Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Sah und Fern. -ClxT|tab*ar$t (Geheimer 3-anitntsrat Professor Tr. I u l i u 8 \! n n r u 5 , der langjährige frühere Chefarzt der inneren Abteilung des Berliner jüdischen Krankenhauses, ist einem längeren schweren Ohreuteideu, das eine Operation nötig machte, erlegen. Professor Lazarus hat ein Alter von 70 Jahren erreicht. Die Beisetzung erfolgte am 1. d. M. unter großer Beteiligung auf dem Friedhof in-Weißensee. — Der Reichskanzler hat den Vorsitzenden des Vereins Ostdeutscher Holzhändler und Holzindustrieller Martin M i ch a l s k i in Berlin und den Direktor des Vereins junger Kaufleute von Berlin, Paul E i s n e r , in den Beirat des Reichskommissars für Uebergangswirtschaft berufen. — In Bad Wildungen ist der Berliner Geheime Sanitätsrat Dr. I. Lasch plötzlich gestorben. --- Zum Rabbiner des Religionsvereins in Berlin-Neukölln wurde Herr Rabbiner Dr. G. Kantorowskv aus Bernburg gewählt, der sein neues Amt am 1. Oktober d. I. antritt. — Dem bulgarischen Ehrenkonsul Kommerzienrat M a n d e l b a u m ans Berlin wurde jüngst bei seinem Besuch in Sofia von einer Deputation des Sofioter Gemeinderates der künstlerisch ausgestattete Ehrenbürgerbrief der Landeshauptstadt überreicht. - Der erste Schriftführer des Vereins der Vororte Berlins. Fabrikbesitzer Moritz Jacobp aus Köpenick, vollendete am "1. Juli sein 80. Lebensiahr. - Aus Posen wird uns geschrieben: Der Krieg hat auch unsere Svnaaogengemeinde zu erhöhten Aufwendungen veranlaßt. Die Verwaltung ist in den etatlichen Ausaaben dennoch in bescheidenem Maße geblieben, so daß auch in dem Rechnungsjahre 1917/18 nur 45 vom Hundert des Staatseinkommenstenersatzes zur Hebung kommt. Die jüdische Gemeinde Posens zählt iwch nicht 2000 steuerzablende Mitglieder. Die Besteuerung erfolgt auf Grund der Einschätzung für tue staatliche Einkommensteuer. Der aerknakte zur Hebung kommende Steuerbetrug ist auf 1 Mark jährlich festgesetzt. Der Bezirk der Svnaaogengemeinde zu Posen umfaßt die Stadt Bosen und 38 Ortschaften, welche außerhalb des Komuumalbezirks der Stadt Posen liegen und zum Spnagogenbezirke der Spnagogeng^meinde zu Polen gehören. — Zum Branddirektor der städtischen Feuerwehr in Rawitsch ist der ffabrifbeft^er Herr Leo B r a u n eruannnt worden. Der Chefarzt der inneren Abteilung des israelitischen Krankenhauses in Breslau, Geheimer Sanitätsrat Dr. E r n st S n n d b e r g, ift im Alter von 68 Zähren in Breslau verstorben. Geheimrat Sandberg bat am Jüdischen Krankenhause zu Breslau mehr als 40 Jahre gewirkt und erhielt während des Krieges für seine Tätiakeit in der dortigen Lazarettabteiluna das Eiserne Kreuz iw weinen Bande. Die israelitische Gemeinde in Dresden bat durch das iäl»e Hinscheiden der Gattin des Kal. Sächsischen Geheimen Kommerzienrat^ und Kal. Baverischen Kommerzienrats, Kgl. Wünttenlbergischen Konsuls Bankier Geora A r n h 0 l d Frau Anna ^rnbold. einen schweren Berlnlt erlitten. Eine stille Wohltäterin, eine Freundin aller Leidenden nnd Bekünunerten ist mit ihr dahingeaangen, alle, die ihr nabe standen, denen sie ibre Liebe aab. in tiefste Trauer versetzend. Thu* das Jabr 1917/18 ist an den Göttinaer Universität folgende Vreisansgabe aestellt: ..Der Ertrag der Funde von Allnan und Elefantine für unsere Kenntnis indischer Geschichte und jüdischer Rcsrginn." Schwester L. Sand^nell. Oberin tut Münmn-ebenn in Bad Rauheim, wurde mit der Roten-Kreuz-Medaille 3. Klasse ausgezeichnet, nachdem sie schon vor einiger Zeit das Hessische Militär- Sani täts-Kreuz für den hervorragenden Dienst erhalten hat. - Der Nationalstiftung der im Kriege Gefallenen sind durch testamentarische Verfügung des verstorbenen Gerichtsassessors Dr. Arthur Kaufmann, Frankfurt a. M., 200 000 Mark zugeflossen. Wie aus Bingen a. Rh. gemeldet wird, wurde Herrn Rabbiner Dr. S. N e n - w i r th in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Kriegssürsorge vom Großherzoge die Hessische Kriegsehrenmedaille verliehen. — Aus Baden-Baden wird geschrieben: Dem Israelitischen Erholungsheim f ü r F r a u e n u nd M ä d ch en, welches glaubte, wegen schwerer Beschaffung der Lebensmittel Kranke nur während der Monate Mai/Juli verpflegen zu können, ist es, angespornt durch die guten Erfolge, welche die bereits Verpflegten zeigen, gelungen, Vorkehrung zu treffen. Erholungsbedürftige auch in den Monaten Anglist und September zu verpflegen. — Aus Wien berichtet die , „Oesterreichische Wochenschrift": Der Kaiser hat verliehen für tapferes Verhalten vor dem Feinde das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration und Schwertern dem bereits mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichneten, seit Kriegsbeginn an verschiedenen Fronten sehr verdienstvoll wirkenden Feldrabbiner Dr. Samlrel Le m berge r; aus demselben Anlasse dem an der italienischen Front eingeteilten Feldrabbiner Dr. Samuel Nagelberg. Auch letzterer entfaltet seit längerer Zeit eine sehr ersprießliche Tätigkeit im Dienste seiner Glaubensgenossen. — In der Sitzung des italienischen Rabbinerverbandes teilte Herr Rabbiner Professor Dr. M a r g u l i e s (Florenz) mit, daß er die von Raffaele Ottolenghi für eine jüdische Organisation testamentarisch gestifteten 20 000 Lire dem Verbände zwecks Hebung der jüdisch-religiösen Bewegung in Italien zur Verfügung stelle. — Mit Genehmigung der britischen Negierung ist in England eine große Palästina-Hilfsaktion eingeleitet worden. Die Sammlung, die unter den Auspizien des „Londoner Zentralkomitees" veranstaltet wird, hat bisher den Betrag von 500 000 Frank ergeben. In allen jüdischen und englischen Zeitungen werden vom Hilfskomitee Aufrufe an die Juden Englands erlassen, die gemeinschaftlich von Hermann Landau, dem Präsidenten des Zentralkomitees, Dr. Ch. Weizmann als Vorsitzenden des Palästina-Hilfskonütees nnd Ernest Main als Schatzmeister des Zentralkomitees gezeichnet sind. Die erste größere Rate ist bereits nach Palästina überwiesen worden. Der russische Arbeiter- und Soldatenrat hat bekanntlich ein engeres Bureau gewählt, das die Aufsicht über alle Kommissionen des Rates führen und ihn bei der Regierung vertreten soll. Unter den 24 Mitgliedern des Bureaus befinden sich 6 Juden: Ehrlich, der frühere Dumaabgeordnete B r a m s 0 n , M. G 0 tz , Lieber. Schapiro und I. G 0 l d e n b e r g. — In Warschgu fand vor kurzem eine Rabbinerkonferenz statt, auf der unter starker Beteiligung aus der ganzen Provinz eine große Reihe jüdischpolitischer und aesellschaftlicher Angelegenheiten verhandelt wurde. Es wurde zunächst beschlossen, einen Rabbinerverband zur Vertretung der religiösen Angelegenheiten der Gemeinden ins Leben zu rufen. Lebhaftes Interesse erregte die Antwort des Staatsrates auf das Gesuch des Orthodoxen Vereines, in der man ein klares Versprechen nach der Seite der jüdischen Gleichberechtiguna erblickt. Einen großen Teil der Debatten beherrschte die Frage der Palästina-Arbeit und wurde das Komitee beauftragt, ein Palästina-Programm der Orthodoxie auszuarbeiten. In der Chedarimfrage wurde eine Reorganisation aus der Grundlage beschlossen, daß die Kinder zu guten Juden, nebenbei aber auch zu aalen Bürgern nnd wirtschaftlich tüchtigen Menschen erzogen werden. Zu diesem Zwecke sollen zwei Stunden am Tage profanen Fächern gewidmet sein. — Die Jüdische Gemeindeverwaltung in Warschau hat eine Denkschrift abaesaßt, in der sie ausführt, daß die jüdischen Gemeinden nicht verpflichtet seien, für die Heilung der Juden in den allgemeinen städtischen Spitälern aus ihren Mitteln zu bezahlen, wie die polnischen Magistrate, gestützt auf ein altes zarisches Gesetz, verlangen. — Feindliche und neutrale Blätter versuchen den Bombenabwurf englischer Flieger auf den Oelberg damit zu erklären und zu entschuldigen, daß die Türken auf dem Oelberg Verteidigungsanlagen errichtet batten. Das türkische Große Hauptquartier erklärt, daß sich ans dem Oelbera keinerlei Anlagen zu Verteidignngszweck befinden. Wenn einzelne Zeitungen, wie das „Aaraauer Volksblatt". behaupten, „die schwere Artillerie des zu einer Festung ausgebauten Oelberges versuche die englischen Operationen zu stören", so ist das geradezu kindisch. Jerusalem liegt gegen hundert Kilometer hinter der Kampffront. - - Aus Stockholm wird berichtet: Die russischen - jüdischen Nationalsozialisten stellen bei dem holländischskandinavischen Komitee die Forderung nach einem geschlossenen jüdischen S t a a t e in P a l ä st i n a auf. — Die Regierung der Vereinigten Staaten batte die schwedische Negierung telegraphisch ersucht, die angeblichen Mißhandlungen der Juden in Palästina an Ort und Stelle untersuchen zu lassen. Die schwedische Gesandtschaft in Konstantinopel, die mit der Ausführung des Auftrages betraut wurde, erklärt rum in einem amtlichen Bericht alle Angaben über Niedermehelungen von Juden in Palästina, die jetzt oder früher während des Weltkrieges stattgefnnden haben sollten, seien unrichtig. Tatsächlich seien keine Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerrmg Palästinas vorgekommen.. Die schwedische Regierung hat dem Stockholmer amerikanischen Gesandten dieses Ergebnis mitgeteilt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrahe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mar Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosie.