Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWVWMMMMMWWWMWWMWWWMMWWFWWWWDWWMW Grstrrrr'lch-Nnggrn. z. Budapest, 22. Juni. Tie interessanteste Erscheinung im neuen ungarischen Kabinett ist der neue Justizminister Dr. Wilhelm B a z s o n y i. Führer der Demokratischen Partei, einer der populärsten Männer, ein glänzender Redner und Verteidiger in Budapest, das doch an Advokaten und Rednern keinen Mangel hat. Besonders berühmt wurde er durch einen großen sozialistischen Prozeß und durch den Berleumdungsprozeß, den der damalige Ministerpräsident Lucacs im Jahre 1913 gegen den früheren Staatssekretär Test) angestrengt, aber infolge der hervorragenden Verteidigung seines Gegners verloren hatte. Baszonyi ist der erste Fude, der in der Monarchie jemals Minister wurde. Getaufte Juden (wie Glaser u. a.) hat es in Oesterreich-Ungarn schon gegeben, aber keinen bekenntnistreuen jüdischen Minister. Es ist bezeichnend für den Geist, der jetzt in Ungarn weht, daß dagegen die antisemitisch gefärbte Katholische Volkspartei keinen Widerspruch erhoben hat. Bismarck hat einmal gesagt, ihm wäre ein Jude als Justizminister er zielte auf Laster — am liebsten, der würde weder für die Protestanten noch für die Katholiken besondere Boreingenommenheit mitbringen. - Uebrigens zeigt sich der neue Geist auch in Oesterreich in der Landeshauptstadt Wien. Tort hatte der Bürgermeister Tr. Weiskirchner der Opposition versprochen, eine Vertretung im Stadtrat zu gewähren, um den Vorwurf vorn „kontrollosen Stadtrat" zu entkräften. Bisher aber scheiterte die Erfüllung des Versprechens an der Bedingung, welche die „christlich-soziale" Mehrheit stellte-, es dürfte kein Jude gewählt werden. Jetzt wurde der jüdische Gemeinderat Dr. Oskar Hein zum Wiener Stadtrat gewählt. Ter Bann ist gebrochen. Ein neuer Geist weht in Oesterreich-Ungarn. Das zeigte sich auch bei den neuen Berufungen ins Herrenhaus, dem nun sieben jüdische Herren angehören. Dem einen der neuen Herren versagte zwar die „Bersassuugspartei" die Aufnahme. Moritz Benedikt, der Herausgeber der ..Neuen Freien Presse", hat sieh wohl darüber bereits getröstet. Es war ein feiner Zug des jungen Kaisers Karl, daß er diesen Mann in estier besonderen Vhtbiona im Luxemburger Schloßpark empfing. Man weiß am Wiener Hofe den Wert des Juden und des Vertreters der Presse^ sehr wohl zu schätzen. ist. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhielten: Stadtrat Hermann Elkeles in Posen und Kaufmann Max L ew in in Mogilno, Bezirk Bromberg. Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe wurde dem Stadtrat Herrn. Salomonsohn in Hohensalza verliehen. - - Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die Jüdische Bibliothek und Lesehalle im Erdgeschoß des Hauses Bieberstraße 4 verlieh iu den ersten fünf Monaten dieses Jahres bei einem Besuch von 634 Personen 276 Bände. Das Institut ist zuv unentgeltlichen Benutzung geöffnet am Montag, Dienstag, Mittwoch lind Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends; am Sonnabend und Sonntag von 12 bis bzw. 2 Uhr. — Herrn Dr. M. Spanierin Magdeburg ist anläßlich seiner Pensionierung der Hohenzollernsche Hausorden verliehen worden. — Die Gemeinde Gera hat ihrem Lehrer eine dauernde Gehaltszulage von 1200 Mark gewährt; angesichts der völlig veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse, die aus Jahre hinaus wohl kaum eine wesentliche Veränderung erleiden werden, ist ein solches Vorgehen einer Gemeinde, die keineswegs zu den Großgemeinden zählt, mit Freuden zu begrüßen. — Justizrat Ludwig Bauer und Distrittsrabbiner Dr. Richard G r ü n f e l d in Augsburg erhielten den Michaelsorden vierter Klasse mit der Krone. — Herrn R abbin er Tr. Holzer ist in Anerkennung seiner Verdienste als Militärseelsorger des Kreises und der Garnison Wo rin s das Kriegsehreuzeichen verliehen worden. - Aus Wien wird berichtet: Ter Kaiser hat dem gegenwärtig bei eurem Festungskommando eingeteilteu Feldrabbiner Tr. Gustav Sicher in Anerkennung vorzüglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. --- Ein ungenannt fein wollender Wohltäter hat der Ehewra-K-adifcha in Wien für ihr in Baden, BraiLnerstraße 23, befindliches Erholungsheim einen Betrag von 10 000 Kronen als Beitrag für eine Erweiterung dieses Heimes gewidmet. —Aus Aussig wird gemeldet: Anläßlich seines 60. Geburtstages widmete Herr I. Petschek