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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-17 · Heft 33 (17.8.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Kriegsanleihen das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden. -- Dem Direktor der Deutschen Bank Paul M a nk iew i tz, ist das Eiserne Kreuz am lveih-schwarzen Bande verliehen worden. — Herr Rabbiner Tr. B o g e l st e i n (Königsberg L Pr.) wird dem. an ihn ergangenen Ruß, die Stelle eines besoldeten Gemeindevorstehers in Berlin anzunehmen, nicht folgen. — Der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Ratibor, Herr Fabrikbesitzer Hugo Schück, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Aus Posen wird uns geschrieben: In letzter Zeit find hier wiederum einige Personen liegen Vergehens gegen die Kriegsnotstandsgesetze zu erheblichen Gefängnis- bzw. Geldstrafen verurteilt worden und auch diesesmal fand sich kein Jude unter den Bestraften. — Am 1. d. M. waren es 25 Jahre, daß Lehrer Hubert in der Kultusgemeinde Windsbach tätig ist. In Anbetracht der ernsten Zeitverhältnisse wurde von einer größeren Feier abgesehen. Dem Jubilar wurden indes von der Gemeinde namhafte Geschenke überreicht, auch die Stadtgemeinde bat sich an der intimen Feier beteiligt. — Dem Großkaufmann Hermann Rosentha'l in Würzburg. einem Bruder des Herrn Rabbiners Dr. Rosenthal in Köln, ist das König-Ludwig-Kreuz verliehen worden. Die gleiche Auszeichnung erhielt der dortige Großikaufmann Herr F. Heß.— Aus Pforzheim (Pfalz) wird belichtet: Plakate mit nachstehendem Inhalt waren hier am Morgen des 25. Juni an den Schaufenstern verschiedener . füdischer Geschäfte, selbst an solchen, deren Inhaber in Gefangenschaft oder im Felde sind, angeklebt: ..Augen .auf, deutscher Michel! Entsetzlich wirst du belogen und betrogen buttfj das fremdrassige Hebräertum. Zwei Drittel des deutschen Nationalvermögens und der grüßte Teil der deutschen Presse ist in seinen Händen. Kaufe nichts von Juden. Meide indische Aerzte und Rechtsanwälte. Denke an die Zukunft deiner Kinder. Schriften über Judenfrage besorgt jede Buchhandlung." Hoffentlich gelingt es den Nachforschungen der Behörden, die Hetzer ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. — Das „Jüdische Korrespondenzbureau" nn Haag meldet: Der Sekretär des Komitees zur Veranstaltung der mx Anschluß an die Kongreßbewegung in den anderen Ländern gevlante Kundgebung des holländischen Judentums teilt mit, datz die Demonstration keine „nationale" genannt werden dürfe. — Die Direktorin der Gewerbeschulen des Mädchenunterstützungsvereins in Wien, Frau Regine U l m a n n , die auch Präsidentin der „Weiblichen Fürsorge" und Ehrenmitalied des Leopoldstädter Frauenvereins ist. wurde anläßlich ihres fünfzigjährigen Direktionsjubiläums durch Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. — Aus Wien wird uns geschrieben: In voller geistiger Frische beging gm 19. v. M. Frau Jda Narb er ibren 75. Geburtstag. Die Jubilarin, eine geborene Berlinerin, schrieb Romane, Erzählungen. Wiener Modeberichte, volkswirtschaftliche und erzieherische Aussätze, die in den bedeutendsten Blättern Oesterreichs. Deutschlands und Amerikas während Jahrzehnte gern gelesen wurden. Sie wirkte auf vbilanthropischem Gebiete bahnbrechend im Wiener Ferienkolonieverein. gründete den Allgemeinen StudentenunterstirtzunaLverein (fetzt Menla Akad^mieas. den Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, d^e Wiener Brockenwmmlung für fübische Arme, die sie als E'hrenvräsidentin noch heute unermüdlich fördert. — Wie .Hrvatski Dnevnik" erfährt, wird in Seraievo demnächst ein indisches Blatt in kroatischer Sprach? zu erscheinen beginnen. Das Blatt will die kulturelle Einianng aller Juden anstreben und sich in erster Linie mit den Verhältnissen der einheimischen Juden befassen, zugleich aber auch die Verhältnisse ihrer übrigen Mitbürger im Anne bwalten. Das Blatt soll mit der Zeit zu einem Tageblatt ausgestaltet werden. — Vor einigen Monaten wurde der llniversität Cambridge ein Fonds im Betrage von 1000 Pfund zum Zwecke der Gründung eines Stipendiums für das Studium des Arabischen vermacht, wobei Juden vom Genüße des Stivendinms ausgeschlossen bleiben sollten. Der Senat der Universität hat, wie von uns seinerzeit mitaeteilt, die Annahme des Vermächtnisses verweigert. Durch eine Privatsammlung der Londoner „Jewish Chronicle" wurde nun die Summe von 1000 Pfund aufgebracht, um der genannten Universität den Schaden zu vergüten, der infolge der Ablehnung des Vermächtnisses für' die Universität entstand. Die Kollektanten gaben ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß sich die Erblasserin nicht von einem Vorurteil gegen die Juden habe leiten lassen, sondern einzig unter dem Eindruck handelte, daß die jüdischen Studenten dank ihrer Kenntnis der hebräischen Sprache im Studium des Arabischen anderen Studenten gegenüber im Vorteil feien. Nichtsdestoweniger schätzen die Juden Englands den Schritt der Universität Cambridge sehr hoch.' — Wie „Dfen" berichtet, macht in Rußland der Antisemitismus auf dem Lande reißende Fortschritte. Es besteht nach dem erwähnten Blatt die ernste Gefahr, daß im ganzen Lande plötzlich' Pogromwellen ausbrechen. Die Bauern haben es eingetrichtert erhalten, daß die Niederlage an der Front und das Chaos im Innern nur ein Werk der Juden ist. In einer ganzen Anzahl von Ortschaften sind bereits Pogrome ausgebrochen. Der schwerste Pogrom fand dieser Tage in Kiew statt, wo sich selbst Soldaten und Offiziere an Plünderungen der jüdischen Geschäfte, an den Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung beteiligten. Das jüdische Hilfskomitee in Odessa telegraphierte an Kerenski. daß er doch rechtzeitig Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der Juden treffen möge, da in ganz Südrußland ein schwerer Aufstand gegen die Juden droht. Kerenfki ordnete bereits die ersten Maßnahmen zur Verhinderung der drohenden Massenmetzelei gegen die Juden an. Unter anderem wurden sämtliche Blätter des Suworiu-Kon^erns in der Provinz unterdrückt. — Der russische Unterrichtsminister hat den Vorstand der iüdifchen Erziehunasgesellschaft ausaefordert. einen ständigen Repräsentanten zu ernennen, der den Verhandlungen. im Unterrichtsministerium beiwohnen soll. Das Budget der Jüdischen Erziehungsgesellschaft beläuft sich auf 1 800 000 Rubel, wozu der Staat eine Million Rubel beisteuert. —Die provisorische Negierung in Rußland hat anaeordnet, die ausländischen akademischen Diplome, die von Tausenden russischer Juden während des alten Regimes erworben wurden, anzuerkennen und den jüdischen Akademikern fo zu ermöglichen, in das russische Erwerbsleben einzntreten. — Der Verein' jüdischer Handwerker i n Wilna hat in den letzten Tagen seine Jahresversammlung abgehalten. Airs dem Bericht ist zu ersehen, daß' der Verein im veraangenen Jahre seine Mitglieder mit 7741.19 Mark unterstützt hat: der Konsum des Vereins ist Oktober 1916 eröffnet worden und hatte während der letzten zekm Monate einen Umsatz von 79 444,12 Mark zu verzeichnen. Die Küche des Vereins wurde Dezember 1916 eröffnet. Während der verflossenen siebeneinhalb Monate hat die Küche 96 145 Mittagessen gegen Entgelt und 5740 Mittagessen gratis verteilt. Der Hand,werkerverein heabsichtiat, ein ständiges Schiedsgericht, das.alle Zwischenfälle zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern entscheiden soll, zu arüuden. Es ist auch die Veranstaltung periodsscher Vorlesungen, die den Handwerkern zugute kommen, geplant. Dem Verein gehören jetzt 1028 MUalieder an. — Wie das in Warschau erscheinende orthodoxe Blatt ..Das jüdische Wort" mitteilt, gehen die sogenannten Asstmilanten in Warschau mit der Absicht um. nach dem Muster der Berliner Reformgemeinde eine besondere Assimilantengemeinde zu gründen. Als Initiator dieser Idee wird der Ratmann Dr. Muttermilch genannt. — Der ..American Jewish Chronicle" regt zur schnelleren Realisierung des Prosektes des 10-Millionen-Dollar-Kriegsbilsssonds an, daß jeder amerikanische Jude oder jede amerikanische Jüdin den Verdienst von einem Tage dem Fonds zur Versüauna stellt. Der Erfolg, schreibt das genannte Blatt, hängt ausschließlich von der Organisierung ab. Besonders die Arbeiterklassen werden einmütig diesen Beitrag leisten, nachdem durch die Arbeiteroraanisationen die nötige Propaganda gemacht worden ist. Für die Mittelklasse sind die religiösen und sozialen Organisationen die geeigneten Media. Die anderen Juden hingegen müssen durch einen, von einem Komitee noch genau auszuarbeitenden Propagandaausrnf dazu angehalten werden, ihre Pflicht zu tun. Der „A. I. Cbr." schlägt vor. von den drei bestehenden Hilfskomitees eine Kommission zu bilden, die sich mit der Verwirklichung dieses Vorschlages beschäftigen soll. — Nathan Straus, der bekannte Philanthrop, der für die notleidende jüdische Bevölkerung in der Krieaszone sehr große Spenden aegeben hat, zeigt jetzt wiederum der Welt ein bemerkenswertes Beispiel von großherziger Wohltätigkeit. Er hat sein eigenes Haus zum Verkauf gestellt, dessen Wert von 950 000 Dollars dem 10-Millionen-Dollar- Fonds zufließen soll. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosie.

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