Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1917)
- Date
- 1917-07-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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(<k'[)eutu'v Sanitätsrat Tr. Szh w e rin, ein um die Standesinteresse u der Aerzte sehr verdienter Berliner Arzt, feierte mit 2. b. M. das goldene Doktorjnbiläum. -- Den Berliner Aerzten Sanitätsrat Dr. Hugo L 0 hnstei n und Sanitätsrat Tr. Siegmund Gins b erg ist das Prädikat Professor beigelegt worden. - Kommerziell rot Emanuel Lohn st e i n ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er zeichnete sich durch seinen regen Wohltätigkeitssinn aus und gehörte dem Vorstände des Anerbachschen Waisenhauses an. dein er bis in sein hohes Alter eifrige Anteilnahme bekundete. -- Der Gefreite Siegfried Wohl aus Bublitz, Angestellter der Firma N. Israel in Berlin, erhielt das Eiserne Kreuz ziveiter Klasse. Diese Auszeichnung besitzen bereits zlvei Brüder von ihm. .- Wie aus Insterburg gemeldet wird, hat die Israelitische Kultusgemeinde in Augsburg an -den Vorsitzenden des Verbandes ostpreußischer Synagogengemeinden zehn Thorarolleri sonne sechzehn Thorainäntelchen als Geschenk gesandt, welche nach dem Ermessen des Vorsitzenden zum Besten der notleidenden oft- oder westpreußischen jüdischen Gemeinden verwendet werden sollen. Die Thorarollen sind vollkommen intakt. Ferner ist auch eine Pergamentrolle beigelegt, die schon viele Jahre in der alten Augsburger Syuagoge gelegen hat und die vielleicht in früheren Zeiten dazu benutzt ivorden ist. um unbrauchbar geivordene Schriften zu ersetzen. — Aus Landsberg (Oberschlesien) loird uns geschrieben: Am 18. Juni feierte der Privatier Herr Hermann B r i n i tz e r im Alter von 77 Jahren mit seiner um 10 Jahre jüngeren Ehefrau Laura geb. Matzdorff in seltener Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Von nah und fern loaren Angehörige, auch die im Felde stehenden Söhne und Schwiegersöhne mit den Töchtern. Schloiegertöchtern und Enkelkindern herbeigeeilt. um dem Jubelpaare die gebührende Achtung und Liebe zu erweisen. — Ans Gosthn loird geschrieben: Am 28. Juni verschied nach langem Leiden der Kaufmann Herr Leopold L e lv i n. Der Verblichene war, bis ihn vor einem Jahre das zunehmende Alter zlvang, leine Aemter uiederznlegen, Vorsteher unserer Korporation und unseres Kranken- und Beerdigungsvereins. lieber ein Menschenalter hindurch hat er diese immer in selbstloser Pflichterfüllung und Hingabe verivaltet und sich um unser Gemeindeloesen unvergängliche Verdienste erworben. - Dem Konsul und Reeder Arthur Kunstmann in Stettin ist das Preußische Verdienstkreuz für Kriegshilfe und die Preußische Note-Kreuz-Medaille dritter Klasse verliehen worden. - Die Israelitische kultusgemeinde in .Kronsheim (Mittelfranken) beging dieser Tage in einfach loürdiger Feier das Fest des 199jährigen Bestehens der Synagoge. Der jüdischen Volksschule in Rheine i. W. wurde seitens der Königlichen Regierung zu Münster ein prächtiges Bildnis Seiner Majestät des Kaisers - Adamsches R-eiterbildnis ..als Anerkennung für den Eifer, den die Schule bei der Goldsammlung und bei der KriegSanleihezeichuung au den Tag gelegt bat", überwiesen. Dem Lehrer Braunsbera in Verden, der •M Jahre der israelitischen Gemeinde als Seelsorger diente, wurde vom Landrabbiner Dr. Gronemann aus Hannover der vom Kaiser verliehene Adler .nun Hausorden der Hohenzollern mit den Glückwünschen der Regierung überreicht. Aus Kassel loird berichtet: ^as Verdienstkreuz für Krieashilfe ist hier verliehen worden den Herren Kommerzienräten Blaut, R o s e u z lv e i g und G o t t - schalk, dem Fabrikanten Martin Bau mann und dem Direktor lernst Rüben soll n. Ferner erhielt Herr Kommerzienrat Gustav B laut die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse. Dem Beamtenstellvertreter G u st a v S t ö s s e l bei der stellvertretenden Intendantur XTTT. (K. W.) A.-K.. Justizreferendar, Sohn des Bezirks- Rabbiners Dr. Stöisel in Stuttgart, wurde das Wilhelmsk r e u z mit S ch w e r t e r n verliehen. Bor 49 Jabreu wurde in Wien der Zentralsriedhof, ein Friedhof für alle Konfessionen. mit besonderen Abteilungen für jede Konfession, eingewellit. Die Inden wurden in der indischen Abteilung beerdigt. Man hoffte, daß diese gemeinschaftliche Todesstätte den Frieden unter den Lebenden fördern loürde. Doch man täuschte sich. Gerade in dieser Zeit erhob sich der Antisemitismus. Jetzt hat die israelitische Gemeinde in Wien wieder ihren eigenen jüdischen Friedhof, der vor kurzem feierlich eingeweiht wurde, wobei Oberrabbiner Dr. G ü d e - nt o n n eine gedankenreiche Rede hielt. -- Kaiser K a r l hat dem vor dem Feinde gefallenen Oberleutnant d. R. Tr. Siegnnmd Bloch, J.-R., für tapferes und erfolgreiches Verhalten vor dem Feinde den Orden der Eisernen Krone mit der Kriegsdekoration und Schwertern verliehen. - Aus Budapest wird geschrieben. Professor Ignatz G o l d z i e h e r , der berühmte jüdische Orientalist, wurde zum Dekan der philosophischen Fakultät gewählt. — Der Jüdische Patronage-Verein hielt unter Vorsitz von Hofrat Franz Szekely seine Ansschußsitzung am 11. Juni ab. Im letzten Jahre wurden weitere 680 Kinder in Schutz genommen. Mit diesen ist die Zahl der vom Verein versorgten Kleinen auf über 3000 gestiegen. 325 Kriegswaisen wurden vom Verein unterstützt. Der Kaiser hat dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Emanuel Dresdner in Lemberg den Titel und Charakter eines Hofrates verliehen. Der wegen seiner Tüchtigkeit und vornehmen Charaktereigenschaften geschätzte Richter hat die Zeit der russischen Invasion in Lemberg mitgemacht und sich damals als Mitglied des jüdischen Rettungskomitees verdienstvoll betätigt. — Wie die griechische Zeitung „Patris" mitteilt, wird aus Initiative des Großrabbiners und mehrerer führenden Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Saloniki in Bälde dort ein jüdischer Kongreß stattfinden, um die Forderungen des Judentums im Weltkrieg zu proklamieren. Der Kongreß soll seine Forderungen unmittelbar der Friedenskonferenz überreichen. Der Großrnbbiner ist von Venizetos empfangen worden, der ihm vollste Unterstützung zugesagt hat. Ein Komitee ist bereits mit der Vorbereitung des Kongresses beauftragt worden. Die Leiter der jüdischen „Conjoint Commitees" (Vereinigten Komitees in London) — Vertreter durch Sir Claude Montefiore und Mr. Alexander - haben angesichts der zionistischen Bestrebungen zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina in den „Times" eine Erklärung publiziert, daß das Jndentnm kein Volk bildet, sondern eine Religionsgenossenschaft, und daß sie zwar Anhänger der Kolonisation Palästinas sind, aber alle nationaljüdischen Bestrebungen ablehnen. Daraufhin haben sowohl Lord Roth s ch i l d als auch der Chief-Rabbi Dr. H e r z und der Chacham Dr. G a st e r den „Times" Proteste ziigesandt. in welchen das Recht jenes Komitees bestritten wird, im Namen der englischen Judenheit zu sprechen. Ueberdies haben mehrere Protestversammlnngen stattgefnnden. - Ans Petersburg wird gemeldet, daß der Herausgeber der „Jüdischen Enzyklopädie" und Mitinhaber des Verlages Brockhaus-Efron, I. A. Efron, verschieden ist. — Wie ans dem Jahresberichte des „Heims für alte Leute", das eine der größten Anstalten der Wilnaer Jüdischen Gemeinde ist, hervorgeht, befinden sich zurzeit im Heim ungefähr 400 alte Leute, die dort gepflegt werden. Im letzten Jahre hat diese Anstalt 74 987,73 Rubel Einnahmen und 74 967,52 Rubel Ausgaben gehabt. Um diese schwierige materielle Lage, in der sie sich befindet, zu verbessern, null die Anstalt jetzt bei Privatpersonen Darlehen aufnehmen. Für diese ist genügende Sicherheit vorhanden, da sich in ihrem Besitz mehr als 30 000 Rubel in Wertpapieren und über 500 000 Rubel in Grundstücken befinden. — Aus Lodz wird uns geschrieben: In der „Talmnd-Thvra" fand dieser Tage eine Schulfeier statt, zu der die Ettern der Zöglinge dieser Lehranstalt zahlreich erschienen waren. Die Schüler trugen Gedichte vor und sangen einige Lieder, worauf ein Schauturnen stattfand. Dem Bericht über das Schuljahr 1916/17 entnehmen wir, daß die Lehranstalt von 843 Schülern besucht wurde, die in 16 Klassen verteilt waren. Die Volksschule absolvierten 22 Schüler, die Handwerkerabteilungen (eine mechanische und eine elektromechanische) 11 Schüler. — Der Ratsherr S. H o f f m a n n hat einen Waggon alter Kleider, die von der jüdischen Bevölkerung in der Schweiz gesammelt wurden, erhalten. Dit Kleider werden demnächst unter der christlichen und jüdischen Bevölkerung zur Verteilung gelangen. — Ans Grund des § 63 der Verordnung für die Organisation der jüdischen Religionsgesellschaften in Polen vom 1. November 1916 sind nun im Warschauer Amtsblatte die Ausführnngsbestimmungen für die Gemeindeloahlen erschienen. Die Wahlen werden demnächst stattfinden. — Oscar S. Strauß und Henry M o r g e n t h a n, beide ehemalige Gesandte der Vereinigten Staaten in Konstantinopel, zählen zu den Delegierten bei der offiziellen Kommisson des amerikanischen Volkes zur Begrüßung der neuen russischen Negierung. — Auf Anregung des bekannten Schriftstellers Hermann Bernstein in New Pork hat sich ein Komitee gebildet, an dessen Spitze der bekannte Philanthrop Jakob H. Schiff steht, zu dem Zwecke, einen Fonds zu sammeln, um dem freien russischen Volke eine Abbildung des bekannten amerikanischen „Standbildes der Freiheit" zu schenken. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Flvrastrake 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: i. V. Hans Schröder. Berlin 0. Druck und V rlag von Rudolf Mosse.