zwei Millionen Kronen für Kriegs- und Kinderfürsorge und Wohltätigkeitszwecke. - - Anläßlich des feierlichen Einzuges des Kardinals Fürsterzbischos Freiherrn v. Skrbensky in Bisenz wurden als erste Deputation im Psarrh-ause Abordnungen der hiesigen Israelitischen KulLus- und der Israelitisch-polnischen Gemeinde mit Herrn Vorsteher I. H. H e rbatschek und Herrn Bürgermeisterstellvertreier Leopold Herbatschek an der Spitze empfangen. Begrüßungsansprachen hielten Herr Bezirksrabbiner Dr. Josef Hoff und Herr Leopold Herbatschek, aus die Se. Eminenz der Kardinal inst herzlichen Worten huldreichen Dankes erwiderte. — Tie Budapester große Ehewra-Kadischa verausgabte an letzten Bereinsjahr 1 860 265 Kronen. An Kriegsunterstützungen allein für Witwen und Weisen verteilte der Vorstand 271315 Kronen. — Wie die „Pol. Rundschau" aus Rotterdam schreibt, meldet die m London erscheinende „Jewish Ehronicle", daß der P a p st kürzlich das Mitglied des zionistischen Erekutivausschusses Nahum So ko low in einerbesonderen dreiviertelstündigen Audienz empfangen habe. Er hörte mit großer Aufmerksamkeit Sokolows Bericht an und bemerkte, das; es ihm sehr willkommen sei, von einem führenden Zionisten Aufschlüsse über die Bewegung zu erhalten, welche die Berichte des Kardinals Gaspari über denselben Gegenstand -ergänzen. Der Papst erklärte: Vom Standpunkte der von ihm zu wahrenden religiösen Interessen sei gegen den Zionismus nichts einzuwenden; feine Sorge gelte nur den heiligen Stätten, die jedoch, wie er erwarte, durch eine besondere Abmachung in entsprechender Weise geschützt werden würden. Sotolow gab die Versicherung, daß die Juden das Eigentum der Christen ebenso achten würden wie ihre Gefühle. Der Papst erwiderte, daß er diese Erklärung mit dem größten Vertrauen entgegennehme, und mit den Worten: „Wir werden gute Nachbarn sein" brachte er die Audienz zum Abschluß. — Die Universität von Cambridge verweigerte die Annahme eines Legates im Betrage von 25 000 Francs, das Mrs. Louise Logie von Cambridge zwecks Stiftung eines Preises oder eines Stipendiums der genannten Universität unter der Bedingung vermachte, daß Juden vom Genüsse dieses Stipendiums ausgeschlossen sein solleip Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: i. V. Hans Schröder, Berlin 0. Druck und Verlag von Rudolf Mosse Von Nah und Fern. — Tie Jüdische Lesehalle und Bibliothek, Orauienburger.straße 58, ist in den Sommermonaten Juli und August wochentags von 10 bis 2, Sonnabend und Sonntag von 11 bis 2 Uhr geöffnet. Die Arbeit der S a m m e l v o r m u n d s ch a f t der Jüdischen Gemeinde zu Berlin soll dllrch die Anstellung einer besoldeten Pflegerin einen Ausbau erfahren. Zurzeit wird die Pflegetätigkeit von elf Tamen ausgeübt, die sich ehrenamtlich zur Verfügung gestellt haben. Diese Ehrenbeamtinnen sind zum Teil überlastet. Das Amt soll darum einer pflegerisch vorgebildeten Dame anvertraut werden, der sich damit ein sehr segensreicher Wirkungskreis erschließt. -- Der Vizepräsident des Aeltest-enkollegiums, Stadtrat a. D. Stadtältester Dr. Mar Weigert, hat das Verdienstkreuz fiir Kriegshilfe erhalten. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Felix F r a n k f u r t e r , Professor Tr. Max A p t, Stadtrat a. D. Leopold Gimkiewicz, Direktor Rudolf Bergmann, Martin Michalski in Firma Siegmund Michalski, Stadtverordneter Ludwig Ruß. — Feldzahnarzt Albert Schrägenheim wurde mit dem Bulgarischen Militürverdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. —- Dem Privatdozenten sür reine Mathematik an der Berliner Technischen Hochschule, Dr. Phil., Tr.-Ing. Leon Lichten stein, ist der Titel Professor verliehen worden. Dr. Lichtenstein ist 1878 in Warschau geboren. — Aus Posen lvird uns geschrieben: Der Gesellschaft für Kanfmannserhotuugsheime (Ferienheime für Handel und Industrie) ist von dem verstorbenen früheren Präsidenten der Handelskammer Herrn Geheimen Kommerzienrat Herz (Posen) ein Vermächtnis von I 0 <) 0 0 M a r k ausgesetzt worden. Tie Gesellschaft hat ferner von der Firma L e s s e r in Posen eine weitere Zuwendung von 5 000 Mark erhalten. ~~ Tie Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klasse erhielt Kommerzienrat Naphtali Hamburger. Direktor der Ostbank für Handel und Gewerbe in Posen, der seit vielen Jahren Schatzmeister des Va-terländischen Frauenvere-inH für die Provinz Posen