des Brandes, bis die Feuerwehr abzog, am Brandorte und traf die entsprechenden Anordnungen. Tie Kunde von dem Brande des Leopoldstädter Tempels hat auch an den einzelnen amtlichen. Stellen tiefen Eindruck gemacht. Es erschienen persönlich ans dem Brandplatze Stadthalter v. B ley leben, Stadtkomiiiaw dant Generalmajor v. M o s i i g , Bürgermeister Tr. W e i s - k i r ch n e r , Polizeipräsident G a h e r , Stadtbandirektor Heinrich Golde in n n d , Bezirksvorsteher Tr. Blaset, der Leiter des Polizeikomissariates Leopoldstadt Tr. v. B r a n d h n b e r , Alagislratsrat F o r m a net, die Bezirksrate Eduard' H v f f m a n u , Alexander P o! l a t, Wilhelm Z i s a r s k h n. m. a. Sämtliehe Herren sprachen gegenüber dem Sekretär Emil Engel ihr Beileid über das Brandunglück aus. Der Minister für Kult.us und Unterricht gab schriftlich seiner Teilnahme an dem Unglück Ansdruck. Mit besonderer Anerkennung sei die übermenschliche Arbeit der Feuerwehr erwähnt, welche eine unheilvolle Ausbreitung des Feuers verhütete, sowie der ansgerückten Polizei, die in mustergültiger Weise die Ordnung aufrechterhielt. Tie reichhaltige und wertvolle Bibliothek, die sich im Seitentrakt befindet, ist unversehrt geblieben. Kaum wurde in der Stadt die Rachricht von dem Brande bekannt, als aus allen Bezirken, besonders aber ans der Leopoldstadt. Tausende herbeieilten, um sich persönlich zu überzeugen, ob es denn wirklich wahr sei, daß die herrlichste, größte Andachtsstätte unserer Gemeinde dem verheerenden Feuer zum Opfer falle. Alan sah angesehene Geuieindemitglieder, die feit Jahrzehnten Besucher des Tempels sind, die noch an der'Hand ihrer Väter in diesem Tempel Trost und Stärkung fanden, Tränen vergießen, als sie der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.