Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gereichen werde. — Geheimer Sanitätsrat Dr. Heinrich Brock feierte vorigen Sonnabend in körperlicher und geistiger syrische sein diamantenes Doktorjubiläum. Er ist am 29. August 1832 zu ' Bromberg geboren, kann also in wenigen Tagen auch seinen 85. Geburtstag begehen. Er begründete auf genossenschaftlicher Grundlage mit Gesinnungsgenossen die Bromberger Gewerbebank und wurde wiederholt zum Stadtverordneten gewählt. Auch begründete er den Verein der Aerzte des Regierungsbezirks Bromberg. 1873 siedelte Brock nach Berlin über, wo er bald lebhaften Anteil an dem ärztlichen Vereinsleben nahm. Die Hufelandsche Gesellschaft wählte ihn zum Schriftführer, und zusammen mit dem verstorbenen Zuelzer begründete er die Deutsche Balneologische Gesellschaft, deren Generalsekretär er noch ist. Der Verein zur Einführung freier Arztwahl in Berlin, den er mitbegründete, bat ihn vor Jahren zu seinem Ehrenmitglied ernannt. — Am 5. d. M. ist der in weiten Kreisen der deutschen Judenheit bekannte und hock'geschäüte Subdirektor der Victoria, Herr Sally Leszvnsky, im 73. Lebensiabr Plötzlich verschieden. — Das Berdionstkreuz für Kriegsbilse ist den Mitgliedern der Handelskammer zu Berlin Handelsrichter Hugo Heilmann und Kommerzienrat Alfred Zielenziaer verliehen worden. — Der Berliner Jnstizrat Moritz Ratkowski ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Der Entschlafene war ein edler Mensch und überzeuaungstreuer Jude. Die Leiche wurde unter arofrer Beteiligung am 1. d. M. auf dem ^riedbos in Weißensee beigeseht. — Der 1. Schriftführer des Berliner Vorortvereins. Fabrikbesitzer Moritz Jacobv in Kövenick, erhielt an seinem 80. Geburtstage am 31. v. M. Zahlreiche Glückwünsche, u. a. vom Präsidenten Rüdlin von der Könialichen Eisenbahndirektion Berlin, vom Aeltestenkolleaiuiu der Berliner Kaufmannschaft, von den Handelskammern Berlin und Potsdam. vom Magistrat zu Kövenick. — Am 15. d. M. wird der Lehrer, Rendant und Sekretär der Svnagoaenaemeinde Granden?. Herr David Mannheim, sein 25iähriges Ortssubilänm feiern. Am 15 Januar 1871 geboren, besuchte er die Talmud- Tbora-Schule in Buravrevpach und die Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Seine erste Lehrerstelle bekleidete er etwa 2 Jabre in Diersburg i. Bgden. In Granden? hat er sich zu einer hochangesebenen Stellung emporaearbeitet. Er nimmt eine grobe Anzahl von Ehrenämtern ein. Seit 2 Iabren ist er Stadtverordneter. Auch im Lbererverbond 5nt er sich durch gemeinnütziae Arbeit s^br verdient aeumcht. Er gehört zum Verbandsvorstand. Der in Züchterkreisen weit über die Heimat hinaus bekannte Oekonomierat Gustav Jacob sohn in Traabeim (Kreis Ma^ienbnra) ist im Alter von 56 Iabren verschieden . In Anerkennung seines mehr als fünfzigiübriaen WirkenL in feiger Gemeinde und in der Provinz Hstvrennen als Lebrer und Prediger wurde Herrn I. Stur mann lOsteradel der Kronenorden vierter Klaüe verlieben. - Ans Liffa in Posen uürd gemeldet: Das Kuvferdach der hiesigen Svnagoge wird in nächster Zeit abgedeckt werden, um zu Krieaszwecken in dm Schmelze zu gehen. -- Herrn Rechtsanwalt Emil Jacobfohn in Brnmbera ist der Eharakter als Jnstizrat verlieben worden. In Benthen O.-S. verschied, van vielen betranert, Herr Slegfrird B r e i n. Der Verstorbene gehörte feit dem Jahre 1909 dem Revrnsentantenkalleninrn an und machte sich um die dortiae Gemeinde und ihre Institutionen sehr verdient. Er entwickelte besonders nnf dem Gebiete indischen Liebeswerkes und als Förderer detz indischen Handwerks eine seaensreiche Tätiakeit. - Sind. iur. Walter Deutschmann. Sohn des bei der Breslauer Svritfabrik, Aktiengesellschaft, in Breslau angestellten Kaufmanns Adolf Deutschmann, welcher seit August 1914 als Krieassreiwilliger im Heeresdienste stebt. ist zum Leutnant im Laiwwebr-Jnfanterieregiment Ar. 153 befördert worden. Aus Sagan wird uns geschrieben: Die Fabrikbesitzer Ignaz und Hermann Weiß haben unserer Stadt 3 0 0 0 Mark zur Errichtung einer Säuglingsm i l ch k ü ch e und 1 0 0 0 M ark zur Beschaffung von Lehrmitteln für das Lyzeum überwiesen. Bei anderen Gelegenheiten zeigten sich die Brüder Weiß ebenfalls opferwillig. — Herr Kommerzienrat Adolf Steinharter in München, der seit Beginn des Krieges schon so vielfache Zuwendungen zu Wohltätigkeitszwecken machte, hat neuerdings in hochherziger Weise der von ihm im vorigen Jahr errichteten Stiftung für im Dienste erblindete Soldaten einen weiteren Betrag von 15 000 Mark zugewendet. — Aus Nürnberg wird