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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-17 · Heft 33 (17.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Berlin, 17. August 1917 dl. Jahrgang Nr. 33 vezkündet von Rabbiner Vr. Ludwig PHMppson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 52<k. Alle Zusendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der .Allgen,. Zeitung des Judentums", Berlin. SW, Jerusalemer Straße HL 4), zu richten. Verlag von Rudolf Moste, Berlin. Wie lange noch? Von Sanitätsrat Dr. Sch er b el (Lissai. P.). __ Die Woche. — Professor Dr. Lazarus. Gestorben 1. August 1917. Von M. R. — Romain Rolland. Von Ludwig Geiger. — Eine jüdische Gedichtsammlung über den Krieg. Von —n. — Ein lehrreiches Schriftstück. Von S. Rothschild (Worms). — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt. Literarische Mitteilungen. Der Geurelndebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsberg i. Pr., Würzburg, Hannover, Frankfurt a. M., Bern, Den Haag, Budapest, Moskau. — Von Rah und Fern. Wir lange noch? Don Sanitätsrat Dr. Scherbe! (Lisia t. P.) n seiner ersten Rede im Reichstage sprach der neue ^Reichskanzler Dr. Michaelis: „Trotzdem wir ' in jeder Weise mit unseren Bundesgenossen der Entwicklung der militärischen Ereignisse mit ruhiger Sicherheit entgegensehen können, ist in aller Herzen die brennende Frage: Wie lan ge nv ch?" Man wird an die Worte in unserem Morgengebete erinnert: „Wie lange noch soll dein Ruh'm in Gefangenschaft, deine Pracht in Feindes Händen bleiben?" Und an die darauf folgende Stelle: „Laß deine Feinde schamvoll und mutlos werden bei ihrer Stärke und achte unsere Schicksale nicht gering!" Im Morgengebet findet sich auch die Bitte um Erkenntnis, Einsicht und Vernunft, und vielleicht liegt hierin die Antwort ans die herzensschwere Frage: „Wie lange noch?" Wenn der gesunde Menschenverstand wieder zur Herrschaft gelangt sein und den Dunst und Nebel ans den Köpfen unserer Feinde verscheucht haben wird, den Leidenschaft, Vorurteil und Haß in ihnen angehäuft haben, wenn sie ernüchtert sein werden durch unsere Siege, dann wird die Menschheit wie aus einem wüsten Rausch, einem bösen Traum erwachen. Dann wird die Stunde gekommen sein, wo man „post tot discrimina rerum" („nach so vielen gefahrvollen Geschicken" wie es in der Aeneide des Vergil heißt) gelernt haben wird, die Dinge mehr sub sgecie aeternitatis („unter dem Gesichtspunkte der Ewigkeit" des Spinoza) als nach ephemeren Eintagswünschen und vom Standpunkte chauvinistischer Aspirationen zu betrachten. Dann werden unsere Feinde ihren Führern und Verführern ein „guvusgus tandem!" („wie lange noch!") zurufen und werden sie unwillig abschütteln. Dann werden die Abgesandten der Völker sich gern um den Tisch des Friedens setzen, bereit, einander anzuhören, bereit, sich auszusprechen und zu verständigen. So könnte man auch fragen, wie lange no ch wird das Vorurteil gegen den Inden andauern, wie lange wird man ihn noch zurücksetzen in Amt, Ehren und Rang gegenüber dem Andersgläubigen, wann wird man endlich aufhören, ihn um seines Glaubens und seiner Abstammung willen die verdiente Würdigung vorzuenthalten, sie 'ihm aber sofort gewähren, wenn er seinen Glauben abgelegt hat? Auch hier bedarf es nur einer Umwälzung in den Anschauungen, eines Abschüttelns des Joches, das Vorurteile bisher selbst auserlesenen Geistern aufgelegt hatten. Wie weit das ging, das hat man aus den wenig freundlichen Aeußerungen ersehen können, die der soeben gestorbene Professor v. Schmoller über die Juden im allgemeinen und über jüdische Gelehrte insbesondere getan hat. Seine Behauptungen, die ahne genaue Kenntnis der Sachlage gefällt waren — so ist es meistens —, konnten mühelos von berufener Seite als nicht den Tatsachen entsprechend zurückgewiesen werden. Hat einmal irgend jemand ein abfälliges Urteil über die Juden gefällt, so geht es ohne Nachprüfung wie bare Münze durchs Land, mag es schließlich noch so abgegriffen und minderwertig geworden sein. Hat ein geistig hochstehender Universitätsprofessor das deutsche Volk als „von jüdischer Seite bewuchert" hingestellt, so kriecht dieses Wort wie ein giftiges Schlingkraut durch das Volk, trotzdem solche allen Gesetzen der Logik widersprechende Verallgemeinerung von Einzelfällen zum Himmel schreit und trotzdem jeden Tag Fälle von wucherischen Preistreibereien, Schiebungen und dergleichen in die Oeffentlichkeit kommen, bei denen Juden in keiner Weise beteiligt sind. Man hat sich eben bisher nicht die Mühe gegeben, die Inden kennen zu lernen, wie sie in Wirklichkeit sind. Nicht Nathan der Weise, sondern Sb block bleibt vielen das Urbild des Juden, und nach wie vor gilt das Wort von Heine: „Ebensowenig die Taten der Juden wie ihr eigentümliches Wesen sind der Welt bekannt. Man gaubt sie zu kennen, weil man ihre Bärte gesehen, aber mehr kam nie von ihnen zum Vorschein, und wie im Mittelalter sind sie auch in der modernen Zeit ein wandelndes Geheimnis." Nichtsdestoweniger muß man sagen, daß vorurteilslose Männer immer mehr hinter dieses Geheimnis zu kommen und auch den „Rittern des Geistes" gerecht zu werden suchen, die man wegen ihrer jüdischen Abstammung und wegen ihrer scharfen, ätzenden Kritik besonders als Feinde des deutschen Wesens und des deutschen Volkes hingestellt hatte. Vornehmlich gilt das Heine gegenüber, und im Juli-Heft des „Deutschmeister" (Blatt für deutsche Heimat und Religion) I legt Wilhelm S ch w a n e r scharf seine Lanze für „zwei Fein d e" ein, zu denen außer Heinrich Heine auch Friedrich Nietzsche gerechnet wird. Von ersterem sagt er, daß es weite Kreise unseres Volkes gibt, die unter keinen Umständen etwas wissen wollen von Heinrich Heine dem „Juden". Darum nicht, weil er den „Deutschen" in einer Weise gezeichnet und gegeißelt hat, wie es auch dem begeistertsten Sänger der „Loreleh" weh tun muß. Darum nicht, weil er, dem Zuge seines Blutes Volkserzieher-Verlag, Berlin-Schlachtensce.

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