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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-08-10 · Heft 32 (10.8.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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$1. Jahrgang Nr. 32 Allgemeine Berlin, 10. August 191? eitung des Zudenlums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint mSchentttch. Abonnements«Pre^s: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32<*. Segründet von Rabbiner vr. Ludwig Philipps-« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin» Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen fftt Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag dtr ^Allgem. Zeitung des Iudentums^, Berlin SW, Jerusalemer Straße *6-4-, zu richten. Verlag von Rudolf rnofse, Berlin. Der ethische Monotheismus der Propheten und feine soziologische Würdigung. Von Hermann Cohen. — Die Woche. — Dichtungen aus dem Gebiet jüdischer Geschichte. Besprochen von Ludwig Geiger. — Jüdische Heldengräber. Bon Haiwri.— Mit den Hamburger jüdischen Kindern nach Holland. Von Anna Joel. — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt. Literarische Mitteilungen. — Büchereinlaus. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Wreschen, Breslau, Hamburg, Pirmasens, Bruchsal, Gailingen, Warschau. — Von Nah und Fern. Der rthilchr Monotheismus der Propheten und leine loÄologilche Würdigung. Von Her m a n n Cohen. Unter diesem Titel ist soeben eine Schrift von Dr. B. Keller mann erschienen, die eine kleine Geschichte hat. Prof. E.Troeltsch nämlich hatte in der Religionswissenschaftlichen Gesellschaft über den Prvphetismus einen Vortrag gehalten, bei dessen Diskussion dort Dr. Kellermann ihm opponierte. Als nun dieser Vortrag in der philosophischen Zeitschrift „Logos" erschien, lag es nahe, daß die apologetische Kommission des Verbandes der Deutschen Juden, der die Anregung gegeben hatte, zu dieser Abhandlung Stellung zu nehmen, den damaligen Opponenten mit der Gegenschrift betraute. Ich selbst erbot mich zur Vermittlung beim „Logos", und als ich den Aufsatz einsandte, wurde mir unter schmeichelhaften Ausdrücken die Aufnahme bestätigt, nichtsdestoweniger aber nach etwa 8 Wochen unter Entschuldigungsfloskeln der Aufsatz zurückgeschickt. Es erklärt sich schon hieraus, daß ich der Aufforderung des verehrten Herrn Redakteurs gern gefolgt bin, in diesen Blättern über die Arbeit zu berichten, obwohl ich nicht zweifle, daß sie in unseren Kreisen, soweit sie eines echten philosophischen Verständnisses fähig sind, mit Dank und Anerkennung ausgenommen werden wird. Indessen ihr philoiovhischer Wert schon dürfte es rechtfertigen, daß ich zumal dem berichteten Widerstande gegenüber meinen freudigen Dank für die ebenso von philosophischer Gründlichkeit und Klarheit wie von religiösem Enthusiasmus, von Glaubenseifer für unsere religiösen Grundwahrheiten inspirierte Schrift dem Verfasser ausspreche, in dem jeder Sachverständige den reisen systematischen Kopf, den scharfen und klaren Methodiker, sowie nicht minder den überzeugenden Schriftsteller, der seine Sachlichkeit auch in der vornehmen Polemik bewährt, erkennen wird. Es handelt sich in dieser Sache um nichts Geringeres als um das Ganze unserer Religion. Denn während man noch immer sich nicht schämt, an der mosaischen Nächstenliebe herumzufeilschen, hatte man doch endlich angefangen, den Universalismüs der Propheten grundsätzlich anzuerkennen. So war es denn wirklich eine originelle Kühnheit, als Herr Troeltsch put der soziologischen Neuigkeit überraschte, der sittliche Standpunkt der Propheten wurzele und verharre in primitiver Bäuerlichkeit. Und.dem niedrigen Niveau dieser Bauernmoral entspräche es denn auch, daß ihr Gottesbegriff ein nationalpartikularistischer sein müsse, der sich freilich bisweilen den Anschein eines universalistischen Aufschwungs gibt, der aber immerfort an den Stammesgott gebunden bleibt. Bauernmoral und nationaler Monotheismus, diese Einheit sollte nach dieser neuesten Auffassung der Prophetismus bedeuten. Unter Hinweis aus Platon und Kant sucht nun Kellermann diesen Angreifer des Prophetismus über die Verwechslung aufzuklären, die er an den Begriffen des empirischen Anlasses und der apriorischen Grundlegung begeht. Der empirischen Veranlassung kann kein Denker und kein Genie entraten, aber keineswegs ist in ihr selbst der schöpferische Gedanke gelegen, der den Denker zum Genie und zum Propheten macht. Dieser schöpferische Gedanke liegt in dem Begriffe des einzigen Gottes, der nicht der der Bauern von Kanaan bleiben konnte, der von Urbeginn an vielmehr auf den alleinigen Gott der Menschheit hinzielte. Es verdient ernsthaften Dank von philosophischer Seite, mit wie lehrhafter Anschaulichkeit diese Grundunterscheidung der philosophischen Methodik hier dargetan und einleuchtend gemacht wird. Auch ist es ebenso von philosophischem wie von religiösem Werte, daß mit pädagogischer Bestimmtheit hier ausgesprochen und klargestellt wird, daß nur in der logischen Begründung ein Unterschied bestehe zwischen der Moral der Propheten und der Psalmen, mithin der Sittenlehre der jüdischen Religion und der Platonisch-Kantischen Ethik: daß jedoch im hauptsächlichen Inhalt Identität bestehe zwischen der jüdischen Sittenlehre und der Kantischen Ethik. Diesen Gedanken zu klarer Formulierung gebracht zu haben, ist ein wahrhaftes Verdienst. Dem Verdienste des auf der Höhe der methodischen Systematik sowie auf dem Grunde einer umfassenden Quellenkenntnis stehenden Philosophen und demjenigen des freien, klaren und treuen Bekenners der jüdischen Religion schließt sich das Verdienst des gründlichen Bibelforschers an, der die moderne Bibelkritik beherrscht und mit wichtigen Aussprüchen der christlichen Exegeten ausgiebig hier bekannt macht, deren Sammlung eine unverächtliche Probe der Apologetik bilde., möchte. Wichtiger aber noch ist die reiche Auslese biblischer Stellen aus dem Pentateuch, den Propheten, den Psalmen und anderen Hagiographen, welche als Belegstellen ausführlich mitgeteilt werden für die Grundlehren des Glaubens, die reine Moral in ihrer inneren Beziehung auf Recht und Staat, den menschheitlichen Universalismus im Gegensätze zum partikularistischen Nationalismus, den Messianismus in seiner notwendigen Verbindung mit dem idealen Individualismus. Ich glaube wirklich, den Wert dieser biblischen Blumenlese nicht zu überschätzen, wenn ich sie für unseren Religionsunterricht als Hilfsmittel empfehle. Jeder Schüler sollte diese Stellen

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