berichtet: In einer unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Dr. v. Blaul abgehaltenen Sitzung des Ausschusses für die Unterbringung von Stadtkindern auf dem Lande wurden die Leistungen der konfessionellen Einrichtung auf diesem Gebiete besprochen. Es wurde mitgeteilt, daß der Israelitische Wohlsahrtsverein in Nürnberg 83 Kinder bei fremden Familien auf dem Lande untergebracht hat. Die Gesundheitsverhältnisse der Kinder sind durchaus günstig. Die Nachrichten über die Behandlung in den Pflegefamilien lauten sehr befriedigend. — Die Syttagogengemeinde Köln beklagt den Heimgang ihres Sekretärs, Herrn Simon Stern. In 26jähriger Amtsdauer war der Verstorbene innig mit der Entwicklung der Gemeinde verbunden, deren Wohl ihm in treuer, hingebender Arbeit am Herzen lag. — Aus Rottweil wird geschrieben: Im Alter von 36 Jahren ist Leutnant der Reserve Siegfried Rothschild einer tags zuvor erlittenen Verwundung im Feldlazarett erlegen. Die Leiche wurde unter zahlreicher Beteiligung der Einwohnerschaft und mit militärischen Ehren auf dem israelitischen Friedhof beigesetzt. Die kirchlichen Funktionen wurden von Herrn Lehrer Straßburger vorgenommen. Ein Vertreter des Landwehr- Infanterieregiments Nr. 122 sowie Herr Oberinspektor Probst als Vorstand des hiesigen Militärvereins legten unter ehrenden Worten Kränze am Grabe nieder. — Dem „Berliner Tageblatt" wird aus dem Haag gemeldet, daß demnächst einige holländische junge Männer jüdischer Konfession nach Niederländisch-Jndien reisen werden, um dort die Möglichkeit der Gründung einer jüdischen Kolonie auf Java zu studieren und vorzubereiten. — Am 1. September erscheint zum dritten Male im Verlag der „Jüdischen Zeitung" in Wien unter der Redaktion von Otto A b e l e s und Ludwig Dato der „Jüdische Nationalkalender". Die beiden früheren Jahrgänge haben allgemein eine so gute Aufnahme gefunden, um mit Fug erwarten zu lassen, daß auch die neue Folge allseitiges Interesse erwecken wird. — Die beiden jüdischen Blätter „La Renaissance Juive" und „Le Peuple Juis" in Paris haben sich vereinigt und erscheinen als Halbmonatsschrift unter der Chefredaktion des Herrn BaruchHagani. — Wie die Zeitung „Dien" meldet, ist als Kreiskommissär im Gouvernement Jekaterinoslaw der Ingenieur Ahron Noisejewitsch Goldberg von der russischen Regierung bestellt worden. — Die berühmte Bibliothek des Barons David G ü n z b u r g s. A. ist für eine Million Rubel angekaust und der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem geschenkt worden. Baron Lasar Günzburg und die Familie S l a t a p o l s k i - P e r si tz, gaben je 100 000 Rubel zum Kaufpreise, und die übrigen zionistischen Abgeordneten, die auf der zionistischen Tagung in Petersburg anwesend waren, spendeten den weiteren Betrag. — Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" meldet aus New Pork: Der frühere Botschafter Henry Morgenthau und Felix Frankfurter, Professor der Rechte an der Harvarder juristischen Fakultät (Law School), und Rechtskonsulent des Kriegsministers Baker sind auf Ersuchen dies Präsidenten Wilson von Amerika nach Aegypten gefahren. Der ursprüngliche Zweck dieser Mission war die Erleichterung der Lage der vielen Juden, die aus Jaffa vertrieben wurden. Obwohl die Bereinigten Staaten die Beziehungen mit der Türkei abgebrochen haben, glaubte man doch, daß Herr Morgenthau dank der Wertschätzung, der er sich bei den Türken erfreut, besser als jeder andere Amerikaner sich eigne, eine direkte Verbindung mi-t den Juden Palästinas herzustellen. Ein aus hervorragenden amerikanischen Juden bestehendes Komitee (diesem gehören an: Jakob H. Schiff, Felix M. Marburg, Rabbiner S. W i s e u. a.) beauftragte Herrn Morgenthau, kein Geld zu sparen, um die Juden in ihr Heim zurückzubringen. Herr Albert Lucas, Sekretär des Vereinigten Verteilungskomitees, machte die Mitteilung, daß das genannte Komitee den Juden Palästinas 50 000 Dollar monatlich während einer längeren Periode zukommen ließ und daß eine besondere Summe von 50 000 . Dollar bestimmt wurde, um jenen sofort zu Helsen, die aus ihrem Heim vertrieben wurden. Außerdem teilte Herr Lucas mit, daß Herr Morgenthau und Professor Frankfurter imstande sein werden, mit der Türkei von Aegypten aus zu verhandeln, und daß die Verhandlungen die Möglichkeit schaffen werden, für die Juden von Jafse, Jerusalem und anderswo Lebensmittel und andere Vorräte zu beschaffen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftrake 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosie.